Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 23, Nummer 22 › Seite 172
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1867, Seite 172
Scan: Internet Archive item DerLutheraner23.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 8 · Synoden
offentlichen Druckschriften frank und frei Be⸗
Und doch
hauptetes so rund abzuleugnen.
müssen wir es nun glauben, denn die Ableug⸗
nung liegt schwarz auf weiß in den neuesten
Nummern ihres Synodalblattes vor uns! Man
bedenke, sie leugnen das Bleiben des Antichrists
bis zur Wiederkunft Christi am Ende der Welt;
sie lehren eine sichtbare Zwischen-Wiederkunft
Christi vor seiner sichtbaren Wiederknuft am
jüngsten Tage; sie leugnen die Auferstehung
aller Todten erst am jüngsten Tage (vergl.
Apologie Art 17.), indem sie eine leibliche
Auferstehung aller Märtyrer schon mehr als
1000 Jahre zuvor lehren; sie lehren eine
Regierung des sichtbar vom Himmel gekom—
menen Christus mit den Auferstandenen auf
Erden; sie lehren die Aufrichtung eines neuen
nur tausendjährigen Reiches Christi; sie lehren
ein nur viertehalbjähriges Regieren des Anti⸗
christs, der nicht die Reihenfolge der Päbste,
sondern eine Einzelperson sein soll, und da
nach Hinwegräumung desselben das s. g.
tausendjährige Reich beginnen und kurz nach
demselben das Ende der Welt erfolgen und
Christus dann noch einmal sichtbar wiederkom—
men solle, lehren sie zugleich, daß die Christen
nicht nur die Zeit des Eintretens ihres tansend⸗
jährigen Reichs, sondern auch mit demselben
zugleich die Zeit des jüngsten Tages schon 1000
Jahr vorher genau voraus wissen werden; sie
lehren eine ihrem tausendjährigen Traumreiche
vorausgehende Hinwegräumung aller Mächte,
die dem Reiche bis dahin widerstanden haben;
sie lehren, das von ihnen erdichtete zu erwar-
tende neue nur tausend Jahre dauerude, also
zeitliche Reich Christi werde in einer tausend—
jährigen Siegesfeier über alle antichristischen
Welt mächte bestehen*), sie lehren, daß dies
alles zum Rathe Gottes gehoͤre, daß es daher
zu seiner Zeit den Gemeinden gepredigt werden
müsse, weil man sonst nur denhalben Rath
Gottes denselben verkündigen würde — und
doch behauptet Herr Prof. Fritschel, daß von
ihnen, den Jowaern, „keinerlei widersymbo—
lische Lehre geführt, sondern nur das
wiederholtund gesagt“ werde, „was
die Bekenntnisse vom Reiche Christi
gesagt haben“, daß sie „von dem, was die
Augsb. Conf. von der Gestalt des Reiches
Christi lehrt und sagt, nich urs weggethan
und ebensowenig etwas hinzuge⸗
setzt haben“, an ihnen sei von uns „Ver—
dammung der bloßen Zukünftig⸗
keit des 1000jährigen Reiches“
vollzogen worden. Wir gestehen, eine solche
Keckheit, ja, Frechheit, das öffentlich abzuleug—
nen, was man öffentlich in alle Welt hinaus
geschrieben hat in durch den Druck veröffent⸗
lichten, noch in Freundes- und Feindes-Hand
befindlichen Documenten, ist uns noch nicht
vorgekommen. 1)
*) Daher denn auch die Herrn Jowatr zwar noch „Leiden“
während ihres tausendjährigen Reiches zugestehen, aber wohl⸗
weislich von noch stattfindenden „Verfolgungen“ der Christen
wider 2 Tim. 3, 12. schweigen.
1) Es ist wahr, zuweilen haben sich unsere Gegner so über
das Reich Christi auch in der Zukunft ausgesprochen, daß
man meinen möchte, sie könnien keine groben Chiliasten
sein, aber andere daneben vorkommende Erklärungen derselben
172
Wer würde sich mehr freuen, als wir, wenn
die Jowaer endlich dahin gekommen wären,
daß sie nichts weiter sich nicht verketzern lassen
wollten, als die Annahme, die 1000 Jahre
der Offenbarung Cap. 20. dürften noch in der
Zukunft liegen? Aber wie können wir uns
über eine dahin lautende Erklärung freuen,
wenn unsere Gegner nicht zugleich ehrlich alles
das widerrufen, sondern keck ableugneu, was sie
dieser Erklärung schnurstracks Widersprechendes
früher öffentlich behauptet haben? Soll das
früher von ihnen Aufgestellte neben der neuen
Erklärung stehen bleiben, wer kann dann glan—
ben, daß ihre Worte zu nehmen sind, wie sie
lauten? Wer muß dann nicht fürchten, daß sie
mit der neuen Erklärung sich nur aus augen—
blicklichen Nöthen helfen, zu ihrem Eintritt in
die neue Generalsynode das Zengniß, recht—
gläubig lutherisch zu sein, gewinnen und seiner
Zeit sich darauf berufen wollen, daß sie ihre
früheren (grob chiliastischen) Anschauungen
keinesweges aufgegeben haben, sondern darauf
bestehen müssen? Nein, ihr Herren von der
Jowa-Shynode, sprecht in Rücksicht auf eure
früheren eraß chiliastischen Kundgebungen, wie
Lurher von den Zwinglianern begehrte: „Lie—
ben Freunde, Gott hat uus fallen lassen, wir
haben geirret und falsche Lehre geführet, lasset
uns nunmehr klüger werden, vorsehen und recht
lehren“, — so ist unser Kampf gegen euch als
gefährliche Feinde der lutherischen Kirche und
des Kleinods ihrer goldreinen Lehre zu Ende.
Mögt ihr dann immerhin euch noch mit der
Hoffnung tragen, die tausend Jahre der Offen—
barung dürften noch in der Zukunft liegen, das
würde uns nicht trennen. Was hegen nicht
manche, auch rechtschaffene, Christen für wun⸗
derliche Hoffnungen; so lange sie aber damit
nicht Artikel desschristlichen Glaubens ableug—
nen oder versehren und schwächen, so lange
kann man sie auch wohl mit ihren wunderlichen
Hoffnungen dulden und sie nur als Brüder
davon zu heilen suchen. So könnten auch wir
wohl eure tausendjährigen Hoffnungen an euch
tragen, ihr Herrn von der Jowa-Synode, wenn
ihr nur ohne alle Zweideutigkeit euch von den
grob chiliastischen Träumereien lossagtet, die
ihr früher als Aufschlüsse des heiligen prophe—
tischen Wortes und als einen Beleg der Fort—
schritts-Theologie, deren ihr euch rühmt, der
Christenheit vorgelegt habt. Und wenn ihr
hofftet, daß Prof. Fritschel noch zum Professor
der Logik in Deutschland werde berufen werden,
wir könnten es tragen; indem wir dabei an
den berühmten Schluß denken würden, den er
in Absicht auf die Lehre der Apologie und der
Schmalkaldischen Artikel vom Antichrist so er—
finderisch gemacht hat.
Doch, Scherz bei Seite. Ehe wir unsere
zerstören diese günstige Annahme wieder. Herr Prof. Fritschel
scheint selbst gefühlt zu haben, daß die sich so widersprechenden
Erklärungen seiner Synode den Eindruck machen dürften, daß
die einen richtigen Erklärungen durch andere unrichtige wieder
aufgehoben werden. Er schreibt daher von seinen Synodal⸗
genossen: „Und diese Zustimmung zu den verwerfenden
Gegensätzen des 17. Artikels haben sit nicht etwa durch
aufgestellte Sätze über den Charakter und die Art des s. g.
tausendjährigen Reiches in irgend einer Weise wieder ent⸗
kräftet oder illusorisch und zweifelhaft gemacht.“ Das ist aber,
wie wir gesehen haben, allerdings nur zu offenbar geschehen.
Erinnerungen über diesen Punet schliehen,
müssen wir Herrn Prof. F. noch eine Frage
vorlegen. Bei dem Versuch, zu beweisen,
daß Sie mit Ihrer Synode nicht wider den
„historischen“ Sinn des 17. Artikels der Augsb.
Confession lehren, führen Sie denselben an und
schreiben: „Die betreffende Stelle des 17.
Artikels lautet: Item, hie werden verworfen
etliche jüdische Lehre, die sich jetzund eräugen,
daß vor der Anferstehung der Todten eitel
beilige, fromme ein weltlich Reich haben und
alle gottlosen vertilgen werden.“ Ich frage
Sie, warum haben Sie diesen Symboltext ver—
stummelt? Warum haben Sie das hier so
wichtige Wörtlein „auch“ weggelassen? War—
um haben Sie nicht eitirt, wie der von Ihnen
angeführte deutsche Text in dem Concordienbuch
lautet: „Die sich ausch jetzund eräugen“?
Wollten Sie etwa durch Auslassung des Wört⸗
leins „ausch“ in den Lesern den Gedanken
erzengen, als ob im 17. Artikel, wie die Chi—
liasten gewöhnlich sagen, nur der bestialische
Münsterische Chiliasmus verworfen und ver—
dammt werde? Verdächtig im hohen Grade ist
Ihre Auslassung allerdings, da Sie den Text
sonst diplomatisch genan bis auf die Ortho—
graphie wiedergeben. Doch wollen wir die
Sache Ihrem Gewissen anheim stellen, konnten
dieselbe jedoch nicht mit Stillschweigen über—
gehen, da gerade das ansgelassene Wörtlein
und der Zusatz im lateinischen Text „et alios“
(und andere) unwidersprechlich zeigt, daß im
17. Artikel eben nicht nur der Chiliasmus der
Reformations-Zeit, sondern auch dieser, und
daher mit demselben der Chiliasmus aller
Zeiten, sowohl der früheren, als der noch kom—
menden, verworfen und verdammt werde.“)
Wie völlig wider alle Wahrheit Herr Prof.
Fritschel nun ferner unsere Synode beschuldigt,
daß dieselbe das, was man zuweilen einen sub⸗
tilen Chiliasmus nennt und was unsere Kirche
zwar immer verworfen, aber nicht als eine
Ketzerei verdammt hat, verketzert und Pastor
Schieferdecker „einzig um des willen ausge—
schlossen habe, weil derselbe erklärt habe, die
tausend Jahre kömen schwerlich schon erfüllt
sein“ — dies nachzuweisen, behalten wir uns
für die nächste Nummer vor.
(Borisetzung folgt.)
(Eingesandt.)
Nicht aus irgend einer persönlichen Rücksicht
und eben so wenig aus einem Mißbehagen
über die Veränderung des Ortes meiner Wirk⸗
samkeit, sondern einzig und allein, weil ich
dazu aufgefordert worden, theile ich, der Unter⸗
zeichnete, im Nachfolgenden Einiges mit über
meinen Weggang oder vielmehr Ver⸗
treibung von Stringtown, Mo.
Es war am 1. Januar 1865, als nach be⸗
endigtem Gottesdienste eine Gemeindeversamm—
*) Uebrigens ist es lächerlich, zu behaupten, daß im 17.
Artikel der Augsb. Confession allein oder auch nur zunächst
der Münsterische gemeint sei, da bekanntlich die Augsb.
Confession im Jahre 1530 geschrieben und dem Kaiser über⸗
geben worden ist, während erst drei Jahre später der Schneider
Bockhold sein türkisch⸗kannibalisches tausendjähriges Reich in
Münster in Seene setzte.
PII —9—9—9—9—9—9—9——J————X—ß7 —ß7 —
English translation
Not yet translated.