Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 1 › Seite 16

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Januar 1907, Seite 16

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheraner 1

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8Ner V„Tutheraners 9

Gemeindeglieder allezeit willig und bereit seien, zum Unterhalt
ihrer Diener am Wort beizutragen — ob es nicht an der Zeit sei,
die Gehälter zu revidieren, und ob nicht jemand den Vorschlag
machen wolle, die Gehälter zu erhöhen. Es sei immer schöner,
wenn dies von der Gemeinde selber angeregt würde, als von dem
Pastor und den Lehrern.

Der Vorschlag ließ nicht lange auf sich warten, und der Be—
schluß, der mit einem so lauten Ja, wie man es selten gehört
hatte, einstimmig angenommen wurde, lautete: Von Neujahr
1907 an sollen der Pastor und die Lehrer eine Gehaltszulage
von je 550.00 jährlich bekommen.

Ist das nicht ein schönes Neujahrsgeschenk? Und wird nicht
Gottes Segen auf einer Gemeinde ruhen, die auch in diesem Stücke
sich nach Gottes Wort richtet? Und da nun gerade die Neujahrs⸗
versammlungen an der Ordnung sind‚, wird nicht vielleicht noch
manche Gemeinde unserer Synode es angezeigt finden, dieses
schöne Vorbild nachzuahmen? X.

„Dann kommst du nie dazu.“

Vor etlichen Jahren brachte mir eine Frau aus meiner Ge⸗
meinde eine Gabe für die Mission. Die Frau war mir als eine
sehr arme Witwe bekannt, die sich redlich abplagen mußte, um
sich und ihre zwei Kinder zu ernähren. Ich sagte daher zu ihr:

„Liebe Frau B., haben Sie denn diese Gabe nicht für sich
selbst nötig?“

„Freilich, Herr Pastor“, antwortete sie, „könnte ich diese zwei
Dollars recht wohl gebrauchen.“

„Nun, dann behalten Sie doch das Geld, bis Sie es einmal
besser entbehren können.“

„So habe ich bisher auch gedacht, Herr Pastor“, antwortete
die Frau, indem sie mich etwas vorwurfsvoll ansah. „Schon vor
drei Jahren wollte ich etwas für die Mission geben; da ich aber
das Geld brauchte, schob ich das Geben auf das nächste Jahr auf.
Vor zwei Jahren und letztes Jahr ging es mir ebenso. Und dies
Jahr habe ich es schier noch nötiger. Ich wollte daher die Gabe
schon wieder aufschieben. Allein als ich gestern abend so darüber
nachdachte, sagte ich zu mir selbst: „Wenn du es wieder aufschiebst,
dann kommst du nie dazu.““

Damit drückte sie mir das Geld in die Hand und ging so
schnell hinweg, daß ich ihr kaum ein „Vergelt's Gott!“ nachrufen
konnte. Und seit jener Zeit brachte sie mir jedes Jahr eine Gabe
für die Mission und ist dabei, wie sie mir das letzte Mal selbst
versicherte, nicht ärmer geworden.

Mir hat — ich muß es gestehen — dies Wort der Witwe:

„Dann komunst du nie dazu“ schon gute Dienste geleistet; vielleicht

mag es dir, lieber Leser, auch von Nutzen sein. VrIA.

Ewigkeit.

Eine junge Dame, die nur Sinn hatte für weltliche Ver⸗
gnügungen, traf einst beim Nachhausekommen ihr Stubenmädchen
in einem Erbauungsbuche lesend; sie warf einen Blick auf das
Buch und sagte dann: „Wie kann es dir Freude machen, ein
solches Buch zu lesen?“ Als sie zur Ruhe gegangen war, konnte
sie nicht einschlafen. Sie wurde immer unruhiger. Sie fing an
zu seufzen und zu weinen. Als ihr Mädchen das hörte, kam sie
und fragte, was ihr fehle. Da sagte sie: „Ach, ich habe ein Wort
gelesen in deinem Buche, das läßt mir keine Ruhe; das ist das.
Wort „‚Ewigkeit“!“ Von dieser Zeit fing sie an, sich um die Ewig⸗
keit zu kümmern.

Welt und Prediger.

Die Welt will meistens ganz auserlesene, vortreffliche Pre⸗
diger haben, obwohl sie selber nichts weniger als auserlesen und
vortrefflich ist. Und hat schon ein jeder von Gott seine Gaben, so
weiß doch die Welt bald diesen, bald jenen Tadel anzugeben. Die
Welt will vollkommene Prediger. Man sagt, eine Stadt habe an
Luther geschrieben, er solle ihr einen solchen vollkommenen Mann
schicken, einen Prediger, der lang von Person wäre, ein tapfer
Ansehen und Aussprache hätte, der in der griechischen, lateinischen,
hebräischen Sprache wohl erfahren und ein liebenswürdiger,
glimpflicher Mann wäre und sich mit den Papisten wohl ver⸗
tragen könne.

Luther habe nun einen Pfarrer malen lassen und ihnen
solchen in einem Briefe geschickt mit den Worten: „Da hätten sie
einen Prediger, wie sie ihn gerne haben wollten!“

So machte es auch der Theolog Andreä, als eine Reichsstadt
einen Pfarrer begehrte, der alle erwünschten Eigenschaften, alle
guten Gaben haben sollte. Er schickte ihnen einen Pfarrer von
Pfefferkuchen und ließ ihnen hierbei sagen: „Hier hätten sie einen
süßen Honigprediger; wenn sie seiner überdrüssig wären, möchten
sie ihn essen.“

Todesanzeigen.

Am 5. Dezember 1906 entschlief zu St. Louis, Mo., nach
sechsmonatigem Krankenlager sanft und selig im Glauben an
seinen Heiland P. Alexander Louis Rohlfing, zuletzt
Seelsorger der Gemeinde in Fort Smith, Ark., und wurde am
8. Dezember unter großer Beteiligung auf dem nordwestlichen
lutherischen Gottesacker in St. Louis zur Erde bestattet.

Der Selige war am 2. August 1865 zu St. Louis als älte⸗
ster Sohn der Eheleute A. L. und M. Rohlfing geboren, besuchte
die vierklassige Gemeindeschule der dortigen Immanuelsrirche,
wurde im Jahre 1878 von dem seligen P. J. F. Bünger konfir⸗
miert und trat dann, nachdem er erst ein Jahr lang eine englische
Schule besucht hatte, im Herbst 1879 in das Concordia⸗College
zu Fort Wayne ein. Im Jahre 1884 begann er das theologische
Studium auf dem St. Louiser Predigerseminar und machte im
Jahre 1887 sein Kandidatenexamen. Am 7. Sonntag nach Trini⸗
tatis desselben Jahres wurde er in Johnson, Big Stone Co., Mo.,
zum heiligen Predigtamt ordiniert, nahm aber noch in demselben
Jahre einen Beruf an die Gemeinde zu Darmstadt, Ill., an. Dieser
diente er drei Jahre, folgte dann einem Rufe der Gemeinde in
Farmington, Mo., und nach zwölfjähriger Wirksamkeit daselbst
einem solchen von der Gemeinde in Fort Smith, Ark., an der er
nahezu vier Jahre stand.
4 Monate und 3 Tage gebracht und über 19 Jahre hat er dem
HErrn in seiner Kirche treu gedient. Am 12. Februar 1888 hatte
er sich mit Fräulein Martha Morgenthaler verheiratet, die er jetzt
als Witwe mit 5 Kindern zurückläßt. Bei seinem Begräbnis hielt
P. Herzberger die Leichenrede, und P. G. Wangerin amtierte im
Hause und am Grabe. Sein Leib ruhe im Frieden bis zum Tage
der fröhlichen Auferstehung! L. F.

Am 10. Dezember 1906 entschlief nach mehrwöchiger Krank⸗
heit in Glauben an seinen Heiland P. Adolf Bergt in
Waco, Nebr. Sein entseelter Körper wurde unter zahlreicher Be⸗
teiligung seiner Amtsbrüder, seiner jetzigen und seiner früheren
Gemeinde am 13. Dezember christlich zur Erde bestattet. Im
Hause amtierte Präses Becker, am Grabe P. Pflug und in der
Kirche P. Pflug und der Unterzeichnete. J. G. Lang.

Sein Alter hat er auf 41 Jahre,

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