Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 7 › Seite 51

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-27, Seite 51

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Erhaltung im Glauben 167 · Miſſion 32

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angefangen, das Herz meiner älteren Kinder mir wieder zuzuwenden. Mein geliebtes Kind Madras, ermüdet vom Drange und Drucke englisch-reformirten Joches, hat sein Herz der Mutter wieder zugewandt und ist schon wieder mein geworden.

Nur Eins ist, was mich in dieser lieblichen Zeit eines allmählichen Wiederauflebens unter Seinen Flügeln bekümmert. Das ist, daß immer und immer noch der HErr von fremden weißen Lippen mir muß Sein Wort predigen, von fremden weißen Händen Seine Sacramente reichen, von fremdem Gelde muß meine Kirchen und Schulen bauen lassen. Das betrübt mich, daß ich noch so gar unbehülflich bin, ein selbstständiges Gehen zu versuchen, und meine Gemeinden zum Theil so blutarm, daß ein selbstthätiges Mitwirken zum Bestehen von Kirche und Schule gar sauer für sie wird. Doch der HErr, der in Gnaden mich wiederaufgeweckt hat aus dem Staube und Tode und neues Leben und lieblichen Segen gegeben hat, der wird auch hierin gnädig auf mich niedersehen, daß der Gedanke der alten Väter über mir, der durch die Schuld der Zeiten unausgeführt blieb, unter der Pflege und kräftigen Mitwirkung unserer neuen hochgeliebten Väter zu That und Wahrheit werde, und ich als eine selbstständige Tamulische lutherische Kirche dem HErrn mein Hosianna entgegensingen kann, wenn Er kommen wird, die Frucht zu suchen von aller der vielen Mühe und Erbarmen, das er an Tranquebar gewendet hat. Hilf auch Du mir, geliebte Schwester, und stärke mich durch Deine Liebe, Fürbitte, Brief, Friedensgruß und Zuruf, wie auch ich Dein nicht vergessen will vor dem Thron der Gnade.“

So, Du theure Kirche Nord-Amerikas, so, Ihr theuren geliebten Brüder Alle, so redet zu Dir, zu Euch unsere Tamulische Kirche, eine Kirche, die schon eine bedeutende Vergangenheit durchlebt hat, deren Gegenwart aber nur gering ist. Sie umfaßt jetzt sieben Gemeinden:

1. Tranquebar, die Muttergemeinde mit der Jerusalemskirche; hier steht in diesem Augenblicke der Missionar Appelt. Missionar Cordes, der seiner Gesundheit wegen sich kurze Zeit in Deutschland aufgehalten, wird baldigst zurückerwartet und dann die Gemeinde wieder übernehmen. 2. Poreiar, mit der 1746 erbauten Bethlehemskirche; hier steht der Missionar Schwarz. 3. und 4. Puthenur und Tirumeynjanam, zwei Gemeinden, welche im Laufe der letzten 1½ Jahre von Poreiar aus aus den Heiden gesammelt sind. Sie stehen beide unter der Pflege des Missionars Mylius. 5. Madras, jene Gemeinde, welche, ursprünglich durch lutherische Predigt gesammelt, darnach in der Engländer Hände gerathen, von diesen mannigfach gekränkt und bedrückt, endlich wieder sich ihrer Mutter zugewendet hat. Hier arbeitet Missionar Kremmer. 6. Mayaveram, eine früher der englisch-kirchlichen Missionsgesellschaft gehörige Station, von dieser verkauft, durch Freunde unsrer Mission mit allen Baulichkeiten angekauft und uns geschenkt. Hier arbeitet der Missionar Ochs. 7. Puducottah, ein von den Nord-Amerikanischen Missionaren in Madura uns abgetretenes Missionsfeld in dem Lande eines noch ziemlich unabhängigen kleinen Fürsten jenseit Tanjore. Diese Gemeinde steht unter der Pflege des Bruder Wolff. Außer diesen so in Thätigkeit stehenden Missionaren ist kürzlich von Deutschland ein neuer in dieß Arbeitsfeld gekommen, Missionar Glasell, welcher sich jetzt auf künftige Thätigkeit vorbereitet.

Und was nun die Hauptsorge und Hauptthätigkeit ist, die diesem Arbeitsfelde des HErrn hier gewidmet werden muß, das stellt sich leicht und klar in folgenden drei Stücken dar: Die Heiden zu rufen, die Gekommenen und durch die Taufe Aufgenommenen zu pflegen und auf alle Weise dahin zu trachten, daß die Kirche hier einmal selbstständig dastehen könnte, zu welchem Ende auch jetzt drei tüchtige eingeborne Männer von uns zur Ordination vorbereitet werden. Denn die ganze Last der Ausgaben für diese Mission hier ruhet bis jetzt noch auf den Schultern unsers jetzt so tief zerrissenen deutschen Vaterlandes. Möchten sich doch Hände finden, die in dieser betrübten Zeit mit tragen hülfen, während unsere Sorgfalt und Bemühung hier es sein soll, mit Ernst und Dringlichkeit darauf hinzuarbeiten, daß die Gemeinden mehr und mehr und endlich völlig zu kirchlicher Selbstthätigkeit erwachen. Helft auch Ihr, geliebte Brüder, uns und den Gemeinden hier mit Gebet, Fürbitte, Brief, Gruß und Zuruf, und was Eure Liebe Euch sonst gebietet zu thun, und nehmt auf Euer Herz zu andern Lasten auch uns noch mit unsern Gemeinden.

Die Gnade unsers HErrn JEsu Christi, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch und uns Allen!

Die Conferenz der ev.-lutherischen Mission und Kirche im Tamulenlande.
A. F. Wolff.
E. Appelt.
A. Mylius. Derselbe im Namen der abwesenden
Rl. Glasell,
C. F. Kremmer und
C. Ochs.
J. M. N. Schwarz.

NB. Nebst meinem nachträglichen nochmaligen herzlichen Friedensgruß an alle Brüder, besonders an die von mir persönlich gekannten Brüder, Herrn Dr. Sihler, Br. Hattstädt, Ernst, Burger, Trautmann, Detzer und Saupert, bitte ich, Sie, geliebte Brüder, möchten Ihre lieben Briefe unter folgender Adresse an uns befördern:

Rev'd M. Schwarz,
Tranquebar,
East Indies.

In herzlicher Liebe im HErrn Ihr treuer und geringer Bruder und Fürbitter
J. M. N. Schwarz.

Beispiele von Christen, die von dem Zweifel angefochten und befreit wurden, ob sie auch bis ans Ende beharren würden.

Als Einer, schreibt Thomas von Kempen, tief bekümmert, oft zwischen Furcht und Hoffnung schwebte, und einst, von bangem Leid verzehrt, in einer Kirche vor dem Altar betend sich niederwarf, dacht' er so bei sich und sprach: „O, daß ich wüßte, ob ich noch beständig bleiben werde!“ Alsbald vernahm er im Innersten die göttliche Antwort: „Und wenn du nun das wüßtest, was wolltest du denn thun? Thu' jetzt, was du dann thun wolltest, und du wirst recht sicher sein.“ Zur Stund getröstet und gestärkt ergab er sich dem göttlichen Willen, und sein bekümmertes Zweifeln verließ ihn. Nun wollt' er nicht mehr vorlaut fragen, und erforschen, was künftig ihm begegnen möchte; sondern eifriger bemühte er sich, zu ergründen, was Gottes wohlgefälliger und vollkommner Wille sei, alles Gute anzufangen und zu vollenden. (Vier Bücher von der Nachfolge Christi, I., 25.)

Ich erinnere mich, schreibt ferner Luther, daß zu Torgau ein armes Weiblein zu mir gekommen, und mit bitteren Thränen darüber, daß sie nicht glauben könnte, geklagt hat. Da ich nun die Artikel des Glaubens nach einander hersagte, und sie um einen jeglichen Artikel fragete: Ob sie es auch dafür hielte, daß dies alles wahr und also auch geschehen wäre, oder nicht? antwortete sie mir und sagte: „Ich halte es eigentlich dafür, daß es alles wahr sei; ich kann es aber ja nicht gläuben.“ Das war ein teuflischer Betrug. Darum sagte ich zu ihr: Wenn du dies alles für wahr hältst, so darfst du dich deines Unglaubens halben nicht beklagen; denn wo du daran nicht zweifelst, daß der Sohn Gottes für dich gestorben ist, so gläubest du ja gewißlich. Denn gläuben ist anders nichts, als daß man dies für die gewisse ungezweifelte Wahrheit halte, nemlich, daß der Sohn Gottes für uns gestorben sei. Gott saget zu dir: Siehe, da hast du meinen Sohn, den höre, und nimm ihn an; wenn du das thust, so bist du jetzt schon deines Glaubens und deiner Seligkeit gewiß. Ja, sagest du, ich weiß aber nicht, ob ich im Glauben bleiben kann? Ey, so nimm doch gleichwohl die gegenwärtige Verheißung und Versehung *) an, und hüte dich, daß du nicht fürwitzig oder zu genau nach den heimlichen Rathschlüssen Gottes forschest. Wenn du an den geoffenbarten Gott gläubest und sein Wort annimmst, so wird dir allgemach auch der verborgene Gott geoffenbaret werden. Denn „wer mich siehet“, spricht Christus Joh. 14, 9., „der siehet auch den Vater“. Wer aber den Sohn verwirft, der verliert mit dem geoffenbarten Gott auch den verborgenen Gott, der sich geoffenbaret hat. Wirst du aber mit starkem Glauben dem geoffenbarten Gott anhangen, also: daß du in deinem Herzen gesinnet seist, du wollest

*) Unter „Versehung“ verstehen die Alten eigentlich Gottes ewige Vorherbestimmung.

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begun to turn the heart of my older children to me again. My beloved child Madras, wearied by the pressure and burden of the English-Reformed yoke, has turned its heart again to its mother and has already become mine once more.

Only one thing there is that troubles me in this lovely time of a gradual reviving under His wings. It is that still, and ever still, the Lord must preach me His Word from foreign white lips, must have His Sacraments administered me from foreign white hands, must have my churches and schools built with foreign money. This grieves me, that I am still so helpless in attempting to walk independently, and my congregations in part so poverty-stricken, that an active cooperation of their own for the support of church and school becomes very hard for them. Yet the Lord, who in grace has awakened me again out of the dust and death and has given me new life and lovely blessing, will look down graciously upon me in this also, that the thought of the old fathers concerning me, which through the guilt of the times remained unexecuted, may under the care and strong cooperation of our new highly beloved fathers become deed and truth, and that I as an independent Tamil Lutheran Church may sing my Hosanna to the Lord, when He shall come to seek the fruit of all the great labor and mercy which He has bestowed on Tranquebar. Help thou also me, beloved sister, and strengthen me by thy love, intercession, letter, greeting of peace, and call, as I also will not forget thee before the throne of grace."

So, thou dear Church of North America, so, all ye dear beloved brethren, so speaks to thee, to you, our Tamil Church, a church which has already lived through a considerable past, but whose present is only small. It now comprises seven congregations:

1. Tranquebar, the mother congregation with the Jerusalem Church; here at this moment the missionary Appelt is stationed. The missionary Cordes, who has been staying for a short time in Germany on account of his health, is expected back very soon and will then take over the congregation again. 2. Poreiar, with the Bethlehem Church built in 1746; here the missionary Schwarz is stationed. 3. and 4. Puthenur and Tirumeynjanam, two congregations which in the course of the last 1½ years have been gathered out of the heathen from Poreiar. They both stand under the care of the missionary Mylius. 5. Madras, that congregation which, originally gathered through Lutheran preaching, afterwards fell into the hands of the English, was variously offended and oppressed by them, and has at last turned again to its mother. Here the missionary Kremmer labors. 6. Mayaveram, a station formerly belonging to the English church missionary society, sold by it, bought with all its buildings by friends of our mission and presented to us. Here the missionary Ochs labors. 7. Puducottah, a mission field ceded to us by the North American missionaries in Madura, in the land of a still fairly independent little prince beyond Tanjore. This congregation stands under the care of Brother Wolff. Besides these missionaries thus in active service, there has recently come from Germany a new one into this field of labor, the missionary Glasell, who is now preparing for his future activity.

And what the chief care and chief activity is, which must be devoted to this field of the Lord here, is shown plainly and clearly in the following three points: To call the heathen, to care for those who have come and been received by Baptism, and to strive in every way toward this, that the church here might some day stand independent, to which end three capable native men are even now being prepared by us for ordination. For the whole burden of the expense for this mission here rests until now still upon the shoulders of our now so deeply rent German fatherland. Would that hands might be found which in this troubled time would help to bear it, while our care and endeavor here shall be to work toward it with earnestness and urgency, that the congregations more and more and at last fully awake to churchly self-activity. Help ye also, beloved brethren, us and the congregations here with prayer, intercession, letter, greeting, and call, and whatever else your love bids you to do, and take upon your heart, among other burdens, us also with our congregations.

The grace of our Lord Jesus Christ, the love of God the Father, and the communion of the Holy Ghost be with you and us all!

The Conference of the Ev. Lutheran Mission and Church in the Tamil Country.
A. F. Wolff.
E. Appelt.
A. Mylius. The same in the name of the absent
Rl. Glasell,
C. F. Kremmer and
C. Ochs.
J. M. N. Schwarz.

NB. Together with my subsequent repeated hearty greeting of peace to all the brethren, especially to those brethren known to me personally, Dr. Sihler, Br. Hattstädt, Ernst, Burger, Trautmann, Detzer and Saupert, I beg you, beloved brethren, that you would forward your dear letters to us under the following address:

Rev'd M. Schwarz,
Tranquebar,
East Indies.

In hearty love in the Lord, your faithful and lowly brother and intercessor
J. M. N. Schwarz.

Examples of Christians who were assailed by doubt and freed from it, whether they would also persevere to the end.

When one, writes Thomas à Kempis, deeply troubled, often hovered between fear and hope, and once, consumed with anxious grief, cast himself down praying before the altar in a church, he thought thus within himself and said: "O, that I knew whether I shall yet persevere!" Immediately he heard in his inmost soul the divine answer: "And if thou knewest that, what wouldest thou then do? Do now what thou wouldest then do, and thou wilt be quite secure." Comforted and strengthened at that hour he yielded himself to the divine will, and his anxious doubting left him. Now he would no longer ask presumptuously, and inquire what might befall him in the future; but more zealously he endeavored to discover what is the good and perfect will of God pleasing to Him, to begin and to accomplish all that is good. (Four Books of the Imitation of Christ, I., 25.)

I remember, writes Luther further, that at Torgau a poor little woman came to me, and with bitter tears complained that she could not believe. When I then recited the articles of the faith one after another, and asked her about each article: Whether she also held that all this was true and had also happened thus, or not? she answered me and said: "I really do hold that it is all true; but I simply cannot believe it." That was a devilish deception. Therefore I said to her: If thou holdest all this to be true, thou needest not complain of thy unbelief; for where thou doubtest not that the Son of God died for thee, thou believest surely. For to believe is nothing else than to hold this for the certain, undoubted truth, namely, that the Son of God died for us. God says to thee: Behold, there thou hast My Son, hear Him, and receive Him; if thou doest this, thou art even now sure of thy faith and thy salvation. Yea, thou sayest, but I know not whether I can remain in the faith? Nay, then take nevertheless the present promise and foreordination *), and beware that thou inquire not curiously or too exactly into the secret counsels of God. If thou believest in the revealed God and receivest His Word, then the hidden God also will in time be revealed to thee. For "he that seeth Me," saith Christ, John 14, 9, "seeth the Father." But he who rejects the Son loses with the revealed God also the hidden God, who has revealed Himself. But if thou wilt cling with strong faith to the revealed God, so that thou art minded in thy heart, thou wilt

*) By "Versehung" the ancients properly understood God's eternal predestination.