Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 6 › Seite 46

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-13, Seite 46

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anfechtung 3 · Teufel 5

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müdeter Eifer und seine Treue erregten den bittersten Haß sowohl der Heiden als der Juden gegen ihn, und als unter den beiden Kaisern Marcus Aurelius Antoninus und Lucius Verus eine heftige Verfolgung gegen die Christen ausbrach, säumte der ungläubige Pöbel zu Smyrna nicht, den Tod des Polykarpus zu begehren. Der dortige römische Proconsul gab diesem Verlangen nach und der Bischof war in der äußersten Lebensgefahr. Dennoch wollte er in der Stadt bleiben, und nur durch die Vorstellungen seiner Freunde ließ er sich bewegen, auf dem Lande ein entlegenes Haus zu beziehen.

Drei Tage vor seiner Gefangennehmung hatte er einen Traum, in welchem er sein Hauptkissen brennen sah. Er erkannte darin eine Vorbedeutung seines Märtyrertodes und sprach zu den ihn Umgebenden: „Ich werde zum Feuer verdammt werden.“ Auf die Nachricht, daß man ihn aller Orten aufsuche, um seiner habhaft zu werden, begab er sich in ein anderes Landhaus. Doch sein Aufenthalt wurde verrathen. Es war schon spät in der Nacht, als die Häscher in seine Wohnung eindrangen. Polykarp, der sich in einer oberen Kammer zur Ruhe begeben hatte, ging, als er von der Ankunft derselben Nachricht erhielt, sogleich zu ihnen herab, unterredete sich mit ihnen und erquickte sie mit Speise und Trank. Die Gerichtsdiener erstaunten über das hohe Alter und den unerschrockenen Muth des ehrwürdigen Greises. Er bat sich noch eine Stunde zum freien und öffentlichen Gebet aus und betete mit solch brünstiger Andacht und heiligem Eifer, daß zwei Stunden darüber verstrichen, und die Zuhörenden dadurch mit hoher Rührung erfüllt, sowie durch die Gegenwart seines Geistes in großes Erstaunen gesetzt wurden. Viele von den Schergen bereueten es, daß sie sich dazu hatten brauchen lassen, einen so verehrungswürdigen Greis aufzusuchen.

Als Polykarp abgeführt wurde, setzten ihn die Gerichtsdiener auf einen Esel, und führten ihn der Stadt zu. Dieß geschah, wie man insgemein glaubt, am Sonnabend vor dem heiligen Osterfest. Der damalige Friedensrichter, Herodes, und sein Vater Nicetes, fuhren ihm entgegen und ließen ihn zu sich in den Wagen steigen. Sie fingen ein Gespräch mit ihm an, und fragten ihn, was er denn Böses dabei finde, wenn man dem Kaiser opfere und sich hierdurch sein Leben erhalte. Polykarp schwieg anfänglich. Als sie aber auf eine Antwort drangen, bezeugte er ihnen, daß er sich nicht entschließen könne, dieß zu thun. Der Erfolg davon war, daß sie ihn heftig zu schimpfen begannen und ihn mit solchem Ungestüm vom Wagen herunterstießen, daß er einen harten Fall that und am Beine sehr verwundet wurde. Allein Polykarp stand von seinem Fall bald wieder auf und lief gelassenen Sinnes so hurtig neben dem Wagen her, als ob ihm nichts Uebels widerfahren sei. Nach seiner Ankunft in Smyrna wurde er in die Rennbahn geführt. Kaum war er in dieselbe eingetreten, so hörte man eine Stimme vom Himmel: „Sei getrost, Polykarpe, und halte dich männlich!“ Niemand sah die redende Person, die Christen aber, die hier zugegen waren, hörten die Stimme. Er wurde hierauf vor den Proconsul gestellt, der ihm zuredete, daß er doch widerrufen und sein hohes Alter bedenken möchte. Ja er drang endlich noch weiter in ihn und sagte: „Schwöre und schmähe Christum, so sollst du in völlige Freiheit gesetzt werden.“ Polykarp aber antwortete mit Ruhe und Fassung: „Ich habe Christo sechs und achtzig Jahre ununterbrochen gedient*), und er hat mir niemals das geringste zu Leid gethan; wie sollt ich denn meinen König schmähen und lästern können, der mich erlöset und mir das Heil erworben hat?“ Der Proconsul drohte ihm: „Ich habe wilde Thiere bei der Hand, denen will ich dich vorwerfen lassen, wenn du deinen Entschluß nicht änderst.“ Polykarp antwortete: „Laß sie herkommen! Mir ist's gut, durch Leiden des Todes zur Vollendung zu gelangen.“ Der Proconsul fuhr fort: „Ich werde dich lebendig verbrennen lassen, wenn die reißenden Thiere dir etwas Verächtliches sind, und du dich nicht anders erklärst.“ Hierauf brach der fromme Märtyrer in diese Worte aus: „Du drohest mir mit einem Feuer, das eine kurze Zeit brennt, und bald wieder verlöscht; aber du kennest das Feuer des künftigen Gerichts und der ewigen Strafen nicht, das den Gottlosen in jener Welt zubereitet ist.“ Nach diesen und mehrern andern denkwürdigen Worten, die der greise Märtyrer mit unerschrockenem und freudigem Muthe aussprach, gab endlich der Proconsul den Befehl, auf der Rennbahn dreimal nacheinander auszurufen: „Polykarp hat bekannt, daß er ein Christ sei.“ Kaum war dieß geschehen, so erhob die Menge der Heiden und Juden darüber ein schreckliches Geschrei, und hielt bei dem anwesenden heidnischen Priester Philippus dringend an, auf Polykarp einen Löwen loszulassen. Da aber Philippus seine Einwilligung hierzu nicht geben konnte oder wollte, so bestand das Volk darauf, Polykarp solle lebendig verbrannt werden, und machte selbst die nöthigen Vorbereitungen dazu; besonders die Juden waren hierbei am thätigsten. Nachdem alles zurecht gemacht war, legte Polykarp seinen Gürtel und seine Kleider bei Seite, zog seine Schuhe aus, und bereitete sich zu seinem herannahenden Martertode. Man legte nunmehr alles, was zum Scheiterhaufen gehörte, um ihn herum, und wollte ihn nach gewöhnlichem Brauch an einen Brandpfahl befestigen. Allein Polykarp verbat sich das, und sagte zu den Umstehenden: „Lasset mich also stehen, denn Derjenige, der mir die nöthigen Kräfte gibt, die Wuth der Flammen auszustehen, der wird mir auch Stärke verleihen, auf diesem Scheiterhaufen Stand zu halten.“ Hierauf richtete er seine Augen gen Himmel und betete: „HErr, allmächtiger Gott! du Vater JEsu Christi, deines hochgelobten und geliebten Sohnes, durch den wir die Gnade empfangen haben, dich recht zu erkennen! Du Gott der Engel und himmlischen Kräfte! Du Gott aller Creaturen und des ganzen Geschlechts der Gerechten, die vor deinem Angesicht leben! Ich preise dich, daß du mich diesen Tag und diese Stunde hast erleben lassen, da ich unter die Zahl deiner Blutzeugen kommen, und von dem Leidenskelch JEsu Christi trinken soll, in der Hoffnung des ewigen Lebens, beides nach Seele und Leib, und in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Ach, daß ich dir heute als ein angenehmes Opfer möge dargebracht werden, wie du, o Gott, der du wahrhaftig bist, und nicht lügen kannst, es vorher bereitet, und vorher gezeiget und nunmehr erfüllet hast. Darum lobe ich dich, und danke dir, und verherrliche deinen Namen mit dem ewigen und himmlischen Hohenpriester JEsu Christo, deinem geliebten Sohn, welchem sammt dir und dem Heiligen Geist, sei Ehre und Preis jetzt und in alle Ewigkeit, Amen!“

*) Viele Geschichtschreiber zählen diese Jahre von der Zeit an, da Polykarp, der von Geburt ein Heide war, zum Christenthum bekehrt worden, und halten dafür, er sei über hundert Jahre alt gewesen, da er den Märtyrertod erlitten.

Nach Vollendung dieses Gebets wurde das Holz, das rings um den Märtyrer aufgehäuft war, an verschiedenen Stellen angezündet. Die Flamme loderte in die Höhe und machte gleichsam ein Gewölbe oder Bogen um Polykarp herum, der mitten in diesem Gewölbe stand, ohne von den Flammen verzehrt zu werden; welches die anwesenden Christen für ein Wunderzeichen erkannten. Ein lieblicher Geruch verbreitete sich vom Scheiterhaufen aus, als ob wohlriechendes Rauchwerk in die Flamme geworfen worden wäre. Als die Verfolger merkten, daß die Flamme den Polykarp nicht völlig verzehrt habe, wurden sie ungeduldig, und riefen dem Scharfrichter, ihm den Todesstoß zu versetzen. Dieser durchstach ihn mit einem Dolch. Man erzählt, daß, nachdem der Märtyrer durchbohrt worden, das Blut so häufig aus seinem Körper geflossen, daß das Feuer daran verloschen sei. Auf inständiges Anhalten der Juden, die dem Leichnam des Polykarp kein Begräbniß gestatten wollten, wurde endlich derselbe ganz verbrannt. Nichts blieb davon übrig, als einige Gebeine, welche die Christen sorgfältig gesammelt und zur Erde bestattet haben.

Rath für Christen, denen der Teufel ihre Sünden vorhält und die er dadurch zur Verzweiflung zu bringen sucht.

Hierüber schreibt Luther: „Der Teufel ist ein Lügner, das ist wahr, aber besser kann er lügen, denn sonst ein schlechter Lügner, und künstlicher, weder ein Mensch verstehen kann; denn er nimmt vor sich eine Wahrheit, die man nicht leugnen kann, und schärft damit seine Lügen, daß man sich nicht wehren kann. Es war die lautere Wahrheit, da er Juda ins Herz stieß, er hätte unschuldig Blut verrathen; das konnte Judas nicht leugnen, es war die Wahrheit: aber das war erlogen, daß er ihn verzweifeln hieß an Gott. Noch schärfte er solch Verzweifeln durch die Wahrheit so gewaltig, daß Judas mußt darüber dahin und sich henken. Matth. 27, 5. Ap. Gesch. 1, 18. Nein, lieber Bruder, da leugt der Teufel nicht, wenn er unsere öffentlichen bösen Werke und Leben uns vorhält; da hat er

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wearied zeal and his faithfulness aroused the bitterest hatred against him, both of the heathen and of the Jews, and when, under the two emperors Marcus Aurelius Antoninus and Lucius Verus, a violent persecution broke out against the Christians, the unbelieving rabble at Smyrna did not delay to demand the death of Polycarp. The Roman proconsul there yielded to this demand, and the bishop was in the utmost peril of his life. Nevertheless he wanted to remain in the city, and only by the representations of his friends was he prevailed upon to take up his abode in a remote house in the country.

Three days before his arrest he had a dream in which he saw his pillow burning. He recognized therein a foreshadowing of his martyr's death and said to those about him: "I shall be condemned to the fire." On the news that he was being sought for everywhere in order to seize him, he betook himself to another country house. Yet his abode was betrayed. It was already late in the night when the officers broke into his dwelling. Polycarp, who had gone to rest in an upper chamber, went down to them at once when he received word of their arrival, conversed with them, and refreshed them with food and drink. The officers of justice were astonished at the great age and the undaunted courage of the venerable old man. He begged for yet an hour for free and public prayer, and prayed with such fervent devotion and holy zeal that two hours passed in it, and the hearers were thereby filled with deep emotion, and likewise were struck with great amazement by the presence of his mind. Many of the officers repented that they had allowed themselves to be employed to seek out so venerable an old man.

When Polycarp was led away, the officers set him upon an ass, and brought him toward the city. This happened, as is commonly believed, on the Saturday before the holy feast of Easter. The magistrate of that time, Herod, and his father Nicetes, drove out to meet him and had him get up into the carriage beside them. They began a conversation with him, and asked him what evil he found in it, if one sacrificed to the emperor and thereby preserved his life. Polycarp was silent at first. But when they pressed for an answer, he testified to them that he could not resolve to do this. The result of this was that they began to abuse him violently, and thrust him down from the carriage with such violence that he had a hard fall and was badly wounded in the leg. But Polycarp soon rose again from his fall and, with a composed mind, ran as briskly beside the carriage as if no harm had befallen him. After his arrival at Smyrna he was led into the circus. Hardly had he entered it when a voice was heard from heaven: "Be of good courage, Polycarp, and quit thyself like a man!" No one saw the person speaking, but the Christians who were present there heard the voice. He was then set before the proconsul, who urged him to recant, and to consider his great age. Yea, he at last pressed him still further and said: "Swear, and revile Christ, and thou shalt be set at perfect liberty." But Polycarp answered with calmness and composure: "Eighty and six years have I served Christ without interruption*), and he hath never done me the least harm; how then should I revile and blaspheme my King, who hath redeemed me and hath won salvation for me?" The proconsul threatened him: "I have wild beasts at hand, to which I will have thee cast, if thou dost not change thy purpose." Polycarp answered: "Let them come! It is well with me to attain perfection through the sufferings of death." The proconsul continued: "I will have thee burned alive, if the ravening beasts are a contemptible thing to thee, and thou dost not declare thyself otherwise." Thereupon the pious martyr broke out in these words: "Thou threatenest me with a fire that burns for a short time, and soon is quenched again; but thou knowest not the fire of the judgment to come and of the everlasting punishments, which is prepared for the ungodly in the world to come." After these and several other memorable words, which the aged martyr uttered with undaunted and joyful courage, the proconsul at last gave the command to proclaim three times in succession in the circus: "Polycarp hath confessed that he is a Christian." Hardly had this been done when the multitude of the heathen and Jews raised a terrible outcry over it, and urgently pressed the heathen priest Philip who was present to let a lion loose upon Polycarp. But since Philip could not or would not give his consent to this, the people insisted that Polycarp should be burned alive, and themselves made the necessary preparations for it; the Jews especially were most active herein. When everything was made ready, Polycarp laid his girdle and his garments aside, drew off his shoes, and prepared himself for his approaching martyrdom. They then laid everything that belonged to the stake about him, and wanted to fasten him to a stake after the usual custom. But Polycarp declined this, and said to those standing by: "Let me stand thus, for He who gives me the needful strength to endure the fury of the flames will also give me strength to stand firm upon this pile." Thereupon he lifted his eyes toward heaven and prayed: "LORD, almighty God! thou Father of Jesus Christ, thy blessed and beloved Son, through whom we have received the grace to know thee aright! Thou God of the angels and heavenly powers! Thou God of all creatures and of the whole race of the righteous, who live before thy face! I praise thee that thou hast let me live to see this day and this hour, when I am to come into the number of thy witnesses in blood, and to drink of the cup of suffering of Jesus Christ, in the hope of eternal life, both of soul and body, and in the communion of the Holy Ghost. Ah, that I may be offered unto thee today as an acceptable sacrifice, as thou, O God, who art true indeed and canst not lie, hast prepared it beforehand, and shown it beforehand, and now fulfilled it. Therefore I praise thee, and thank thee, and glorify thy name with the eternal and heavenly High Priest Jesus Christ, thy beloved Son, with whom, to thee and the Holy Ghost, be honor and praise now and unto all eternity, Amen!"

*) Many historians reckon these years from the time when Polycarp, who was a heathen by birth, was converted to Christianity, and hold that he was more than a hundred years old when he suffered martyrdom.

After the completion of this prayer the wood which was heaped up round about the martyr was kindled in various places. The flame leaped up on high and made, as it were, a vault or arch around Polycarp, who stood in the midst of this vault without being consumed by the flames; which the Christians present recognized as a miracle. A pleasant fragrance spread from the pile, as if sweet-smelling incense had been cast into the flame. When the persecutors perceived that the flame had not wholly consumed Polycarp, they grew impatient, and called to the executioner to give him the death-stroke. He pierced him through with a dagger. It is related that, after the martyr was pierced through, the blood flowed so abundantly from his body that the fire was quenched by it. At the urgent solicitation of the Jews, who would not permit the body of Polycarp any burial, it was at last wholly burned. Nothing remained of it but a few bones, which the Christians carefully gathered and laid in the earth.

Counsel for Christians to Whom the Devil Holds Up Their Sins, and Whom He Thereby Seeks to Bring to Despair.

Concerning this Luther writes: "The devil is a liar, that is true, but he can lie better than any ordinary bad liar, and more artfully than a man can understand; for he takes before him a truth which one cannot deny, and sharpens his lies therewith, so that one cannot defend himself. It was the pure truth when he struck Judas to the heart, that he had betrayed innocent blood; that Judas could not deny, it was the truth: but that was a lie, that he bade him despair of God. Yet he sharpened such despair through the truth so mightily that Judas must go hence upon it and hang himself. Matt. 27:5. Acts 1:18. No, dear brother, there the devil does not lie, when he holds up to us our open evil works and life; there he has