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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. März 1871, Seite 102
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Der Dulheraner.
wißlich wahr.“ Darauf: „Der mich und alle
Todten auferwecken, und mir, sammt allen Gläu⸗
bigen in Christo ein ewiges Leben geben wird;
das ist gewißlich wahr.“ Hernach: „Sondern
stärket und behält uns fest in seinem Wort und
Glauben bis an unser Ende, das ist sein gnädiger
und guter Wille.“ Dann: „Und zuletzt, wenn
unser Stündlein kommt, ein seliges Ende bescheere
und mit Gnaden von diesem Jammerthal zu sich
nehme in den Himmel. Amen.“ Darauf sagte
er etwas aus dem 4. Hauptstück und betete meh⸗
rere Male das heilige Vater Unser; sonderlich
wiederholte er es häufig von der 5ten Bitte an,
sprach auch einige Male:
Segne unser täglich Brod,
Segne unser Thun und Lassen,
Segne uns mit sel'gem Sterben,
Und mach uns zu Himmelserben.
Als er erkrankte, seufzte ich zum HErrn, er
möge doch mit den heiligen Engeln hier am Bette
gegenwärtig sein. Dies Seufzen hat der HErr
gnädiglich erhört. Ich selbst war so geschlagen,
daß ich kaum ein: HErr JeEsu, erbarme dich!
herausbringen konnte. Aber während ich stumm
war, sprachen wohl die Engel dem sterbenden
Kinde den Trost zu, den es nöthig hatte. Einige
Stunden vor seinem Ende blickte Paul gen Him⸗
mel und sagte: Kommt herunter, kommt herun⸗
ter! Ich gehe hinauf! Dabei fing er an zu sin⸗
gen: Jerusalem, du hochgebaute Stadt. — Da
der Doktor ihn zum Schwitzen bringen wollte, so
ermahnte ich ihn, still zu sein, und er wurde end⸗
lich still. Wir glaubten, er schliefe, aber plötzlich
that er seinen letzten Athemzug.
Nachricht über die VBerwendung von Unter⸗
stützungsgeldern für die Nothleidenden
in Deutschland.
Dem Unterzeichneten wurden von hiesigen und
benachbarten Gemeinden Gelder übergeben zur
Unterstützung von solchen, die durch den Krieg in
Noth gerathen sind. Diese Gaben habe ich
sämmtlich Herrn Pastor Brunn zur Vertheilung
übersandt. Damit die lieben Geber erfahren, wie
ihre Gaben verwendet worden sind, theile ich
Folgendes aus einem Briefe des Herrn Pastor
Brunn an mich mit: „Beide Wechsel, von 279
Thalern und 95 Gulden sind richtig eingetroffen.
Wie so schön und gut war ihr Gedanke, diese Gel⸗
der in Hände lutherischer Pastoren zu geben und
durch diese an bedürftige Gemeindeglieder. Da⸗
durch konnte mancher frommen christlichen Fami⸗
lie eine Wohlthat zugewendet werden, während
auf andern Wegen die Kriegsunterstützungsgelder
ohne Unterschied an Würdige und Unwürdige
weggeworfen werden.
„Ich persönlich aber bin Ihnen doppelt zu Dank
verpflichtet, daß Sie mir das süße Geschäft über⸗
trugen, der Vertheiler Ihrer Gaben zu sein. Ich
ließ denn sofort ein Circularschreiben an alle die
vielen mir verbundenen luth. Pastoren ergehen und
bat um Angabe der Kriegsarmen. So habe ich
denn jeder angemeldeten armen Familie etwa 10
Thaler zukommen lassen können. — Sollten Sie
von auderen luth. Pastoren und Gemeinden hören,
die in ähnlicher Weise Unterstützungen für deutsche
Kriegsarme gesammelt haben, so wäre es mir
die größte Freude, wenn man mir die Vermitte⸗
lung solcher Gaben übertrüge. Gewiß würde auch
der Zweck der Gaben am besten dabei erreicht.“
Gerne bin ich bereit noch ferner Gaben für
obigen Zweck an Hrn. Pastor Brunn zu befördern.
Chicago, Illinois.
H. Wunder.
Aufklärung.
Ein Prediger der Jowa⸗Synode meldet uns,
daß weder Pastor Rüter, noch dessen Gemeinde
in Davenport, deren in No. 11. dieses Blattes
Erwähnung gethan wird, zu seiner Synode ge⸗
höre, und fügt hinzu: Gott verhüte es, daß Kei⸗
ner der Unseren in solche Sünde falle.“ Hier⸗
nach ist das Predigerverzeichniß Pastor Brobst's
zu eorrigiren.
Kirchliche Nachrichten.
Im Auftrage des hochw. Präsidiums des nörd⸗
lichen Districts wurde am Aten Adventssonntag
Herr Pastor J. L. Daib durch den Unterzeichneten
in seine neue Gemeinde in Caledonia Tp., Wau⸗
pacca Co., Wisc., eingeführt. Das Gotteshaus
war einfach und würdig geschmückt, sowohl zur
Feier des Tages, als auch zum Gedächtniß der
Entschlafenen.
Es sind schwere, sehr schwere Zeiten über diese
Gemeinde ergangen, sie sind noch nicht vergessen,
und ihre Wunden noch nicht vernarbt. Eine
furchtbare Seuche, die Pocken, hatte während des
vergangenen Sommers und Herbstes viele theure
und treue Glieder hinweggerafft, mit ihnen den
eifrigen' und geliebten Seelsorger, den seligen Past.
N. Beyer. Monate lang war das Gotteshaus
geschlossen, das ganze Township abgesperrt. —
Doch jetzt ist der HErr der Gemeinde wieder
freundlich und sie blickt mit Hoffnung in die
Zukunft. Möge sie Gottes Heimsuchung erken⸗
nen, wie an guten, so auch an bösen Tagen. Zu
den guten Tagen rechnen wir billig den Tag,
an welchem Gott der Gemeinde einen neuen, im
Dienst der Kirche bewährten Pastor gab. Der
HErr fördere das Werk seiner Hände und segne
die Gemeinde.
Christian Popp.
Adresse: Rev. J. L. Daib,
Readfield,
Waupacca Co., Wisc.
Am dritten Sonntag nach Epiphanias wurde
der Candidat der Theologie, Herr Johann Adam
Schröppel, nachdem er seine Studien zu St. Louis,
Mo., beendet und sein Examen bestanden hatte, in
Gegenwart der beiden Gemeinden zu Bainbridge
und Pipestone, Mich., deren an ihn ergangenen
Beruf er angenommen hatte, am erstgenannten
Platze im Auftrage des Präsidiums der Ehrw.
Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten, nörd⸗
lichen Districts, vom Unterzeichneten ordinirt.
Der HErr segne Hirt und Gemeinden.
N. Sörgel.
Adresse: Rev. J. A. Schrœppel,
Box 6. Watervliet,
Berrien Co.,Mich.
Nach üblicher Anweisung und Ordnung wurde
am 3. Epiphanias⸗Sonntag Herr Past. A. Crull,
seither Director an der Hochschule in Milwaukee
und Hilfspastor an der dortigen Dreieinigkeits⸗
Gemeinde, in sein Amt an der Immanuels⸗
Gemeinde zu Grand Rapids, Michigan, von
dem Unterzeichneten eingeführt.
J. F. Niethammer.
Adresse: Rev. A. Crull,
Box 778. Grand Rapids, Mich.
Kircheinweihungen.
Schon vor Jahren hatte die ev.⸗luth. St. Pauls⸗
Gemeinde zu Massillon, O., die bis dahin ihren
öffentlichen Gottesdienst in einem gemietheten
Local abhalten mußte, unter dem eifrigen Vor⸗
gange ihres Pastors, P. J. Bühl, eine etwa zwei
Acker große Anhöhe erworben und mit vieler
Mühe zu einem herrlichen Kirchplatze hergerichtet.
Nachdem sie dann zunächst ein gutes Schulhaus
darauf gestellt, hatte sie sich auch mit allem Eifer
daran gemacht, eine große und schöne Kirche zu
bauen, und es war ihr, unter Gottes Schutz und
Beistand, gelungen, dieses Werk zu vollenden. —
Diese Kirche, im gothischen Styl aus Ziegelstei⸗
nen erbaut, mißt 75 Fuß in die Länge, 45 Fuß
in die Breite und innen 42 Fuß in die Höhe.
Der schöne und starke Thurm ist 170 Fuß hoch
und mit drei sehr wohllautenden Glocken ver⸗
sehen. — Das Innere der Kirche gewährt einen
erhebenden Anblick: Wände und Decke sind mit
guter Frescomalerei geziert; Altar und Kanzel
von ausgezeichneter Arbeit; die neue Orgel füllt
ihren Platz würdig aus; das schöngefärbte Glas
der Fenster verbreitet ein angenehmes und ange⸗
messenes Licht. Den Bogen über dem Eingange
zum Altarchor schmückt die Inschrift: „Gottes
Wort und Luthers Lehr' vergehet nun
und nimmermehr.“ Die Wahrheit dieses
Worts fand nun auch durch die Einweihung die⸗
ser Kirche eine neue Bestätigung. Zur Theil⸗
nahme an der festlichen Feier dieses Tages hatten
sich eine große Menge von Glaubensgenossen
aus den benachbarten Gemeinden und so auch die
Mitglieder unserer Clevelander Specialconferenz
und einige benachbarte Brüder aus der Ohio⸗
synode eingefunden, um zugleich an den folgenden
Tagen unsere Herbstconferenz abzuhalten. So
war auch der Clevelander Posaunenchor und der
Cantoner Sängerchor mit herbeigekommen, um
mit dem Sängerchor der Ortsgemeinde zur Er⸗
höhung der Feier beizutragen. Nach feierlichem
Abschiede vom alten Gottesdienstlocale ordnete
und bewegte sich die Menge in einem langen
Zuge, vom schönsten Herbstwetter begünstigt, unter
Posaunenschall und Glockenklang, dem neuen
Gotteshause zu, das nun, wie gebräuchlich, durch
den Ortspastor geöffnet und dem Dienste des
dreieinigen Gottes geweiht wurde. Past. F. Wy⸗
neken sen. betrat dann die Kanzel und hielt die
Festpredigt über Luc. 19, 1—10. Pastor. E.
Kronenwett predigte Nachmittags in englischer
Sprache über Ps. 87, 1—3.3 Past. F. W. Hus⸗
mann Abends über Matth. 23, 34 46.; Past. S.
Bächler am Montag Abend in englischer Sprache
über Matth. 16, 18.; Past. J. Rupprecht hielt
endlich am Dienstag Abend die Conferenzpredigt,
an welche sich die Abendmahlsfeier für die ver⸗
sammelten Pastoren anschloß. —
F. W. H.
Massillon, O., am 18. Sonnt.
nach Trinitatis, 1870.
Da der Apostel spricht: „Freuet euch mit den
Fröhlichen“, so wollen wir den lieben Lesern des
„Lutheraner's“ unsere Freude auch mittheilen, da⸗
mit sie sich mit uns freuen können. Der 24ste
Sonntag nach Trinitatis v. J. war ein großer
Freudentag für unsere kleine lutherische Gemeinde;
denn da konnte geschehen, worüber die Feinde
jahrelang, und selbst bis in den letzten Sommer
hinein spotteten und lachten: Wir konnten durch
Gottes Gnade unser neu erbautes Kirchlein dem
Dienste des dreieinigen Gottes weihen. Totz
aller Schwierigkeiten und Hindernisse haben wir
den Kirchbau doch mit Gottes Hülfe vollendet,
—
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