Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 23 › Seite 180

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-09, Seite 180

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengehen · Kirchengehen 6

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Non tollit adversarius
Verbum gregi beato.
Adest ei potens Deus
Cum Spiritu Sacrato.
Corpus, omnia
Auferat bona;
Perfer exitum,
Mox sentiet malum:
Nobis quies parata.

Billig war es, daß die zwischen den thätigen Sängerchören stehenden Kreuzritter, die als öffentliche Pfleger und Säugammen des Collegiums an diesem Feste ganz besonders betheiligt waren, auch eine besondere Auszeichnung erhielten. Herr P. Schieferdecker widmete ihnen eine herzliche Ansprache und ermunterte sie zu rüstigem Fortfahren in ihrem Streben durch das Andenken an den bereits von ihnen gewirkten Segen, den edlen Zweck, für den sie sich vereint: Wissenschaft zu befördern, ja durch die Unterstützung des Predigtamts unsterbliche Seelen mit retten und den ewigen Frieden ihnen bringen zu helfen. Er erinnerte sie an den eigenen Nutzen, der ihnen aus ihrer Arbeit erwachse: Daß auch ihnen selbst Prediger bleiben, wenn die alten dahingeschieden; und den Gnadenlohn von dem, der einen Becher kalten Wassers, in eines Jüngers Namen gereicht, nicht unbelohnt lasse. Und wer wollte diesem Jünglingsverein nicht von Herzen ein kräftiges Wachsthum, zahlreiche Verbündete auch an andern Orten, und immer frischen fröhlichen Eifer wünschen? Möchten nur alle, die sich für Walter von Habenichts halten, willig sich einreihen in diese Schaar; sie könnten hier Thaten thun, wahrlich nicht unedlere, als die jenes Helden, und bald würden Mangel und Noth der Concordia-Studenten fliehen wie die Türken vor Löwenherz! — Zum Schluß legte Herr P. Bünger in einem ernsten Dank- und Bittgebete die ganze Anstalt innig in die Hände der barmherzigen Liebe Gottes, daß Pflanzen und Begießen ein kräftiges Gedeihen krönen möge.

Nach und nach verlor sich die Menge unter den Klängen der Instrumentalmusik, die von Zeit zu Zeit noch ihre harmonischen Töne in die Abendluft sandte, während die zur Feier herbeigekommenen lutherischen Prediger aus der nächsten Umgegend (es waren ihrer wohl fünfzehn) und einige andere Freunde bei den gastfreien Professoren ein fröhliches Mahl hielten.

Auf den Vormittag des folgenden Tages waren die Gäste zum Anhören der Schulreden eingeladen worden, die innerhalb des Gebäudes sollten gehalten werden. — Der Saal war zur bestimmten Stunde gedrückt voll. Man sang das Lied: HErr JEsu, aller Menschen Hort! No. 164 des St. Louiser Gesangbuchs. Einer der Alumnen, Herr Eißfeldt, sprach über das jetzt so verachtete Studium der Theologie, das besonders in Amerika so wenig Aussicht auf irdische Belohnung habe. Entschieden jeglichen Zug nach materiellem Gewinn als unwürdig und schändend von der Tenne dieses Studiums fegend, hieß er seine Commilitonen erquickende Blicke in dieses Heiligthum thun, das nichts weniger sei, als ein Sich-Versenken in die göttlichen Tiefen der Offenbarung, ein Leben in den heiligsten Ideen und den erhabensten Gedanken, welche die Glaubensartikel von der Dreieinigkeit, der Gottmenschheit Christi, der Auferstehung, der Kirche u. s. w. dem Forscher in Fülle bieten. Sprache und Haltung war edel und man konnte es dem begabten Redner ansehen, daß er in der armseligen Lage eines deutschen lutherischen Predigers hier zu Lande, der auch er entgegensieht, nicht den Muth verlieren wird. — Der Rector des Gymnasiums, Herr Gönner, hielt hierauf ein lateinisches Gebet und behandelte sodann in einer langen lateinischen Rede das reiche Thema von dem Nutzen und der unumgänglichen Nothwendigkeit der Kenntniß der alten Sprachen, und den nie versiegenden vollen Quell des Schriftwortes der Kirche offen zu halten und die reine Lehre vor den immer erneuten Listen des Satans zu retten. Wir hörten die Väter der Kirche hierüber einstimmiges Zeugniß ablegen. — Hierauf erklang der alte Hymnus: Veni Creator Spiritus! die Feier beschließend in den melodischen feierlichen Tönen des alten Rhythmus, und wer diese heiligen Herzschläge der alten Kirche zu empfinden vermochte, fühlte, daß diese neuen amerikanischen Mauern innerhalb des Domes liegen, der, Jahrhunderte alt, den Heiligen Geist selbst zum Baumeister und Schöpfer hat.

So sei denn, Concordia, dem gütigen Gott in Liebe befohlen! Er segne Dich aus der Höhe, aus Seinem Heiligthume! Wachse in viel tausendmal Tausend und Dein Same besitze die Thore Deiner Feinde! Die Kinder der Kirche tragen Dich auf dem Herzen; die Jerusalem lieben, wünschen Dir Glück. Wer Dich segnet, werde gesegnet immer und ewiglich! — Und die ihr einst, schön begabt und geziert von einer reichen und freundlichen Mutter, austretet in's Feld, auf den Kampfplatz, bleibet Concordiales, Pfleger der Eintracht! R. L.

Abhandlung von dem sündlichen Kirchenschlaf.*)

*) Es ist diese Abhandlung von dem bekannten Ahasverus Fritsch, einem gottseligen Juristen des 17ten Jahrhunderts.

Vorrede.

Es wird nicht leicht Jemand leugnen dürfen, daß seit den Zeiten der heiligen Apostel und Jünger Christi kein schlimmeres Christenthum gewesen ist, denn leider das heutige ist. Die dicke Finsterniß des Unglaubens hat die heutige Christenheit so stark überzogen, als zur Zeit des verstockten Pharao in Egypten geschah. Viele tausend fromme Christenherzen seufzen über solchen Jammer und wünschen dermaleinst im Lande Gosen zu sein und das Freudenlicht der herrlichen Erscheinung des Sohnes Gottes zu sehen, weil doch fast keine Hoffnung übrig ist und es von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr in der Christenheit immer ärger werden will. Viele schwere und verdammliche Hauptlaster gehen unter den Christen in Schwange, welche doch theils für keine Sünden, theils nur für geringe Sündensplitter erkannt werden wollen. Einen großen Catalog solcher Sünden könnten wir hierher setzen, welche alle heutiges Tages fast insgemein bei den Menschen in geringen Betracht kommen. Für dieses Mal wollen wir nur mit Wenigem von dem fast aller Orten sehr gemeinen Kirchenschlaf reden und dessen Sündlichkeit nebst einer treuherzigen Warnung vorstellen.

Das erste Capitel.

Von dem Kirchenschlaf und dessen Ursachen.

Daß von Vielen heutigen Tages aus dem Gottesdienste und Kirchengehen nur ein opus operatum gemacht werde, also daß man meinet, wenn das Werk an ihm selbst verrichtet und der öffentliche Gottesdienst in der Kirche gewöhnlichermaßen besucht worden, so sei es denn genug, solches ist leider bekannt, und haben bisher viel fromme und gotteseifrige Prediger und Seelsorger darüber schmerzlich geklagt und geseufzet.

Ein bekannter vornehmer Theolog darf wohl öffentlich schreiben, daß die größesten Sünden, gegen welche Ehebruch, Raub, Schelten und dergleichen nicht zu achten seien, in der Kirche geschehen; denn, sagt er, das Kirchengehen ohne Andacht, ohne Furcht, ohne guten Vorsatz, ohne Besserung, ja, mit Heuchelei und Sicherheit, mit beharrlicher Lust zur Sünde ist nichts anders, denn ein Gespötte Gottes, eine rechte Greuelsünde, eine erschreckliche Bosheit. So haben wir nun Christen in der Kirche, aber in den Häusern, Schenken, Raths- und Gerichtsstuben, in den Läden, auf Reisen — Türken, Heiden, Atheisten, Spötter, Spieler, Flucher, Haderkatzen, Trunkenbolde, Hurer, Geizhälse, Schinder und dergleichen.

In die Zunft solcher schlimmer Kirchengänger gehören auch die Kirchenschläfer, die gewohnt sind, unter der Predigt und dem Gottesdienst zu schlummern, zu schlafen und zu schnarchen, und das theure Wort Gottes mit verschlafenen Augen und Ohren dahin in die Luft tönen und schallen lassen. Denn da siehet man in manchen Kirchen, wie die Leute haufenweise, zu dreißig, vierzig, funfzig, ja, wo große Gemeinden sind, zu hundert und mehr, sonderlich unter den Nachmittags-Predigten, in den Stühlen, auf den Emporkirchen, oder in andern Winkeln die Köpfe hängen von einer Seite zur andern, als die Trunkenen hin und her taumeln und wanken.

Da schlafen manchmal zugleich Herr und Knecht, Frau und Magd, Mutter und Tochter, Lehrer und Schüler ꝛc. Der Prediger studiret bis in die Nacht hinein, sitzet und schwitzet manchmal darüber; er tritt auf die Kanzel, rufet, bis er heiser und krank wird, damit er ja seinen Zuhörern das Wort des HErrn, die theure Seelenspeise, mit gutem Nachdruck beibringen und dieselben im Glauben und Christenthum wohl erbauen möge; die Kirchenschläfer sind aber nicht allein wie die vergeßlichen Hörer, die das gepredigte Wort zu einem Ohr ein- und zum andern wieder auslassen, sondern sie verschließen

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The adversary takes not away
The Word from the blessed flock.
Mighty God is present with it
With the Holy Spirit.
Let him take away the body,
All our goods;
Endure to the end,
Soon he will feel the evil:
For us is rest prepared.

It was only fair that the crusaders standing between the active choirs of singers, who as public nurses and foster-mothers of the college were especially concerned in this festival, should also receive a special distinction. Pastor Schieferdecker addressed to them a hearty speech and encouraged them to vigorous continuance in their endeavor by the remembrance of the blessing already wrought by them, the noble purpose for which they have united: to promote learning, yea, by supporting the ministry, to help save immortal souls and bring them eternal peace. He reminded them of the benefit to themselves which grows out of their labor: that preachers will remain for themselves also when the old ones have departed; and of the reward of grace from Him who lets not go unrewarded a cup of cold water given in a disciple's name. And who would not wish this society of young men from the heart a vigorous growth, numerous allies also in other places, and ever fresh, cheerful zeal? Would that all who regard themselves as Walter the Penniless might willingly enroll themselves in this band; they could here do deeds truly not less noble than those of that hero, and soon want and distress of the Concordia students would flee like the Turks before Lionheart! — At the close Pastor Bünger, in an earnest prayer of thanksgiving and petition, laid the whole institution fervently into the hands of the merciful love of God, that a vigorous prosperity might crown the planting and watering.

Little by little the crowd dispersed amid the strains of the instrumental music, which from time to time still sent its harmonious tones into the evening air, while the Lutheran pastors from the nearest neighborhood who had come to the celebration (there were probably fifteen of them) and some other friends held a cheerful meal with the hospitable professors.

For the forenoon of the following day the guests had been invited to hear the school addresses which were to be delivered within the building. — The hall was crowded full at the appointed hour. The hymn was sung: HErr JEsu, aller Menschen Hort! No. 164 of the St. Louis hymnal. One of the alumni, Mr. Eißfeldt, spoke on the now so despised study of theology, which especially in America has so little prospect of earthly reward. Sweeping every inclination toward material gain, as unworthy and disgraceful, from the threshing-floor of this study, he bade his fellow students take refreshing glances into this sanctuary, which is nothing less than a sinking of oneself into the divine depths of revelation, a life in the holiest ideas and the loftiest thoughts which the articles of faith concerning the Trinity, the God-manhood of Christ, the resurrection, the Church, etc., offer in fullness to the investigator. His language and bearing were noble, and one could see in the gifted speaker that he will not lose courage in the wretched situation of a German Lutheran preacher in this country, which he also faces. — The rector of the Gymnasium, Mr. Gönner, thereupon offered a Latin prayer and then treated, in a long Latin address, the rich theme of the usefulness and indispensable necessity of the knowledge of the ancient languages, both to keep open the never-failing full fountain of the Scriptural Word of the Church and to save the pure doctrine from the ever-renewed wiles of Satan. We heard the Fathers of the Church give unanimous testimony on this. — Thereupon sounded the old hymn: Veni Creator Spiritus! closing the celebration in the melodious solemn tones of the ancient rhythm, and whoever was able to feel these holy heartbeats of the ancient Church felt that these new American walls lie within the cathedral which, centuries old, has the Holy Ghost Himself for its master-builder and creator.

So then, Concordia, be commended in love to the gracious God! May He bless thee out of the height, out of His sanctuary! Increase into many thousand times thousand, and let thy seed possess the gates of thine enemies! The children of the Church bear thee upon their heart; they that love Jerusalem wish thee prosperity. Whoso blesseth thee, let him be blessed forever and ever! — And ye who one day, richly endowed and adorned by a rich and kindly mother, shall go forth into the field, upon the battlefield, remain Concordiales, keepers of concord! R. L.

Treatise on Sinful Church-Sleeping.*)

*) This treatise is by the well-known Ahasverus Fritsch, a godly jurist of the 17th century.

Preface.

It will not easily be possible for anyone to deny that since the times of the holy apostles and disciples of Christ there has been no worse Christianity than, alas, that of today. The thick darkness of unbelief has so strongly overspread present-day Christendom as happened in the time of the hardened Pharaoh in Egypt. Many thousands of pious Christian hearts sigh over such misery and wish to be some day in the land of Goshen and to see the joyful light of the glorious appearing of the Son of God, because there is almost no hope left, and it will grow worse from day to day, from year to year, in Christendom. Many grievous and damnable capital vices are in vogue among Christians, which yet are willing to be recognized, partly as no sins at all, partly only as slight splinters of sin. We could set down here a great catalogue of such sins, which all in these days are almost universally of little account among men. For this time we will speak only briefly of the church-sleeping, so very common almost everywhere, and set forth its sinfulness together with a hearty warning.

The First Chapter.

Of Church-Sleeping and Its Causes.

That by many in these days nothing but an opus operatum is made of divine service and church-going, so that they suppose, when the work itself has been performed and the public divine service in the church has been attended in the usual manner, that then it is enough, is unfortunately well known, and pious and God-zealous preachers and pastors have hitherto lamented and sighed painfully over it.

A well-known eminent theologian may well write publicly that the greatest sins, compared with which adultery, robbery, cursing and the like are not to be regarded, are committed in the church; for, he says, church-going without devotion, without fear, without good resolution, without amendment, yea, with hypocrisy and carnal security, with persistent delight in sin, is nothing other than a mockery of God, a real abomination of sin, a dreadful wickedness. So we now have Christians in the church, but in the houses, taverns, council chambers and courtrooms, in the shops, on journeys — Turks, heathen, atheists, scoffers, gamblers, swearers, quarrelsome shrews, drunkards, whoremongers, misers, skinners and the like.

Into the guild of such evil church-goers belong also the church-sleepers, who are accustomed, during the sermon and the divine service, to slumber, to sleep and to snore, and to let the precious Word of God sound and resound into the air with sleeping eyes and ears. For in many churches one sees how the people in heaps, by thirty, forty, fifty, yea, where congregations are large, by a hundred and more, especially during the afternoon sermons, in the pews, in the galleries, or in other corners, let their heads hang from one side to the other, as drunken men reel and totter to and fro.

Then sometimes master and servant, wife and maid, mother and daughter, teacher and pupil, etc., sleep at once. The preacher studies far into the night, sits and sweats over it sometimes; he steps into the pulpit, calls out until he becomes hoarse and sick, in order that he may by all means bring to his hearers the Word of the Lord, the precious food of souls, with good emphasis, and edify them well in faith and Christianity; but the church-sleepers are not merely like the forgetful hearers, who let the preached Word in at one ear and out at the other, but they close