Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 23 › Seite 181

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-09, Seite 181

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengehen 6

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und verstopfen ihre Ohren gar, sitzen da als taube, ja, als todte Menschen, denen gleichsam eine Leichenpredigt gehalten wird. Darüber eifert nun mancher gottselige Prediger so sehr, daß ihm das Herz im Leibe davon wehe thut. Er rufet und schreiet: „Wachet auf, ihr Todten (ihr Kirchenschläfer), auf daß euch Christus erleuchte. Ja, schlafet noch ein wenig, schlummert noch ein wenig, so wird euch die Strafe Gottes ereilen!“ Es seufzet der Prediger, wenn er nicht lebenden, sondern todten Menschen predigen und nur in die Luft reden soll. Man möchte aber fragen, woher es doch komme, daß der Kirchenschlaf an vielen Orten so gar gemein ist? Der vornehmsten Ursachen eine ist, daß das Schlafen unter der Predigt göttlichen Worts für keine, oder doch gar geringe Sünde, die nur aus Schwachheit herrühre und nicht viel zu bedeuten habe, geachtet wird, und zwar um so viel mehr, weil ja zuweilen auch christliche und andächtige Zuhörer, wie dem Eutychus widerfahren sei, in solchen Schlaf zu sinken pflegen, so kann auch dieses eine Mitursache sein, weil wider den Kirchenschläfer von manchen Predigern nicht gebührend geeifert wird. Daß aber der Kirchenschlaf Gott mißfällig, sündlich, ärgerlich und daher von allen und jeden Kirchengängern und Zuhörern mit Fleiß zu vermeiden sei, solches soll in folgendem Capitel kürzlich dargethan und nach Nothdurft erwiesen werden.

Das andere Capitel.

Von der Sündlichkeit des Kirchenschlafs.

Daß das, heutiges Tages sehr gemeine Schlummern und Schlafen unter der Predigt des göttlichen Wortes und dem öffentlichen Gottesdienste eine Sünde sei, darf keines besondern Beweises. Wer nur ein wenig in sein Herz gehet und erwäget, zu was Ende man in den Tempel des HErrn gehen und dem Gottesdienste beiwohnen soll, der wird bald finden, daß der Kirchenschlaf ganz gewiß böse und sündlich sei. Wir wollen gleichwohl um der Einfältigen willen ein und anderes zum Beweisthum anführen und mit der Autorität einiger christlichen Theologen bestärken.

Erstlich ist unleugbar, daß die geistliche Schlafsucht im Christenthum nicht allein gefährlich, sondern auch an sich selber sündlich und unverantwortlich ist. Der Geist des HErrn befiehlet ernstlich, daß man allezeit munter und wachsam sein solle. „Wachet“, sagt der Apostel, „stehet im Glauben, seid männlich und seid stark.“ „Wachet und betet“, vermahnet der Heiland, „daß ihr nicht in Anfechtung fallet.“ Nun ist aber der Kirchenschlaf ein Stück solcher Faulheit, Trägheit und Schläfrigkeit, davor ein jedweder, dem sein Christenthum ein Ernst ist, sich mit ganzem Fleiß hütet, und von demselben sich nicht überwältigen lässet.

Zum andern wird durch den Kirchenschlaf Gottes Bethaus zum Schlafhause gemacht. Wie nun Christus, der Sohn Gottes, in den Tagen seines Fleisches wider die Juden, die im Tempel des HErrn Krämerei trieben, auf das heftigste eiferte, die Käufer und Verkäufer mit Gewalt herausjagte und der Wechsler Tische und die Stühle der Taubenkrämer umstieß und ihnen solch unziemendes Thun hart verwies, sagend: „Es stehet geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen, ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht“ (Matth. 11, 12.); also kann der Heiland zu den Kirchenschläfern, die nur nach Gewohnheit zur Kirche gehen und die halbe oder ganze Predigt durch, auch wohl gar unter dem Gebet und Singen, schlafen und schnarchen, mit Fug sagen und sie schelten: „Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber machet es zum Schlafhaus.“

Drittens vermahnet der Heiland, daß man wohl zusehen solle, wie man Gottes Wort höre. „Sehet darauf (sagt er Luc. 8, 18.), wie ihr zuhöret; denn wer da hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, von dem wird genommen, auch das er meinet zu haben.“ Die Kirchenschläfer aber sehen gar nicht darauf, wie sie zuhören, sondern lassen den Prediger immerhin rufen und schreien. Sie verstopfen ihre Ohren durch den Schlaf, wie eine taube Otter. Es ist fürwahr sehr erschrecklich, was der Sohn Gottes an berührtem Orte weiter sagt, daß nemlich der Teufel komme und nehme das Wort von den Herzen der Zuhörer, die an dem Wege sind, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Daß aber nicht aller Schlaf in der Kirchen natürlich sei, sondern manchmal von dem Satan herrühre, bezeugt der christliche Theolog Dr. Arnd an einem Orte, wie drunten mit Mehrerem angeführt werden soll.

Viertens thun die Kirchenschläfer wider die Vermahnung des Apostels Jacobi, da er sagt: „Seid nicht Hörer allein des Worts, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so Jemand ist ein vergeßlicher Hörer des Worts und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Manne, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschauet, denn nachdem er sich beschauet hat, geht er von Stund an davon und vergisset, wie er gestaltet war“; ist also ein Kirchenschläfer so gut, ja noch schlimmer, wie ein vergeßlicher Hörer. Denn dieser höret das Wort, wiewohl nur äußerlich; jener aber höret gar nichts, sintemal ein schlafender Mensch mehr einem Todten, denn einem Lebenden zu vergleichen ist.

Fünftens sagt der Weise: „Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause des HErrn gehest, daß du kommest und hörest.“ Die Kirchenschläfer aber thun ganz das Widerspiel. Denn ob sie gleich auf Befragen daraus nicht gestehen dürften, daß sie Schlafens halber in die Kirchen gehen, sondern vielmehr bejahen würden, sie kämen Betens, Singens, Predigthörens wegen, sich im Glauben und Christenthum zu erbauen, zur öffentlichen Kirchenversammlung, so siehet man doch aus dem darauf folgenden Kirchenschlaf, daß es ihnen kein rechter Ernst gewesen, denn sie sonst des Schlafens sich wohl würden enthalten haben.

Sechstens verursachen die Kirchenschläfer, zumalen diejenigen, die gewohnt sind, fast die ganze Predigt durch zu schlummern und zu schlafen, daß fromme und getreue Prediger und Seelenhirten darüber klagen und seufzen müssen. Dr. Müller schreibet an einem Orte: „Es wäre nicht Wunder, daß Gott mit Blitz und Donner, ja, mit allen Türken und Teufeln aus der Hölle dreinschlüge. Es wäre kein Wunder, daß Deutschland längst zu Grunde gegangen, oder von Türken und Tartern zu Grund verderbet wäre über solche verdammte Vergessenheit und Verachtung der großen Gnade, des Wortes Gottes und Evangelii.“ Nun vermahnet der heilige Apostel, daß die Zuhörer sich also verhalten sollen, daß Lehrer und Prediger ihr Amt mit Freuden und nicht mit Seufzen thun, denn dieses ist ihnen nicht gut. (Ebr. 13, 18.)

Zum Siebenten ist der Kirchenschlaf ärgerlich. Die Kirchenschläfer ärgern ihre Nebenchristen, die nahe um sie sitzen, wenn dieselben vor Augen sehen, wie bald dieser oder jener den Kopf hänget, schläfet und schnarchet, wodurch dann der Nachbar je zuweilen zum Schlaf auch gereizet und veranlasset wird. Wehe aber dem, der Aergerniß gibt, sagt der Heiland, wenn zumal Eltern, Herren und Frauen es thun und ihre Kinder und Gesinde es mit ansehen müssen.

Achtens geschieht der vorsätzliche Kirchenschlaf nicht ohne Mißachtung der hohen Majestät Gottes und sondern Verachtung seines göttlichen Wortes. Niemand wird leugnen, daß Gott der HErr in seinem Tempel gegenwärtig sei. „Wo ihrer zwei oder drei“, sagt der Heiland, „beisammen sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Wenn nun solches geglaubt wird, wie kann der Mensch vor Gott, der durch den Prediger, seinen Diener, mit ihm redet, vermittelst des Schlafs seine Ohren verstopfen? Lehrer und Prediger sind ja an Gottes Statt, sie reden zum Volke nicht ihr, sondern ihres HErrn Wort, der sie gesandt hat!

Neuntens ist der Kirchenschlaf wider die Gewohnheit und Andacht anderer Religionen. Man bedenke, wie andächtig und eifrig Juden, Türken und Heiden in ihren Synagogen, Moscheen, Tempeln und Kirchen bei ihrem Gottesdienst sich bezeigen. Diese alle beschämen die Christen in ihren so schlechten und schläfrigen Andachten, sie würden sich auch sehr daran stoßen und ärgern, wenn sie in eine Christenkirche kommen und so viel Schläfer unter der Predigt des Wortes Gottes sehen sollten.

Das dritte Capitel.

Von etlichen Zeugnissen frommer Theologen, daß der Kirchenschlaf eine Sünde sei.

Obgleich angeführte Argumente stark genug sind, die Kirchenschläfer, zumal diejenigen, die aus dem Kirchenschlaf eine Gewohnheit machen, zu überzeugen, daß sie sich an Gott und seinem Wort versündigen, so wollen wir doch auch etlicher vornehmer Theologen Gedanken darüber hören. Der heilige Augustinus schreibet in der 16. Homilie von den nachlässigen Hörern Gottes Worts sehr nachdenklich also: „Ich frage euch,

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and stop their ears altogether, sitting there like deaf, yea, like dead men, to whom, as it were, a funeral sermon is being preached. Over this many a godly preacher is so zealous that his heart within him aches for it. He calls and cries: "Awake, ye dead (ye church-sleepers), that Christ may give you light. Yea, sleep on a little, slumber on a little, and the punishment of God will overtake you!" The preacher sighs when he is to preach, not to living, but to dead men, and to speak only into the air. But one might ask how it comes that church-sleeping is so very common in many places. One of the chief causes is that sleeping under the preaching of the divine Word is accounted no sin, or at most a very small one, which proceeds only from weakness and has not much to signify, and that all the more because, as happened to Eutychus, even Christian and devout hearers are sometimes wont to fall into such sleep; so this too may be a contributing cause, that against the church-sleeper there is not due zeal shown by many preachers. But that church-sleeping is displeasing to God, sinful, offensive, and therefore to be diligently avoided by each and every churchgoer and hearer, this shall be briefly set forth in the following chapter and proved as need requires.

The Second Chapter.

Of the Sinfulness of Church-Sleeping.

That the slumbering and sleeping under the preaching of the divine Word and the public worship, so very common in our day, is a sin, needs no special proof. Whoever only goes a little into his own heart and considers to what end one should go into the temple of the Lord and attend divine service, will soon find that church-sleeping is most certainly evil and sinful. Nevertheless, for the sake of the simple, we will adduce one thing and another by way of proof and confirm it with the authority of some Christian theologians.

First, it is undeniable that spiritual drowsiness in Christianity is not only dangerous, but also in itself sinful and inexcusable. The Spirit of the Lord earnestly commands that one should be at all times alert and watchful. "Watch ye," says the Apostle, "stand fast in the faith, quit you like men, be strong." "Watch and pray," admonishes the Savior, "that ye enter not into temptation." Now church-sleeping is a piece of such sloth, indolence, and drowsiness as everyone to whom his Christianity is a serious matter guards against with all diligence, and does not suffer himself to be overpowered by it.

Secondly, through church-sleeping God's house of prayer is made into a house of sleep. As Christ, the Son of God, in the days of His flesh, was most vehement against the Jews who carried on trade in the temple of the Lord, drove out the buyers and sellers by force, and overthrew the tables of the moneychangers and the seats of them that sold doves, sharply rebuking them for such unseemly doings, saying: "It is written, My house shall be called the house of prayer; but ye have made it a den of thieves" (Matth. 11, 12.); so the Savior may with right say to the church-sleepers, who go to church only out of custom and sleep and snore through half or the whole sermon, yea, even during the prayer and singing, and rebuke them: "My house is a house of prayer, but ye make it a house of sleep."

Thirdly, the Savior admonishes that one should take heed how one hears God's Word. "Take heed therefore (He says, Luc. 8, 18.) how ye hear; for whosoever hath, to him shall be given; and whosoever hath not, from him shall be taken even that which he seemeth to have." But the church-sleepers do not at all take heed how they hear, but let the preacher call and cry as he will. They stop their ears by sleep, like the deaf adder. It is truly very terrible what the Son of God further says in the place referred to, namely, that the devil cometh and taketh away the word out of the hearts of the hearers who are by the way side, lest they should believe and be saved. But that not all sleep in church is natural, but sometimes proceeds from Satan, is testified by the Christian theologian Dr. Arnd in a certain place, as shall be cited more fully below.

Fourthly, the church-sleepers act contrary to the admonition of the Apostle James, where he says: "Be ye doers of the word, and not hearers only, deceiving your own selves. For if any be a hearer of the word, and not a doer, he is like unto a man beholding his natural face in a glass: for he beholdeth himself, and goeth his way, and straightway forgetteth what manner of man he was"; a church-sleeper is therefore as bad as, yea, even worse than, a forgetful hearer. For the latter hears the Word, though only outwardly; but the former hears nothing at all, seeing that a sleeping man is more to be compared to a dead man than to a living one.

Fifthly, the Wise Man says: "Keep thy foot when thou goest to the house of the LORD, and be more ready to hear." The church-sleepers, however, do quite the contrary. For although, if asked, they would not dare to confess that they go to church for the sake of sleeping, but would rather affirm that they came to the public assembly of the church for prayer, singing, and hearing preaching, to be edified in faith and Christianity, yet one sees from the church-sleeping that follows that they were not truly in earnest, for otherwise they would well have refrained from sleeping.

Sixthly, the church-sleepers, especially those who are accustomed to slumber and sleep through almost the whole sermon, cause pious and faithful preachers and shepherds of souls to complain and sigh over it. Dr. Müller writes in a certain place: "It would be no wonder if God should strike with lightning and thunder, yea, with all the Turks and devils out of hell. It would be no wonder if Germany had long since gone to ruin, or been utterly destroyed by Turks and Tartars, because of such damnable forgetfulness and contempt of the great grace, of the Word of God and the Gospel." Now the holy Apostle admonishes that the hearers should so conduct themselves that teachers and preachers may do their office with joy and not with grief, for that is unprofitable for them. (Heb. 13, 18.)

Seventhly, church-sleeping is offensive. The church-sleepers give offense to their fellow Christians who sit near them, when these see before their eyes how soon this one or that one hangs his head, sleeps and snores, whereby the neighbor is now and then moved and induced to sleep also. But woe unto him by whom the offense cometh, says the Savior, especially when parents, masters and mistresses do it and their children and servants must look on.

Eighthly, deliberate church-sleeping does not occur without disregard of the high majesty of God and contempt of His divine Word. No one will deny that God the LORD is present in His temple. "Where two or three," says the Savior, "are gathered together in my name, there am I in the midst of them." If this is believed, how can a man, before God, who speaks with him through the preacher, His servant, stop his ears by means of sleep? Teachers and preachers are indeed in God's stead; they speak to the people not their own word, but the word of their LORD, who hath sent them!

Ninthly, church-sleeping is contrary to the custom and devotion of other religions. Consider how devout and zealous Jews, Turks, and heathen show themselves in their synagogues, mosques, temples, and churches at their worship. All these put Christians to shame in their so poor and drowsy devotions; they would also be much offended and scandalized if they should come into a Christian church and see so many sleepers under the preaching of the Word of God.

The Third Chapter.

Of Some Testimonies of Pious Theologians that Church-Sleeping Is a Sin.

Although the arguments adduced are strong enough to convince the church-sleepers, especially those who make a habit of church-sleeping, that they sin against God and His Word, yet we will also hear the thoughts of several eminent theologians on the matter. The holy Augustine writes very thoughtfully in the 16th Homily, concerning negligent hearers of God's Word, as follows: "I ask you,