Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 66, Nummer 1 › Seite 8

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Januar 1910, Seite 8

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Neujahr

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8 Er 2Hutfierne,

brüder ein, dies Blatt zu halten, und hoffe ihnen dadurch wirklich
etwas zu geben, obwohl sie es nicht anders bekommen können,
als daß sie einen Dollar an das Concordia Publishing House
schicken. Denn ich denke, was in dem Blatt steht, ist mehr wert
als der Dollar. Wer das Blatt halten will, schreibe bald des⸗
halb an obiges Verlagshaus.“

Der beste Führer.

Es ist erst eine kurze Zeit vergangen, seitdem wir das neue
Jahr begonnen haben. Manche von uns haben mit frohen Hoff⸗
nungen und frischem Mut, viele mit stillem Bangen den neuen
Lebenspfad betreten, der so unbekannt vor uns allen liegt. Jeder
hat sich gewiß dabei die Frage vorgelegt: Wird der Weg durch
sonnige Auen oder dunkle Täler führen? Wird mein Fuß nicht
gleiten, und werde ich den rechten Weg nicht verfehlen? Mir ist
unter solchen Fragen eine kleine Begebenheit eingefallen.

Während unsers letzten Aufenthalts in der Schweiz wurde
ein Ausflug auf eine der herrlichsten Alpenhöhen ausgeführt.
„Ohne Führer geht es nicht“, so wurde uns gleich von vornherein
erklärt. Zuerst schien uns ein solcher überflüssig zu sein, aber
mehr und mehr lernten wir ihn schätzen. Wie sicher ging es unter
seiner bewährten Leitung vorwärts. Kam ein Kreuzweg, so blickte
alles auf ihn, um seiner Weisung zu folgen. Führte der Pfad
über gefährliche Klippen, an steilen Abgründen vorbei, so erfaßte
eins nach dem andern des Führers starke Hand. An besonders
schmalen Stellen ermahnte er uns, nur immer genau in seine
Fußtapfen zu treten, und so überwanden wir alle Schwierig⸗
keiten. überdies durften wir auch unser Gepäck auf seine starken
Schultern legen, und wenn da und dort eins müde werden wollte.
sprach er uns Mut zu, indem er uns das baldige Ziel in Aussicht
stellte. Endlich war die Höhe erreicht, der Anblick in die wunder⸗
bar schöne Alpenwelt lohnte reichlich alle( Mühe und jeden sauren
Tritt. Wir mußten die Hände falten und an jenes noch viel
herrlichere Ziel denken, das unser einst dort oben wartet, wenn
unsere Erdenwallfahrt vollbracht sein wird.

Und, Gott Lob, auch auf dieser großen Wanderschaft will ein
treuer Führer uns zur Seite stehen. O daß jeder sich diesen er⸗
wählen möchte! Kein irdischer Führer kann uns so behüten wie
der, von dem wir bekennen müssen: „Er erquicket meine Seele;
er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen“,
Ps. 23, 3. Dürfen wir nicht alle unsere Sorgen und Nöte auf
ihn werfen? Stärkt er uns nicht die müden Kniee? Ja, seht
nur hinein in eure Bibel; jede köstliche Verheißung, die uns dieser
treueste aller Führer im Alten und Neuen Testament gibt, wird
sich in seiner Nachfolge täglich an uns erfüllen. Und wenn zu⸗
letzt der Weg immer steiler wird, wenn uns der Mut sinken und
die Kraft uns verlassen will, dann sollen wir erst recht erfahren,
daß sein Wort an uns zur Wahrheit wird: „Ich will euch tragen
bis ins Alter und bis ihr grau werdet. Ich will es tun, ich will
heben und tragen und erretten“, Jes. 46, 4.

In der Zeit außer der Zeit.

Ich lebe in der Zeit, aber ich bin dabei auf dem Weg zur
Ewigkeit, darum habe ich mir vorgenommen, immer an die Ewig⸗
keit zu denken. Ich frage: Was listet dich, mein Herz? Hast
du Lust, die Augen zu weiden an der Eitelkeit? Ach, denke, was
die Verdammten für Augenlust in der Hölle haben! In Ewigkeit
sehen sie Gott nicht, sitzen in der äußersten Finsternis und haben
nichts vor Augen als lauter Teufel und höllische Schlachtschafe.
Hast du Lust, dich zu überfüllen mit Speise und Trank? Ach,
dente an den reichen Mann, der hier auch lebte in Wollust, Herr⸗

lichkeit und Freuden. Wie dürstet ihn jetzt! Wie kläglich fleht
er, nicht nach Wein, sondern bloß um Wasser, nicht nach einer
Handvoll, sondern um ein Tröpflein, das ihm möchte dargereicht
werden, nicht im güldenen Becher, sondern nur am Finger des
Lazarus. Gefällt dir das Sündigen so wohl, ach, denke, daß du
mit deinen Sünden ein Feuer des göttlichen Zornes anzündest.
das ewig brennen wird. Empfinde ich mich träge zum heiligen
Wandel oder unwillig zum Leiden, dann tue ich einen Blick hinauf
und schaue, wie herrlich im Himmel aus Gnaden belohnt wird,
was man im SErrn tut und leidet. Warum sollte mich gereuen
die Arbeit, die ich im Weinberg Gottes angetreten habe? Ich
will dabei gern des Tages Last und Hitze tragen. Nur frisch an
den Kampf! Der Himmel wird die überwinder krönen. Sollte
ich beschwerliche Armut hier erleiden müssen? Sie macht mich
nicht bange. Ich sehe Lazarus in Abrahams Schoß; wie reich⸗
lich wird er getröstet!

Dort, dort sind die edlen Gaben,

Da mein Hirt, Christus, wird

Mich ohn' Ende laben.
Trübsal, du schreckst mich nicht. Ich sehe in den Himmel; die
aus großer Trübsal gekommen sind, die sind angetan mit weißen
Kleidern und tragen Palmen in ihren Händen; sie hungert und
dürstet nicht, es fällt auch nicht auf sie die Sonne oder irgendeine
Hitze; das Lamm mitten im Stuhl weidet sie und leitet sie zu
dem lebendigen Wasserbrunnen. Fließet nur, ihr Tränen; bald
wird die Zeit kommen, da mir mein IEsus alle Tränen abwischen
wird von meinen Augen. Auf diese trübe und nasse Saatzeit
wird eine liebliche Freudenernte folgen.

Mein Christ, so lebe in der Zeit, daß dir nicht graue, alle

Augenblicke die Zeit zu verlassen und in die Ewigkeit einzugehen.

(Heinrich Müller, Geistliche Erquickstunden.)

Auch ein Seufzen der Kreatur.

Aus dem sizilisch⸗kalabrischen Erdbebengebiet, wo sich ge⸗
rade vor einem Jahre das schreckliche Unglück zutrug, wurde bald
danach gemeldet, daß auch dieses Mal vor der Katastrophe Tiere
durch Zeichen von Unruhe das nahende Erdbeben vorausgesagt
haben sollen. Diese Beobachtung fügt sich einer großen Reihe
ähnlicher Angaben an. Schon von dem Erdbeben, das im Jahre
373 vor Christo Elike zerstörfe, wird erzählt, daß viele Tiere, die
unter der Erde ihre Nester hatten, Schlangen, Mäuse, Maul⸗
würfe und Wiesel, volle fünf Tage vor der Katastrophe hervor⸗
kamen und dauernd über der Erde blieben. Kurz vor dem Erd⸗
beben, das im Jahre 1783 auf Sizilien wütete, sollen zahlreiche
Meerestiere, besonders viele Fische, an die Oberfläche gekommen
sein, selbst solche, die sonst nur in den größten Tiefen des Wassers
zu finden sind. Besonders feinfühlig scheinen die Haustiere für
das Herannahen des Erdbebens zu sein. Im Jahre 1825 flohen
zum Beispiel in Talkahuano in Chile alle Hunde aus der Stadt,
ehe die Bewohner eine Ahnung von dem bevorstehenden Unglück
hatten. 1867 fingen unmittelbar vor dem Erdbeben auf Java
sämtliche Hähne an, gellend zu krähen, und verließen die Stadt,
die bald darauf nur noch ein Trümmerhaufen war. 1887 wurde
die Riviera von einem Erdbeben heimgesucht, und aus dieser Zeit
wird berichtet, daß die Pferde in den Ställen deutliche Zeichen von
Angst merken ließen. Das fürchterliche Unglück, das im Jahre
1868 über die Stadt Iquique in Chile hereinbrach, wurde Stun⸗
den vorher durch Möwen und andere Seevögel, die in dichten
Schwärmen landeinwärts flogen, angezeigt, und in neuester Zeit
sind zwei weitere Fälle der Art bekannt geworden. Im April des
Jahres 1905 konnten die Einwohner von Lahore in Indien sich
nicht das merkwürdige Verhalten der Elefanten erklären, bis dann
einige Stunden später ein starkes Erdbeben die Erklärung dafür

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