Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 13 › Seite 102
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-02-19, Seite 102
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Engel
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hielt. Da sie, statt über ihre Seelen zu wachen und über ihre Gemeinden, statt zu beten für sich und die heilige Kirche („Wachet und Betet“! sprach der HErr), lieber disputirten, hat sie der Teufel mit Gaukelwerk irdischer Weisheit betrogen, — in große Anfechtung fielen sie dahin und in der Anfechtung fielen sie selber vom Glauben ab. In England kam die Freidenkerei auf, — und unsre Deutschen, die immer nicht behalten, was sie haben, sondern nach den verbotenen Früchten anderer Nationen haschen, nahmen eben da auch die Freidenkerei auf wie einen Engel des Lichts. Sie merkten nicht, daß sie aller Wahrheit Gottes entkleidet wurden; erst da sie nackt und bloß waren und ihre Armuth sahen, fingen sie an, sich mit Heva zu schämen. Von Frankreich her predigten viele, an ihrer Spitze ein lüderlicher Schwätzer, Namens Voltaire (lies: Woltär), die bösen Sitten, die wir an den Franzosen hernach haben kennen lernen. Da unsre Deutschen leider gerne nachthun und nachahmen, was man ihnen vorthut; so haben sie von den Franzosen leider die bösen, bösen Geschwätze, welche gute Sitten verderben, auch angenommen — — und an ihrer Spitze war ein deutscher König, den man um seiner Regierungsweisheit und Kriegsthaten willen groß, ja, gar „den Einzigen“ genannt hat. Der elende Voltaire hat wohl in seinem Sterben die Angst der Feinde Gottes empfunden und hätte gern Trost von der Religion angenommen, die er in seinem Leben verspottet und untergraben hatte, — — „der Einzige“ hätte am Grabe wohl gerne seine beßte Schlacht drum gegeben, wenn er den Glauben in seinem Lande wieder hätte herstellen können, wie er zur Zeit seines Vaters gewesen war; aber — aber — die Saat war gestreut und wuchernd aufgegangen mit Schrecken, die Dämme waren gebrochen, die Wasser des Unglaubens überströmten das Land, wie die Städte, — und das Verderben ward allgemein, wie die Erde von den Gipfeln der hohen Berge bis in die tiefen Thäler durch die Sündfluth verderbt ward. Fromme Männer, wie es noch einige gab, wurden im Getöse der Ueberschwemmung gar nicht mehr gehört — und es waren wenige, die in der Arche der heiligen Kirche durchs Wasser entrinnen mochten.
Wie weit der Unglaube und seine Frechheit seitdem ging, das wollen wir unsern Lesern einmal in einigen Beispielen vorlegen! Es ging so weit, als mans jetzt, Gott Lob! gar nicht mehr glaubt. — Anfangs war der Unglaube vornehmlich unter den Gelehrten, von denen verbreitete er sich auf alle die höheren Stände; am längsten blieb er von Dörfern und Weilern entfernt. Die Bürger und Bauern aber trinken gegenwärtig noch an der Hefe des Unglaubens; das Böse, wie das Gute, hält sich bei ihnen am längsten auf. Aber es wird auch, je länger, je mehr die Morgenröthe aufgehen und der HErr, wie unter den andern Ständen, so auch unter ihnen, unter den Bürgern und Bauern ein größeres Volk haben! Denn Gott ist ein Gott aller Menschen und erbarmt sich aller seiner Werke.
6.
Du gibst mir nun wohl zu, daß die Aufklärerei und der Rationalismus nicht durch ihr Alter die Wahrheit überwanden in dem vorigen Jahrhunderte. Du wirst vielmehr mit mir alle Tage mehr inne werden, daß die Wahrheit die Lüge überwindet. Das muß auch sein. Denn die Wahrheit ist von dem ewigen Gott, die Lüge aber ist von dem Vater, dem Teufel, der nicht von Ewigkeit, sondern von einem Anfang her ist, — und so wenig der Satan Gott überwindet, so wenig kann die Lüge den endlichen Sieg über die Wahrheit erhalten. Aber Eins ist dir wunderlich, wie die Lüge einen solchen Anhang hat finden können — unter den Pfarrern und unter den Andern. Das kann indeß leicht erklären, wer Gottes Wort und sein eigenes Herz ein wenig erkennt.
Der Mensch ist von Geburt an verderbten Herzens, hat Lust und Neigung und Ungestüm zum Bösen, hingegen hat er keine Lust und keine Kraft zum Guten. Wenn ihm nun der Lügner von Anfang naht und ihm die Thorheit in Gestalt der Weisheit, die Bosheit in Gestalt der Tugend zeigt; so fühlt das arme menschliche Herz einen Zug zu den Anerbietungen des Bösewichts und willigt in's Böse, als wäre es gut. So ging es im vorigen Jahrhundert mit der Aufklärerei auch, zumal da Gott eine Stunde und Macht der Finsterniß überließ, zur Strafe der elenden Welt, die lange vorher Ihm für seine Offenbarungen weder Preis, noch Dank gesagt hatte. Der Weg, der zum Verderben führt, ist allezeit breit und voll; in solchen finstern Zeiten des Gerichts aber drängt sichs auf ihm, als gings zum ewigen Leben. Die Pfarrer aber sind auch Menschen und über sie kam das Gericht am ersten, da ihre Lehrer auf den Universitäten, die gelehrten Professoren, die ersten waren, welche der Satan verblendete. Blinde Leiter leiteten die blinden Schüler, erzogen blinde Pfarrer und die waren dann, wie ehedem und auch jetzt wieder immer mehr Gottes Diener, so damals die wirksamsten Werkzeuge des Satans, die Menschen zu verführen. Die ganze hirtenlose Heerde — voran die blinden Hirten, d. i. die Verführer der Gemeinden, wandelte miteinander ohne Licht und Recht, ohne Feuer⸗ und Wolkensäule, sie sahen allein auf ihren Weg, den sie erdacht und erwählt hatten.
Lieber Leser! Unsre Zeit ist eine Zeit der Stimmenmehrheit. Durch Stimmenmehrheit werden die Dinge der Erde beschlossen und festgesetzt, und weil die Leiter der Menge die Menschheit in ihrer großen Mehrheit für inspirirt halten, für unfehlbar im Treffen und Wählen des Beßten; so meinen sie, wenn man nur Alles durch Stimmenmehrheit thue, so sei man auch immer im Fortschritt zum Bessern begriffen. Wage du es, klüger zu sein, als so! Frage nicht, wie viele reden, sondern wer redet, und noch mehr, was geredet wird. Frage überall nach den besten Stimmen — und in Religionssachen, da steh nur vollends von dem Grundsatz ab, der Mehrzahl zu folgen, da höre auf Gottes Stimme, die in seinem Worte offenbar ist. Gottes Stimme wiegt alle Stimmen auf, und wer ihr folgt, fährt am beßten, und er hat selbst die gewichtigste Stimme. Mögest du die finden! Zwei Ohren hast du, die verschiedenen Pfarrer zu hören, aus deren Predigt dein Glaube oder Unglaube geboren werden könnte; aber auch zwei Augen hast du, um nach der Schrift das Gehörte zu prüfen. Auch ist Gott und Sein Geist allen nahe, die Ihn suchen, und die Ihn frühe suchen, finden ihn bald. Er ist am nächsten denen, die Gottes Wort gerne hören und lernen — und nach dem Worte Gottes alles prüfen und das Beßte behalten.
Er sei dir nahe, lieber Leser, und helfe dir, den richtigen Unterschied unter den Pfarrern machen!
An Mitteln fehlts ihm nicht.
Bist du ein Christ, so sei auch fröhlich und gutes Muths in allen Dingen. Denn das weißt du ja dann, daß Gott es gar treu und väterlich mit dir meinet, und dir gewiß gerne helfen und geben wird, was dir frommt. Hat er seines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns Alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Und auch das sollst du wis— sen, daß er dir nicht nur gerne helfen und alles Gute geben will, sondern daß er es auch auf das Herrlichste kann. Thut er doch, was er will, im Himmel, auf Erden, im Meer und in allen Tiefen (Ps. 135, 5. 6.)! Müssen doch alle Kräfte ihm unterthan sein und alle Creaturen ihm dienen, weil er alle Dinge geschaffen hat, und durch seinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen (Offenb. Joh. 4, 11.)! Und so müssen sie auch zu deinem Dienste sein, so bald Gott will; und die höchsten wie die geringsten Creaturen gebraucht Gott als Werkzeuge, durch die er seinen Kindern Gutes thut. Die Engel, diese starken Helden (Ps. 103, 20.), lassen sich als dienstbare Geister aussenden zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit (Hebr. 1, 14.). Sind nicht des HErrn Engel nach Sodom gekommen, den Lot zu erretten? (1 Mos. 19, 1. ff.) Hat nicht der Knabe des Propheten, als ihm die Augen aufgethan wurden, den ganzen Berg voll feuriger Wagen und Rosse um Elisa her gesehen und also erkannt, daß viel Mehrere für ihn, als gegen ihn waren? (2 Kön. 6, 16. ff.) Mußte nicht Petrus ausrufen: Nun weiß ich wahrhaftig, daß der HErr seinen Engel gesandt hat und mich errettet aus der Hand Herodis und von allem Warten des jüdischen Volks! (Apg. 12, 11.) Aber nicht etwa nur vor Alters hat sich der Engel des HErrn um die her gelagert, die ihn fürchteten, und hat ihnen ausgeholfen (Ps. 34, 8.); auch heut zu Tage noch dürfen sich die Gottesfürchtigen des Schutzes der heiligen Engel getrösten. Es ging einmal ein Schultheiß nach einem Berufsgeschäfte des Abends ganz allein von der Amtsstadt nach Hause. In der Nähe eines Getreidefeldes überfiel ihn plötzlich eine große Angst. Aber als ein Mann, der wohl wußte, wohin er mit allen seinen Sorgen und Anliegen sich zu wenden habe, fing er an herzlich zu beten und hielt auch mit Flehen an, bis er zu Hause war, wo die Angst wieder ver-
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kept them. Since they, instead of watching over their souls and over their congregations, instead of praying for themselves and for the holy Church (“Watch and pray!” said the LORD), preferred to dispute, the devil deceived them with the jugglery of earthly wisdom,—into great temptation they fell, and in the temptation they themselves fell away from the faith. In England free-thinking arose,—and our Germans, who never keep what they have, but snatch at the forbidden fruits of other nations, took up free-thinking there too, as an angel of light. They did not notice that they were being stripped of all the truth of God; only when they were naked and bare and saw their poverty did they begin, with Eve, to be ashamed. From France many preached, at their head a dissolute prattler by the name of Voltaire (read: Woltär), the wicked manners which we have since come to know in the French. Since our Germans, alas, gladly imitate and ape what is done before them, they have, alas, adopted from the French the wicked, wicked chatter which corrupts good morals—and at their head stood a German king, whom men, for the sake of his wisdom in government and his deeds in war, have called great, yea, even “the Only One.” The wretched Voltaire, it seems, in his dying felt the anguish of the enemies of God and would gladly have accepted comfort from the religion which he had mocked and undermined all his life,——“the Only One” would gladly have given his best battle at his grave, if he could have restored the faith in his land as it had been in his father's time; but—but—the seed was sown and had sprung up luxuriantly with terrors, the dikes were broken, the waters of unbelief overflowed the land, as well as the cities,—and the corruption became general, as the earth was corrupted from the summits of the high mountains down into the deep valleys by the Flood. Pious men, such as there still were some, were not heard at all in the roar of the inundation—and there were few who might escape through the water in the ark of the holy Church.
How far unbelief and its insolence have gone since then, we will lay before our readers once in a few examples! It went as far as, God be praised, it is now no longer believed. —At first unbelief was chiefly among the learned, from whom it spread to all the higher classes; longest it stayed away from villages and hamlets. The burghers and farmers, however, are drinking at present still of the dregs of unbelief; the evil, like the good, stays longest with them. But the dawn will also break, the longer the more, and the LORD, as among the other classes, so also among them, among the burghers and farmers, will have a greater people! For God is a God of all men and has mercy on all His works.
6.
Thou wilt grant me now that the Enlightenment and Rationalism did not overcome the truth in the last century by their age. Thou wilt rather perceive with me every day the more that the truth overcomes the lie. It must be so. For the truth is of the eternal God, but the lie is of the father, the devil, who is not from eternity, but is from a beginning,—and as little as Satan overcomes God, so little can the lie obtain the final victory over the truth. But one thing is strange to thee, how the lie could find such a following—among the pastors and among the others. That can easily be explained by whoever knows God's Word and his own heart a little.
Man is by birth of corrupt heart, has desire and inclination and violence toward evil, but on the other hand has no desire and no strength for good. When now the liar from the beginning draws near and shows him folly in the guise of wisdom, wickedness in the guise of virtue, the poor human heart feels a drawing toward the offers of the wicked one and consents to evil as though it were good. So it went in the last century with the Enlightenment also, especially since God gave over an hour and power to darkness, as a punishment of the wretched world, which long before had rendered Him neither praise nor thanks for His revelations. The way that leads to destruction is always broad and full; in such dark times of judgment, however, it is crowded upon it as if it led to eternal life. The pastors, however, are also men, and judgment came upon them first, since their teachers at the universities, the learned professors, were the first whom Satan blinded. Blind leaders led the blind pupils, bred blind pastors, and these then were, as of old and now also again more and more, God's servants, so at that time the most effective instruments of Satan to seduce men. The whole shepherdless flock—foremost the blind shepherds, that is, the seducers of the congregations, wandered together without light and right, without pillar of fire and of cloud, they looked only to their own way, which they had devised and chosen.
Dear reader! Our time is a time of majority of votes. By majority of votes the things of the earth are resolved and determined, and because the leaders of the multitude hold mankind in its great majority to be inspired, infallible in hitting upon and choosing the best; so they think, if only everything is done by majority of votes, one is also always in progress toward the better. Dare thou to be wiser than that! Ask not how many speak, but who speaks, and still more, what is spoken. Ask everywhere for the best voices—and in matters of religion, there depart wholly from the principle of following the majority, there hearken to God's voice, which is manifest in His Word. God's voice outweighs all voices, and he who follows it fares best, and he has himself the weightiest voice. Mayest thou find it! Thou hast two ears to hear the various pastors, from whose preaching thy faith or unbelief might be born; but thou hast also two eyes to test by the Scripture what thou hast heard. Also God and His Spirit are near to all who seek Him, and those who seek Him early shall find Him soon. He is nearest to those who gladly hear and learn God's Word—and test everything by the Word of God and hold fast that which is best.
May He be near thee, dear reader, and help thee to make the right distinction among the pastors!
He Lacks Not for Means.
If thou art a Christian, be also cheerful and of good courage in all things. For thou knowest then that God means it right faithfully and fatherly with thee, and will surely gladly help thee and give what is good for thee. “He that spared not his own Son, but delivered him up for us all, how shall he not with him also freely give us all things?” And this also thou shouldst know, that He not only will gladly help thee and give thee all good, but that He is also able to do it most gloriously. Doth He not do whatsoever He will, in heaven, on earth, in the sea and in all deep places (Ps. 135, 5. 6.)! Must not all powers be subject to Him and all creatures serve Him, because He hath created all things, and for His will's sake they are and were created (Rev. 4, 11.)! And so they must also be at thy service, as soon as God will; and the highest as well as the lowest creatures God uses as instruments through which He does good to His children. The angels, these mighty ones (Ps. 103, 20.), let themselves be sent forth as ministering spirits for the service of those who shall be heirs of salvation (Heb. 1, 14.). Did not the angels of the LORD come to Sodom to rescue Lot? (Gen. 19, 1. ff.) Did not the prophet's servant, when his eyes were opened, see the whole mountain full of horses and chariots of fire round about Elisha, and so perceive that there were many more for him than against him? (2 Kings 6, 16. ff.) Must not Peter exclaim: Now I know of a surety that the LORD hath sent His angel and hath delivered me out of the hand of Herod and from all the expectation of the people of the Jews! (Acts 12, 11.) But not only of old did the angel of the LORD encamp round about them that fear Him, and deliver them (Ps. 34, 8.); also at the present day the God-fearing may take comfort in the protection of the holy angels. A village magistrate once went home alone of an evening from the county town after an errand of business. Near a field of grain a great fear suddenly fell upon him. But as a man who well knew whither he was to turn with all his cares and concerns, he began to pray fervently and continued also with supplication, until he was at home, where the fear again