Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 25, Nummer 17 › Seite 133

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Mai 1869, Seite 133

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang

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kuf, der von dem Jubeljahr 1824 her in der
nchten Weise erschollen ist. In dem damals
für das pommerische Volk gedruckten „Otto—
büchlein“, aus dem der Schreiber dieses zum
Theil schöpfte, schließt seine Lebensbeschreibung
mit folgenden Worten:

„Das ist das Leben und Ende unseres lieben
Vaters und Lehrers Otto, dessen Gedächtniß
wir billig hoch und werth halten. Denn er hat
ja uns Pommern durch Hilfe Gottes, aus
christlichem Gemüthe und mit aller Freudigkeit
Christum und das heil. Evangelium hereinge—
bracht; dadurch denn ohne Zweifel viele der
Unsern, sonderlich die unschuldigen Kinderchen
und viel Andere mehr, selig geworden. Gleich⸗—
wie der liebe Apostel Paulus, also mußte der
Bischof Otto auch viel Trübsal erdulden, als
er den Heiden das Evangelium predigte; aber
er achtete der keines, hielt sein Leben auch nicht
selbst theuer, auf daß er vollendete seinen Lauf
nit Freuden und das Amt, das er empfangen
hatte von dem HErrn IEsu, zu bezeugen das
Cvangelium von der Gnade. (Apgesch. 20.)
Ist ja etwas Irrthum in des herzlieben Vaters
Lehre gewesen, das ist nicht sein Vorsatz ge—
wesen, sondern der Zeit Schuld. Und hat ihm
unser HErr Gott seine treue Arbeit gewißlich
im ewigen Leben reichlich belohnt, und ihm
seine Schwachheit von Herzen vergeben. Er
iss, gleichwie auch wir, ein Pilgrim und Fremd⸗
ling gewesen auf Erden und hingegangen in
sein ewiges Vaterland, welches droben ist im
Himmel. O wie selig sind die Todten, die in
dem HErrn sterben! Unser lieber Gott und
Vater verleihe uns um IEsu Christi, seines
Sohnes, willen, daß wir dereinst, wenn nun
unser Stündlein kommt, auch also in Frieden
fahren nach fleißig vollbrachtem Tagewerk und
mit ganzem fröhlichem Herzen! Amen.“
(Schluß folgt.)

Etwas zu den Nachrichten aus dem
Reiche Gottes.

In Pennsylvauien, an der Bahn von Pitts⸗
burgh nach Philadelphia, liegt der Ort Johns—
town, welcher in 30 Jahren aus einem Eisen—
werk zu einer Stadt von circa 25,000 Ein⸗
wohnern erwachsen ist, unter welchen das
deutsche Volk sehr stark vertreten ist. Dieses
zerfällt hier in drei große Massen. Die eine da⸗
von gehört zu gar keinem kirchlichen Verbande,
die andere gehört der katholischen Kirche an,
die hier drei große Gemeinden hat, die dritte
nennt sich „lutherisch“ und bildet eine große
Gemeinde von 300 stimmfähigen Gliedern,
welche sich durch die ankommenden Einwan⸗
derer noch verstärkt. Und was ist dies für
eine Gemeinde? Nicht bloß macht sie das Ge—
setz, daß Jeder, der von ihrem Pfarrer ein
Kind taufen lassen will, und noch nicht Ge⸗
meindeglied ist, 85.00 vorerst in die Ge⸗
meindekasse einzuzahlen hat, nicht bloß bringt
sie Geld zu kirchlichen Zwecken auf heidnische
Weise zusammen, wie es hier in Amerika
Sitte zu sein scheint, sondern sie duldet auch,
und läßt sich's sehr gerne gefallen, daß, nach—
dem sie einen guten Prediger vertrieben, ihr

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gegenwärtiger ihnen lauter Lügen predigt,
theils der heiligen Schrift geradezu ins An⸗
gesicht, theils, um so gefährlicher, mit Anzie—
hung eines Bibelspruchs, um Ernstere gefangen
zu halten. Dieser Mensch, welcher das Doctor⸗
geschäft allmählig zu seinem Hauptgeschäft,
das Predigtamt aber zur Nebensache gemacht
hat, eignet sich vortrefflich für eine Schau—
spielerbühne. Als Beleg zu seinem Bekennt—
niß diene die Notiz, daß man ihn jüngst bei
einer katholischen Fair einen silbernen Frucht—
korb gewinnen ließ, welcher ihm mit Musik
von einer Deputation der katholischen Ge⸗
meinde feierlich überreicht wurde. Beispiele
aus seinen Predigten sind: „Der Apostel sagt
wohl: es ist böse Zeit; das will ich doch
nicht sagen, sondern lieber: es ist gute Zeit.“
„Wenn unsere neue Kirche erst wird fertig sein,
dann sollt ihr mal sehen, dann will ich euch
auch den ganzen Christus predigen.“ Seine
Lügenpredigten, gepaart mit einem anstößigen
Lebenswandel, wirken wie die Pest. Ein
Mann äußerte in fast klagendem Tone: „Früher
war ich gläubig und ging zur Kirche, aber der
hat mich mit seinem Predigen und Lebens⸗
wandel so weit gebracht, daß ich jetzt gar nichts
mehr glaube; wenn ich sterbe, dann bin ich
fertig.“ Auch der mitunterzeichnete Prediger,
welcher zweimal die Predigt jenes Mensch en
angehört, muß bekennen, daß, wenn er es ein
ganzes Jahr hindurch thäte, sein Glaube todt
gepredigt wäre. So ermattend und alles Le⸗
ben aus Gott ertödtend ist der fluchwürdige
Einfluß solcher Predigt, daß man es keinem
Menschen recht sagen und klagen möchte, son⸗
dern am liebsten nur dem heiligen und gerech⸗
ten Gott im Himmel. Unserm deutschen Volke
gefällt das, denn es schmeichelt dem natürlichen
Herzen ja alle hohe Meinung von ihm selbst
und alle Moral ohne Christum, daher wünschen
sich Viele nur von ihm mal die Leichenpredigt,
in welcher sein Mund von Menschenlob über—
stroͤmt. Wer am meisten bezahlt, kriegt die
beste Predigt. Was man von der Wirkung
solcher Lügenpredigt sieht und hört, erinnert
an das Wort Gottes Psalm 12, 9.: „Es wird
allenthalben voll Gottloser, wo solche lose
Leute unter den Menschen herrschen.“ — Wir
erkennen die fünfjährige Thätigkeit dieses
Lügenpredigers als ein Strafgericht Gottes
über unser deutsches Volk, welches die Lügen
mehr lieb hat, als die Wahrheit, glauben und
hoffen aber, daß der HErr auch in jener Ge⸗
meinde noch seine aufrichtigen, aber in Unver⸗
stand steckenden Schäflein hat. Um derer und
um des vielen deutschen Volkes willen, welches
zu keiner Kirche gehört, hauptsächlich aber für
unsere eigene Seelen haben wir seit einem hal—
ben Jahre eine kleine Gemeinde gegründet,
und seit einem Vierteljahre in Gottes Namen
auch einen Prediger berufen, daß er uns alle
Sonntage Gottes Wort lauter predige. Die
Gemeinde zählt nur neun Glieder, welche sich
noch zur Kirche halten; die Meisten davon
sind unbemittelt. Durch Ausübung von
Kirchenzucht haben wir etliche Glieder ver—
loren, welche zwar den Prediger helfen wollten
ablohnen, aber die Predigt des Wortes Gottes

*

nichts desto weniger verachten. Die Gemeinde
sah solches Geld als Sündengeld an, und
schloß sie aus. Unser Gottesdienst fand bis⸗
her Statt in einem uns aus Barmherzigkeit
erlaubten Kirchenlokale, welches nun aber ver⸗
kauft werden soll für 51800. Unsere Gemeinde
ist zu klein und arm, es zu kaufen, wiewohl es
für ihre Zwecke sehr geeignet ist. Die Geg⸗
ner jubiliren schon, daß wir mit unserer Kirche
bald werden aufbrechen müssen, aber unsere
Hoffnung steht fest zu Gott, daß Er nicht um
unseretwillen, sondern um seines heiligen Na⸗
mens und Wortes willen sich unser annehmen
werde, und werde auch an diesem Orte seine
Herrlichkeit offenbaren. Wir hoffen aus ge—
wissen Anzeichen zuversichtlich, daß Gott über
jenen Lügenprediger bald Gericht halten werde
nach 2 Tim. 3, 9., und daß dann von Auf⸗
richtigen manches Forschen und Fragen nach
der Wahrheit entstehen werde.

Dies zur Nachricht, ob sich vielleicht hier
und da ein Pastor berufen fühlte, seiner Ge⸗
meinde die Förderung des Reiches Gottes an
diesem Platze zur Unterstützuug mit einem
Scherflein zu empfehlen. Die auch noch käm⸗
pfenden Glaubensgenossen wollen unser mit
Theilnahme und herzlicher Fürbitte gedenken.

Johnstown, Cambria Co., Pa., Sonntag
Sexagesimä, den 31. Januar 1869.

Die deutsche ev.⸗Inth. Dreieinigkeits⸗Gemeinde.
Heinrich Meier, Vorsitzer.
Au gust Alt, Vorsteher.
Emil Jung, Secretär.
Johannes v. Brandt, Pastor.

Narcissus und Afra.

Gegen Ende des dritten Jahrhunderts re⸗
gierte auf der Insel Cypern ein König, der
mit dem König von Attica in einen Krieg ge⸗
rieth und in diesem Krieg den Kürzeren zog.
Seine Gemahlin Hilaria sah sich in Folge da—
von genöthigt, mit ihrer Tochter Afra und den
übrigen nächsten Verwandten die Flucht zu er⸗
greifen. Auch drei Mägde, mit Namen
Digna, Eumenia und Eutropia, folgten mit.
Sie kamen nach Rom, endlich nach Augsburg.
Hier nahmen sie festen Wohnsitz und richteten
zur Beherbergung der Reisenden ein Gasthaus
ein.

Da geschah es nun, daß im Jahre 302 die
Christen im römischen Reich unter der Re—
gierung des Kaisers Diocletian arg verfolgt
wurden. Die Verfolgung wüthete namentlich
auch in Spanien. Wer fliehen konnte, floh.
Auch der Bischof Narcissus von Gerundum
(Girona) rettete sein Leben durch die Flucht.
Er erreichte Augsburg und kehrte im Gasthause
der Hilaria und Afra ein. Auf die heidnischen
Bewohner des Gasthauses machte das andäch⸗
tige Gebet des Bischofs und seines Kaplans
tiefen Eindruck. Sie ließen sich unterweisen,
wurden gläubig und begehrten die heilige
Taufe. Afra's Haus wurde von Narcissus zu
einer Kirche geweiht und Dionysius, ihrer
Mutter Bruder, der in der Taufe den Namen
Zosimus erhalten hatte, zum Bischof ver—
ordnet. Schon im folgenden Jahre (303)

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