Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 3 › Seite 21
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-02, Seite 21
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Freiheit. —— 2 · Glaube
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und einen bürgerlich freien Staat der Juden herrichten. Aus der Einleitung des angeführten Aufsatzes ergibt sich demnach unter Anderem folgender Unsinn: 1. Man muß für die bürgerliche Freiheit kämpfen, wenn sie gänzlich unterdrückt werden sollte, und damit ist den Negern das Recht zugesprochen, sich gegen ihre Herren zu empören und mit Gewalt frei zu machen. 2. Man kann nicht an der durch Christum vollbrachten Erlösung Theil haben und nicht ein Kind Gottes sein, wenn man ein Sclav ist; die Negersclaven können also keine Christen sein. St. Paulus schreibt aber 1 Cor. 7, 21. und 22.: Bist du ein Knecht berufen, sorge dir nicht; doch kannst du frei werden, so brauche des viel lieber. Denn wer ein Knecht berufen ist in dem HErrn, der ist ein Gefreiter des HErrn. 3. Christus hat durch sein theures Blut bürgerliche Freiheit erworben. — So tief hat der Verfasser schon in der Einleitung den Karren in den Unsinns-Dreck geschoben. Er scheint auch selber etwas davon gemerkt zu haben, und was thut er nun, um den Karren wieder herauszubringen? Er probirt ein Stückchen, das seinem Doctortitel Ehre macht. Er sagt: „die Freiheit ist ihrem Wesen nach eigentlich nur Eine.“ Das hat ihm wohl der leidige Teufel selber eingegeben, denn dem wäre ja freilich nichts lieber, als wenn wir, wie die rechten Sudelköche, bürgerliche und christliche Freiheit, Staat und Kirche, die Welt und das Reich Gottes durcheinander mengten und uns dann zur Behauptung und Vertheidigung solchen Gemengsels gegenseitig todtschlügen und zur Hölle führen ließen. — Die Freiheit soll ihrem Wesen nach nur Eine sein! — Wenn doch der Verfasser beweisen wollte, daß z. B. die Freiheit von der Gerechtigkeit und die Freiheit von der Sünde; die Freiheit vom Tode und die Freiheit vom Leben; die Freiheit von Abgaben und die Freiheit von Trunksucht; die Freiheit von Menschenfurcht und die Freiheit von Gottesfurcht u. s. w. wesentlich Eine Freiheit ist. Wenn der Verfasser das beweisen kann, soll er seinen Doctorhut redlich verdient haben. Die Bedeutung des Wortes „Freiheit“ ist allerdings immer ein und dieselbe; es wird dadurch der Zustand des „Freiseins“ von einem Zwange bezeichnet; aber das Wesen der Freiheit richtet sich nach der Art und Beschaffenheit des Zwanges, welcher der Freiheit entgegengesetzt ist. Daher, so mancherlei Zwang es gibt, oder sich denken läßt, so mancherlei Freiheit läßt sich denken. Und der Verfasser will seinen Lesern aufbinden, das Wesen der Freiheit sei, ebenso wie die Bedeutung des Wortes Freiheit, immer ein und dasselbe! Ebenso leicht ließe sich beweisen, daß der HErr Christus und ein Stück Holz dem Wesen nach Eins sind. Denn Christus sagt Joh. 10.: Ich bin die Thür. Wohlan, in meiner Stube ist auch eine Thür. Thür heißt immer Thür d. i. ein Mittel, wodurch man von Einem in ein Anderes gelangt, folglich sind nach des Verfassers Schluß alle Thüren ihrem Wesen nach Eins. Da nun meine Stubenthür von Holz ist, so muß der HErr Christus mit einem Stücke Holz dem Wesen nach Eins sein. O pfui über der Dummheit und Lästerung. Oder wie gefällt dem Verfasser folgender Schluß: Der Herr Dr. V. ist ein Geschöpf; ein Esel ist auch ein Geschöpf, folglich sind der Herr Doctor und ein Esel dem Wesen nach Eins?
Indem der Verfasser von der Einleitung zur eigentlichen Behandlung seiner Aufgabe übergeht, gibt er von der, nach seiner Meinung, Einen Freiheit drei Entwickelungsseiten an, nemlich: die persönliche, die religiöse und politische Freiheit. Von einer jeden dieser drei Entwicklungsseiten handelt er in einem besonderen Absatze. Wir wollen nur den ersten etwas näher ansehen, weil in demselben unsere Kirche angegriffen wird und wir des Unsinns da schon übergenug zu genießen bekommen, um nicht auch nach den beiden anderen lüstern zu werden.
Von der persönlichen Freiheit, welche der Verfasser auch sittliche Freiheit und zuletzt sogar sittlich christliche Freiheit nennt, sagt er, daß die römische Kirche dieselbe lehre, bekenne, schütze und pflege. Ferner sagt er, dieselbe sei theils ein Vermögen, theils ein Zustand. Was für ein Zustand, davon hören wir weiter keine Sylbe, wahrscheinlich weil der Verfasser es selbst nicht gewußt hat. Von dem Freiheits-Vermögen aber sagt er, es sei eine Macht des Menschen, sich in seinem Thun und Lassen selbst zu bestimmen, und darin sei das Vermögen, zwischen Gutem und Bösem, sowie zwischen Gutem und Besserem zu wählen, eingeschlossen; oder mit anderen Worten, der Mensch habe Wahlfreiheit als Willkühr. Daß die römische Kirche so lehre, dafür bringt er Zeugnisse aus dem Concil. Trident., derjenigen Bekenntnißschrift der römischen Kirche, welche in Gegensatz zur lutherischen Kirche und göttlichen Wahrheit gestellt ist. Er begnügt sich aber nicht hiermit, sondern sucht auch aus zwei alten Kirchenvätern dieselbe Ansicht nachzuweisen, und stellt darnach diesen Zeugnissen gegenüber Aussprüche von lutherischen und reformirten Theologen auf, um zu beweisen, daß die Protestanten die sittliche Freiheit des Menschen leugneten und Feinde der sittlichen Freiheit wären (als wenn: Etwas leugnen und: einer Sache Feind sein, einerlei wäre), und vermuthet, die Reformatoren hätten die Lehre von der sittlichen Unfreiheit des Menschen entweder nur deswegen geleugnet, um der römischen Kirche zu widersprechen, oder um ein Ruhekissen im Sündenleben zu haben. — Wir wollen den in diesen Sätzen enthaltenen Unsinn kürzlich aufdecken:
1. Die persönliche oder sittliche Freiheit soll die Macht des Menschen sein, sich in seinem Thun und Lassen selbst zu bestimmen u. s. w. Da nun die Heiden auch Menschen sind, so müssen sie diese Freiheit auch haben, und doch nennt Dr. V. diese selbige Freiheit auf Seite 106 sittlich christliche Freiheit. Also haben die Heiden, die nie Etwas von Christo gehört haben, von Natur die sittlich christliche Freiheit!!! — Wenn Dr. V. diesen Unsinn nicht zugeben will, und etwa behaupten sollte, er habe gegen Ende des ersten Theiles vergessen, wovon er eigentlich rede, und sei unversehens von der persönlichen Freiheit der Menschen auf die christliche Freiheit der Christen gerathen; so mag er uns gefälligst erklären, wie es sich reimet, daß er den Menschen persönliche Freiheit zuschreibt und doch nachher sagt: „Kinder Gottes, als wozu uns die Kirche, nur sie bildet, haben den Kindesgeist empfangen und rufen als durch Christum wahrhaft, nicht scheinbar Befreite in diesem Geiste: Abba, lieber Vater!“ Denn haben die Christen den Kindesgeist erst empfangen, so müssen sie ihn ja nothwendig vorher nicht gehabt haben; und sind die Christen durch Christum wahrhaft, nicht scheinbar Befreite geworden, so müssen sie ja vorher auch wahrhaft, nicht bloß scheinbar Unfreie gewesen sein. Und doch hat Dr. V. vorhin behauptet, die Menschen hätten „Wahlfreiheit als Willkühr“, sie hätten „die Macht zwischen Bösem und Gutem, sowie zwischen Gutem und Besserem zu wählen“ d. i. sie hätten sittliche Freiheit, ganz einerlei, ob sie Christen seien oder nicht.
2. Dr. V. behauptet, die Kirche schütze und pflege die persönliche Freiheit. Wir fragen aber: wozu dient denn der Schutz der Kirche, wenn der Mensch jene Freiheit ebensogut auch ohne den Schutz der Kirche hat? Mit demselben Rechte könnte sich dann die römische Kirche zumessen, sie schütze Sonne, Mond und Sterne, daß sie nicht vom Himmel fallen, da sie doch ohne dies wohl fest stehen.
3. Dr. V. sagt: „die Kirche bilde uns zu Kindern Gottes, welche den Kindesgeist empfangen haben“ u. s. w. Wenn wir hier auch absehen von dem Unsinn, der in der Ausdrucksweise liegt: Jemanden zu einem Kinde bilden, welches Etwas empfangen hat; so können wir doch den andern, in diesen Worten enthaltenen, Unsinn nicht ungerügt lassen. — Bilden kann man bekanntlich nur aus einem schon vorhandenen Stoffe. Es kann z. B. ein Bildhauer aus einem Steine eine steinerne Figur bilden; wo aber kein Stoff ist, da kann auch nichts gebildet, sondern nur Etwas geschaffen werden. Entweder also haben wir sittlich christliche Freiheit schon, bevor wir Christen sind, und diese wird dann durch die Kirche weiter gebildet; oder, wenn man diesen Unsinn nicht gelten lassen will, muß man den Ausdruck: „die Kirche bildet uns zu Kindern Gottes“ für Unsinn erklären.
4. Dr. V. schämt sich nicht, dem frommen Kirchenvater Augustinus Schuld zu geben, er lehre die sittliche Freiheit des Menschen in dem Sinne des Dr. V.; da doch Augustinus, wie Jedermann weiß, der allerentschiedenste Bestreiter jener gottlosen Lehre war, welche zu Augustinus' Zeiten der Mönch Pelagius, zu unsern Zeiten aber Herr Dr. V. und die römische Kirche lehrt. Grade auf des Augustinus Betrieb und Vorstellungen wurde die Lehre des Pelagius, daß der Mensch von Natur sittliche Freiheit habe, das Böse oder Gute zu wählen, von der Kirche als greuliche Ketzerei verworfen auf der Synode zu Mileve und Carthago im Jahre 416, und wiederum zu Carthago im Jahre 418. In dieses Verwerfungsurtheil stimmte dann im Jahre 431 auch das allgemeine Concil zu Ephesus. — Aber was fängt nun Herr Dr. V. im Angesichte solcher That-
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and establish a civilly free state of the Jews. From the introduction of the essay cited there follows accordingly, among other things, the following nonsense: 1. One must fight for civil liberty if it should be entirely suppressed, and thereby the Negroes are granted the right to rise up against their masters and to make themselves free by force. 2. One cannot have a share in the redemption accomplished by Christ and cannot be a child of God if one is a slave; the Negro slaves therefore cannot be Christians. But St. Paul writes in 1 Cor. 7:21-22: Art thou called, being a servant? care not for it: but if thou mayest be made free, use it rather. For he that is called in the Lord, being a servant, is the Lord's freeman. 3. Christ has by his precious blood obtained civil liberty. — So deep has the author already, in the introduction, pushed the cart into the muck of nonsense. He seems himself to have noticed something of it, and what does he do now to get the cart out again? He tries a little trick that does honor to his doctor's title. He says: "Freedom is, according to its essence, properly only One." The wretched devil himself must have put that into his head, for nothing would be dearer to him than that we, like true botchers of cookery, should mix together civil and Christian liberty, state and church, the world and the kingdom of God, and then, in maintaining and defending such a hodge-podge, should slay one another and let ourselves be led to hell. — Freedom is supposed to be only One according to its essence! — If only the author would prove that, for example, freedom from righteousness and freedom from sin; freedom from death and freedom from life; freedom from taxes and freedom from drunkenness; freedom from the fear of man and freedom from the fear of God, etc., are essentially One freedom. If the author can prove that, he shall have honestly earned his doctor's hat. The meaning of the word "freedom" is indeed always one and the same; by it the condition of being "free" from some compulsion is designated; but the essence of freedom depends upon the kind and character of the compulsion which is opposed to freedom. Hence, as many kinds of compulsion as there are, or can be imagined, so many kinds of freedom can be imagined. And the author wants to impose upon his readers that the essence of freedom, just like the meaning of the word freedom, is always one and the same! With equal ease it could be proved that the Lord Christ and a piece of wood are one in essence. For Christ says, John 10: I am the door. Very well, in my room there is also a door. Door always means door, that is, a means by which one gets from one thing into another; consequently, according to the author's conclusion, all doors are one in their essence. Now since my room door is of wood, the Lord Christ must be one in essence with a piece of wood. O fie upon such stupidity and blasphemy. Or how does the following conclusion please the author: Herr Dr. V. is a creature; an ass is also a creature; consequently the Herr Doctor and an ass are one in essence?
As the author passes from the introduction to the actual treatment of his subject, he specifies three aspects of development of the, in his opinion, One freedom, namely: personal, religious, and political freedom. Of each of these three aspects of development he treats in a separate section. We wish to look somewhat more closely only at the first, because in it our church is attacked and we get quite enough nonsense to enjoy there already, so as not to lust also after the two others.
Of personal freedom, which the author also calls moral freedom and finally even moral-Christian freedom, he says that the Roman Church teaches, confesses, protects and fosters it. Further, he says it is partly a faculty, partly a condition. What kind of condition, of that we hear not a syllable more, probably because the author himself did not know. But of the faculty of freedom he says that it is a power of man to determine himself in his doing and leaving undone, and that therein is included the ability to choose between good and evil, as well as between good and better; or, in other words, that man has freedom of choice as free will. That the Roman Church so teaches, he brings testimonies for from the Council of Trent, that confessional writing of the Roman Church which is set in opposition to the Lutheran Church and divine truth. But he is not content with this, but seeks also to demonstrate the same view from two ancient church fathers, and thereupon sets over against these testimonies utterances of Lutheran and Reformed theologians, in order to prove that the Protestants denied the moral freedom of man and were enemies of moral freedom (as if: to deny something and: to be an enemy of a thing, were one and the same), and he conjectures that the Reformers denied the doctrine of the moral unfreedom of man either only for the sake of contradicting the Roman Church, or in order to have a pillow of rest in a life of sin. — We will briefly uncover the nonsense contained in these statements:
1. Personal or moral freedom is supposed to be the power of man to determine himself in his doing and leaving undone, etc. Since the heathen also are men, they must have this freedom too, and yet Dr. V. calls this very same freedom, on page 106, moral-Christian freedom. Therefore the heathen, who have never heard anything of Christ, have by nature the moral-Christian freedom!!! — If Dr. V. will not concede this nonsense, and should perhaps assert that toward the end of the first part he forgot what he was actually talking about, and unawares slipped from the personal freedom of men to the Christian freedom of Christians; then he may be pleased to explain to us how it rhymes that he ascribes personal freedom to men and yet afterward says: "Children of God, to which the Church, she alone, forms us, have received the spirit of childhood and cry, as truly, not seemingly, freed through Christ, in this Spirit: Abba, dear Father!" For if the Christians have first received the spirit of childhood, then they must of necessity not have had it before; and if the Christians have become through Christ truly, not seemingly, freed, then they must have been before also truly, not merely seemingly, unfree. And yet Dr. V. asserted a moment ago that men had "freedom of choice as free will," that they had "the power to choose between evil and good, as well as between good and better," that is, that they had moral freedom, no matter whether they be Christians or not.
2. Dr. V. asserts that the Church protects and fosters personal freedom. But we ask: of what use then is the protection of the Church, if man has that freedom just as well without the protection of the Church? With the same right the Roman Church could then arrogate to itself that it protects sun, moon and stars from falling from heaven, though they stand firm well enough without that.
3. Dr. V. says: "the Church forms us into children of God, who have received the spirit of childhood," etc. Even if we here disregard the nonsense lying in the manner of expression: to form someone into a child who has received something; yet we cannot leave unreproved the other nonsense contained in these words. — One can form, as is well known, only out of a material already at hand. A sculptor, for example, can form a stone figure out of a stone; but where there is no material, there nothing can be formed, but only something created. Either, therefore, we have moral-Christian freedom already before we are Christians, and this is then further formed by the Church; or, if one will not let this nonsense pass, one must declare the expression: "the Church forms us into children of God" to be nonsense.
4. Dr. V. is not ashamed to charge the pious church father Augustine with teaching the moral freedom of man in the sense of Dr. V.; whereas Augustine, as everyone knows, was the most decided opponent of that godless doctrine which in Augustine's times the monk Pelagius, but in our times Herr Dr. V. and the Roman Church teach. Precisely at the instance and representations of Augustine the doctrine of Pelagius, that man by nature has moral freedom to choose evil or good, was rejected by the Church as abominable heresy at the Synod of Mileve and Carthage in the year 416, and again at Carthage in the year 418. This sentence of condemnation was then in the year 431 also concurred in by the general Council of Ephesus. — But what is Herr Dr. V. to do now in the face of such facts-