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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Januar 1910, Seite 1
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheraner 1 · Paſtor 5
iegen mitlen durch den L.
Himmel, der hatte ein ewig
Cvangelium, u verkündigen
denen, die auf Erden siden
und wolmen, und allen Hei-
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Vülkern, und
sprach mii groher Stimmt:
Fürchter Hott, und gebei
inn dit Chre; denn die Zeit
seines Serichls ist loninien,
und betel an den, der gemacht
Ihar Hinmct, und Erde, und
Meer, und die Wasser
brunnen. Offb. Joh. 14, 6. 7. 3
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—
Zerausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Zynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Louis.
66. Jahrgang.
Ht. Louis, Mo., den 11. Zanuar 1910.
No. 1.
Neujahrsglaube.
Daß aus des Vaters
Hand mich nichts reißen mag;
Daß ich hinschreite
Getrost durch Jahr und Tag
Das ist mein Glaube:
Ob auch die Zeit verweht,
Daß treu mein SErrgott
An meiner Seite geht,
Und durch die letzte,
Tiefdunkle Grabesnacht
In die erhoffte
Sternreine Himmelspracht.
Daß seine Jahre
Wohl währen für und für,
Und daß das Sterben
Zum Himmel ist die Tür,
Zum neuen Jahrgang.
Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.
2 Kor. 4, 8.
Mit dem neuen Jahre beginnt unser „Lutheraner“ auch
einen neuen Jahrgang. Und wie jeder Christ an der Jahres⸗
wende stille hält, rückwärts sieht, um sich schaut und vorwärts
blickt, so hält auch nach altem Brauche unser Blatt beim Beginn
eines neuen Jahrgangs ein wenig inne und sagt sich selbst und
seinem Leserkreise, was ihm beim Jahreswechsel besonders an⸗
gemessen erscheint. Wir knüpfen diesmal diese Neujahrsbe⸗
trachtung an das Wort St. Pauli, das er von sich und seinen
Mitarbeitern den Korinthern schrieb im Hinblick auf die Er⸗
fahrungen in seinem Amt und in seiner Zeit. Und wir sind
gewiß, daß wir damit die Beobachtungen, Gedanken und
Empfindungen unserer Leser ausdrücken, daß aber auch der
Trost gilt, den wir aus Pauli Worten schöpfen.
Uns ist bange, wenn wir einen Blick zurückwerfen und der
Anfänge unsers „Lutheraner“ und unserer kirchlichen Körper⸗
schaft gedenken. Seinen sechsundsechzigsten Jahrgang beginnt
unser Blatt mit der heutigen Nummer. Und war es zuerst ein
Privatblatt, so wurde es schon nach drei Jahren, bei der Grün⸗
dung unserer Synode, ihr öffentliches und amtliches Organ,
gleichsam der Mund unserer Synode. Seitdem sind zwei Men⸗
schenalter dahingegangen. Der Gründer des Blattes und seine
ersten Mitarbeiter, die Väter und Gründer der Synode, sind
ins Grab gesunken. Von den anfänglichen Lesern sind nur
noch vereinzelte am Leben. Wenige kirchliche Blätter erreichen
überhaupt ein solches Alter, wie es der „Lutheraner“ jetzt hat.
Andere Zeiten, andere Zeitschriften, andere Leser. Auch kirch⸗
liche Körperschaften und Synoden gehen in einem solchen langen
Zeitraum oft ein, oder wenn sie noch fortbestehen, so verändern
sie sich, verlassen ihren alten Standpunkt und geben ihre eigen⸗
tümliche, besondere Stellung auf. Das sind Tatsachen, die in
der Welt vor Augen liegen, die sich in der Kirchengeschichte oft
wiederholt haben. Und wemm wir heute zurückschauen und be⸗
denken, daß unsere Synode und unser Synodalorgan mehr als
60 Jahre, zwei Menschenalter, hinter sich haben, dann kommen
uns wohl ganz unwillkürlich Luthers bekannte, merkwürdige
Aussprüche in den Sinn, in denen er Gottes Wort und Gnade
einem fahrenden Platzregen vergleicht, der nicht wieder dahin
kommt, wo er eimnal gewesen ist. „Er ist bei den Juden ge⸗
wesen; aber hin ist hin, sie haben nun nichts. Paulus brachte
ihn in Griechenland; hin ist auch hin, nun haben sie den Türken.
Rom und lateinisch Land hat ihn auch gehabt; hin ist hin, sie
haben nun den Papft. Und ihr Deutschen dürft nicht denken,
daß ihr ihn ewig haben werdet; denn der Undank und Ver⸗
achtung wird ihn nicht lassen bleiben.“ (X, 464.) Und an
einer andern Stelle spricht sich Luther dahin aus, daß das Evan⸗
gelium selten länger als ein Menschenalter an einem Orte
bleibe. Er ruft in einer Predigt aus: „Das Evangelium wird
kurz genug bei euch bleiben, sonderlich wenn wir das Haupt
gelegt, die wir jetzt das Evangelium predigen. Nach unserm
Tode wird's nicht bleiben. . . . Es hat das Evangelium seinen
Lauf und läuft aus einer Stadt in die andere; heute ist's hier,
morgen ist's an einem andern Orte, gleichwie ein Platzregen
fortgeht und jetzt hier, bald an einem andern Orte regnet und
das Land feuchtet und fruchtbar macht.“ (VIII, 70.) Sollte
uns nicht bange sein, wenn wir an solche Aussprüche des „deut⸗
schen Propheten“ denken, die an seinem Vaterlande und an
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