Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 6 › Seite 44
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-13, Seite 44
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
44
Bitten vor, in welchen wir Gott auch darum anrufen sollen, daß er sein Wort auch den Heiden senden möge. Darin bitten wir zwar zunächst, daß der Name Gottes auch bei uns heilig werde, das Reich Gottes auch zu uns komme und Gottes Wille auch bei uns geschehe; denn nur dann, wenn Gott uns selbst im wahren Glauben und bei dem reinen Wort und Sacrament erhält, sind wir geschickt, auch für die Ausbreitung des Reiches Gottes unter den Heiden das Unsere zu thun. Da nun das heilige Vaterunser ein Gebet ist, in welchem von Gott Alles zusammen gefaßt ist, was ein Christenherz zu flehen hat, so haben wir auch in die ersten drei Bitten, als in eben so viele Fürbitten, die Heiden mit einzuschließen. Zum Gebete für die Heiden verpflichtet uns ferner das Wort Gottes in den Stellen: „So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst thue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen", 1 Tim. 2, 1. Ferner: „Bittet den HErrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende."
Dann haben wir auch für unsere Missionare fleißig zu beten, daß Gott ihnen in ihrem schweren Berufe die rechte Freudigkeit erhalten wolle. Der Apostel Paulus schreibt an die Epheser 6, 18—20.: „Und betet stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen, und für mich, auf daß mir gegeben werde das Wort mit freudigem Aufthun meines Mundes, daß ich möge kund machen das Geheimniß des Evangelii, welches Bote ich bin in der Kette, auf daß ich darinnen freudig handeln möge und reden, wie sich's gebührt." Der Apostel, welcher mit dem Heiligen Geiste in so ausgezeichnetem Maße erfüllt war, dessen Arbeit so wunderbar gesegnet war, daß er Tausende zu Gott bekehrte und von Jerusalem an bis Spanien Alles mit dem Evangelio Christi erfüllte, wendet sich doch an die Fürbitte der Gläubigen um ein „freudiges Aufthun seines Mundes", um ein „freudiges Handeln" in seinem Berufe, im festen Vertrauen auf die Erhörung, welche der HErr der Fürbitte der Gläubigen verheißen hat: „Wo zween unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, das sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel", Matth. 18, 19.
Der liebe Leser weiß, unter welch' entmuthigenden Verhältnissen unsere Missionare arbeiten. Jahre lang können sie predigen, ohne die erwünschten Früchte zu sehen. Schwärmer, Verführer, Betrüger, das schlechte Beispiel der Weißen, die lange Gewohnheit des heidnischen Aberglaubens und der Sünde: alles scheint sich zu vereinigen, um die Arbeit der Missionare zu verhindern und zu zerstören. Dabei wird der alte böse Feind auch nicht müßig sein, sondern ihre Seelen mit seinen feurigen Pfeilen plagen, um ihnen ihre Freudigkeit und ihren guten Muth zu nehmen und sie dagegen mit Schwermuth und Verzagtheit zu erfüllen. Denn das Heidenthum ist ja eine der ältesten Befestigungen des Satans auf Erden, weßhalb derselbe mit dem größten Grimme den Streitern Christi begegnet, welche dieselben mit Gottes Wort zu verstören und die Völker zu Christo zu bringen trachten. Darum müssen wir nach dem Befehl Gottes anhaltend, ernstlich und brünstig für die Bekehrung der Heiden beten, weil wir wissen, daß der Teufel sich derselben auf das Hartnäckigste widersetzt.
Und das sollten wir um so eifriger thun, um so treuer sollten wir unsere Missionare mit unserer Fürbitte, mit unsern Gaben und mit all den Erweisungen einer erfinderischen Liebe in ihrem Berufe unterstützen, als es nach den Worten des HErrn: „Gehet hin und lehret alle Völker", eigentlich unser aller Pflicht wäre, selbst hinauszugehen zu den Heiden und ihnen das Evangelium zu verkündigen. Uns hat nun Gott durch einen anderweitigen Beruf bereits gebunden; dagegen hat er aus unserer Mitte Einzelne erwählt, daß sie an unserer Statt sein herrliches Evangelium den Heiden verkündigen sollen. Diese haben wir in ihrer Arbeit auf alle Weise zu fördern, als solche, die das Werk thun, welches wir eigentlich thun sollten; wir haben sie zu betrachten als unseren Mund, als unsere Hand, wodurch wir den Heiden das Wort des Lebens mittheilen. Denn wir sind ja alle durch die heilige Taufe dem Leibe eingepflanzt, an welchem Christus das Haupt ist, wir sind Glieder unter einander und sollen deßhalb für einander sorgen, und eins dem andern Handreichung thun, nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seiner Maße, und das alles in der Liebe. Ephes. 4, 16.
Der HErr aber wolle uns entzünden durch das Feuer seiner göttlichen Liebe, daß wir sein Werk nicht lässig thun und uns behüten vor der Kälte dieser Welt und vor der Lauheit dieser letzten betrübten Zeit.
Hermann Fick.
(Eingesandt.)
Innere Mission.
Den lieben Lesern des Lutheraners diene es zur fröhlichen Nachricht, daß am 17ten d. M. in Saginaw City, Mich., das heilige Predigtamt aufgerichtet worden ist.
Gerade ich fühle mich getrieben, diese frohe Kunde allen lieben Brüdern und Gemeinden der lutherischen Kirche hiesigen Landes mitzutheilen, da der HErr mich seit meiner Ankunft in Amerika (October 1847) berufen hat, bis jetzt den Missionsdienst für Saginaw und Umgegend zu übernehmen. Ich hatte beinahe zwei Jahre hindurch das liebe Amt, die junge neu hervorgekeimte Pflanze des Glaubens in den anfänglich wenigen lutherischen Familien daselbst durch die Verkündigung des Evangeliums zu pflegen und vor zerstörenden Einflüssen zu schützen; ich hatte zu suchen und zu sammeln, was zerstreut war; ich hatte zu bitten, daß die wenigen treuen lutherischen Seelen sich zu einer festen Gemeinde zusammenschließen und einen Pastor berufen möchten.
Gott Lob, mein schwacher Dienst ist nicht vergeblich gewesen! Das heilige Predigtamt ist aufgerichtet, der Missionsdienst ist nicht mehr noth; ein lutherischer Pastor ist in der Person des Herrn Clöter von der Gemeinde berufen.
Wer unter Euch, Ihr lieben Leser, wollte sich nicht mit mir freuen und fröhlich sein? Wer wollte Gott nicht preisen, der des Teufels Werk zerstört hat? Der böse Feind hätte auch in Saginaw gern triumphirt, aber der gnädige Gott hat es ihm nicht zugelassen; Er hat auch hier Seiner Kirche den Sieg gegeben. So lasset uns denn zu Ihm, dem Vater aller Barmherzigkeit, beten, daß Er, der bisher geholfen hat, auch ferner helfen und die junge Gemeinde in Seine Obhut nehmen wolle. Sie möge wachsen in viel tausend mal tausend und ihr Same möge die Thore seiner Feinde besitzen! Der HErr wolle auch hier, wie aller Orten, wo Sein Wort lauter und rein gepredigt wird, diejenigen Lutheraner herzulocken, die noch ferne stehen und noch kein Herz und Vertrauen gefaßt haben, sich den Gemeinden des reinen Bekenntnisses anzuschließen; Er wolle ihnen alle ungegründete Furcht vor den sogenannten „Altlutheranern" nehmen, denn es soll und wird mit Gottes Hülfe nichts anderes in Saginaw, wie in allen unsern Gemeinden, verkündigt werden, als das reine Wort Gottes nach der lautern Auslegung und Darlegung der Bekenntnißschriften unserer theuren lutherischen Kirche; es sollen in ihnen die hochwürdigen Sacramente nach der Einsetzung des HErrn treu verwaltet werden. Wo aber solches geschieht, da ist die Kirche des HErrn.
Wohl wird die junge Gemeinde zu Saginaw bei den Bekenntnißceremonieen der lutherischen Kirche treu verharren, aber lediglich, um dadurch ein Zeugniß gegen die Feinde der lutherischen Kirche und gegen die falschen Brüder abzulegen; aber sie erklärt ausdrücklich, daß sie von keinerlei Ceremonie an sich die Gemeinschaft des Glaubens abhängig macht.
Und nun, Ihr lieben Brüder nah und fern, helfet mir beten für das Wachsthum der jungen Gemeinde, daß sie nach Innen und Außen je mehr und mehr erstarke; helfet auch mit allerlei Handreichung, damit insbesondere recht bald ein Kirchlein und ein Pfarrhaus in Saginaw erstehe. Ich weiß es, es dringen in dieser Zeit viele Bitten der Noth an Eure Herzen; aber Ihr wollet dessen gedenken, daß, je mehr Ihr Euren Glauben durch helfende und dienende Liebe bethätigt, desto mehr leihet Ihr dem HErrn.
Es ist zwar schon ein kleines Capital von $70 in und außer der lutherischen Gemeinde Saginaw's gesammelt worden, wozu namentlich die evangelisch-lutherische Gemeinde von Fort Wayne, Ind., $10, und die zu Addison, Ill., $8 beisteuerten, die Freunde in Deutschland aber $40 herübersandten; doch ist damit nur ein geringer Anfang gemacht, und die Kräfte der Gemeinde sind noch schwach. Daher wage ich es getrost, die Bitte um Euer aller Hülfe Dem anzuvertrauen, der die Herzen lenket, wie Wasserbäche.
Frankenlust, den 22. October 1849.
Ferdinand Sievers,
luth. Pastor.
English translation AI translation
44
petitions, in which we are to call upon God also for this, that He would send His Word also to the heathen. In them, indeed, we pray first of all that the name of God may be hallowed also among us, that the kingdom of God may come also to us, and that the will of God may be done also among us; for only when God preserves us Himself in true faith and in the pure Word and Sacrament are we fit to do our part also for the spreading of the kingdom of God among the heathen. Since now the holy Lord's Prayer is a prayer in which everything is comprehended that a Christian heart has to beseech of God, we have also to include the heathen in the first three petitions, as in so many intercessions. To prayer for the heathen the Word of God further obligates us in the passages: "I exhort therefore, that, first of all, supplications, prayers, intercessions, and giving of thanks, be made for all men," 1 Tim. 2:1. Further: "Pray ye therefore the Lord of the harvest, that he will send forth labourers into his harvest."
Then we have also to pray diligently for our missionaries, that God would preserve to them in their hard calling the right joyfulness. The Apostle Paul writes to the Ephesians 6:18-20: "Praying always with all prayer and supplication in the Spirit, and watching thereunto with all perseverance and supplication for all saints; and for me, that utterance may be given unto me, that I may open my mouth boldly, to make known the mystery of the gospel, for which I am an ambassador in bonds: that therein I may speak boldly, as I ought to speak." The Apostle, who was filled with the Holy Ghost in so distinguished a measure, whose labor was so wonderfully blessed that he converted thousands to God and from Jerusalem as far as Spain filled everything with the Gospel of Christ, nevertheless turns to the intercession of the believers for a "joyful opening of his mouth," for a "joyful doing" in his calling, in firm confidence in the hearing which the LORD has promised to the intercession of believers: "If two of you shall agree on earth as touching any thing that they shall ask, it shall be done for them of my Father which is in heaven," Matt. 18:19.
The dear reader knows under what discouraging circumstances our missionaries labor. For years they may preach without seeing the desired fruits. Enthusiasts, seducers, deceivers, the bad example of the whites, the long habit of heathen superstition and of sin: everything seems to unite to hinder and to destroy the work of the missionaries. Besides, the old evil foe will not be idle either, but will plague their souls with his fiery darts, to take from them their joyfulness and their good courage, and to fill them instead with melancholy and despondency. For heathenism is indeed one of the oldest fortifications of Satan on earth, for which reason he meets with the greatest fury the warriors of Christ who seek to destroy these fortifications with God's Word and to bring the nations to Christ. Therefore we must, according to the command of God, pray continually, earnestly and fervently for the conversion of the heathen, because we know that the devil resists it most obstinately.
And we ought to do this so much the more zealously, we ought to support our missionaries in their calling so much the more faithfully with our intercession, with our gifts, and with all the proofs of an inventive love, since according to the words of the LORD: "Go ye and teach all nations," it would really be the duty of us all to go out ourselves to the heathen and to proclaim the Gospel to them. God has already bound us by another calling; on the other hand He has chosen individuals from our midst that they should proclaim His glorious Gospel to the heathen in our stead. These we have to further in their work in every way, as those who do the work which we really ought to do; we have to regard them as our mouth, as our hand, whereby we impart the Word of life to the heathen. For we are all, through holy Baptism, implanted into the body of which Christ is the head; we are members one of another and ought therefore to care for one another, and to give one another a helping hand, "according to the effectual working in the measure of every part," and all this in love. Eph. 4:16.
May the LORD kindle us by the fire of His divine love, that we may not do His work slackly, and that we may guard ourselves against the coldness of this world and against the lukewarmness of this last, troubled time.
Hermann Fick.
(Submitted.)
Home Mission.
Let it serve the dear readers of the Lutheraner as joyful tidings that on the 17th of this month the holy Office of the Ministry was set up in Saginaw City, Mich.
I especially feel impelled to communicate this glad news to all dear brethren and congregations of the Lutheran Church of this country, since the LORD has called me, since my arrival in America (October 1847), to undertake until now the mission service for Saginaw and vicinity. For almost two years I had the dear office of tending the young, newly sprouted plant of faith among the at first few Lutheran families there by the proclamation of the Gospel, and of protecting it from destructive influences; I had to seek and to gather what was scattered; I had to ask that the few faithful Lutheran souls might join themselves together into a firm congregation and call a pastor.
Thank God, my weak service has not been in vain! The holy Office of the Ministry is set up, the mission service is no longer needed; a Lutheran pastor, in the person of Mr. Clöter, has been called by the congregation.
Who among you, dear readers, would not rejoice with me and be glad? Who would not praise God, who has destroyed the work of the devil? The evil foe would gladly have triumphed in Saginaw also, but the gracious God did not permit it to him; He has given His Church the victory here also. So let us then pray to Him, the Father of all mercies, that He who has helped hitherto would help also in the future and take the young congregation into His keeping. May it grow in many thousand times thousand, and may its seed possess the gate of its enemies! May the LORD here also, as in all places where His Word is preached pure and clear, lure hither those Lutherans who still stand afar off and have not yet taken heart and confidence to join themselves to the congregations of the pure confession; may He take from them all groundless fear of the so-called "Old Lutherans," for with God's help nothing else shall and will be proclaimed in Saginaw, as in all our congregations, than the pure Word of God according to the pure exposition and presentation of the Confessions of our dear Lutheran Church; the venerable Sacraments shall be faithfully administered in them according to the institution of the LORD. But where this is done, there is the Church of the LORD.
To be sure, the young congregation at Saginaw will faithfully adhere to the confessional ceremonies of the Lutheran Church, but only in order thereby to bear witness against the enemies of the Lutheran Church and against false brethren; but it declares expressly that it makes the communion of faith dependent upon no ceremony in itself.
And now, dear brethren, near and far, help me to pray for the growth of the young congregation, that it may grow stronger, inwardly and outwardly, more and more; help also with all manner of helping hand, so that especially a little church and a parsonage may soon arise in Saginaw. I know that in this time many petitions of need press upon your hearts; but be mindful of this, that the more you show your faith by helping and serving love, the more you lend to the LORD.
A small capital of $70 has indeed already been collected in and outside of the Lutheran congregation at Saginaw, to which especially the Evangelical Lutheran congregation of Fort Wayne, Ind., contributed $10, and that at Addison, Ill., $8, while the friends in Germany sent over $40; but with this only a small beginning has been made, and the strength of the congregation is still weak. Therefore I venture confidently to commit the request for the help of you all to Him who turns the hearts like watercourses.
Frankenlust, October 22, 1849.
Ferdinand Sievers,
Lutheran Pastor.