Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 25, Nummer 17 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Mai 1869, Seite 131
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bErr und Heiland IEsus Christus, Sein
Amt, die Werke des Teufels zu zerstören und
ras arme Menschengeschlecht aus den Banden
des Teufels zu erlösen, im Stande der Er—
nietrigung auf Erden verwaltete. Und gerade
an den Orten betrieb der böse Feind
sein greuliches Geschäft auch äußerlich am
schlimmsten, die der HErr IEsus, das Evan—
gelium predigend und durch göttliche Wunder
bestätigend, durchzog. Dazu auch wird der—
Teufel um so wüthender, je mehr wir dem lie⸗
ben jüngsten Tage uns nähern, der für
den Satan aber ewiges Gebundensein in der
Hölle mit sich bringt, — denn er weiß, er hat
wenig Zeit noch übrig. Offenb. 12, 12. Auch
das wird jeder Seelsorger aus seiner Erfah—
rung wissen, daß gerade in der Fastenzeit,
da in der Kirche Gottes das hohepriesterliche
Werk Christi, dem Teusel zum Trutz, insbe⸗
sondere betrachtet wird, hinwiederum des Teu—
fels Bosheit, wenn auch nicht immer in leib—
lichen Anfällen, so doch in geistlichen An⸗
fechtungen am meisten sich offenbart. Wie
dieß nun schon die Sache selbst und der Lehr—
zusammenhang erfordert, so hat daher auch die
altechristliche Kirche eben die Evan⸗
gelien, die von den Nachstellungen des Teufels
handeln, auf die drei ersten Sonntage in der
heiligen Passionszeit, nach ihrer christlichen
Freiheit, verlegt, die lieben Christen zu ermah—
nen, daß sie vorsichtig sein, wachen und beten
sollen, vor ihrem Widersacher, dem Teufel.
Solche und ähnliche Betrachtungen werden
ja auch in den lutherischen Kirchen
(wo es recht hergeht) an diesen drei Sonn⸗
tagen vorgenommen; ist es da ein Wunder,
wenn der Teufel in Wuth kommt, und (wie ihm
unter Gottes Zulassung in den letzten Jahren
hie und da auch gelungen ist) gerade diese
Häuser Gottes, zumal aber in solcher Zeit,
zerstören möchte. Der Teufel ist ja auch ein
Affe unseres starken, eifrigen Gottes, der
die Ihm widerwärtigen Kirchen, die Götzen—
tempel und Bildsäulen, mit Feuer zu zer⸗
stͤren droht. Jer. 43, 12. 13.
Das bewies der böse Feind auch recht deutlich
an unserem Gotteshause dahier in West⸗-Seneca
bei Buffalo am Sonntage Judica, mitten in
der Fastenzeit dieses Jahrs. Da ist auch an
den vorhergehenden Sonntagen vielfach über
das Toben und Wüthen des Satans und von
Christi Ueberwindung desselben gepredigt wor—
den, und von den Waffen, die der HErr
Christus den lieben Christen selbst wider diesen
Feind in die Hand gedrückt hat: — Wort
Gottes und Gebet, — und gefleht worden, daß
Gott den Satan unter unsere Füße trete, in
furzem. Das wurmte dem bösen Feind —
nmsomehr, da er wider solche Waffen, den
Seelen gegenüber, die er gerade die⸗
ses Jahr so mannigfach geplagt
hatte, nicht das Feld behalten konnte, —
und er dachte: „Wohlauf, ich will denn
doch diese Christen wenigstens äußerlich
an ihrem Eigenthum plagen, sie auch wo—
möglich am Leibe schlagen, und am liebsten
auch Manchetödten.“ — Siehe, lieber Leser,
die Frommen Erlösung für alle Ewigkeit, für
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so viel bedeutete wider uns Lutheraner dahier
des Teufels „Wohlauf“ an diesem Sonntage
Judica.
Unsere lutherische Dreifaltigkeitskirche da—
hier, welche vor 16 Jahren, als sie erbaut
wurde, für ein Menschenalter hinaus groß
genug zu sein schien, ist jetzt bei nahezu drei⸗
facher Vermehrung der Gemeinde, unter Got—
tes Segen, zu enge geworden, daß wir eben
daran sind, für weitere und bessere Räumlich⸗
keiten zu sorgen. So kam es, daß am gedachten
Sonntage unser Gotteshaus, das — nebenbei
gesagt — nur Einen Ausgang hat, von hinten
an bis beinahe an die Stufe des Altars voll
gefüllt war, namentlich waren auch die lieben
Kleinen an ihren Plätzen aufs zahlreichste ver—
treten. Der Gottesdienst beginnt in bester
Ordnung; eben ist in dessen Verlauf das Evan—
gelium am Altar verlesen, da soll, wie an der
Liedertafel angesteckt ist, der „große Glaube“,
No. 183., angestimmt werden. Der Vorsänger
(da der Organist abwesend war) beginnt —
aber nicht den „großen“, sondern den „kur—
zen“ Glauben, No. 184. Die Gemeinde
stutzt; was bedeutet das? fragen sich die Leute
und singen endlich mit: der Vorsänger denkt:
Wie kam ich doch nur zu diesem Fehler? Der
Pastor in der Sacristei aber macht aus diesem
Versehen den wohlweisen Schluß: Der hat
nicht aufgepaßt. Aber merke, lieber Leser, das
war das „Wohlauf“, das Gott, der HErr
HErr, dem „Wohlauf“ des Satans entgegen—
gehalten hat. Durch die Zeitersparniß, die
der „kurze Glaube“ mit sich brachte, war
der Gottesdienst um fünf Minuten eher zu
Ende, als wenn, wie vorgesteckt, der „große
Glaube“ gesungen worden wäre, und das hin—
wiederum rettete unsere Kirche vor gänzlicher
Zerstörung durch Feuer und Manches von uns
vor schrecklicher Verstümmelung, oder gar einem
Tod mit Schrecken.
Denn, wisse, während des Gottes⸗
dienstes erhob sich vom nahen Erie-See
her ein fürchterlicher Weststurm, in Folge dessen
aber brannte in dem, nur einige Schritte gen
Osten von der Kirche gelegenen, Schulhause
— zugleich Wohnung unseres lieben Lehrers L.
— ein Kamin aus. Der Sturm wehte ein
Stück glimmenden Rußes auf eine trockene
Stelle des Daches unseres Gotteshauses her—
über, was, da Alles in der ganzen Nachbar⸗
schaft — außer der kranken Frau des Lehrers
— innerhalb der Kirche sich befand, kein
Mensch sah. Gott hatte es aber schon
gesehen, ehse es geschah. Das Dach fing
Feuer, der Teufel triumphirte, umsomehr von
Wuth erfüllt, als gerade, ungefähr unter-
halb der brennenden Stelle, im
Schiff der Kirche, wohl zungleicher Zeit,
als das Dach Feuer fing, mehrere
zur heiligen Taufe gebrachte Säuglinge durch
ihre Pathen „dem Teufel und allen seinen Wer—
ken und allem seinem Wesen“ absagten und den
Glauben an den dreieinigen Gott der Christen
bekannten. Während das Dach schon brennt,
schließt der Pastor mit dem Segen des HErrn,
die Gemeinde singt ihr freudiges Dreimal—
Amen, und noch den Schlußvers: „Nun, wir
legen an dein Herz“ ꝛc. Die Kirche beginnt sich
zu leeren; außer dem Pastor sind nur noch
einige Personen innerhalb des Gotteshauses,
da ertönt von außen der Ruf: „Feuer,
unsere Kirche brennt!“ Jetzt denke
dir nun, lieber Leser, unsern Schrecken, als wir
uns beim Herausspringen von der Wahrheit
dieses Rufes überzeugen mußten. — Weiber,
Kinder mit den Männern suchen von unten
Schneemassen auf die brennende Stelle zu
werfen, da zuerst jeder Löschapparat fehlte,
nicht einmal eine Leiter zur Hand war. —
Thränen fast in jedem Auge, Jammern von
allen Seiten, der Sturm tobt. — Der Pastor
mit Hülfe eines Vorstehers und einiger Frauen
sucht Altar- und Kanzelschmuck, die heiligen
Gefäße, die Bücher in der Sacristei zu retten.
— Das Feuer befand sich gerade drüber.
— Doch siehe da, auch schon ist ein rüstiger
Mann mit Hilfe der Leichen-Tragbahre auf
dem brennenden Dache angelangt, ihm folgen
Andere, die Trustees bringen endlich Ordnung
in die Lösch-Versuche, Wasser wird sodann in
schnell herbeigeschafften Kübeln hinaufgereicht,
banges Warten — da heißt es endlich von oben
herab: „Gott Lob. jetzt werden wir Herr übers
Feuer.“ In kurzer Zeit war es auch mit
Hülfe des noch theilweise auf dem Dache lie—
genden Schnees überwältigt; Jedermann aber
sieht — und das Blut bleibt einem in den
Adern stehen vor Grauen — noch einige
Minuten — soviel Zeit, als das
Singen des „großen Glaubens“ län⸗
ger gedauert hätte, als das Sin⸗
gen des „kurzen“ (merkst du 'was, theu—
rer Leser! ?) — noch einige Minuten also,
zumal bei dem starken Sturme, wenn der
Gottesdienst später zu Ende gewesen wäre, so
hätte nothwendig ein Theil des brennenden
Daches auf die nur leicht geplästerte Decke
des Schiffs der Kirche herunterfallen und auch
in demselben Augenblicke die Decke selbst herab⸗
drücken müssen. Und nun denke sich Jeder,
was daraus, in der gedrückt vollen Kirche, mit
nur Einem Ausgange, und bei der Anwesenheit
so vieler Frauen und Kinder, für ein Unheil
und Jammer hätte erwachsen müssen, zur
Freude des Teufels. Aber das „Wohlauf“
unseres HErrn HErrn war mächtiger zu unse—
rer Errettung, als das „Wohlauf“ des Teufels
zu diesem Zerstörungswerke. Und wir können
nun freudig und triumphirend unsere Hände
erheben zu den Bergen, davon uns so wunder⸗
bart Hülfe gekommen ist, Gott loben und
sprechen: „Wir sind in Feuer — —
kommen, Du hast uns ausgeführt
und erquicket.“ Ps. 66, 12.
Ja, wie einen Brand hat am Sonntage
Judica im Jahre des Heils 1869 der gnädige,
barmherzige Gott und HErr unser Gotteshaus
und die Besucher der Kirche aus dem Feuer
gerissen, und eine treffliche Predigt, als i
einem Abbilde, selbst gehalten darüber, was E
an der Gemeinde der Heiligen allezeit im Geist
lichen thut, daß Er sie nämlich, als eine
Brand, aus dem Feuer — aus der Herrschaft
des Teufels — errettet, Sach. 3, 2.
Gott gebe uns allen, an denen der gnädig
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