Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 1 › Seite 4

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Januar 1907, Seite 4

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht 13 · Regiſter · Miſſion 7

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4 er Vutheranede

Entstellungen, schriftwidrigen Behauptungen und bösen Prak⸗
tiken nicht zurückschrecken, so die Einigkeit im Geist zerstören
und die Kirche zerreißen. Gott wolle mit seinem Wort und
Heiligen Geist bei uns bleiben und uns nicht aus seiner starken
Gnadenhand lassen! Er erhalte uns im Glauben an das reine
Gnadenevangelium! Er erhalte uns in dem Kindessinn, daß
wir alle Dinge allein nach seinem Wort richten und urteilen.
Er entzünde und erhalte auch in uns durch das Feuer seiner
göttlichen Liebe die Flamme echter, herzlicher Liebe zu den
Brüdern, die des Friedens sich befleißigt, ohne welchen die
Einigkeit im Geist nicht bleiben kann. Das tue er um JEsu
Christi, unsers einigen Heilandes, willen! Amen. F. P.

„Tust du es?“

„Tust du es?“ „Was denn?“ Bitte, nimm einmal deine
Bibel zur Hand und schlage das erste Kapitel des Evangeliums
St. Johannis auf. Im letzten Viertel des Kapitels finden wir
zwei Personen, die gar rührig sind, eine Arbeit zu tun, welche
dir und mir und jedem Christen und jeder Christin nicht ninder
zu tun befohlen ist. Der Eifer, den jene Personen bei ihrer
Arbeit an den Tag legten, sollte billig unsern Eifer zu gleicher
Arbeit reizen, und die Art und Weise, wie sie ihre Arbeit ver⸗
richten, kann uns zu einer trefflichen Anleitung dienen.

Der erste, dessen Arbeit wir in Augenschein nehmen wollen,
ist Andreas, der Bruder Simonis Petri. Andreas war ein
Jünger Johannis des Täufers gewesen, hatte sich aber durch
das treue, standhafte Zeugnis Johannis bewegen lassen, dem
SErrn JEsu nachzufolgen. In dieser Nachfolge IEsu fand er
Ruhe und doch auch — keine Ruhe. Sobald er nänilich IEsum
gefunden hat, überfällt ihn eine heilige Unruhe, nun auch andere
zu Christo zu führen. Andreas, der später den kriegerischen
Scythen am Schwarzen Meer das Evangelium verkündigte,
sieht sich zunächst unter seinen eigenen Blutsverwandten um.
Ihm liegt vor allen Dingen daran, daß seine nächsten Ver⸗
wandten des Glückes teilhaftig werden, das er bei IEsu gefun⸗
den hat. Und wie wäre es auch anders möglich? Es ist ja gar
nicht denkbar, daß jemand ein Herz für die Mission in fernen
Ländern haben kann, der in seiner Heimat und Vaterstadt, unter
seinen Verwandten und Bekannten des Namens Christi schweigt.

Andreas also sucht und findet seinen Bruder Simon
Petrus. Sobald er dessen ansichtig wird, ruft er freudig aus:
„Wir haben den Messias funden!“ und führt ihn ohne Verzug
zu JEsu.

Ist das nicht ein herrliches Exempel der allerwichtigsten
Missionsarbeit, nämlich der Mission im Kreise der eigenen Ver⸗
wandten und Bekannten? — ‚

Diesem Exempel steht das nun folgende des Philippus
würdig zur Seite und gibt uns außerdem noch einen besonderen
beherzigenswerten Wink für die Missionsarbeit im eigenen
Kreise.

Wie den Andreas, so überfällt auch den Philippus eine
heilige Unruhe, andere zu Chrifto zu führen, sobald der HErr
ihn gefunden hat. Philippus sucht und findet den Nathangel
und spricht zu ihm: „Wir haben den funden, von welchem Moses
im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, IEsum, Jo⸗
sephs Sohn von Nazareth.“ Philippus ist voll Eifer und Feuer
und glaubt nicht anders, als daß Nathanagel mit ihm sofort zu

Christo gehen werde. Allein es kommt anders. Nathanael
teilt des Philippus Freude zunächst durchaus nicht, sondern
erhebt einen gewichtigen Einwand gegen das, was dieser sagt.
Er spricht nämlich: „Was kann von Nazareth Gutes kommen?“
Er will sagen: Der rechte Messias, von dem Moses und die Pro⸗
pheten geschrieben haben, kommit nicht von dem geringen, ver⸗
achteten Nazareth in Galiläa, sondern aus Bethlehem. Ist
der, den du gefunden hast, von Nazareth, dann kann er nicht
der rechte Messias sein.

Das war ein gewichtiger Einwand, und der liebe Philippus
kann ihn nicht widerlegen. Er weiß noch nicht, daß dieser
IEsus, Josephs Sohn von Nazareth, wirklich aus Bethlehen,
der Stadt Davids, stammt. Was tut nun Philippus? Läßt
er sich in seinem Glauben irre machen? oder gibt er doch wenig⸗
stens das Missionieren auf, weil ihm eine Frage begegnet ist,
die er nicht beantworten kann? Keineswegs. Philippus ist
seines Glaubens gewiß, wenngleich ihm noch dies und jenes
nicht verständlich ist, und ist überzeugt, daß Nathangel zu der⸗
selben Gewißheit kommen werde, sobald er bei IEsu ist. Er
wird daher in seinem Eifer nur um so dringlicher, ergreift den
Nathanagel beim Arm — so stellt es sich der Schreiber vor —
und spricht zu ihm: „Komm und siehe es!“ und führt ihn so
mit süßer Gewalt zu Christo.

Und Philippus wird mit seinem Glauben nicht zu schanden.
Kaum ist Nathangel bei dem HErrn JEsu und hat IEsu Wort
gehört und einen Beweis seiner Allwissenheit und Allgegenwart
erhalten, so ruft auch er aus vollster überzeugung fröhlich aus:
„Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!“ —

Das sind zwei herrliche Beispiele der Missionsarbeit im
eigenen Kreis. Dies ist eine Mission, die vor allem jedem
Christen befohlen ist, zu der jeder Chrift reichlich Gelegenheit
hat und für welche es keinem seines Glaubens gewissen Christen
an der nötigen Geschicklichkeit fehlt. Laßt uns, wie Andreas
und Philippus, gerade dieses Werk mit allem Eifer treiben! —
Tust du es? H. Spd.

+ P. Stephanus Keyl. 14

1.

Das Jahr 1905 war ein Jahr schwerer Heimsuchung für
den damaligen Sstlichen Distrikt unserer Synode. Für eine
ungewöhnlich große Zahl wohlbekannter Arbeiter in diesem
Teile des Weinbergs Gottes schlug die Feierstunde. Sie hatten
des Tages Last und Hitze getragen und wurden nun vom HErrn
des Weinbergs heimgerufen, um den verheißenen Gnadenlohn
treuer Knechte zu empfangen.

Nachdem um die Zeit der Jahreswende von 1904 auf
1905 P. J. H. Sieker in New York dem Rufe des SErrn:
„Komm wieder, Menschenkind!“ gefolgt war, so erging schon
am 11. Januar 1905 derselbe Ruf an P. F. T. Körner in
Brooklyn. Am 19. Januar mußte, oder besser gesagt, durfte
P. J. P. Beyer, ebenfalls von Brooklyn, Feierabend machen.
Am 28. März folgte P. P. Schulte von Kingsville, Md., und
am 5. Juni P. C. H. F. Frincke von Baltimore den Genannten
nach. Ani 24. Juni legte P. O. Schröder von Philadelphia
auf des HErrn Geheiß die Arbeit nieder und gab seinen Geist
in Gottes Hände. Aber die Reihen unserer Arbeiter sollten
vor Jahresschluß noch weiter gelichtet werden. Am 23. Novem

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