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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-12-12, Seite 57
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahlsgemeinſchaft 4 · Zeremonien 9
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrgang 5. St. Louis, Mo., den 12. December 1848. No. 8.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.
(Eingesandt.)
Auszug aus dem Protokoll der am 18. und 19. October in Fort Wayne abgehaltenen Prediger-Conferenz des Distrikts von Fort Wayne.
Gegenwärtig waren die Pastoren: Sihler, Husmann, Jäbker, Schuster, Wolter, Heid und Claus, als stehende Conferenzmitglieder; als berathende Mitglieder waren zugegen die kürzlich aus Deutschland angekommenen Candidaten Stürken und Bernreuther; Antheil nahmen die Zöglinge des Fort Wayner Prediger-Seminars.
Theils um der sachlichen Wichtigkeit, theils um der Anwesenheit der Brüder aus Deutschland willen kam man überein, für diesmal allein über praktische Gegenstände aus dem Gebiete des Kirchenregiments und der Seelsorge zu verhandeln.
Nach diesem Uebereinkommen war die erste Frage diese:
1. Wie hat sich der lutherische Pastor bei seiner Uebernahme der Gemeinde zu halten, wenn Reformirte und Unirte, die im Umkreis seiner Gemeinde wohnen und seine Predigt besuchen, das heilige Abendmahl von ihm begehren?
Antwort: Also, daß er weder wider die Wahrheit des göttlichen Wortes und das Bekenntniß seiner Kirche noch wider die christliche Liebe sündige. Das könne aber nicht anders geschehen, als daß er zunächst die Begehrenden von dem alleinigen Schriftgehorsam der lutherischen Kirche in der Lehre von den heiligen Sacramenten und insonderheit vom heiligen Abendmahl und darnach von der Schriftwidrigkeit der reformirten Gegenlehre gründlich und sorgfältig unterweise und sich auch durch angemessene Fragen von dem Erkenntnißstande seiner Zuhörer möglichst unterrichte.
Sodann aber liege ihm ob, nicht blos die Billigung der lutherischen Lehre, als allein schriftgemäß, sondern auch die Mißbilligung der reformirten Lehre, als schriftwidrig, zu verlangen; denn sonst könnte es leicht geschehen, daß die Reformirten und Unirten in dem hergebrachten, leichtfertigen Wahne bestärkt würden, die reformirte Lehre sei auch nicht wider die Schrift.
Endlich müsse der lutherische Prediger auch die Erklärung von sich geben, daß die Reformirten und Unirten nach jener ausgesprochenen Billigung und Mißbilligung durch den darauf folgenden Abendmahlsgenuß aus seinen Händen und mit seiner Gemeinde thatsächlich aus ihrer bisherigen Kirchengemeinschaft aus- und gliedlich in die lutherische Kirche einträten.
Denn einmal sei dieses vor Gott und Menschen That und Wahrheit; sodann aber könne er nur durch solches Verfahren gewiß werden, ob jene Anerkennung der lutherischen und jene Verwerfung der reformirten Lehre aus aufrichtiger und gründlicher Ueberzeugung des Gewissens und aus Liebe zur göttlichen Wahrheit der heiligen Schrift oder aus dem unlauteren Begehren hergeflossen sei, sei es auch um diesen Preis, den Genuß des heiligen Abendmahls zu erlangen; endlich aber wehrt er dadurch zugleich dem leichtfertigen Selbstbetrug und der Gewissensverletzung der Begehrenden, als könnten sie die reine Lehre der lutherischen Kirche anerkennen und die unreine reformirte verwerfen und doch nach wie vor dieser letztern mit gutem Gewissen gliedlich angehören. Und durch jene Handlungsweise wird vom Diener der lutherischen Kirche zugleich der rechte Einspruch wider die falsche Union unserer Tage erhoben, die bekanntlich vorgibt, daß die Lehre von den heiligen Sacramenten eine Nebenlehre sei und deren Unterschied die kirchliche Einigung der Lutheraner und Reformirten nicht wesentlich hindere.
2. An jene erste Hauptfrage reihte sich nun eine zweite von untergeordneter Bedeutung, nämlich folgende: Genügt unter allen Umständen der schließlich erfolgende Abendmahlsgenuß der Reformirten und Unirten als ein stummes Thatbekenntniß zur lutherischen Kirche und als ein thatsächlicher Eintritt in dieselbe?
Antwort: Es können allerdings Umstände eintreten, wo es weislich gethan ist, das Bekenntniß zur lutherischen Kirche vor dem Genuß des heiligen Abendmahls, wenn auch nicht vor der ganzen lutherischen Gemeinde, so doch vor den Vorstehern thun zu lassen. Doch sei dies mehr als die Ausnahme anzusehen; in der Regel werde wohl jene von der lutherischen Gemeinde anerkannte und auch sonstig bekannte Handlungsweise ihres Pastors gegen Reformirte und Unirte, die das heilige Abendmahl begehren, genügen.
3. Welche Ceremonien sind als eigentliche Bekenntniß-Ceremonien jedenfalls zu beobachten, welche als bekenntnißwidrige jedenfalls zu meiden, und welche, als der christlichen Freiheit unterworfene Mitteldinge, je nach Umständen, zu treiben oder zu lassen?
Antwort: Zu den ersteren (Bekenntniß-Ceremonien) gehören vornehmlich:
a) der Gebrauch rechtgläubiger Formulare in der Ausrichtung des öffentlichen Gottesdienstes und der besondern kirchlichen Handlungen,*) da die Benutzung vernunftgläubiger Agenden eine praktische Verleugnung des kirchlichen Bekenntnisses ist;
b) die Darreichung des Sacraments in den Mund, weil die Reformirten die Lehre von der christlichen Freiheit auch hiebei sonderlich untertreten und behaupten, nur mit der Hand könne etwas genommen werden, wider Joh. 19, 30.;
c) der Gebrauch von Hostien oder geschnittenem Brode, weil die Reformirten fälschlicher Weise die Weise des Brechens zur Hauptsache machen, indeß sie die Einsetzungsworte des heiligen Abendmahls wie eine Nebensache behandeln und ihres wesentlichen Gehaltes berauben †)
Zu den andern (bekenntnißwidrigen) Ceremonien zählen wir hauptsächlich:
a) zweideutige Austheilungsformeln beim heiligen Abendmahl, als z. B. die von den Unirten gebrauchte: „Christus spricht“ u. s. w.;
b) das Brod brechen beim heiligen Abendmahle, weil eben die Reformirten eine Gewissens-
*) Hiemit steht denn auch im Zusammenhange, daß der Pastor auf Einführung rechtgläubiger Gesangbücher aus der besten Zeit des Kirchenlieds hinwirke, wo sie nicht schon vorhanden sind, und bei der Handhabung des kleinen lutherischen Katechismus verharre.
†) Daß gewisse Umstände eintreten können, in welchen die unter b und c genannten Bekenntniß-Ceremonien eine Zeitlang um der Schwachen, also um der Liebe willen unterlassen werden können, wollen hiermit sicher die theuren Brüder nicht leugnen. Der Redacteur.
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine pure shall to eternity endure."
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 5. St. Louis, Mo., December 12, 1848. No. 8.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for subscribers living at a distance, who are to pay the same in advance and to bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only those letters which contain communications for the paper are to be addressed to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
(Submitted.)
Extract from the Minutes of the Pastoral Conference of the District of Fort Wayne, held at Fort Wayne on the 18th and 19th of October.
Present were the pastors: Sihler, Husmann, Jäbker, Schuster, Wolter, Heid, and Claus, as standing members of the conference; present as advisory members were the candidates Stürken and Bernreuther, recently arrived from Germany; the pupils of the Fort Wayne Preachers' Seminary also took part.
Partly on account of the importance of the subject matter, partly for the sake of the presence of the brethren from Germany, it was agreed to deal this time solely with practical matters from the field of church government and the cure of souls.
According to this agreement the first question was this:
1. How is the Lutheran pastor to conduct himself, upon taking over a congregation, when Reformed and Unionists who live within the circuit of his congregation and attend his preaching desire the holy Supper from him?
Answer: So that he sin neither against the truth of the divine Word and the confession of his church, nor against Christian love. This, however, could not be done otherwise than by first instructing those who desire it, thoroughly and carefully, in the sole Scriptural obedience of the Lutheran Church in the doctrine of the holy Sacraments, and especially of the holy Supper, and thereafter in the unscripturalness of the Reformed counter-doctrine, and also by informing himself, through suitable questions, as far as possible concerning the state of knowledge of his hearers.
Then, however, it is incumbent upon him to require not merely the approval of the Lutheran doctrine as alone agreeable to Scripture, but also the disapproval of the Reformed doctrine as contrary to Scripture; for otherwise it might easily happen that the Reformed and Unionists would be confirmed in the customary, frivolous delusion that the Reformed doctrine also is not contrary to Scripture.
Finally, the Lutheran minister must also give the declaration that the Reformed and Unionists, after that expressed approval and disapproval, by the partaking of the Supper which follows from his hands and with his congregation, do in fact depart from their former church fellowship and enter as members into the Lutheran Church.
For, in the first place, this is deed and truth before God and men; but, further, only by such a procedure can he become certain whether that acknowledgment of the Lutheran and that rejection of the Reformed doctrine has flowed from sincere and thorough conviction of conscience and from love of the divine truth of the Holy Scripture, or from an impure desire, be it even at this price to obtain the enjoyment of the holy Supper; finally, however, he thereby at the same time guards against the frivolous self-deception and the violation of conscience of those who desire it, as though they could acknowledge the pure doctrine of the Lutheran Church and reject the impure Reformed doctrine, and yet, as before, with a good conscience belong as members to the latter. And by that manner of action the servant of the Lutheran Church at the same time raises the right protest against the false Union of our day, which, as is well known, pretends that the doctrine of the holy Sacraments is a side doctrine, and that the difference in it does not essentially hinder the church union of the Lutherans and the Reformed.
2. To that first chief question there was now joined a second of subordinate importance, namely the following: Does, under all circumstances, the partaking of the Supper which finally follows on the part of the Reformed and Unionists suffice as a silent confession by deed of the Lutheran Church and as an actual entrance into the same?
Answer: Circumstances may indeed arise in which it is wisely done to have the confession of the Lutheran Church made before the partaking of the holy Supper, if not before the whole Lutheran congregation, yet before the elders. Yet this is to be regarded rather as the exception; as a rule, that manner of action of their pastor toward Reformed and Unionists who desire the holy Supper, which is acknowledged by the Lutheran congregation and is also otherwise known, will doubtless suffice.
3. Which ceremonies are, in any case, to be observed as proper confessional ceremonies, which are in any case to be avoided as contrary to the confession, and which, as indifferent things subject to Christian liberty, are to be practiced or omitted according to circumstances?
Answer: To the former (confessional ceremonies) belong chiefly:
a) the use of orthodox forms in the conduct of public divine service and of the special churchly acts,*) since the use of rationalistic agendas is a practical denial of the church's confession;
b) the giving of the Sacrament into the mouth, because the Reformed, in this also, especially tread the doctrine of Christian liberty under foot and assert that only with the hand can anything be taken, contrary to John 19, 30.;
c) the use of wafers or cut bread, because the Reformed falsely make the manner of the breaking the chief matter, whereas they treat the words of institution of the holy Supper as a side matter and rob them of their essential content. †)
To the others (those contrary to the confession) we count chiefly:
a) ambiguous formulas of distribution at the holy Supper, as, for example, that used by the Unionists: "Christ says," etc.;
b) the breaking of bread at the holy Supper, because the Reformed make a matter of conscience of
*) Connected with this is also the fact that the pastor should work toward the introduction of orthodox hymn-books from the best period of church hymnody, where they are not already at hand, and should persevere in the use of the small Lutheran Catechism.
†) That certain circumstances may arise in which the confessional ceremonies named under b and c may for a time be omitted for the sake of the weak, that is, for the sake of love, the dear brethren will surely not deny herewith. The Editor.