Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 25, Nummer 4 › Seite 28
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Oktober 1868, Seite 28
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Kanonen und schmetterten die Trompeten und
läuteten die Glocken und gabs Processionen mit
Kreuzen und Fahnen und war ganz Greenbay
auf den Beinen und Nachmittags fuhren der
Herr Stadtmayor und der Herr Stadtschatz⸗
meister mit dem Herrn Bischof und etlichen
seiner Priester in Carossen in der Stadt herum
und zeigten „seiner Gnaden“ deren Herrlich⸗
keiten. Einen solchen Freuden- und Glücks⸗
tag habe Greenbay, so hieß es in den Zeitun⸗
gen, die Zeit seines mehr denn hundertjährigen
Bestehens noch nicht gehabt. Es war nach
alledem zu erwarten, daß dem am 6. September
in Milwaukee geweihten Bischof, Michael
Heiß, in La Crosse am Michaelistage eine
Einem Milwaukier Blatt ist Folgendes ent—
nommen: „La Crosse Blätter melden den
Dienstag, 29. September, am Tage des heil.
Michael daselbst erfolgten feierlichen Einzug
und Inthronisation des neuen hochwürdigsten
Bischofs Michael Heiß. Am frühen Morgen
zogen die Mitglieder der Marienkirche und der
verschiedenen zu derselben gehörigen Vereine
von der Ecke der Main- und Sechsten Straße
mit Fahnen und Musik und unter Kanonen⸗
donner zum Bahnhofe, um den Oberhirten der
Diözese zu empfangen. Nachdem der hoch—
würdigste Bischof auf dem Frühzuge angelangt
war, wurde er vom Mayor Rodolph im Namen
der Stadt in den herzlichsten Worten begrüßt,
worauf er den vierspännigen Wagen bestieg,
der ihn zur Kirche führte“ u. s. w. Es sei
noch bemerkt, daß der Bischof in der Kirche die
Menge anredete und ihr für den „großartigen
und warmen Empfang“ dankte.
Wenn die ganze Geschichte rein kirchlich
wäre und die Localblätter sie wie jedes Stadt⸗
ereigniß oder den öffentlichen Aufzug irgend
einer Genossenschaft einfach berichteten, so
hätte man hier nichts über den Empfang
dieses oder jenes Bischofs zu sagen, sondern
nur von der selbstredenden Ver⸗
mehrung römischer Bisthümer
in diesem Lande. Es sei aber vor⸗
nehmlich Obiges notirt zum Protest gegen
die Unverschämtheit und Anmaßung, welche die
römische Clerisei allhier kund gibt, und gegen
die schändliche Gewissenlosigkeit und Feilheit
der weltlichen Behörden, mit welcher die in der
Constitution der Vereinigten Staaten feierlich
garantirte Gleichheit der Bekennt⸗
nisse vor dem Staate, die entschieden durch—
geführte heilsame Trennung von Kirche
und Staat und die damit verbundene un⸗
beschränkte Gewissensfreiheit so
schnöde hintangesetzt und verletzt wird. Oder
wo gewährt gerade der römischen Kirche
die Verfassung dieses Landes irgend welchen
Vorzug? Sie kennt keine Katholiken und keine
Protestanten; vor ihr sind die nach außen
glänzendst repräsentirten Kirchen, wie die
armseligsten Sectenhäuflein, der papistische
Würdenträger, wie der geringste lutherische
Buschpastor einander völlig gleich, nur daß der
letztere für seine Person meistentheils das
Bürgerrecht gesucht, der erstere aber wohl es
verschmäht hat. Soll es daher nach der auf
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von Kirche und Staat gehen, so haben die
weltlichen Behörden als solche mit dem
Empfang weder eines römischen Bischofs,
noch mit dem eines Pastors irgend welcher
Benennung etwas zu schaffen, wenn derselbe
lediglich seinen Aufzug in seiner Dibzese oder
Gemeinde hält. Wie weit ist es daher schon
gekommen, daß ein Stadtmayor es un⸗
gestraft und ungetadelt wagen darf, den ein⸗
ziehenden Bischof „im Namen der Stadt“
zu begrüßen und ihm deren bürgerliche Hul⸗
digung darzubringen — einer Stadt, deren
Einwohner doch zum Theil nicht der katho—
lischen Kirche angehören und die bis dato, und
war mit Recht, von keinem der Geistlichen
der Abri irchen durch ihre Beamten
irgendwelche Notiz nahm, wenn derselbe bei
seiner Gemeinde aufzog! Und was soll man
sagen, daß die Tagesblätter kein Wort der
Mißbilligung und des Tadels über eine so un⸗
statthafte Bevorzugung einer Kirche haben,
während sie doch sonst so oft über „Mucker⸗—
thum“ herziehen und in die Lärmtrompete
stoßen, wenn in einer lutherischen ꝛc. Gemeinde
einmal etwas geschieht, durch welches ihnen
die Gewissensfreiheit gefährdet zu sein dünkt!
Wäre freilich die römische Clerisei nicht aller—
wärts und allezeit so unverschämt und an⸗
maßend, ränge sie nicht hier zu Lande mit
allen Kräften nach der Herrschaft und nach der
Dienstbarmachung der weltlichen Macht, so
hätten jene beiden Bischöfe alle und jede
bürgerliche Demonstration bei ihrem Ein—
zug ablehnen müssen. Aber auf solche Herr⸗
schaft und Dienstbarmachung ists eben schon
längst angelegt, darum läßt man sich der⸗
gleichen Dinge so gerne gefallen und wer hin—
ter den Coulissen steht, könnte uns noch mehr
sagen. Da man es jedoch schon so weit ge—
bracht hat, so wird der noch übrige Rest des
puritanischen oder naturalistischen Abscheues
vor dem Pabstthum unter dem Volk dieses
Landes rascher und rascher schwinden. Dann
bedarf es etwa nur noch eines weltlichen Die—
tators und — wir haben eine Staatskirche und
diese Staatskirche wird die römisch-katholische
sein. Wehe dann euch, ihr Uebrigen! F. L.
Die Methodisten haben eine
„National-Campmeeting“ in der Nähe von
Reading gehalten, bei welcher Leute beinahe
aus allen Theilen der Vereinigten Staaten,
sogar von Süd-Carolina, zugegen gewesen
sind. Den Endzweck dieser Versammlung
gibt „der Christliche Botschofter“ folgender—
maßen an: „Wir hoffen durch dieses Mittel
ein zunehmendes Interesse an dem wichtigen
Gegenstand von der „„völligen Heili⸗
gung““ zu erregen und durch ernstliches Gebet
und gründliches Herzensuntersuchen die Leute
zu bewegen, nach den „„vorigen Wegen““ —
dem Weg, „„in welchem unsere Väter wan⸗
delten““, zu fragen.“ Welche verlogene Hei—
ligung diese methodistische „völlige Heiligung“
ist, sehen wir aus den Worten des Prof. Morf;
er sagt: „es gibt einige unrechte Neigungen der
Seele, wie Zorn, Stolz, Geiz und dergleichen,
die an sich selbst schon verkehrt sind; von allen
Grund der Constitution bestehenden Trennung diesen aber ist ein geheiligter Mensch in solcher
Weise befreit, daß er denselben nicht nur nicht
nachgibt, sondern dieselben weder in sich findet,
noch fühlt.“ Sollte man es für möglich halten,
das es unter den Methodisten solche stock-, staar⸗
blinde Pharisäer gebe?
In New Jersey schimpfte neulich ein
Vater seine Tochter, die eine Bekanntschaft
gegen den Willen der Eltern hatte und ihren
Sack schnürte und das elterliche Haus verließ.
Die beleidigte „Lady“ verklagte den Vater auf
55000 Schadenersatz wegen Beleidigung, und
der leibliche Vater wurde von der Jury ver⸗
urtheilt, der liederlichen Dirne 54000 auszu⸗
zahlen. Ist es nun noch zu verwundern, wenn
das gottlose Wesen wie eine Fluth üäber Ame⸗
rika hereinbricht und alle göttliche und mensch—
liche Ordnung auf den Kopf gestellt wird?
Auch Anstädt, der bekannte Peter in der
Fremde, beweis't, daß das tausendjährige Reich
noch nicht dagewesen sein könne, so auf seine
geistreiche und tiefe „amerikanisch- lutherische“
Art. Er sagt: „Wenn ich das Vater Unser
bete, so verbinde ich jedesmal mit der Bitte:
dein Reich komme, die Idee des tausendjährigen
Reichs. Wie können die Symbolisten beten:
„Dein Reich komme“, wenn sie glauben, daß
es schon vorüber gegangen ist?“ Aber, bester
Peter, du großes Licht, woher hast du die Er⸗
leuchtung, daß das „Reich“ im Vater Unser das
tausendjährige sei? Glaubst du, amerikanischer
Lutheraner, denn nun auch nicht einmal mehr,
was im kleinen lutherischen Katechismus steht,
daß das „Reich“ in der zweiten Bitte, das Reich
Gottes ist, in welchem schon Adam war, und
welches wahrhaftig und immerdar zu uns
kommt, „wenn der himmlische Vater uns seinen
heiligen Geist gibt, daß wir seinem heiligen
Wort durch seine Gnade gläuben, und göttlich
leben hier zeitlich und dort ewiglich“? Bist du
in diesem Reiche noch nicht, trotz aller deiner
Revivals, sondern hoffest nur erst noch darauf,
so steht es nicht gut mit dir. Ach, Peter,
solche „Ideen des tausendjährigen Reiches“
sind gefährlich, gib dich nicht damit ab! Z.
Achtes lutherisches Missionsfest in
Sheboygau County, Wisconsin.
Unsere benachbarten lutherischen Gemeinden
hielten ihr Missionsfest dieses Jahr versuchs⸗
weise zum ersten Male ganz in der Nähe der
Stadt Sheboygan, in einem das Haus eines
Gemeindegliedes umgebenden Gehölz. Man—
cherlei Hindernisse und Bedenken hatten uns
in früheren Jahren davon abgehalten. Aber
wegen der auf Ende August für Sheboygan
anberaumten Wisconsin-Pastoral-Conferenz
wurde beschlossen, zu gleicher Zeit auch das
Missionsfest zu feiern, nämlich am zwölften
Sonntage nach Trinitatis.
Weil es wegen der Festgäste von Plymouth
und Sheboygan Falls nicht nöthig und thun⸗
lich schien, Expreßzüge auf unserer Eisenbahn
zu veranlassen, so stand ein geringerer Besuch
des Missionsfestes, als in srüheren Jahren,
zu erwarten. Dazu drohte ein nach langer
Dürre sehnlichst erwarteter Regen, der auch
am Samostag eintrat, aber nur den tiefen
Staub ein wenig dämpfte, dem Feste noch be—
sonders hinderlich zu werden. Aber unsere
zuversichtliche Hoffnung auf schönes Wetter
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