Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 12 › Seite 94
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-02-05, Seite 94
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengehen 6 · Konfirmation 10 · Krankheit 14 · Unzucht · Taufe 61
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mittlerweise das, wie sie könnten ausharren, daß wenn die rechtschaffenen gottfürchtigen Prediger ausgestorben wären und gottlose Lehrer wieder an ihre Statt kämen, der Pabst dann wiederum herrschen und regieren könnte und Christus gar vertilget würde. Darum so gehe kein Mittel ein. Als ich zu Worms auf dem Reichstage für dem Kaiser war, da wollt man auch, daß ich sollte besser Einigkeit machen. Da saget ich, wohlan, ich bins zufrieden, allein daß Gottes Wort mir frei bleibe. „Ey", sageten sie, „es ist ungereimet Ding." Ja, reime... — Wenn es Land und Leute anträf, da könnt man für mitteln, vergleichen, Fried und Einigkeit machen, aber allhie sind's grobe Esel, sie meinen, die Sache sei eine weltliche Sache. Aber nein, es ist weit gefeilet, da kannst du nicht weder zu Gott noch zum ewigen Leben kommen, du hörest denn Gott allein und sein Wort. Es wirft das erste Gebot alle Ketzerei auf Erden hinweg, denn Abgötterei macht und schmückt ein fein Deckchen, und gedenkt: ey, das wird Gott gefallen. Aber siehe du zu, mache nicht Friede außer dem göttlichen Wort. Ist nicht Gottes Wort da, so thue die Augen zu, und sprich: hie ist keine Einigkeit oder Vertrag; es sind wohl Leute von hohem Verstande, in der heiligen Schrift, in der lateinischen Sprache und in den Historien belesen, aber gleichwohl sind sie so große Narren, daß sie nicht unterscheiden können Christum und den Teufel, unter den ewigen und zeitlichen Dingen. Denn von zeitlichen Sachen, da kann man begeben.., sich vergleichen und nachgeben, aber nicht also in ewigen Sachen. Da gilts nicht, oder man ist verloren. Denn es läßt sich die Einigkeit nicht theilen. Darum so sage: Wir wollen thun, was wir nur sollen, es betreffe Leib und Leben, allein daß es nicht wider Gott sei. Denn das ist denn nicht unser, darum so kann mans auch nicht verkäufen noch vergeben; darum so müssen wirs auch alleine unsers HErr Gotts bleiben lassen. (Aus: Dr. Martin Luthers ungedruckte Predigten. Aus den Handschriften der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel herausgegeben von Dr. W. Horck. Berlin, 1847. I, 461 ff. vom Jahre 1539.)
Auszug aus dem Protokoll der Prediger-Conferenz des Lancaster Districts, gehalten zu Lancaster, O., am 30. September, 1. und 2. October 1849.
Gegenwärtig waren die Pastoren F. W. Richmann, J. Seidel, P. Baumgart und L. W. Habel.
Zum Präses erwählte man Hrn. P. Seidel; zum Secretär L. Habel, und nahm dann zunächst die Vorschläge der Herren Ernst und Seidel in Ueberlegung, worauf folgende Beschlüsse gefaßt wurden:
1. Daß wir ein Actenstück anlegen, welches
a) eine Constitution unserer Conferenz;
b) ein Verzeichniß der zu derselben gehörenden Glieder;
c) die jährlichen Verhandlungen und sonstige wichtige Vorkommenheiten bezüglich unserer Conferenzmitglieder oder auch in deren Gemeinden, —
enthalten soll.
2. Daß wir die Fort Wayner Conferenz ersuchen, auf dem Grabe des seligen Bruders Burger (welches sich dort befindet) einen Stein zu errichten und der Secretär beauftragt werde, an dieselbe zu schreiben, ihr dabei auch gleichzeitig unsere Bereitwilligkeit zur Unterstützung bei Ausführung dieses Planes zu erklären.
Darnach wurden folgende Fragen erörtert:
1) Wie man es mit solchen zu halten habe, die aus Leichtsinn oder Bosheit längere Zeit oder für immer die Gottesdienste meiden, ohne jedoch zu einer andern Gemeinde überzugehen?
2) Wie man an Kranken- und Sterbebetten mit Selbstgerechten und Maulchristen umzugehen habe?
Geantwortet:
ad 1. Daß solche Gemeindeglieder nach Matth. 18, 15—18. in Kirchenzucht zu nehmen. Doch sollen unter „Leichtsinnige oder Boshafte" nicht solche verstanden werden, die über eine an sich gleichgültige Sache Gewissensscrupel empfinden; solche sind vielmehr zu belehren und als Schwache mit christlicher Geduld zu tragen, so lange sie nicht ihre Ansicht Anderen als Glaubenswahrheit aufdringen wollen, oder durch den Anschluß an Falschgläubige offenbaren, weß Geistes Kinder sie sind.
ad 2. Daß es hinsichtlich der Selbstgerechten am besten sei, ihnen, wenn man ihren Wandel genauer kennt, ohne Rückhalt die Sünden vorzuhalten, die man von ihnen weiß, damit sie von dem Wahne, als wären sie stets tugendhafte Menschen gewesen, ab- und zur Erkenntniß ihrer Verdammungswürdigkeit hingebracht werden. Bei den andern, deren Lebenswandel man nicht genauer kennt, müßte man sich freilich begnügen, das Gesetz im Allgemeinen anzuwenden.
Dabei wurde die traurige Erfahrung mitgetheilt, daß solche Menschen auf ihrem Krankenbette häufig einschlafen, wenn man von Sünde und Gnade mit ihnen spricht, während sie doch munter bleiben bei weltlichen Gesprächen. Viele sind nun zwar der Ansicht, dieses sei eine Schwäche bei den Kranken, die man entschuldigen müsse; wir meinen aber, solches sei vom Teufel, der so noch zu guter Letzt der armen Seele das Wort des Lebens zu entreißen trachte. In dieser Meinung wurden wir noch durch die Erfahrung bestärkt, daß auf ernstliches Gebet zu Gott um Abwendung der List und Macht des Satans die Kranken hatten wachend bleiben können.
Was die Maulchristen betrifft, so ist mit ihnen am schwersten zu handeln; man kann ihnen, weil sie in allen Stücken dem Worte Gottes Recht geben, sehr wenig beikommen. Alles, was man zu thun vermag, ist, sie ernstlich darauf hinzuweisen, daß nicht die bloßen HErr-HErrsager, sondern nur diejenigen auf des Himmels Seligkeit sich freuen könnten, denen JEsus ihr Eins und ihr Alles geworden sei. Man solle sie auch ernstlich auf ihr Gewissen fragen, weßhalb sie sich des Heilandes getrösteten? ob ihr Glaube nicht auf einem falschen Grunde ruhe? ꝛc.
Auch hinsichtlich dieser Menschen wurden Erfahrungen mitgetheilt und hielten wir es nicht für unnütz, hier davon so viel zu bemerken, daß einer der Brüder Leute kennen gelernt, die in ihren gesunden Tagen des Heilandes Namen häufig im Munde führten, auf ihrem Sterbebette aber ihn gar nicht kannten. Wäre die Krankheit der Menschen so beschaffen gewesen, daß sie dabei ihrer Sinne nicht mächtig, dann möchte man den beregten Umstand entschuldigen; so aber waren sie in jeder Beziehung vernünftig, und da meinen wir denn allerdings, dieß sei ein Zeugniß dafür, daß der todte Kopf- und Maulglaube seine Diener im Sterbestündlein verläßt, indem doch selbst der schwer Angefochtene wenigstens so viel in seinem Leiden weiß, „daß und wer JEsus ist". Möchte darum sich doch ein jeder bei gesunden Tagen um den Glauben bekümmern, der auch im letzten Stündlein ihm Trost und Ruhe gewähren kann!
3) Wegen einer dritten Frage, betreffend die Beerdigung solcher, die zu einer falschgläubigen oder gar keiner Kirche gehört haben, wurde auf das, II. Syn. Ber. S. 22 befindliche Gutachten verwiesen.
4) Darf man in Sterbensnoth einen Erwachsenen taufen, dem noch kein gründlicher Unterricht in der Heilslehre ertheilt worden ist?
Antwort: Ja, wenn er sich als einen Sünder erkennt und wenigstens weiß, wer JEsus ist und was er für uns gethan, auch erklärt, daß er durch Ihn allein Vergebung seiner Sünden, Leben und Seligkeit hoffe und sich darum Ihm zum Eigenthum ergeben wolle.
5) Ob man einem Menschen, der in seiner Kindheit zwar getauft, nicht aber confirmirt worden — in Sterbensnoth das heilige Abendmahl reichen dürfe?
Antwort: Ja, wenn er im Stande ist, nach dem Worte Gottes sich selbst zu prüfen, seine Sünden erkennt und Christum als seinen einigen Heiland annimmt, man sonst keine Zeichen eines unbußfertigen Herzens an ihm wahrnehmen kann und er auch über das heilige Sacrament selbst die richtige Erkenntniß hat.
6) Wurde beschlossen, daß wir unsere Gemeinden mit allem Ernste ermahnen wollen, das Gebet für die Kirche in ihren Häusern nicht zu versäumen,
da wir glauben, daß die jetzigen Bedrängnisse unserer Kirche, der Mangel an Arbeitern in derselben ꝛc. Heimsuchungen Gottes sind, die er wegen unserer Lauheit im Gebete über dieselbe verhängt.
7) Wurde angefragt: unter welchen Umständen darf ein Prediger dem Predigtamte entsagen?
Antwort: 1) wenn er leiblich zur Verwaltung desselben unfähig wird; 2) wenn sein Gewissen mit der Lehre der Kirche nicht übereinstimmt.
8) Wie hat ein Pfarrer zu verfahren, wenn die Gemeinde sich an dem liturgischen Gottesdienste nicht betheiligen will?
English translation AI translation
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meanwhile, how they might hold out, that if the upright, God-fearing preachers had died out and godless teachers had come again into their place, the Pope could then rule and reign again, and Christ be utterly destroyed. Therefore enter into no compromise. When I was at Worms at the Diet before the Emperor, they also wanted me to make better unity. Then I said, well then, I am content, only let God's Word remain free to me. "Ah," they said, "that is an unrhymed thing." Yes, rhyme... — If it concerned land and people, one could mediate, reconcile, make peace and unity; but here they are coarse asses; they think the matter is a worldly matter. But no, it is far missed; you cannot come either to God or to eternal life unless you hear God alone and His Word. The first commandment casts away all heresy on earth, for idolatry makes and adorns itself a fine little covering, and thinks: Ah, this will please God. But see to it, make no peace apart from the divine Word. If God's Word is not there, then shut your eyes and say: here is no unity or agreement; there are indeed people of high understanding, well read in the Holy Scripture, in the Latin tongue, and in the histories, but nevertheless they are such great fools that they cannot distinguish Christ and the devil, among eternal and temporal things. For in temporal matters one can give way.., reconcile and yield, but not so in eternal matters. There it will not do, or one is lost. For unity cannot be divided. Therefore say: We will do whatever we are only bound to do, though it concern body and life, only that it be not against God. For that is not ours, therefore it can neither be sold nor given away; therefore we must leave it to our Lord God alone. (From: Dr. Martin Luthers ungedruckte Predigten. From the manuscripts of the ducal library at Wolfenbüttel, edited by Dr. W. Horck. Berlin, 1847. I, 461 ff. from the year 1539.)
Extract from the Minutes of the Preachers' Conference of the Lancaster District, held at Lancaster, O., on the 30th of September, the 1st and 2nd of October 1849.
Present were the Pastors F. W. Richmann, J. Seidel, P. Baumgart, and L. W. Habel.
Mr. P. Seidel was chosen as president; L. Habel as secretary; and there were then first taken into consideration the proposals of Messrs. Ernst and Seidel, whereupon the following resolutions were passed:
1. That we prepare a record-book, which
a) a constitution of our Conference;
b) a list of the members belonging to the same;
c) the annual proceedings and other important occurrences relating to the members of our Conference or also in their congregations, —
shall contain.
2. That we request the Fort Wayne Conference to erect a stone upon the grave of the blessed Brother Burger (which is located there), and that the secretary be charged to write to the same, and at the same time to declare to it our readiness to assist in the carrying out of this plan.
Thereupon the following questions were discussed:
1) How are those to be dealt with who, from levity or malice, avoid the divine services for a longer time or for good, without, however, going over to another congregation?
2) How are self-righteous persons and mouth-Christians to be dealt with at sick-beds and death-beds?
Answered:
ad 1. That such members of the congregation are to be put under church discipline according to Matth. 18, 15—18. Yet there are not to be understood under "the light-minded or malicious" such as feel scruples of conscience about a matter indifferent in itself; such are rather to be instructed and borne with as weak ones with Christian patience, so long as they do not seek to force their opinion upon others as an article of faith, or reveal by joining themselves to the false-believing of what spirit they are children.
ad 2. That with regard to the self-righteous it is best, if one knows their conduct more closely, to set before them without reserve the sins which one knows of them, in order that they may be brought away from the delusion that they had always been virtuous people, and brought to a knowledge of their damnableness. With the others, whose manner of life one does not know more closely, one would indeed have to be content to apply the Law in general.
In connection with this the sad experience was communicated, that such persons on their sick-beds often fall asleep when one speaks with them of sin and grace, while they nevertheless remain wide awake at worldly conversation. Many are now indeed of the opinion that this is a weakness in the sick, which must be excused; but we think that it is of the devil, who thus at the very last seeks to snatch the word of life from the poor soul. In this opinion we were further strengthened by the experience that upon earnest prayer to God for the averting of the craft and power of Satan the sick had been able to remain awake.
As regards the mouth-Christians, they are the hardest to deal with; one can get at them very little, because they give the Word of God its due in all particulars. All that one is able to do is to point them earnestly to this, that not the mere Lord-Lord-sayers, but only those could rejoice in the blessedness of heaven to whom JEsus had become their one and their all. One should also earnestly ask them upon their conscience why they comfort themselves with the Savior? whether their faith does not rest upon a false foundation? etc.
Concerning these persons also experiences were communicated, and we held it not useless to remark thus much here, that one of the brethren had come to know people who in their days of health had the Savior's name often in their mouths, but on their death-bed did not know Him at all. Had the sickness of these people been of such a kind that they were not in possession of their senses, then one might excuse the circumstance mentioned; but they were rational in every respect, and so we think indeed that this is a testimony that dead head- and mouth-faith forsakes its servants in the hour of death, since even the sorely tempted man at least knows so much in his suffering "that and who JEsus is." Would that therefore each one in days of health might concern himself about the faith which can afford him comfort and rest even in the last hour!
3) Concerning a third question, relating to the burial of such as have belonged to a false-believing church or to no church at all, reference was made to the opinion found in the II. Syn. Ber. p. 22.
4) May one in the distress of death baptize an adult to whom no thorough instruction in the doctrine of salvation has yet been given?
Answer: Yes, if he acknowledges himself a sinner and at least knows who JEsus is and what He has done for us, and also declares that through Him alone he hopes for forgiveness of his sins, life, and salvation, and therefore wishes to give himself to Him as His own possession.
5) Whether one may in the distress of death give the holy Supper to a person who in his childhood was indeed baptized, but not confirmed?
Answer: Yes, if he is in a condition to examine himself according to the Word of God, acknowledges his sins, and accepts Christ as his only Savior, if one can otherwise perceive no signs of an impenitent heart in him, and he also has the right knowledge concerning the holy Sacrament itself.
6) It was resolved that we will admonish our congregations with all earnestness not to neglect the prayer for the Church in their homes,
since we believe that the present afflictions of our Church, the want of laborers in the same, etc., are visitations of God, which He lays upon it on account of our lukewarmness in prayer.
7) It was asked: under what circumstances may a preacher renounce the preaching office?
Answer: 1) when he becomes bodily unfit for the administration of the same; 2) when his conscience does not agree with the doctrine of the Church.
8) How is a pastor to proceed when the congregation will not take part in the liturgical divine service?