Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 1 › Seite 14

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Januar 1907, Seite 14

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheraner 1 · Papſttum 6

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8 Der V.Tutheranese 7

genannten Gottesdienstes, und zur Regeneration führen Gebet,
Baden, Kleiden in weiße Gewänder und Taufe durch Eintauchen,
wie bei den Baptisten. Wenn aber diese „Heiligungsmittel' nicht
anschlagen und die Seele des Sünders reinigen, so muß der Büßer
das „Gnadenmittel' des Rollens gebrauchen. Er legt sich auf den
Boden an dem einen Ende des Saales und rollt wie ein Baum⸗
stamm bis zum andern Ende, während die übrigen Mitglieder der
Gemeinde dazu jauchzen und singen. Solches Rollen muß er so
lange fortsetzen, bis jeder der Anwesenden davon überzeugt ist,
daß der Teufel der Sünde den Büßer verlassen hat. Es kommt
vor, daß ein Büßer genötigt wird, vier bis fünf Stunden lang zu
rollen'. Während er rollt, wird er oft angehalten und von den
Brüdern und Schwestern ausgefragt. Erst nachdem er alle Fragen
zufriedenstellend beantwortet hat, darf er sich erheben. Die Sün⸗
den seines ganzen Lebens muß er klar und ausführlich vor den
Anwesenden laut beichten und die innersten Geheimnisse seiner
Seele offenbaren.“ — über die Entstehung der Holy Rollers“
wird berichtet, daß ein Mann namens Creffield die Sekte vor eini⸗
gen Jahren im fernen Nordwesten unsers Landes gegründet habe.
Er hat namentlich viele Frauen und Mädchen an sich gelockt unter
dem Vorgeben, daß er dazu bestimmt sei, der Vater des zweiten
Christus zu werden. Er behanptete auch unsterblich zu sein, wurde
aber vor einiger Zeit von dem Bruder eines Mädchens, das er ver⸗
führt hatte, erschossen. So erweisen sich auch die Anhänger dieser
Sekte in Lehre und Praxis als krasse, unsinnige Schwärmer, und
dem Stifter ihrer Religion war es um die Religion des Fleisches
zu tun. Arme, vom Teufel verblendete Leute! L. F.

Aus Wielt und Zeit.

Probeehen. Während man auf der einen Seite sich bemüht,
einheitliche und strengere Scheidungsgesetze in den einzelnen Staa⸗
ten unsers Landes ins Werk zu setzen, um so den massenhaften,
leichtsinnigen Ehescheidungen entgegenzutreten, und erst kürzlich
in Philadelphia eine große Versammlung angesehener Männer sich
mit der Sache befaßt hat, so werden andererseits allen Ernstes von
einer Frau unsers Landes Probeehen (trial marriages) in Vor⸗
schlag gebracht, und ihr Vorschlag findet Beifall. Mann und Frau
sollen eine Zeitlang als Eheleute zusammen leben und dann, wenn
sie finden, daß sie nicht zusammen passen, wieder geschieden werden
können. Leichtfertige Beamte erklären sich bereit, statt bei der
Trauung den Brautleuten das Versprechen der lebenslänglichen
Treue abzunehmen, sie nur auf so lange Zeit zusammensprechen zu
wollen, bis der eine oder andere Teil des Bundes müde ist. Nun
hat natürlich eine solche wahnwitzige Ansicht keine Aussicht auf
Annahme. Auch alle vernünftigen und äußerlich ehrbaren Un⸗
gläubigen wissen, daß die Familie die Grundlage des Staates ist
und daß da, wo das Familienleben in weitgehendem Maße er⸗
schüttert und zerstört wird, für den Staat die bedenklichsten und
verhängnisvollsten Folgen entstehen. Eben deshalb sind auch ver⸗
ständige Staatsmänner bemüht, dem übel der leichtfertigen Schei⸗
dungen zu steuern. Aber wie muß es die Strafe und Rache Gottes
herausfordern, wenn man seine heilige, schon im Paradiese ge—
stiftete Ordunng der Ehe so gering schätzt und verspottet und dar—
aus ein zeitweiliges, wildes Zusammenleben machen will, das
jederzeit beendigt werden kann! L. F.

JEsus, der Heiland.

Dieser mein JEsus, der von seinem himmlischen Vater mit
dem Heiligen Geist gesalbet ist und darum Christus oder ein Ge⸗
salbter heißt, hat seinen sißen IEsusnamen vom Seligmachen;
und ist nicht allein der ewige, einige und liebste Sohn seines

himmlischen Vaters, von Ewigkeit her aus seinem Wesen gezeuget,
mit dem Vater und dem werten Heiligen Geist gleicher Macht und
Ehren, sondern er ist auch in der Fülle der Zeit ein Menschensohn
geworden; er ist vom Heiligen Geist empfangen und hat dadurch
meine sündliche Empfängnis gereinigt und geheiligt; er ist von
der Jungfrau Maria geboren, hat von ihrem durch des Heiligen
Geistes überschattung geheiligten Geblüt einen wahren mensch-—
lichen Leib angenommen und hat sich dadurch aufs allergenaueste
mit mir und dem ganzen menschlichen Geschlecht befreundet; er
ist als ein wahrhaftiger Mensch geboren und hat als ein solcher
gelebet und in dieser Sterblichkeit gewandelt, ist allerlei mensch⸗
lichen Zufällen, ausgenommen die Sünde, unterworfen gewesen
und hat dadurch nicht allein meine sündliche Geburt, sondern auch
mein ganzes Leben geheiligt. ‚
Als er gelitten hat und gekreuzigt wurde unter Pontio

Pilato, hat er an seiner allerheiligsten Seele die rechte Höllen⸗
angst gekostet und an seinem unbefleckten Leibe unsägliche Schmer⸗
zen erduldet, als er dem Frevel und Mutwillen der blinden Heiden
und verstockten Juden übergeben ward. Er hat auch sein teures
Blut am Slberg, in seinen Todeskampf, bei der Geißelung, bei
der Dornenkrönung, bei der Kreuzigung und Eröffnung seines
schon verblichenen Leibes vergossen zum Lösegeld für meine und
der ganzen Welt Sünde. Und was soll ich allein davon sagen?
Sein ganzes Leben von der Krippe bis ans Kreuz ist gewesen ein
stetiges Leiden in Armut, Dürftigkeit, Hunger, Durst, Verachtung,
Schinach, Verfolgung und Schmerzen; und das alles hat er ganz
willig und geduldig über sich ergehen lassen um meinetwillen, daß
er mich von der ewigen Qual und Pein der Hölle, die ich mit mei—
nen Sünden verdienet hatte, erlösen möchte. Und weil auch der
Tod der Sünden Sold ist, so hat er auch am Kreuz zu sterben sich
nicht weigern wollen, auf daß er meinen Tod in einen Schlaf ver⸗
wandele, seinen himmlischen Vater vollkonmen mit mir versöhnen
und mich dem ewigen Tod aus dem Rachen reißen möchte. Er ist
begraben, auf daß er mein Grab heiligen und zur Schlaf- und
Ruhekammer machen, auch alle meine Sünde in seinem Grab ver⸗
scharren möchte; darauf ist er zur Hölle hinuntergefahren und hat
sich den höllischen Geistern, seinen und meinen Feinden, als ihr
Überwinder lebendig bezeigt und sie unter seine Füße getreten,
ihre Macht ihnen genommen und Trotz geboten, daß sie weder ihm
noch mir, noch allen, die an seinen Namen glauben, einigen Scha—
den zufügen sollten. Er ist auferstanden von den Toten, damit
anzuzeigen, daß nun alles vollbracht ist, was zu meiner Erlösung
und Seligkeit diente, und daß er ein HErr über Tod und Leben
wäre, von dem ich nunmehr mit Freuden singen und sagen kann:

Tod, Sünde, Teufel, Leben und Gnad',

Alleszin Händen er hat:

Er tann erretten

Alle, die zu ihm treten. Halleluja!

(Aus M. Chr. Scrivers „Goldpredigten“.)

Zum Nenujahr.

IJEsu, nun sei gepreiset

Zu diesem neuen Jahr

Für dein' Güt', uns beweiset
In aller Not und Fahr,
Daß wir haben erlebet

Die neu' fröhliche Zeit,

Die voller Gnaden schwebet
Und ew'ger Seligkeit.

So falten wir die Hände und heben unsere Augen auf dahin,
da sie singen immer mit hoher Stimm': Heilig ist unser Gott,
heilig ist unser Gott, heilig ist unser Gott, der HErre Zebaoth!
Und bitten den heiligen und gewaltigen Gott, er wolle in Gnaden

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