Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 24 › Seite 187
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-07-24, Seite 187
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wird jedem bußfertigen Sünder und so auch Ihnen angeboten. Beten Sie nur um die Zuversicht, um den Glauben, der es ergreift und festhält.
Doctor: Ach Gott! beten? beten kann ich nicht, ich habe nie gebetet.
Pastor: Und doch irren Sie. Sie können gewiß beten. So gut der Verhungernde nach Speise, der Verschmachtende nach einem Trunke schreien kann: eben so gut können Sie jetzt aus Ihrer Noth schreien, d. h. beten. — Sie meinen doch nicht „nein“? Was denken Sie denn, daß Sie viele zierliche Worte machen sollen? Darnach ist Ihnen wohl nicht zu Muthe, ist auch nicht nöthig. Das können Sie doch rufen: IEsu, lieber Meister, erbarme Dich meiner! Gott sei mir Sünder gnädig! Und wenn Sie das auch noch nicht wagen oder können, so können Sie doch seufzen, daß Gott sich Ihrer erbarmen möge! Wollen Sie, so beten wir jetzt gleich miteinander!
Er willigte ein und nun schrieen die Beiden zu Dem, welcher die Verheißung Matth. 18, 19. 20., Marc. 11, 24. gegeben hat, halten Ihm diese Verheißungen vor, und Er läßt sie Seine Gnadengegenwart erfahren. Was der Prediger betet, betet der Kranke laut nach, geht aber bald in solch Schluchzen und Weinen über, daß zuletzt der Prediger nur mit ihm weinen kann, aber voll seliger Zuversicht sein Amen spricht. Er empfiehlt beim Weggehen dem Kranken, welcher meint, es sei ihm, als könne er vor seinem Ende doch wohl noch zum Glauben kommen, Gebet und Geduld. Schon am folgenden Morgen stellt sich der Kutscher beim Prediger ein, und kann gar nicht satt werden, unter wahren Thränengüssen zu erzählen, was für eine wunderbare Veränderung mit dem alten Herrn seit gestern vorgegangen sei. Sonst habe er ihnen gerade in den Nächten die wenigste Ruhe gelassen, immer geklingelt, gescholten und geflucht. Gestern Abend aber habe er sie ganz freundlich angesehen und gefordert, sie sollten nur zu Bette gehen und ruhig schlafen. Die alte Haushälterin sei aber dennoch aufgeblieben und habe im Nebenzimmer gewacht. Da habe sie denn gehört, wie der alte Herr bald gebetet, bald laut in der Bibel gelesen, dann auch wieder eine Weile ruhig geschlafen habe. Morgens habe er sie freundlich begrüßt und nach dem Prediger zu schicken befohlen.
Der Prediger findet ihn in einer erfreulichen Stimmung. Er kann glauben, meint aber, daß er noch nicht glaube, und hat noch mancherlei Fragen, welche ihm alle aus der heiligen Schrift beantwortet werden. Da er den Prediger zwei alte Liederverse sprechen hört, welche ihn besonders rühren, bittet er, ihn dieselben zu lehren, und spricht sie so lange nach, bis er sie weiß. Es waren folgende Verse:
Der Grund, da ich mich gründe,
Ist Christus und sein Blut;
Das machet, daß ich finde
Das wahre ew'ge Gut.
An mir und meinem Leben
Ist nichts auf dieser Erd';
Was Christus mir gegeben,
Das ist der Liebe werth.
Mein IEsus hat gelöschet,
Was mit sich bringt den Tod;
Der ist's, der mich rein wäschet,
Macht schneeweiß, was ist roth.
In ihm kann ich mich freuen,
Hab' einen Heldenmuth,
Darf kein Gerichte scheuen,
Wie sonst ein Sünder thut.
(Luth. Gesangbuch, No. 366.)
Auch wurde ihm das Lied seines Großvaters: „IEsus nimmt die Sünder an“ u. s. w., sehr theuer.
Alle seine Zeit benutzte er, noch recht in der Erkenntniß zu wachsen, daß sein Glaube ja auf dem Worte Gottes stehe. Der Prediger mußte ihm beständig Abschnitte der heiligen Schrift und geistliche Lieder bezeichnen, welche er nun zu lesen habe. Auch forderte der alte Herr, und nicht umsonst, seinen Gehülfen auf, ihm die bezeichneten Stücke vorzulesen. Stündlich ward sein Herz getröstet, und einige Tage nach jener ersten Unterredung war er seines Gnadenstandes gewiß. Da war sein Mund voll Rühmens und Preisens. Leib und Seele freuten sich in dem lebendigen Gott. Nun sprach er auch den Wunsch aus, vor seinem Ende noch das heilige Abendmahl zu genießen, was seit seiner Confirmation nicht geschehen war. Er habe — rechnete er — ungefähr noch 14 Tage zu leben; da möge nun der Pfarrer bestimmen, wann er ihm das Abendmahl reichen wolle. Der Tag ward festgesetzt; bis dahin verging fast eine Woche, in welcher der Kranke zusehends am inwendigen Menschen wuchs, und der Prediger eben so viel, wenn nicht noch mehr lernte, als sein den Jahren nach alter, aber dem Gemüthe nach jugendlicher frischer Pflegling.
Als der bestimmte Tag gekommen war, und der Prediger in's Zimmer trat, findet er den alten Mann, welcher länger als eine Woche schon das Bette nicht verlassen hatte, völlig angekleidet am Tische sitzen. Die Freude, das Mahl der Versöhnung zu feiern, hatte den Greis so stark gemacht, daß es ihm keine Beschwerde war, sich in seine feinste schwarze Kleidung zu setzen. Er entblößt sein schneeweißes Haupt und nimmt dem Prediger jedes Wort von den Lippen. Als dieser zur Liturgie übergeht, erhebt sich der Greis, schiebt seinen Stuhl zurück, kniet — als fühle er keine Schwäche — nieder; legt sein freudestrahlendes Angesicht gegen den Tisch; und ehe er seines HErrn Gnadenpfänder hinnimmt, ergießt er sein Herz in inbrünstigem Beten.
Von da an lebte der liebe Alte noch 4 Tage. Leiblich ward er immer schwächer, aber sein Friede blieb. Am vierten Adventssonntage 1823 ging der Prediger schon vor dem Gottesdienste zu ihm, und hörte ihn sagen: „Heute gehe ich wohl hinüber.“ Noch konnte er den Vers beten: „Der Grund, da ich mich gründe“ u. s. w. Nach der Kirche fand ihn der Prediger im Todeskampfe, sah aber auf seinem Angesichte dieselbe selige Freude, welche es in den letzten Tagen ausgezeichnet hatte, hörte ihn von seinem und zu seinem IEsus reden, mußte ihm noch seine Lieblingsverse vorsprechen, bekam von ihm einen festen Händedruck und aus dem brechenden Auge einen langen freundlichen Blick. —
Der Prediger, welcher am Nachmittage mehrere Amtsgeschäfte hatte, versprach ihm, so bald wie möglich wieder zu kommen. Als er kam, hörte er, der Greis sei eben ruhig und schmerzlos heimgegangen.
(Eingesandt von Missionar Baierlein.)
Einiges über die Ureinwohner dieses Landes, und was von der evangelisch-lutherischen Kirche für sie gethan wird.
I. Bethanien.
Wenn du, geliebter Leser, von Saginaw City, im Norden Michigans, nordwestlich am Titipiwassiflusse hinaufgehst, so kommst du nach einer Reise von 21 Meilen zu einem Punkte, wo dieser Fluß den Chippewa River aufnimmt, und also eine Gabel bildet. Ueberschreitest du den Titipiwassifluß und gehst am Chippewa River hinauf, so kommst du in etwa einer Meile zu vier kleinen Blockhäusern. Ob nun auch diese nicht gerade sehr einladend aussehen, so wirst du dich doch schon zur Einkehr entschließen müssen, denn es gibt in der Umgegend keine andere, und wolltest du dich außer dem Hause aufhalten, so würden die Moskitos dich gar bald auf andere Gedanken bringen. Brichst du dann am andern Morgen wieder auf, so kommst du in etwa zwei Meilen zu dem Punkte, wo der Pine River in den Chippewa River mündet. Hast du nun auch den Chippewa River überschritten, so findest du am rechten Ufer des Pine River einen Indianersteig, der sich, dem Laufe des Flusses entgegen, in südwestlicher Richtung durch das urwaldliche Dickicht hindurchwindet. Dieser Weg, oder richtiger Umweg, wird dich freilich recht müde machen, lieber Leser, denn er ist wirklich sehr schlecht, führt unter und über verfaulende Baumstämme hinweg, durch meilenlange Schwämme hindurch, und gewährt dir keine Abwechselung; ein Haus oder eine Hütte bekommst du den ganzen Tag nicht zu sehen. Hast du aber Kraft und Muth genug, ihn zu verfolgen, so kommst du in etwa 30 Meilen von den letztgenannten vier Blockhäusern zu einer Anzahl von Baumrindenhütten, die von Indianern bewohnt werden. Außer diesen Rindenhütten wirst du aber auch noch ein einzelnes Blockhaus wahrnehmen, das vor einem Jahre erbaut ist und von Missionar Baierlein bewohnt wird, der den armen blinden Indianern gerne den Weg zu dem Reichthum der Gnade Gottes in Christo IEsu zeigen möchte. Die Indianer nennen diesen Ort in ihrer Sprache schlechtweg Klärung, aber der Missionar nennt ihn Bethanien, d. h. zu Deutsch: Armenhaus, weil es nemlich wirklich in jeder Hinsicht ein sehr armer Ort ist, insonderheit aber darum, daß die armen Indianerheiden ohne Gott dahinleben in dieser Welt. Da nun aber der HErr IEsus reich ist über Alle, die Ihn anrufen, so werden diese armen Heiden eben zu diesem reichen HErrn hingewiesen, als der sie nur allein reich machen kann und will. Denn wie Er einst so oft und so gern in jenem Bethanien des heiligen Landes in dem Hause des Lazarus und der Maria und Martha einkehrte, so ist er ja auch
English translation AI translation
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is offered to every penitent sinner, and so also to you. Only pray for the assurance, for the faith that grasps it and holds it fast.
Doctor: Ah God! pray? pray I cannot, I have never prayed.
Pastor: And yet you err. You certainly can pray. As well as the starving man can cry for food, the fainting man for a drink: just as well can you now cry out of your distress, that is, pray. — You surely do not mean "no"? What do you think, that you must make many fine words? You are hardly in the mood for that, and it is not necessary. This you can surely cry: JEsus, dear Master, have mercy upon me! God be merciful to me a sinner! And if you do not yet dare or are not able to do even that, you can yet sigh that God may have mercy upon you! If you will, let us pray together right now!
He consented, and now the two cried to Him who has given the promise, Matt. 18:19, 20, Mark 11:24, held these promises before Him, and He let them experience His gracious presence. What the preacher prayed, the sick man prayed after him aloud, but soon passed into such sobbing and weeping that at last the preacher could only weep with him, yet full of blessed confidence spoke his Amen. On leaving he commended to the sick man, who said that it seemed to him as if he might yet come to faith before his end, prayer and patience. Already on the following morning the coachman presented himself to the preacher, and could not stop telling, amid real floods of tears, what a wonderful change had taken place in the old gentleman since yesterday. Formerly he had left them the least rest precisely in the nights, always ringing, scolding, and cursing. But yesterday evening he had looked at them quite kindly and bidden them just to go to bed and sleep in peace. The old housekeeper, however, had nevertheless stayed up and kept watch in the next room. There she had heard how the old gentleman now prayed, now read aloud in the Bible, then slept quietly again for a while. In the morning he had greeted her kindly and ordered her to send for the preacher.
The preacher finds him in a cheerful frame of mind. He is able to believe, but says that he does not yet believe, and has still many questions, all of which are answered to him out of the Holy Scriptures. As he hears the preacher recite two old hymn verses which move him especially, he asks him to teach them to him, and repeats them after him until he knows them. They were the following verses:
The ground on which I'm grounded
Is Christ and His own blood;
This makes it that I'm founded
Upon the true, eternal good.
In me and in my living
Is naught on this earth's sod;
What Christ to me is giving,
That is worth the love of God.
My JEsus hath extinguished
What bringeth death along;
He it is who doth wash me clean,
Makes snow-white what was red.
In Him I can rejoice,
Have a hero's courage,
Need fear no judgment,
As else a sinner doth.
(Luth. Gesangbuch, No. 366.)
Also the hymn of his grandfather, "JEsus nimmt die Sünder an," etc., became very dear to him.
All his time he used to grow still more in the knowledge that his faith rests upon the Word of God. The preacher had to designate to him constantly sections of the Holy Scripture and spiritual hymns which he was now to read. The old gentleman also, and not in vain, called upon his assistant to read to him the designated passages. Hourly his heart was comforted, and a few days after that first conversation he was certain of his state of grace. Then his mouth was full of praise and glorying. Body and soul rejoiced in the living God. Now he also expressed the wish to partake once more of the holy Supper before his end, which had not happened since his confirmation. He had, he reckoned, about 14 days yet to live; so let the pastor now determine when he would administer the Supper to him. The day was fixed; almost a week passed until then, in which the sick man visibly grew in the inner man, and the preacher learned just as much, if not more, than his charge, who was old in years but youthful and fresh in spirit.
When the appointed day had come, and the preacher entered the room, he found the old man, who had not left his bed for longer than a week, fully dressed, sitting at the table. The joy of celebrating the Meal of reconciliation had made the aged man so strong that it was no trouble to him to put on his finest black clothing. He bares his snow-white head and takes every word from the lips of the preacher. When the latter passes over to the liturgy, the aged man rises, pushes back his chair, kneels down — as though he felt no weakness; lays his joy-radiant countenance against the table; and before he receives the pledges of grace of his LORD, he pours out his heart in fervent prayer.
From then on the dear old man lived 4 days more. Bodily he grew ever weaker, but his peace remained. On the fourth Sunday in Advent, 1823, the preacher went to him already before the service, and heard him say: "To-day I shall probably go over." He was still able to pray the verse: "Der Grund, da ich mich gründe," etc. After church the preacher found him in the death agony, but saw upon his countenance the same blessed joy which had distinguished it in the last days, heard him speak of his and to his JEsus, had to recite to him still his favorite verses, received from him a firm clasp of the hand and from the failing eye a long friendly look. —
The preacher, who had several official duties in the afternoon, promised him to come again as soon as possible. When he came, he heard that the aged man had just gone home quietly and painlessly.
(Contributed by Missionary Baierlein.)
Some Things Concerning the Aborigines of This Country, and What Is Being Done for Them by the Evangelical Lutheran Church.
I. Bethany.
If you go, beloved reader, from Saginaw City, in the north of Michigan, northwestward up the Titipiwassi River, you will come, after a journey of 21 miles, to a point where this river receives the Chippewa River, and thus forms a fork. If you cross the Titipiwassi River and go up the Chippewa River, you come in about one mile to four small log houses. Though these do not look exactly inviting, you will nevertheless have to resolve upon putting up there, for there is no other in the neighborhood, and should you wish to stay outside the house, the mosquitoes would very soon bring you to other thoughts. If you then set out again the next morning, you come in about two miles to the point where the Pine River empties into the Chippewa River. Having now crossed the Chippewa River also, you find on the right bank of the Pine River an Indian trail, which winds, against the course of the stream, in a southwesterly direction through the primeval thicket. This way, or more correctly roundabout way, will indeed make you quite weary, dear reader, for it is really very bad, leads under and over rotting tree trunks, through swamps miles in length, and affords you no variety; a house or a hut you do not get to see the whole day. But if you have strength and courage enough to follow it, you come in about 30 miles from the last-named four log houses to a number of bark huts which are inhabited by Indians. Besides these bark huts you will, however, also perceive a single log house, which was built a year ago and is inhabited by Missionary Baierlein, who would gladly show the poor blind Indians the way to the riches of the grace of God in Christ JEsus. The Indians call this place in their language simply "Clearing," but the missionary calls it Bethany, that is, in English: Poorhouse, because it is really in every respect a very poor place, but especially because the poor Indian heathen live on without God in this world. But since the LORD JEsus is rich unto all that call upon Him, these poor heathen are directed precisely to this rich LORD, as to Him who alone can and will make them rich. For as He once so often and so gladly called at that Bethany of the Holy Land, in the house of Lazarus and Mary and Martha, so is He also