Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer Beiblatt › Beiblatt S. 8

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-21, Beiblatt S. 8

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nach dem vierten Gebot betrachtet werden. IV. In aller dieser Hinsicht (I. II. und III.) gilt dasselbe von der Schwägerschaft; aber für beider, der Blutsfreundschaft und Schwägerschaft, Seitenlinien in gemildertem Maße.

Demgemäß können, ohne daß göttliche und in protestantischen Ländern auch menschliche Rechte dagegen wären, Vater und Sohn zwei leibliche Schwestern oder Mutter und Tochter und umgekehrt, zwei Brüder zwei Schwestern oder Mutter und Tochter, der Schwester Mann ihres Bruders Frau, aber nicht ohne Noth ihres Bruders Tochter, sogar der Tochter Mann seine Stiefschwiegermutter als Verschwägerte der zweiten Gattung ꝛc. heirathen. Nur ist bei solchen Fällen, wie der letztere, oder wenn der Vater die Tochter und der Sohn die Mutter zur Frau nimmt, zu wünschen, daß er nicht vorkommen möge, damit auch nicht zufälliger Weise irgendwie der Wohlstand und das Decorum verletzt oder gar unziemliche Scherze veranlaßt würden. Daß schon in der alten Kirche die Ehe zwischen Geschwisterkindern (zuerst auf Anrathen des Ambrosius durch den Kaiser Theodosius) u. a. m. untersagt waren, ist durch die Liebe zum jungfräulichen Stand und Mönchsleben überhaupt befördert worden. Vorher müssen die Rechte bei weitem laxer gewesen sein, so daß sogar Heirathsfälle zwischen Verschwägerten der ersten Gattung sich haben finden können; denn erst auf der Kirchenversammlung zu Neocäsarien 314 n. Chr., noch ehe Constantin zur Alleinherrschaft gelangte, wurde ein Kanon dagegen festgesetzt, welchen dann die christlichen Kaiser immer mehr und mehr bekräftigt und erweitert in das politische Gesetz aufnahmen. Aus den Decretalien des Pseudoisidorus ist ersichtlich, daß um das 8. und 9. Jahrhundert schon das Verwandtschaftshinderniß bis auf den siebenten Grad des Civilgesetzes gereicht habe. Im 11ten ward die kanonische Berechnung der Grade eingeführt, und selbst nach dieser das Hinderniß bis auf den siebenten Grad zu der Zeit des Pabstes Alexander III. gesetzlich angenommen, im 13ten Jahrhundert aber von der lateranensischen Kirchenversammlung unter Innocenz III. bis auf den vierten Grad eingeschränkt, welches die römische Kirche bis auf den heutigen Tag noch beobachtet.

Urtheil de Valenti's, Hengstenberg, Sartorius, Tholuck u. A. betreffend.

Unter dem Titel: „Ueber die preußische Kirchennoth" findet sich in der Zeitschrift von Rudelbach und Guericke ein Sendschreiben, das wir im „Lutheraner" in einem ausführlichen Auszuge mitzutheilen gedenken. Das darin abgelegte entschiedene Zeugniß ist um so beherzigenswerther, je weniger Dr. de Valenti zu den sogenannten Altlutheranern gerechnet sein will. Hier geben wir davon vorläufig nur Folgendes:

Gegen die von Hengstenberg herausgegebene Berliner Evangelische Kirchenzeitung bemerkt de Valenti noch besonders: „sie mache sich selbst und Andere glauben, als ob sie die wahren Jünger und Streiter Christi unter ihrer symbolgläubigen Fahne zu sammeln und in den siegreichen Streit gegen die widerkirchlichen und widerchristlichen Zeitmächte zu führen berufen sei." Daß aber von der Berliner evangelischen Kirchenzeitung kein Heil in diesem Kampfe zu erwarten ist, das sieht wohl ein Jeder ein, der die Erfordernisse eines echten Bekenntnisses für die evangelische Wahrheit kennt. — Statt daß sie nemlich die Schleiermacher'sche Irrlehre als das, was sie ist, nemlich als das allgemeine Salz-verdummende Element unserer Zeit bezeichnete, duldet sie es ruhig, wenn z. B. ein Sartorius in einem Diöcesanschreiben von 1842 in ihren Spalten Luther und Schleiermacher als zwei „ausgezeichnete Kirchenlehrer" einander an die Seite stellt. Statt den Hegelschen eben so antichristischen, als gotteslästerlichen Aberwitz mit Kraft und Nachdruck abzuweisen, preis't sie, wie schon erwähnt ist — mit Herrn Dr. Tholuck die sogenannte speculative Genugthuungs- und Versöhnungslehre eines Göschel als das Morgenroth eines neuen Tages in der offenbarungsgläubigen Theologie. Ja, mit der schmachvollen Anerkennung solcher auf der faulenden Lache der krypto-atheistischen Zeitphilosophie herumflatternden und hüpfenden modegläubigen Irrwische nicht zufrieden, bestimmt sie selbst die Sünde „nicht als die That eines Einzelnen, sondern als die absolute That des ewigen Geistes (!!!), welcher Gott selbst regiert." (1834. Nro. 2., S. 12 und 13.)

Endlich schämt sie sich nicht, in ihrem Streite gegen die wider sie geschlossene Schaar Schleiermacher'scher Weltverklärer den Chorführer derselben als einen weisen Baumeister herauszustreichen, der neben Holz, Heu und Stoppeln doch auf einen guten Grund für seine Jünger so viel Gold, Silber und Edelsteine aufgebaut habe, daß sie nur in dieser Weise hätten fortbauen sollen, um sich eben so, wie ihr Meister, über ihre Zeit zu erheben, um dann für ihre Zeitgenossen dasselbe werden zu können, was einst Schleiermacher für die Seinigen war, nemlich ein weithin strahlendes, im Segen wirkendes Kirchenlicht.

Wie nun? Hat etwa Herr Dr. Hengstenberg vergessen, oder hat er es noch nie gewußt, daß Schleiermacher nicht einmal im Ernste an das außer- und überweltliche persönliche Dasein Gottes glaubt, daß also der wahre persönliche Gott in der Schleiermacher'schen Lehre fehlt, daß er den Fall Adams, das vorweltliche Dasein des Sohnes Gottes, und also die Gottheit Christi, sowie dessen Auferstehung und Himmelfahrt, und demgemäß Christum, als das Bundes- und Lebenshaupt seiner Gemeinde, sowohl im Stande seiner Niedrigkeit, als seiner Herrlichkeit verleugnet hat; daß er ferner die fortgehenden, von dem verklärten Heilande unmittelbar ausgehenden Guadenwirkungen des Heiligen Geistes verleugnet und an die Stelle derselben seinen sogenannten Gemeingeist setzt, welchen letzteren er dann seinen Jüngern als einen wesentlichen Bestandtheil des göttlichen Wesens, ja als den eigentlichen, der Welt immanenten Gott zu ehren befiehlt?

Ist es denn dem Herrn Prof. Hengstenberg unbekannt, daß Schleiermacher das Bewußtsein der Sünde, also die Buße, für ein wesentliches Stück der Sünde, die Sünde selbst aber als ein wesentliches Stück der ursprünglichen Vollkommenheit des Menschen erklärt u. s. w.? Doch was thut das Alles? Herr Hengstenberg gibt uns hierüber folgende symbolgläubige (!!) Beruhigung. Er gibt nemlich zu, daß die Schleiermacher'sche Lehre an sich „völlig Unverträgliches in sich vereinigt habe, daß aber eine solche Vereinigung des Widersprechenden in dem zweiten und einigermaßen noch in dem dritten Decennium unseres Jahrhunderts wohl an der Zeit (!!!), ja sogar in gewissem Sinne berechtigt (!!) gewesen sei". Nach Herrn Hengstenberg ist also das, was eben heute seelenmörderische und dem Evangelio völlig widersprechende Lüge ist, vor einigen Jahren in der Kirche berechtigte, Heil und Leben bringende Wahrheit gewesen. O sancta simplicitas! (Heilige Einfalt.) Wie nun? Erkennet Herr Dr. Hengstenberg einen solchen Schwarmgeist und Erzsophisten, ja einen solchen krypto-atheistischen Marcion unserer Tage als einen auf gutem Grunde stehenden Kirchenlehrer an, muß dann nicht der Krieg und Lärm mit den Lichtfreunden, Rongianern, so wie zuletzt mit den Schleiermacher'schen Unions- und Neusymbolikern, trotz allen geräuschvollen Luftstreichen auf beiden Seiten dennoch als ein bloßer Gaukelkrieg erscheinen, währenddessen das alte Elend und Verderben unaufhaltsam vorwärts schreitet?

Schreiber dieses verwahrt sich daher sowohl hier, als auch bei jeder andern Gelegenheit auf das Feierlichste gegen die Anmaßung der Berliner evangelischen Kirchenzeitung, vermöge welcher sie sich so sehr gefällt, sowohl von Freunden als von Feinden als das symbolgläubige Organ und als das bekenntnißtreue Märtyrer- und Fegopfer unserer Tage betrachtet zu werden. Sie ist dieses weder für die reformirte, noch weniger aber für die lutherische, wie viel weniger für die sogenannte unirte Kirche. Ja, es gehört diese symbolgläubige (?!) Schilderhebung der Berliner evangelischen Kirchenzeitung mit zu den kräftigsten Irrthümern unserer Zeit, welche sich nur aus dem in seinen innern Lebensfugen verdrehten und verrenkten Verstande des Unglaubens und frommen Wahn- und Modeglaubens unserer Tage erklären läßt.

Uebrigens ist noch zu bemerken, daß der Glaube treuer und aufrichtiger Wahrheitszeugen auch unter diesen traurigen Umständen an der wahren Hülfe des HErrn noch keinen Augenblick gezweifelt hat. — Zur Steuer der Wahrheit und zum Frommen vieler redlichen, aber noch schwachen und kurzsichtigen Jünger Christi sei es aber gesagt: Nicht die List und Macht der Lichtfreunde, Communisten, Demagogen u. s. w., sondern die Eitelkeit, Verblendung und Vermessenheit derer, welche eben, wie z. B. auch ein Dr. Hengstenberg, bei vielen argverblendeten Frommen ohne allen Grund der Wahrheit als Verfechter des protestantischen Kirchenglaubens gelten, ist es, welche wir am meisten zu beweinen und zu beklagen haben. — Armes Zion! nicht deine Feinde, sondern deine falschen Freunde, Tröster und Helfer verderben dich!

Gedruckt bei Arthur Olshausen,
Herausgeber des Anzeiger des Westens.

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be regarded according to the fourth commandment. IV. In all this respect (I. II. and III.) the same holds of affinity; but for the lateral lines of both, of consanguinity and affinity, in a mitigated measure.

Accordingly, without divine and, in Protestant countries, also human laws being against it, father and son may marry two sisters according to the flesh, or mother and daughter, and conversely, two brothers two sisters or mother and daughter, the sister's husband his brother's wife, but not without necessity his brother's daughter, even the daughter's husband his step-mother-in-law as a relative by marriage of the second kind, etc. Only in such cases as the last, or when the father takes the daughter and the son the mother to wife, it is to be wished that it may not occur, so that neither by chance may propriety and decorum be violated in any way, nor unseemly jests even be occasioned. That already in the ancient Church the marriage between cousins (first at the advice of Ambrose through the Emperor Theodosius), and other such, was forbidden, was promoted by the love for the virgin state and for monastic life in general. Before that the laws must have been far laxer, so that even cases of marriage between relatives by marriage of the first kind could be found; for only at the council at Neocaesarea in 314 A.D., before Constantine attained sole dominion, was a canon established against it, which the Christian emperors then, more and more confirmed and extended, took up into the political law. From the Decretals of Pseudo-Isidore it is evident that about the 8th and 9th century the impediment of kinship already reached to the seventh degree of the civil law. In the 11th the canonical reckoning of the degrees was introduced, and even according to this the impediment was legally assumed to the seventh degree in the time of Pope Alexander III., but in the 13th century was limited by the Lateran council under Innocent III. to the fourth degree, which the Roman Church still observes to this day.

Concerning the Judgment of de Valenti, Hengstenberg, Sartorius, Tholuck and Others.

Under the title: "On the Distress of the Prussian Church" there is found in the journal of Rudelbach and Guericke an epistle, which we intend to communicate in the "Lutheraner" in a full extract. The decided testimony delivered therein is the more worthy of heed, the less Dr. de Valenti wishes to be reckoned among the so-called Old Lutherans. Here we give of it for the present only the following:

Against the Berlin Evangelische Kirchenzeitung edited by Hengstenberg, de Valenti remarks further in particular: "it makes itself and others believe, as though it were called to gather the true disciples and warriors of Christ under its symbol-believing banner and to lead them into the victorious battle against the anti-church and anti-Christian powers of the age." But that no salvation is to be expected from the Berlin evangelical Kirchenzeitung in this struggle, every one sees well who knows the requirements of a genuine confession for the evangelical truth. — Instead of designating the Schleiermacherian heresy, namely, as that which it is, namely the general salt-stupefying element of our time, it quietly suffers it when, e.g., a Sartorius in a diocesan letter of 1842 in its columns sets Luther and Schleiermacher side by side as two "distinguished teachers of the Church." Instead of rejecting with force and emphasis the Hegelian folly, as antichristian as it is blasphemous, it extols, as already mentioned — with Dr. Tholuck — the so-called speculative doctrine of satisfaction and atonement of a Göschel as the dawn of a new day in the revelation-believing theology. Yea, not content with the shameful acknowledgment of such will-o'-the-wisps of a fashionable faith, fluttering and hopping about upon the putrid pool of the crypto-atheistic philosophy of the age, it determines sin itself "not as the act of an individual, but as the absolute act of the eternal Spirit (!!!), which governs God Himself." (1834. No. 2., pp. 12 and 13.)

Finally it is not ashamed, in its struggle against the band of Schleiermacherian world-transfigurers formed against it, to extol the leader of the same as a wise master-builder, who, besides wood, hay and stubble, yet upon a good foundation for his disciples built up so much gold, silver and precious stones, that they should only in this way have continued building, in order to raise themselves above their time just as their master did, so as then to become for their contemporaries the same that Schleiermacher once was for his own, namely a church-light shining far and wide, working in blessing.

What now? Has perhaps Dr. Hengstenberg forgotten, or has he never yet known, that Schleiermacher does not even in earnest believe in the extramundane and supramundane personal existence of God, that therefore the true personal God is lacking in the Schleiermacherian doctrine, that he has denied the fall of Adam, the preexistence of the Son of God, and thus the divinity of Christ, as also His resurrection and ascension, and accordingly Christ as the head of the covenant and of the life of His congregation, both in the state of His humiliation and of His glory; that he further denies the continuing operations of grace of the Holy Ghost proceeding immediately from the glorified Saviour, and puts in the place of them his so-called common spirit, which latter he then commands his disciples to honor as an essential constituent of the divine being, yea as the proper God immanent in the world?

Is it then unknown to Prof. Hengstenberg that Schleiermacher declares the consciousness of sin, therefore repentance, to be an essential part of sin, but sin itself an essential part of the original perfection of man, etc.? But what does all that matter? Hengstenberg gives us hereupon the following symbol-believing (!!) assurance. He admits, namely, that the Schleiermacherian doctrine in itself "has united things quite incompatible, but that such a union of what is contradictory was quite timely (!!!) in the second and to some extent still in the third decade of our century, yea even in a certain sense justified (!!)". According to Hengstenberg, then, what is today soul-murdering lie, wholly contradicting the Gospel, was a few years ago in the Church justified truth, bringing salvation and life. O sancta simplicitas! (Holy simplicity.) What now? If Dr. Hengstenberg acknowledges such a fanatic and arch-sophist, yea such a crypto-atheistic Marcion of our days as a teacher of the Church standing on a good foundation, must not then the war and noise with the Friends of Light, the Rongians, as also lastly with the Schleiermacherian Unionists and Neo-symbolists, in spite of all noisy air-strokes on both sides, nevertheless appear as a mere sham war, while meanwhile the old misery and corruption goes irresistibly forward?

The writer of this therefore protests, both here and on every other occasion, most solemnly against the presumption of the Berlin evangelical Kirchenzeitung, by virtue of which it so much delights to be regarded both by friends and by enemies as the symbol-believing organ and as the confession-faithful martyr and purgatorial sacrifice of our days. It is this neither for the Reformed, nor still less for the Lutheran, how much less for the so-called United Church. Yea, this symbol-believing (?!) raising of the shield of the Berlin evangelical Kirchenzeitung belongs among the most powerful errors of our time, which can be explained only from the understanding, twisted and dislocated in its inner joints of life, of unbelief and of the pious fancy-faith and fashion-faith of our days.

Moreover it is still to be remarked that the faith of true and upright witnesses of the truth, even under these sad circumstances, has not doubted for a single moment of the true help of the LORD. — For the sake of the truth and to the profit of many honest but still weak and short-sighted disciples of Christ let it however be said: Not the cunning and power of the Friends of Light, Communists, Demagogues, etc., but the vanity, blindness and presumption of those who, just as, e.g., also a Dr. Hengstenberg, pass among many sorely blinded pious people, without any ground of truth, as defenders of the Protestant church faith, it is, which we have most to bewail and to lament. — Poor Zion! not thy enemies, but thy false friends, comforters and helpers destroy thee!

Printed by Arthur Olshausen,
Publisher of the Anzeiger des Westens.