Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 25, Nummer 4 › Seite 26
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Oktober 1868, Seite 26
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Wie verlautet, wollen mehrere Bischöfe dem
Pabst aber lieber Geld zusammenbringen, als
Leute, und das ohne Zweifel aus sehr wichtigen
Gründen. Das Ansehen und Interesse des
Pabstes einerseits und der Bischöfe anderer—
seits muß sich gegenseitig stützen. .. Rom und
das Pabstthum jenseit des Oceans ist für die
hiesigen Papisten mit einem herrlichen Glorien⸗
schein umgeben; die früheren Freiwilligen
aber, die sich die Heiligkeit Roms und des
Pabstthums in nächster Nähe angesehen haben,
sind zu Hunderten, mit Lebensgefahr durch
die Tiber schwimmend, desertirt.“) Solche
Deserteure sind von ihrem päbstlichen Fana⸗
tismus und ihrer Leibeigenschaft unterm Pabst⸗
thum für Zeitlebens geheilt, und für ihre
früheren Bischöfe in der Heimath verloren.
Darum lieber Gold und wieder Gold, als
Leute. Um die Stücke seligmachender Lehre,
welche das Pabstthum nach Gottes Vorsehung
noch dulden muß, wegen der noch jetzt in sei⸗
nem Bereiche lebenden Kinder Gottes, han⸗
delt es sich bei demselben natürlich nicht, son⸗
dern um weitere Befestigung und Ausbreitung
seiner Macht, seiner Abgöttereien und seines
Irrthums. Die Steine, welche das Pabst⸗
thum als Hierarchie seinen Kindern statt Brod
gibt, zu verdauen, dazu gehören Straußen—
magen. Das „Schlußwort“ des Dr. W. ist
ein Beweis dafür. Wer einen solchen Magen
bereits hat oder durch Jesuiten-Moral sich zu
verschaffen beflissen ist, der ist nicht ferne vom
Reiche des Antichristen. Den schreckt auch
nicht die Drohung, daß Christus, wenn er
wieder kommt zum Gericht, die Spreu ver⸗
brennen wird mit ewigem Feuer; der ist, wenn
es sonst irdischen Vortheil, Ehre und gute
Tage einbringt, allezeit parat, der Pabstkirche
an den Busen zu sinken. Bei solchen Siegen
des Pabstthums und andererseits auch des
Atheismus, dürften dem kleinen Häuflein der
treuen Bekenner und Zeugen IEsu noch so
schwere und so schreckliche Drangsale bevorstehen,
daß die Geduld und Glaube der Heiligen dazu
gehören wird, Treue zu beweisen bis in den
Tod. (Offb. 13, 7—10. 14, 12.)
Das Schlußcompliment an Past. L. und den
doppelten Anhang über Bibelverbot und Kelch—
raub übergehen wir billig ganz. Das bereits er—
wähnte Lob des Dr. W. auf's Pabstthum ist
jedoch zu charakteristisch, als daß wir es dem
lieben Leser vorenthalten könnten. Es heißt
darin nämlich weiter: „Wenn diese Ver⸗
heißungen je sich in glänzender, des Sohnes
Gottes würdiger Weise erprobt haben, so ist
dies an der katholischen Kirche geschehen, oder
gar nicht. Der Protestantismus hat eine Ge—
schichte von 300 Jahren; er hat die Ver⸗
heißungen des HErrn nicht gehört, ihm gelten
sie auch nicht. Ihm ist auch die Bibel nicht
gegeben, und darum ist sie auch in seiner Hand
die Quelle des Sectenwesens und aller erdenk⸗
*) In Zeitungen circulirt jetzt folgende Notiz: „In Rom
wurde ein junger Zuave aus Westphalen vom Kriegsgericht
zu sechsjähriger Galcerenstrafe verurtheilt, weil er nach
Hause geschrieben, Rom sei nicht, wie die päbstlichen Werber
es ihm vorgespiegelt, ein Paradies, sondern die leibhaftige
Hölle.“
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lichen Irrthümer und Thorheiten. Die Bi⸗
bel ist nur das Buch der Kirche; sie war da,
fehe ein geschriebenes Evangelium eristirte,
oder ein Brief der Apostel. Sie kennt diese
Schriften; unter ihren Augen sind sie entstan⸗
den; sie hat sie gesammelt, treu aufbewahrt
u. s. w. Sie allein bezeugt die göttliche Ein⸗
gebung der heil. Schrift, sie weiß allein, wie
die Schrift in Bezug auf Glaubens⸗ und Sit⸗
tenlehre zu verstehen ist; sie hat die Bibel
gerettet vor Verfälschungen und aus ihren
Händen hat der Protestantismus sie mit fort⸗
genommen (schlimm genug, daß das Pabstthum
sie sich hat fortnehmen lassen als ein bisher
ungenütztes Capital, dessen es unwerth gewor⸗
den war, und sie nun mit der Tradition und
der Unfehlbarkeit des Pabstes und der Con⸗
cilien zu ersetzen gesucht hat), um mittelst ihrer
Verzerrung die alte und neue Welt mit zahl⸗
losen Secten zu erfüllen und das ganze
Christenthum schrankenloser Willkür preiszu—
geben. Nur im Munde der Kirche ist die
Bibel eine Zunge, die recht redet; im Munde
der Häresie verstummt sie oder redet Verkehr⸗
tes. Das hat eine Geschichte von 300 Jah—
ren zur Genüge bewiesen. Zu dieser Kirche
werden sich die Getrennten einst wieder wenden,
sobald die providentielle Absicht, um deren
willen die Kirchenspaltung in der abendlän⸗
dischen Christenheit zugelassen wurde, wie ein
Sturm, um die Luft von schädlichen
Dünsten zu reinigen, erfüllt sein wird.
So gut die Juden nach der Prophetie am
Ende der Zeiten in die Kirche eingehen wer—
den, so gewiß wird seiner Zeit die Rückkehr
der Protestanten in die katholische Kirche er—
folgen.“
Da Dr. W. selbstverständlich unter „Kirche“
und „katholischer Kirche“ nichts anderes ver⸗
steht, als das römische Pabstthum, im Gegen—
satz zur unsichtbaren Gemeinde der Heiligen
und zum Protestantismus, so könnte man bei
der lächerlichen Naivität, mit welcher er sol⸗
chen Bombast in die Welt hineinzuschreiben
wagt, sich versucht fühlen, zu fragen: Ist der
Dr. W. verrückt, oder hält er die luth. Pastoren
für lauter Simpel, daß er sich einbildet, sie
könnten sich dadurch bezaubern lassen, „um die
unselige Spaltung endlich aufzuheben“, mit
ihren Gemeinden zur Pabstkirche zurückzukeh⸗
ren? Wir freuen uns mit Dr. Luther singen
zu können:
Gott Lob und Dank, der nicht zugab,
Daß ihr Schlund uns möcht fangen;
Wie ein Vogel des Stricks kommt ab,
Ist unsre Seel entgangen.
So lange aber „des HErren Name steht uns
bei“, gibt es keine Brücke, die uns ins Pabst⸗
thum wieder zurückführen könnte.
Ist, was Dr. W. in jener Lobrede auf's
Pabstthum sagt, nach einem mehr als 25jäh⸗
rigen Kampfe wider das Lutherthum, darin er
ausgezeichnete Theologen unserer Kirche zu
seinen Gegnern hatte, noch heute seine auf—
richtige Ueberzeugung, so bedauern wir von
Herzen seine gefährliche Verblendung. Wir
lasen von einem Mondsüchtigen, der Mitter⸗
nachts schlafend aufstand, seine Gallakleider
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anlegte, den Tisch deckte und dann mit aller
Behaglichkeit und mit einer Sinnentäuschung,
als habe er die köstlichsten Gerichte vor sich,
— — die Hundeschüssel ausleerte. Wir mei—
nen, die Selbsttäuschung des Dr. W. ist dann
eine größere, als die jenes Nachtwandlers, so
daß er alle Ursache hat, ernstlich zu Herzen zu
nehmen, was geschrieben steht Jes. 29, 8—14.
Nach dem zu urtheilen, was Dr. W. so un⸗
bedingt von der allgemeinen Bekehrung der
Juden sagt, ist er also auch, damit auch diese
Couleur nicht fehle, ein Chiliast. Nun, wenn
seine Weissagung je erfüllt würde, dann wäre
das tausendjährige Reich des Antichristen da⸗
mit angebrochen. Dann würden die guten
alten Zeiten für denselben wieder kommen, wo
ein Johann Tezel II. das Geld fuderweise zu—
sammentrommeln könnte, und wie der Pabst
einen Cajetan für die ihm geleisteten Dienste
wider Dr. Luther heilig gesprochen hat, so
würde dann auch Tezel J. zur Entschädigung
für alle bisher erlittene Schmach, nicht nur
auch canonisirt, sondern als Schutzpatron aller
Beutelschneider und Humbugger sonderlich
empfohlen werden. Wer's bisher noch nicht
gewußt hat, der kann's, Dank der Weissagung
des neuesten Propheten in München, nun er⸗
fahren, wohin er gehört. Der heil. Vater in
Rom wird die den Juden zuvorkommenden
verlorenen Söhne und Töchter nicht nur ihrer
vielleicht ganz unverschuldeten Exeommunica⸗
tion gnädigst entbinden, sie auch die lutherische
Lehre als verfluchte Ketzerei abschwören und
endlich sie auch wiedertaufen lassen; sondern,
namentlich wenn sie Ruf und Ansehen haben,
wird er sie mit dem Füllhorn seiner Seg⸗
nungen auch auf's huldreichste überschütten.
Er kann bei seinem weltumfassenden Einflusse
und Ansehen auch in materieller Hinsich Ettwas
leisten, denn die den Papisten immer auf's
Neue wieder angesetzten Peterspfennig⸗—
Schröpfköpfe, scheint es, ziehen gut. Professor
Hurter von Schaffhausen, Ida, Gräfin Hahn⸗
Hahn, Componist Liszt, und ander Berühmt⸗
heiten werden der großen Leutseligkeit Pius IX.
gegen zurückkehrende Protestanten gewiß das
höchste Lob zollen. Oertel und andere Apostaten
zweiten und dritten Ranges, die der Pabst als
Lockvögel verwendet, scheint es, machen auch gut
aus. Wie es dabei aber in ihrem Gewissen
aussehen mag, nachdem sie das Brandmaal des
Thiers an ihre Stirn genommen haben, ver—
schweigen sie. Ein reformirter Pastor im
Osten, der sich auch dazu hatte bezaubern
lassen, hat nach seinem späteren Rücktritt
aus der Pabstkirche merkwürdige Bekenninisse
darüber veröffentlicht. Prof. Hurter soll auf
seinem Gange zur Abschwörung seines Glaͤu⸗
bens auch einem Missethäter, der zum
Hochgericht geführt wird, ähnlicher gese—
hen haben, als einem Neubekehrten, der reich
und selig in Gott ist, obgleich ihm sein
Abfall zum Pabstthum die Stelle eines
kaiserlichen Bibliothekars in Wien eingetragen
hat. Darum werde man durch Anderer Er—
faͤhrung klug, und versuche Niemand Gott auf
eine so gefährliche Weise, daß er, durch den
Reichthum, die Macht und Pracht der Pabst⸗
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