Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 25 › Seite 195
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-06, Seite 195
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Uuion · Taufe · Taufe 34 · Tanfe 37
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noch jemand insonderheit heißen täufen, so wollen wir niemand täufen. Er hat aber heißen alle Heiden täufen, keinen ausgeschlossen, da er saget, Matth. 28, 19.: „Gehet hin, lehret alle Heiden, und täufet sie in meinem Namen“ ꝛc. Nun sind die Kinder auch ein groß Stück der Heiden.
50. So lesen wir in der Apostelgeschichte Cap. 2, 39., Cap. 16, 15. und St. Pauli Episteln, 1 Cor. 1, 16., wie sie ganze Häuser getauft haben; aber die Kinder sind wahrlich auch der Häuser ein gut Stücke, daß es scheinet, gleichwie ihnen Christus ohn allen Unterscheid befiehlt, „alle Heiden zu lehren und täufen“: also haben sie auch gethan, und in den Häusern alles getauft, was darinnen gewesen. Haben sich nicht versehen, daß die Rottengeister würden Unterscheid suchen zwischen jung und alt, weil sie sonst in allen Episteln so viel schreiben, daß „kein Ansehen noch Unterscheid der Personen“ unter den Christen sind, Röm. 10, 12., sie hätten sonst solches alles überkommen und ausgedrückt. Denn St. Johannes 1. Ep. 2, 13. auch den Kindlein schreibet, daß „sie den Vater kennen“. Und freilich die Kindertaufe von den Aposteln kommen ist, wie St. Augustinus auch schreibt.
51. Derhalben die Täufler allerding gefährlich handeln, daß sie nicht allein ihres Dinges ungewiß sind, sondern auch wider solche eingeführte Sprüche handeln, und Unterscheid der Person erdichten aus eigenem Kopf, da sie GOtt nicht gemacht hat. Denn ob sie gleich vermeineten, daß sie nicht genugsam dadurch überwunden würden; so müssen sie dennoch, wie zänkisch sie sind, sich zum wenigsten davor entsetzen, und eine Sorge kriegen, daß sie unrecht thun, und auf ungewisse Gründe sich wiedertäufen. Wenn sie aber ungewiß sind, so ist es schon beschlossen, daß sie unrecht thun: denn in göttlichen Sachen soll man nicht des ungewissen, sondern des gewissen spielen.
52. Denn so ein Wiedertäufer höret (der nicht halsstarrig, sondern gelehrig sein will), daß, gleichwie Johannes ist gläubig und heilig worden, da Christus kam, und durch seiner Mutter Mund redet: also werde das Kind auch gläubig, wenn Christus in der Taufe zu ihm durch Täufers Mund redet, weil es sein Wort, sein Gebot ist, und sein Wort nicht kann umsonst gehen. So muß dennoch der Wiedertäufer sagen: Es möchte wahrlich sein! und kanns nicht ganz und beständiglich leugnen, noch Schrift dawider aufbringen. Kann ers aber nicht beständiglich und mit gutem Grunde leugnen, so kann er auch seine Wiedertaufe nicht beständiglich erhalten: denn er muß zuvor beständiglich beweisen, daß die Kinder ohne Glauben getauft werden, soll er das Wiedertäufen bekräftigen. Also meine ich, sei gnug beweiset, daß ihr Grund ungewiß und lauter Vermessenheit sei.
53. Wohlan, ich setze gleich, daß sie allerdinge könnten gewiß machen, daß die Kinder ohne Glauben sind in der Taufe: wollt ich doch gerne wissen, aus was Grund sie wollten beweisen, daß sie um deswillen wieder zu täufen sein sollten, wenn sie hernach gläubig oder bekennend des Glaubens werden? Denn es ist nicht genug, daß sie sagen: sie sind ohne Glauben getauft, darum sind sie wieder zu täufen; sie müssen Ursach geben. Es ist eine unrechte Taufe, sprichst du. Was liegt daran? dennoch ists eine Taufe: ja, es ist eine rechte Taufe an ihr selbst, ohne daß sie unrecht empfangen. Denn es sind die Wort gesprochen und alles gethan, was zur Taufe gehört, so völlig, als geschieht, wenn der Glaube da wäre.
54. Wenn nun ein Ding an ihm selbst recht ist, so muß darum nicht anders erneuet werden, obs gleich unrecht empfangen ist: man thue das Unrecht ab, so wird alles recht, ohne alle Verneuerung. Abusus non tollit substantiam, imo confirmat substantiam, d. i. Mißbrauch ändert keinem Ding sein Wesen: ja, ohne Wesen kann kein Mißbrauch sein. Wenn nun der Glaube über zehen Jahr nach der Taufe käme, warum sollt man doch wiederum täufen, so nun der Taufe allerding ist genug geschehen, und alles recht worden? Denn er gläubt nun, wie die Taufe fordert. Ist doch der Glaube nicht um der Taufe willen, sondern die Taufe ums Glaubens willen. Wenn nun der Glaube kommt, so hat die Taufe das ihre, und ist die Wiedertaufe vergeblich.
(Fortsetzung folgt.)
Ist eine Vereinigung evangelisch-lutherischer und reformirter Kirchen zu machen?*)
*) Es ist dies wieder einer von den Elsässischen Tractaten. D. R.
Diese Frage ist seit einiger Zeit sehr viel verhandelt, und von den Einen mit Begeisterung bejaht, von den Anderen mit Ernst verneint worden. So wie die Sache nun steht und z. B. in Frankreich oder im Elsaß noch betrieben wird, ist es keinem evang.-luther. Christen des Elsaßes und Lothringens, wie auch schon unirter Länder, mehr erlaubt, gleichgültig zu bleiben; ein jeder muß Partei nehmen, und es zu einem Ja bringen oder zu einem Nein.
Saget nicht etwa, das seien Dinge, von denen ihr Städter und Landleute nichts versteht, die euch nichts angehn, und welche nur gelehrte Leute ausmachen sollen. Daß ihr die Sache verstehen lernet, soll gegenwärtiges Schriftlein die gehörige Anleitung geben. Daß es euch angeht, und nicht die Gelehrten allein, soll einem Jeglichen einleuchten, dem Religion und Kirche am Herzen liegt. Nur ein Ungläubiger und Verächter des Heiligthums kann gleichgültig sagen: „Macht mit der Kirche, was ihr wollt, was liegt mir dran.“ Wie? Brüder! es handelt sich davon, zu wissen, ob unsere Kirche soll bleiben, wie wir sie von den Glaubensvätern ererbt haben; ob das Kleinod unseres Glaubens soll unangetastet erhalten werden? oder ob es mit Glauben und Kirchen-Gebräuchen soll anders werden? und Ihr solltet sagen: Das geht mich nichts an? Ihr kennt ja das Sprichwort: „Wer nichts sagt, willigt ein.“ Nun, wenn Ihr nichts sagt, und machen laßt, kann's ja wohl geschehen, daß an einem schönen Morgen es, ohne daß Ihr gefragt worden seid, eine gemachte Sache ist. Darum, lieben Brüder, nehmt die Sache ernstlich zu Herzen: Prüfet alles, und das Gute behaltet (1 Thess. 5, 21.). Bittet, so wird euch gegeben, und suchet, so werdet ihr finden (Matth. 7, 7.).
I. „Ist es an der Zeit, daß die lutherischen und reformirten Kirchen sich vereinigen?“
Schreiber dieses gesteht, daß er zu Denen gehört, die auf diese Frage mit entschiedenem Nein antworten, und seine Absicht eben ist, im Folgenden dieses Nein zu rechtfertigen und, so Gott will, Andere dafür zu gewinnen. Wo aber die Kirchenmengerei schon geschehen, in Kirche oder Mission, da ist es Zeit, daß dieses Babelwerk aufhöre, dadurch des HErrn Werk gestört wird.
Es ist voraus zu sehen, daß solche Antwort mancher Seele wehe thut, welche die ganze Welt gern als Eine Heerde unter Einem Hirten sehen möchte. Und dazu, meint man, wäre die Vereinigung der Lutheraner und der Reformirten ein löblicher Anfang. Nun! solchen Wunsch haben wir auch, und würden es als ein sündhaft Unternehmen achten, dawider zu sein. Aber das ist unsere Ueberzeugung, daß alle Vereinigung nur dann im Sinne unseres Heilandes geschieht, wenn sie auf der Einigkeit in der Wahrheit und im Glauben ruht; jede andere Union ist Machwerk und Heuchelei, die früher oder später jämmerlich zu Schanden wird. Wenn jetzt eine Union geschieht, so reicht man sich die Hand nicht auf Grund des Glaubens, sondern auf Grund des Zweifels und des Unglaubens. In solchem Thun ist kein Segen — und wer Gott fürchtet, hilft nicht mit bauen an einer Kirche, die unbestimmten Glauben hat. Leset vielmehr von der rechten Union Eph. 4, 3—6.*)
*) Der liebe St. Louiser „Friedensbote“ hat wohlweislich nur den 3ten Vers zu seinem Motto gemacht. Er verläßt sich darauf und wohl nicht ohne Grund, daß seine Leser den dazu gehörigen 5ten Vers mit seinem „Einen Glauben, Einer Taufe“ übersehen werden. D. R.
Doch, hören wir einmal Diejenigen, welche eine Union wollen und daran arbeiten; sie sagen: „Es ist jetzt an der Zeit, solch Vereinigungswerk zu betreiben, denn wir Lutherische und Reformirte sind ja eigentlich im Glauben schon einig; die Unterscheidungslehren, welche früher die zwei Schwesterkirchen getrennt haben, sind ja schon lange beiderseits aufgegeben; so daß, z. B. in der Lehre vom heiligen Abendmahl, die Lutherischen reformirt und, in der Lehre von der Gnadenwahl, die Reformirten lutherisch geworden sind. Wir stehen ja beide auf demselben Grunde: Christus und sein Wort. Da, wo noch ein Unterschied ist, deckt man ihn mit Liebe zu, und denkt: in so geheimnißvollen geistigen Dingen, wie die Religion ist, werden die Leute doch nie einig, sondern jeder seine eigenen Gedanken haben. Uebrigens ist jetzt
English translation AI translation
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nor any one in particular to be baptized, then we will baptize no one. But He did bid baptize all the Gentiles, excluding none, where He says, Matt. 28:19: "Go ye therefore, and teach all nations, baptizing them in my name," etc. Now the children are also a great part of the Gentiles.
50. So we read in the Acts of the Apostles, chap. 2:39, chap. 16:15, and in St. Paul's Epistles, 1 Cor. 1:16, how they baptized whole households; but the children are truly also a good part of the households, so that it appears that, just as Christ commands them without any distinction "to teach and baptize all nations," so they also did, and in the households baptized everything that was therein. They did not foresee that the factious spirits would seek a distinction between young and old, since otherwise they write so much in all the Epistles that there is "no respect nor distinction of persons" among Christians, Rom. 10:12; they would otherwise have put down and expressed all of it. For St. John also, 1 Ep. 2:13, writes to the little children that "they know the Father." And surely infant baptism has come from the Apostles, as St. Augustine also writes.
51. Therefore the Anabaptists act altogether dangerously, in that they are not only uncertain of their cause, but also act against such passages as have been adduced, and invent a distinction of persons out of their own heads, which GOD has not made. For even though they should imagine that they were not sufficiently overcome thereby; yet, however contentious they are, they must at the least be horrified at it, and get a misgiving that they do wrong, and rebaptize themselves upon uncertain grounds. But if they are uncertain, it is already decided that they do wrong: for in divine matters one must not play with the uncertain, but with the certain.
52. For when an Anabaptist hears (who is not stiff-necked, but willing to be taught) that, just as John became believing and holy when Christ came and spoke through His mother's mouth, so the child also becomes believing when Christ in baptism speaks to it through the baptizer's mouth, since it is His word, His command, and His word cannot go in vain; then the Anabaptist must nevertheless say: It might truly be so! and he cannot wholly and steadfastly deny it, nor bring forward Scripture against it. But if he cannot steadfastly and with good ground deny it, then neither can he steadfastly maintain his rebaptism: for he must first steadfastly prove that children are baptized without faith, if he is to confirm rebaptizing. Thus I think it is sufficiently proved that their ground is uncertain and sheer presumption.
53. Well then, I suppose that they could altogether make certain that children are without faith in baptism: I should still gladly know on what ground they would prove that they ought for that reason to be baptized again, if they afterwards become believing or confessing of the faith? For it is not enough that they say: they were baptized without faith, therefore they are to be baptized again; they must give a reason. It is a wrong baptism, you say. What of that? Nevertheless it is a baptism: yea, it is a right baptism in itself, except that they received it wrongly. For the words have been spoken and everything done that belongs to baptism, as fully as happens when faith is there.
54. Now when a thing is right in itself, it need not on that account be renewed in any other way, though it was wrongly received: let the wrong be put away, and all becomes right, without any renewal. Abusus non tollit substantiam, imo confirmat substantiam, that is: Abuse changes nothing in the being of a thing: yea, without being there can be no abuse. If, then, faith should come ten years after baptism, why should one baptize again, since baptism has now been altogether satisfied, and all has become right? For he now believes, as baptism requires. Faith is not for the sake of baptism, but baptism for the sake of faith. When faith now comes, baptism has what is its own, and rebaptism is in vain.
(To be continued.)
Is a Union of Evangelical Lutheran and Reformed Churches to be Made?*)
*) This is again one of the Alsatian Tracts. Ed.
This question has for some time been much discussed, and by some has been answered in the affirmative with enthusiasm, by others in the negative with earnestness. As the matter now stands, and is still being pushed, for example, in France or in Alsace, no evang. Lutheran Christian of Alsace and Lorraine, or even of lands already united, is any longer permitted to remain indifferent; every one must take sides, and bring it to a Yes or to a No.
Do not say, perhaps, that these are things which you townsfolk and country people do not understand, which do not concern you, and which only learned men are to settle. The present little writing is to give the proper guidance that you may learn to understand the matter. That it concerns you, and not the learned alone, ought to be plain to everyone to whom religion and church lie at heart. Only an unbeliever and despiser of the sanctuary can say indifferently: "Do with the church what you will, what is it to me." What? Brethren! the question is whether our church is to remain as we have inherited it from the fathers of the faith; whether the jewel of our faith is to be kept inviolate? or whether it is to be otherwise with faith and church usages? and you would say: That does not concern me? You know the proverb: "Silence gives consent." Now, if you say nothing, and let them do as they please, it may well happen that on some fine morning it is a thing done, without your having been asked. Therefore, dear brethren, take the matter earnestly to heart: Prove all things; hold fast that which is good (1 Thess. 5:21). Ask, and it shall be given you; seek, and ye shall find (Matt. 7:7).
I. "Is it time that the Lutheran and Reformed churches unite?"
The writer of this confesses that he is one of those who answer this question with a decided No, and his aim is precisely, in what follows, to justify this No and, God willing, to win others to it. But where the mingling of churches has already taken place, in church or mission, there it is time that this work of Babel cease, whereby the Lord's work is hindered.
It is to be foreseen that such an answer pains many a soul which would gladly see the whole world as One flock under One shepherd. And to that end, it is thought, the union of the Lutherans and the Reformed would be a laudable beginning. Well! we too have such a wish, and should account it a sinful undertaking to be against it. But this is our conviction, that all union takes place in the mind of our Savior only when it rests upon oneness in the truth and in the faith; every other union is contrivance and hypocrisy, which sooner or later comes miserably to shame. When a union takes place now, men give one another the hand not on the ground of faith, but on the ground of doubt and unbelief. In such doing there is no blessing — and he who fears God does not help to build upon a church which has an indefinite faith. Read rather of the true union in Eph. 4:3-6.*)
*) The dear St. Louis "Friedensbote" has prudently made only the 3d verse its motto. It relies upon it, and perhaps not without reason, that its readers will overlook the belonging 5th verse with its "One faith, one baptism." Ed.
But let us hear, once, those who want a union and work toward it; they say: "It is now time to promote such a work of union, for we Lutherans and Reformed are indeed really already one in faith; the doctrines of difference which formerly divided the two sister churches have indeed long since been given up on both sides; so that, for example, in the doctrine of the Holy Supper the Lutherans have become Reformed, and in the doctrine of election the Reformed have become Lutheran. We both stand indeed upon the same ground: Christ and His Word. Where there is still a difference, one covers it up with love, and thinks: in such mysterious spiritual things as religion is, men will never agree anyhow, but each will have his own thoughts. Besides, it is now