Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 12 › Seite 89
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-02-05, Seite 89
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeinde · Gemeindeglied 5 · Gemeindeglied 7 · Gemeindeglied 10 · Kirche 26 · Kirche 30
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr."
Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrgang 6. St. Louis, Mo., den 5. Februar 1850. No. 12.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.
(Eingesandt von Pastor Schieferdecker.)
Ein Gespräch über die Pflicht eines lutherischen Christen, sich an eine rechtgläubige lutherische Kirch-Gemeinde gliedlich anzuschließen.
Ein frommer Christ, Namens Gotthold, der keinen höhern Reichthum kannte, als den, welchen David preis't: „Das Gesetz Deines Mundes ist mir lieber, denn viel tausend Stück Gold und Silber", ging eines Sonntags aus der Kirche nach Hause, und indem er bei sich das gehörte Wort andächtig bewegte und mit dankbarem Herzen Gott lobte, daß er ihn in diesem Lande hatte finden lassen, was ihn ewig reich und selig machen könnte, gesellte sich sein Nachbar zu ihm, der ebenfalls in der Kirche gewesen war. Das Gespräch lenkte sich auf die Predigt, die sie beide gehört hatten, auf die große Gnade, die einer Gemeinde widerfahre, wenn sie das Wort Gottes so lauter und rein verkündigen höre; wie viel aber auch dermaleinst von einer solchen Gemeinde gefordert werden, und welche schwere Verantwortung auf die fallen werde, die das Wort in ihrem Herzen zu keiner Frucht hätten kommen lassen. Gotthold, der seines Nachbars unentschiedenes und gleichgültiges Wesen kannte, benutzte die gute Gelegenheit, ihm einmal ein ernstes Wort ans Herz zu legen.
Gotth. Aber sage mir doch, lieber Nachbar, wenn du die Wohlthaten und Segnungen der Kirche erkennst, warum du deine Dankbarkeit nicht auch im Werke erzeigst? Du gehst nun schon so lange mit in die Kirche, und hältst dich doch immer noch gegen die Gemeinde als ein Fremder; du hast noch nichts gethan, um ein Glied unsrer Gemeinde zu werden; so sage mir doch, worin dies fremde Wesen eigentlich seinen Grund hat.
Gebhard. Das will ich dir wohl sagen. Ich war bisher immer noch unschlüssig, an was für eine Kirche ich mich anschließen sollte, und es kann mir das niemand für Unrecht halten, wenn ich erst sorgfältig prüfe und alles zuvor wohl untersuche; denn man thut nicht gern einen so wichtigen Schritt, welchen man, wenn er einmal geschehen ist, nicht wohl wieder zurücknehmen kann. Es sind ja viele, die es in diesem Lande so machen und sich wohl Jahre lang besinnen, ehe sie sich an eine Gemeinde gliedlich anschließen; denn wenn man die Sachen bloß von außen ansieht, so hat's oft einen recht schönen Schein, wird man aber genauer mit dem innern Zustand bekannt, so sieht man die faulen Flecken.
Gotth. Nun, was machst du denn eigentlich für Anforderungen an eine christliche Gemeinde?
Gebh. Ich sehe vor allem darauf, daß die Gemeinde eine gute Ordnung habe und daß Einigkeit und Liebe unter den Gliedern sei.
Gotth. Wenn du bloß darauf siehst, so wirst du dich eben so wohl an eine falschgläubige Kirche anschließen können, als an eine rechtgläubige.
Gebh. Nun freilich setze ich voraus, daß auch Gottes Wort rein und lauter gelehrt werde.
Gotth. Ist denn dies eine Sache, die man allezeit so gewiß voraussetzen kann? Ich meine, dies ist die erste und nöthigste Frage, um die man sich rechten Ernstes zu bekümmern hat, ehe man nach guter Ordnung, Liebe und Einigkeit fragt. Denn die Ordnung mag noch so schön sein und die Liebe noch so groß, so kann mich dies doch nicht selig machen, wenn ich nicht Gottes Wort habe. Wo aber das lautere und lebendige Gotteswort ist, da wächst Ordnung, Liebe, Einigkeit und viel andre edle Frucht von selbst heraus.
Gebh. Ihr scheint mir doch in diesem Punkt allzu schroff zu sein; mit meinem Gewissen verträgt es sich nicht, andere gläubige Christen nicht für Brüder anzuerkennen.
Gotth. Dachte ich's doch, daß so etwas in deinem Herzen wäre. Aber sage mir doch, wer hat dir zugemuthet, andere gläubige Christen nicht für Brüder anzuerkennen?
Gebh. Nun, sind denn unter den Reformirten, Unirt-Evangelischen, Methodisten u. s. w., nicht so gut gläubige Christen, wie unter den Lutheranern, und doch wollt ihr diese nicht für Brüder erkennen?
Gotth. Daß es unter den genannten Secten kindlich gläubige Seelen gibt, die in aller Einfalt dem HErrn anhangen und mehr aus Unwissenheit irren, haben wir nie geleugnet. Diese müssen wir als Schwache aufnehmen, wenn sie sich lehren und weisen lassen. Mit jenen Secten selbst wollen wir aber nichts zu thun haben, denn ihnen die Bruderhand reichen, hieße nichts anders, als ihren Irrthümern den Stempel der Wahrheit aufdrücken und sich der gröbsten Verleugnung schuldig machen. Der theure Apostel Johannes, der in seinen Briefen die Ermahnung zur Liebe nicht dringend genug machen kann, spricht doch in seinem 2. Brief Vers 10. das ernste Wort: „So jemand zu euch kommt, und bringet diese Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hause und grüßet ihn auch nicht (verstehe als einen Bruder). Denn wer ihn grüßet, der macht sich theilhaftig seiner bösen Werke."
Gebh. Ich finde aber wenig oder keinen Unterschied in der Lehre; sie predigen sowohl Christum, als wir Lutherischen.
Gotth. Ich wundre mich in der That, daß du so lange schon geprüft und noch immer ihre falsche Lehre nicht erkannt hast. So viel ich methodistische oder evangelische Prediger in diesem Lande gehört habe, so habe ich doch noch keinen gehört, der Gesetz und Evangelium recht getheilt, den Heilsweg deutlich und richtig gezeigt und die Zuhörer recht auf's Wort gegründet hätte. Es ist mir unbegreiflich, daß ein Mann wie du sich mit einem so elenden Gewäsche und mit solcher Salbaderei, wie man es von dergleichen Predigern zu hören gewohnt ist, begnügen kann. Ja, wenn sie auch predigten wie Engel vom Himmel, so sollten dir doch und jedem, der's mit Gottes Wort redlich meint, ihre landkundigen Lästerungen von den heiligen Sacramenten ein solcher Greuel sein, daß du nimmer wolltest einen Fuß in ihre Kirchen setzen. Aber so geht es, wenn man unter dem Vorwand zu prüfen bald hier, bald dorthin läuft; man verliert das zarte Gewissen für die reine Lehre des göttlichen Worts und wird gegen den Irrthum gleichgültig und abgestumpft.
Gebh. Wenn man will das Wahre von dem
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine shall never pass away."
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 6. St. Louis, Mo., February 5, 1850. No. 12.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay for it in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents. Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent here under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
(Contributed by Pastor Schieferdecker.)
A Conversation on the Duty of a Lutheran Christian to Join an Orthodox Lutheran Church Congregation as a Member.
A devout Christian named Gotthold, who knew no higher riches than that which David praises: "The law of Thy mouth is better unto me than thousands of gold and silver," was going home from church one Sunday, and while he was devoutly pondering the Word he had heard and praising God with a thankful heart that He had let him find in this land that which could make him eternally rich and blessed, his neighbor, who likewise had been in church, joined him. The conversation turned to the sermon which they had both heard, to the great grace that befalls a congregation when it hears the Word of God proclaimed so purely and plainly; but also how much will one day be required of such a congregation, and what heavy responsibility will fall upon those who have let the Word bring forth no fruit in their hearts. Gotthold, who knew his neighbor's undecided and indifferent disposition, took the good opportunity to lay a serious word upon his heart.
Gotth. But tell me, dear neighbor, if you recognize the benefits and blessings of the Church, why do you not also show your gratitude in deed? You have been going to church with us now for so long, and yet you still hold yourself toward the congregation as a stranger; you have still done nothing to become a member of our congregation; so tell me, what is the real ground of this aloofness?
Gebhard. That I will gladly tell you. Until now I was still undecided as to what church I should join, and no one can hold it against me if I first examine carefully and look into everything beforehand; for one does not gladly take so important a step, which, once it has been taken, cannot well be taken back again. There are indeed many in this land who do so and ponder for years before they join a congregation as members; for when one looks at things merely from outside, they often have a very fine appearance, but when one becomes better acquainted with the inner condition, one sees the rotten spots.
Gotth. Well, what demands then do you actually make upon a Christian congregation?
Gebh. Above all I look to this, that the congregation have good order and that there be unity and love among the members.
Gotth. If you look only to that, you could just as well join a church of false belief as one of right belief.
Gebh. Well, of course I presuppose that God's Word also be taught purely and plainly.
Gotth. Is this then a matter that one can always presuppose so surely? I think this is the first and most necessary question, which one has to be earnestly concerned about, before one asks after good order, love, and unity. For the order may be ever so fine and the love ever so great, yet this cannot make me blessed if I do not have God's Word. But where the pure and living Word of God is, there order, love, unity, and much other noble fruit grow forth of themselves.
Gebh. You seem to me, however, too severe in this point; it does not agree with my conscience not to acknowledge other believing Christians as brethren.
Gotth. I thought as much, that something like this was in your heart. But tell me, who has expected of you that you should not acknowledge other believing Christians as brethren?
Gebh. Well, are there not among the Reformed, the United Evangelicals, the Methodists, and so forth, just as good believing Christians as among the Lutherans, and yet you will not recognize these as brethren?
Gotth. That among the sects named there are childlike believing souls who in all simplicity cleave to the LORD and err more from ignorance, we have never denied. These we must receive as weak ones, if they let themselves be taught and instructed. With those sects themselves, however, we want nothing to do, for to give them the hand of brotherhood would mean nothing other than to set the seal of truth upon their errors and to make ourselves guilty of the grossest denial. The dear Apostle John, who in his epistles cannot urge the exhortation to love urgently enough, yet speaks in his 2nd Epistle, verse 10, the solemn word: "If there come any unto you, and bring not this doctrine, receive him not into your house, neither bid him God speed" (understand: as a brother). "For he that biddeth him God speed is partaker of his evil deeds."
Gebh. But I find little or no difference in doctrine; they preach Christ just as well as we Lutherans.
Gotth. I am truly astonished that you, having examined so long already, have still not recognized their false doctrine. As many Methodist or Evangelical preachers as I have heard in this land, I have yet to hear one who rightly divided Law and Gospel, showed the way of salvation plainly and correctly, and grounded the hearers rightly upon the Word. It is incomprehensible to me that a man like you can content himself with such miserable twaddle and with such pious drivel as one is accustomed to hear from such preachers. Yes, even if they preached like angels from heaven, their notorious blasphemies concerning the holy Sacraments should be such an abomination to you, and to everyone who is honestly in earnest with God's Word, that you would never set foot in their churches. But so it goes when, under the pretext of testing, one runs now here, now there; one loses the tender conscience for the pure doctrine of the divine Word and becomes indifferent and dulled toward error.
Gebh. If one wishes to know the true from the