Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 3 › Seite 38
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Februar 1909, Seite 38
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht
8 Ner V utheranerss
lassen sollen, Eph. 5, 4. Maskenbälle sind ein Stück des sünd⸗
lichen Weltwesens, das dem Willen Gottes widerstreitet, 1 Joh.
2, 15 ff. über den ganzen Vorfall läßt sich die warnende über⸗
schrift setzen: „Irret euch nicht; Gott läßt sich nicht spotten!“
Gal. 6, 7. L. F
Ein Gottesgericht.
wie lange sollen die Gottlosen prahlen?“ Ps. 94, 3. An dies
Wort wurden die Einwohner unsers Städtchens in diesen Tagen
erinnert. In einem Kreise von Trinkern bermaß sich ein unglück⸗
licher Knecht dieser Sünde, ein Kroate, namens Nikolaus Pusich,
„er wolle, noch ehe sie auseinandergingen, ein Quart Schnaps
trinken“. Fünf Dollars war der Einsatz der Wette. Als einige
seiner Saufgenossen bemerkten, er würde dann jedenfalls am
nächsten Tage arbeitsunfähig sein, wettete er drei weitere Dol⸗
lars, „er würde am nächsten Morgen in gewohnter Weise in
der Grube Kohlen schaufeln“. Er verlor die Wette. Zwar das
starke Getränk ging glatt ein, aber plötzlich zerbiß es ihm den
Lebensfaden wie eine Otter, ja wie die höllische Schlange, die des
Menschen Sünde gebraucht, um an ihm zum Mörder zu werden.
Nachdem des Arztes und der Zeugen Aussagen den Umständen
gemäß erfolgt waren, wurde sein Leichnam am 14. Januar nach
einem Requiem (Totenmesse) von der römisch⸗katholischen Kirche
aus begraben. So verwischt Rom den Eindruck, den dies Gottes⸗
gericht auch auf kirchlose Leute gemacht hat, die sich, anknüpfend
an die prahlerischen Worte des Toten, dahin ausgesprochen hatten:
er sei zwar am Morgen in eine Grube gefahren, aber in die
Grube, wo man gequält wird mit Feuer und Schwefel, und wo
der Rauch der Qual aufsteigt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Die
Schrift aber sagt: „So spricht der HErr HErr: Wehe euch, die
ihr Kissen machet den Leuten unter die Arme und Pfühle zu den
Häuptern, beide Jungen und Alten, die Seelen zu fahen. Wenn
ihr nun die Seelen gefangen habt, verheißet ihr denselbigen das
Leben“, Hesek. 13, 18. C. A.
Wie fleißig unsere Alten ihre Bibel lasen.
Kam man in der guten alten Zeit in ein christliches Haus,
da schauten aus dem Glasschrank vier Bücher heraus, die oft den
ganzen Lesevorrat des Hauses bildeten. Das erste war der Kleine
Katechismus Luthers, das zweite das Gesangbuch, das dritte ein
altes Erbauungsbuch von einem der geistgesalbten rechtgläubigen
Väter, das vierte und beste aber die Heilige Schrift. Welche
Freude hatte man doch dazumal noch an diesem Buche aller Bücher!
Man sparte sich den Groschen am Munde ab und kaufte sich ein
recht prächtiges Exemplar. Man ließ die Bibel möglichst kostbar
und dauerhaft einbinden, in Holzdeckel mit festem, gepreßtem Per⸗
gament und noch festeren, messingenen Schließen. Man hielt sie
als ein Familienheiligtum in Ehren, schrieb wichtige Gedenktage
der Familie hinein, vererbte sie von Geschlecht zu Geschlecht —
und las darin. Ja, das ist's eben! Heutzutage ist ja hoffent⸗
lich auch in jedem Christenhause eine Bibel zu finden, vielleicht gar
eine Prachtbibel für 5 und noch mehr Dollars in kostbarem Leder
und blinkendem Goldschnitt, eine Zierde für die gute Stube, aber
sie liegt meist in ihrem Futterale in guter Ruh' — man liest nicht
mehr viel darin; man liest nicht mehr so darin, wie es unsere
Alten taten, die sie aufschlugen beim Beginn und beim Ende des
Tagewerks, am Sonntagnachmittag, bei Taufen, Hochzeiten und
Leichenbegängnissen, ja nicht bloß in der Bibel, sondern die
Bibel lasen, was bekanntlich zwei verschiedene Dinge sind. Wie
fleißige, anhaltende Bibelleser unsere Alten gewesen sind, davon
nur einige Proben. Von Vater Luther und andern ist dies be⸗
kanut. Wir wollen von ihnen diesmal absehen.
Vom Kurfürsten August von Sachsen, dem frommen „Vater
August“, wird berichtet, daß er nicht lange vor seinem Tode die
„HErr, wie lange sollen die Gottlosen,
Bibel noch einmal in einer Woche von A bis Z durchgelesen habe.
Georg II. von Hessen hat sie in seinem Leben 28mal durchgenom⸗
men. Johann Georg II. von Sachsen ließ sich jeden Morgen ein
festgesetztes Stück aus der Bibel vorlesen und versuchte sogar noch
Hebräisch zu lernen, um den Grundtext des Alten Testaments
studieren zu können. Ein aus seinem Lande vertriebener Mark⸗
graf von Baden⸗Durlach, der besonders gottesfürchtig gewesen
sein muß, hat die Heilige Schrift nicht weniger als 58mal durch⸗
gelesen. Von Christian IV. von Dänemark konnte der alte luthe⸗
rische Prediger Balthasar Schuppius berichten: „Er brannte von
solchem Eifer für das Wort Gottes, daß die Bibel nicht nur sein
beständiger Begleiter, sondern auch sein Ratgeber war. So oft
ich in sein Zimmer kam, zu Hause und auf Reisen, hatte er immer
die Bibel auf dem Tisch.“ Kurfürst Christian von Sachsen, der die
Bibel über 20nial durchgelesen hatte, hatte sich in seine Handbibel
ein kurzes Gebet geschrieben, welches er jedesmal, so oft er sie zur
Hand nahm, betete. Es lautet: „Ewiger Gott und Vater unsers
HErrn JEsu Christi, verleihe mir die Gnade, daß ich die Heilige
Schrift wohl und fleißig studiere, Christum darin suche und finde
und durch ihn das ewige Leben habe. Dazu helfe mir Gott in
Gnaden! Amen.“
Das sind gottselige Fürsten gewesen, nicht wahr? Welch ein
Glück, daß es solche Fürsten gab! Es ist ja immer ein Segen, für
den man Gott nicht genug danken kann, wenn die obersten Be⸗
amten im Lande fromme Männer sind und mit gutem, leuchten⸗
dem Beispiel vorangehen, denn es heißt mit Recht im Sprichwort:
Wie der Herr, so der Knecht. So sind denn nicht wenige Diener
und Knechte dieser Fürsten in die Fußtapfen ihrer Herren ge⸗
treten und gleichfalls treue Christen und eifrige Bibelleser ge⸗
worden. An frommen Ministern, Staatsmännern, Bürgermei⸗
stern, kurzum, an „frommen und getreuen Oberherren“, wie
Luther in der vierten Bitte sagt, fehlte es nicht in jenen Tagen.
Es sei nur erinnert an den berühmten Juristen Carpzov, der bei
seiner ungehenren Arbeit, die er als Professor und Rat zu be⸗
wältigen hatte, noch Zeit fand, die Bibel 53mal durchzulesen, an
einen Bürgermeister aus Preußen, dem sein Leichenredner nach⸗
rühmen konnte, daß er die Bibel zwölfmal zu Ende gebracht und
immer einen Bleistift geführt habe, mit dem er eins und das
andere anstrich, an Johann Jakob Moser, den Patrioten, der in
seinem Gefängnis auf dem Hohentwiel lange, lange Jahre kein
anderes Buch als die Bibel hatte, die er beständig las, und auf
deren Blatträndern er mit der Lichtschere geistliche Gedanken aller
Art niederschrieb.
Vor allem aber möchten wir an einen hochgestellten Staats⸗
mann erinnern, der ein besonderer Freund der Heiligen Schrift
war, den mömpelgardischen Kanzler Forstner (+ 1667), von
welchem sein Leichenredner folgende Tatsachen berichten konnte:
„Alle Tage hat er gewisse Betstunden gehalten und ist niemals
mittags oder abends zu Tisch gegangen, daß er nicht das Kyrie
Eleison gebetet; alle Morgen bis acht Uhr hat er mit Bibellesen
und Gebet zugebracht. Acht Bibeln sind unter seinen Büchern ges
funden worden, welche er nicht allein gelesen, sondern überall mit
Strichen versehen und Anmerkungen darüber gemacht, sich auch
selbst ein Inhaltsverzeichnis zum Gebrauch über die ganze Bibel
gefertigt, darin alle Stellen, so zur praktischen Theologie gehörig,
ausgezeichnet waren.“ x
Noch aus dem 18. Jahrhundert könnte man einen berühm⸗ 1
ten Schriftsteller nennen, der durch seine geistvollen Schriften die
vornehme Welt entzückte und den Stoff zu seinen Werken aus der
Bibel nahm, die er eifrig las. Als er gestorben war, sollte seine
Bibliothek in Augenschein genommen werden. Man suchte und
stöberte nach Büchern in seinem Nachlaß, denn man meinte, solch
ein gelehrter Kopf müsse zu seinen Werken einen bedeutenden
Büchervorrat benutzt haben; aber man fand keine Bücher. End⸗
lich entdeckte man einen verschlossenen Schrank, der wie ein Bücher⸗
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