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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Oktober 1868, Seite 25

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Papſttum 140

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Vl ich sahe einen Engel
fliegen mitten durch den Him⸗
mel, der hatte ein ewig Evan⸗
gelium, zu verkündigen denen,
die auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sprachen, und

Völkern,
Ossenb. Joh. 14, 6.

Tlrd sprach mit großer Stim⸗
me: Fürchtet Goit, und gebet
ihm die Ehre; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
betet an den, der gemacht hat
Himmel und Erde, und Meer,
und die Wasserbrunnen.
Offenb. Joh. 14, 7.

Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Zeitweilig redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.

Jahrgang 25.

St. Louis, Mo., den 15. October

1868.

No. 4.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle Monat zweimal für den jahrlichen Subseriptions⸗
preis von einem Dollar und fünfzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben voraus bezahlen
und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für zehn Ceuts verkaust.

—m—ä— —

Nur die Briese, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an die.Redaktion, alle andern aber,
welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: M. C. Barthel,
631 South Fourth Str., St. Louis, Mo., anherzusenden.

Dresden.

—

In Deutschland ist dieses Blatt zu beziehen durch TJustus NMaumann's Buchhandlung in Leipzig und

—

(eingesandt von Past. St.)
Moderne römische Polemik wider die
Intherische Kirche.

(Fortsetzung und Schluß)

Sagt Dr. W. weiter, das Pabstthum habe
auch wider die Häresie Stand gehalten, so muß
man antworten: Umgekehrt wird ein Schuh
daraus, der demselben paßt, denn der heil.
Geist nennt es Offb. 17, 5.: „die großt
Babylon, die Mutter der Hurerei und aller
Greuel auf Erden“. Haben unirte und syn—
kretistische Theologen die Zerrissenheit des
Protestantismus damit beschönigen wollen,
daß sie ganz poetisch gesagt haben, wie das
Sonnenlicht durch Strahlenbrechung in den
verschiedenen Farben des Regenbogens sich ab⸗
spiegele, also spiegele auch das Licht der gött—
lichen Wahrheit in den Bekenntnissen der ver—
schiedensten Secten sich ab; jede habe ein
Stück der Wahrheit sonderlich entwickelt, und
nicht eine für sich allein, sondern nur alle zu—
Rammengenommen haben die volle Wahrheit
anz: so kann man dagegen vom Pabstthum, dem
uchtbaren Brutneste aller Ketzereien, sagen, daß
ůts für sich allein ein Prisma sei, an welchem der
helle Strahl der einen seligmachenden Wahr—
heit dermaßen gebrochen wird, daß alle mög—
lichen Schattirungen der Häresie sich darin,
wie in ihrem Mittelpunkte vereinigt haben
und nachweisen lassen. (Offb. 16, 13. 14.)
Die Weissagung von den unreinen Geistern,
welche wie Frösche aus dem Munde des fal—

schen Propheten hervorgehen, scheint nicht übel
zu passen auf die antilutherische Pamphlet⸗
Litteratur des Dr. W., darin er ein so großes
und unablässiges, in allen Tonarten erschallen—
des, Geschrei erhebt, den ganzen Weltkreis zu
versammeln in den Streit. Hat er in seinem
„Schlußworte“ zuvor dem Lutherthum deutlich
genug selbst seine Berechtigung zur Existenz
abgesprochen und die unsichtbare Gemeinde der
Heiligen als ein bloßes Hirngespinnst bei
Seite gespöttelt: was hindert ihn da noch dar—
an, den Wechselbalg derselben, nämlich die
Pabstkirche, in dem gestohlenen Schmuck jener,
dem Leser schließlich zur freien Buhlschaft noch
vorzustellen, als wollte er sagen: „Seht, welch
ein Weib!“ Haben von Phokas' Zeiten an,
bis auf Napoleon III. und Wilhelm I., Kaiser
und Könige mit ihm gebuhlt, Offb. 17, 2.,
18, 3., warum sollte es nicht auch heute noch
Zulauf haben von allerlei Volk? Die Baby—
lonische Hure versteht es bei ihren Runzeln
und Brandmaalen, sich noch heute, trotz einer
Isebel (2 Kön. 9, 30.) recht verführerisch zu
schmücken, und Leute, die Schein und Wesen
nicht zu unterscheiden wissen, sind leicht ver⸗
führt. Der Reformationssturm hat nicht nur
den providentiellen Zweck, „die kirchliche
Atmosphäre von schädlichen Dünsten“, son⸗
dern auch den Weizen von der Spreu zu rei
nigen, deren Haufen im Pabstthum und bei
den Atheisten zusehends wächst, und das kleine

ö

Häuflein Weizen zu beiden Seiten wie Berge
überragt. Ja das Pabstthum, wir können es

nicht leugnen, feiert noch heute Triumphe, aber
sie sind negativer Art, weil, wie in Pharao's
Traume, die sieben mageren Aehren des Papis⸗
mus die sieben fetten Aehren des Katholieis-—
mus bereits fast ganz aufgefressen haben, und
magerer dabei geworden sind als zuvor. Was
Wunder, daß es den armen Papisten in ihrer
geistlichen Hungersnoth nicht besser ergeht,
wie den Egyptern in ihrer irdischen Theurung,
und ihnen nichts anders übrig bleibt, als sich
mit Leib und Seele an ihren römischen Pha—
rao zu verkaufen. Ein geringeres Ziel hat
sich das Pabstthum auch nicht gesteckt. Dieses
Ziel zu erreichen, soll dem Pantheon aller
päbstlichen Ketzereien endlich nächsten Winter
noch die schon lange in der Mache gewesene
Krone aufgesetzt werden durch feierliche Pro—
clamation des Dogmas von der Unfehlbarkeit
des Pabstes. Wir sagen nicht zu viel, wenn
wir behaupten, das Pabstthum habe je und je,
bis in die Gegenwart herein, die Laien in
seinem Bereiche als seine leibeigenen Knechte
angeschen und in diesem Sinne gelegentlich
auch über sie verfügt. So fordert z. B.
Pius IX. jetzt von den Bischöfen der Ver—
einigten Staaten Nord-Amerikas 1000 Frei⸗
willige, die für seine Residenz und Krone Blut
und Leben sollen aufs Spiel setzen. Was gilts,
sie werden sich zusammenfinden, nachdem schon
früher, ohne päbstliches Machtgebot, ganze
Schaaren Freiwilliger von Nord-Amerika
nach Rom geeilt sind, zumal wenn der Pabst
ihnen für ihren Dienst Generalablaß zufichert.

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