Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer Beiblatt › Beiblatt S. 2
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-21, Beiblatt S. 2
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theraner und Reformirten erst so weit wären, daß sie mit gutem Gewissen eine fraternitas in Ch. unter sich anerkennen könnten, dann wäre die wahre Union wirklich geschehen. Oder kennt und will man noch eine innigere Union, als die Gemeinschaft in Christo? — Wie kann aber Herr F. B. aus den eben angeführten Worten des consensus den Schluß ziehen, „da erkannte man also nicht die geringste Einheit an“, in welchen Worten liegt denn das? Es wird ja nur zwischen den Bekennern der Augsburgischen Confession und den Reformirten, als solchen, die Gemeinschaft in Christo geleugnet, und es kann ja, wenn von Reformirten und Lutheranern in abstracto, als abgeschlossenen Körperschaften die Rede ist, weil und so lange sie in ihren Bekenntnissen wider einander sind, keine Gemeinschaft stattfinden; in concreto können hingegen einige Glieder der reformirten Kirche, wenn sie wahrlich an Christum glauben, mit den Lutheranern in der innigsten Gemeinschaft, in der Gemeinschaft mit Christo stehen, weil sie mit diesen dann zu der einen wahren Kirche gehören, und in der That, wenn auch unbewußt, vom reformirten Bekenntniß abgetreten sind. —
Wunder, daß sie darüber etwa ungleich antworten.“ (Band 4, Seite 73.) Hier gibt uns der liebe Spener zugleich den Schlüssel zu den „ungleichen Antworten“, welche man hier so oft von amerikanischen „Theologen“ auf dergleichen Behauptungen erhält. Laßt uns daher, liebe Lutheraner, Geduld haben! Die Red.
Die Art der Entstehung des deutschen, evangelischen Kirchenvereins des Westens, wie dieselbe vom Correspondent dargestellt wird, läßt uns einen Blick thun in das Wesen des Vereins selbst, in seine charakterlose Schwäche weil Ueberzeugungslosigkeit. Correspondent sagt: „dennoch pflanzten sie das Panier der evangelischen Kirche getrost und freudig auf, nicht weil es etwa ihr Lieblingspanier gewesen wäre, sondern lediglich, weil sie sahen, daß es Noth sei.“ Also der Verein pflanzte sein Panier, sein Glaubensbekenntniß getrost auf, nicht weil dasselbe das des eigenen, durch das Wort Gottes zu fester, freudiger Ueberzeugung gekommenen Herzens war, er sein Bekenntniß darum liebte, ja, wenn der Correspondent so will, sein „Lieblingspanier“ war, sondern „lediglich“ weil er sah, „daß es Noth sei“; weil „ein großer Theil der den Westen bevölkernden deutschen Einwanderer aus unirten Landen kam, und nach Lehrern desselben Bekenntnisses begehrte“. Also die Nöthigung, die Berechtigung des ganzen Vereins lag nicht in der durchs Wort Gottes gewonnenen Ueberzeugung der Gründer, sondern im Begehren der Einwanderer. Man baute mithin den Verein nicht auf den ewigen Felsen des göttlichen Wortes, sondern auf die unstäte Woge menschlichen Begehrens; man blickte bei der Gründung des Vereins nicht zuerst auf die Ehre des HErrn und Seines ausgesprochenen Willens, was doch allein Christen Art ist und sein soll, sondern auf die Noth des Volkes; — und weil dieses Volk nun „unleugbar wenig äußerliches kirchliches und noch weniger inneres christliches Leben aus der alten Heimath mitbringt“, wie der Verfasser selbst gesteht, und deswegen, dem unionistischen Geiste der Zeit und der geizigen Sucht des verderbten Herzens schneller unterliegend, Prediger verlangt, die der kirchlichen Willkür nicht hemmend in den Weg treten und sich durch eine Vereinigung der Parteien am leichtesten unterhalten lassen; so muß diesem Begehren, dieser Noth nachgekommen werden — und das der noble Entstehungsgrund des Vereins. — Ja noch mehr, man gab sogar die eigene „wohlberechtigte Ueberzeugung“ den Anforderungen jener wenig kirchlichen und noch weniger christlichen Einwanderer Preis; was wir so nackt auszusprechen nicht wagen würden, wenn der Correspondent nicht selbst sagte: „Die Forderung, welche ein in den evangelischen Einwanderern factisch vorhandener Theil der protestantischen Kirche an sie stellte, und das damit verknüpfte Heil der Seelen, galt ihnen höher, als eigene, sonst wohl auch noch so sehr berechtigte Ansicht und Ueberzeugung.“ Weiß denn der Herr F. B. nicht, daß es heißt: „ich glaube“ — habe eine wohlberechtigte Ueberzeugung, daß etwas Gott gefalle, — „darum rede ich“; weiß er denn nicht, daß Alles, was nicht aus dem Glauben, — aus der Ueberzeugung — kommt, Sünde ist? —
Indem wir jetzt zu einem andern Punkte übergehen, zu dem sogenannten „Bekenntniß des evangelischen Vereins“, so müssen wir den Vorwurf, „die evangelische Kirche habe kein Bekenntniß“, der vom Correspondent abgewiesen wird, wiederholen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil derselbe wahr ist. Daß der evangelische Verein kein eigenes, ihm eigenthümlich zugehörendes Bekenntniß hat, wird er selbst nicht leugnen können, aber auch ein fremdes hat er nicht, sondern nur ein Compositum von zwei fremden, andern Kirchen zugehörenden, welches aber in der Wirklichkeit wieder nirgends existirt, sondern von jedem Gliede des Vereins erst gesucht, erst herausstudirt, erst immer wieder von neuem selbst gemacht werden muß, und von jedem, je nach dem Maße der Erkenntniß oder auch des Willens, weiter oder enger gestellt werden kann. Wenn daher der evangelische Verein in seinen Statuten Cap. I. § 1. sagt: der evangelische Verein „bekennt sich zu der Auslegung der heiligen Schrift, wie sie in den symbolischen Büchern der lutherischen und reformirten Kirche . . . niedergelegt ist, insofern dieselben übereinstimmen“, so spricht er damit keineswegs ein Bekenntniß aus, sondern gibt nur den Weg an, auf dem man das Bekenntniß des Vereins sich bilden könne, und hat somit statt eines offenen, klaren Bekenntnisses, statt eines Paniers, das deutlich seine Farben und Zeichen entfaltet, so daß es ein jeder leicht erkennen und ihm folgen kann, nur einen Wegweiser, der aber nicht angibt, welchen Weg man gehen soll, sondern es einem jeden überläßt, balancirend die mittlere Direction zu wählen zwischen zwei Wegen, die man nicht gehen soll. Oder steht vielleicht der consensus der Bekenntnißschriften der reformirten und lutherischen Kirche fest? Warum ist er denn noch nie ausgesprochen, festgesetzt, formulirt? Weil die ganze Sache eine Unmöglichkeit, ein Unsinn ist. Dieser consensus kann nemlich entweder nur ein innerer, organischer, oder ein äußerer, mechanischer, sein. Der innere consensus zwischen beiden Bekenntnissen, oder die wahre, organische Union beider ist zwar schon seit 300 Jahren oft genug gesucht, aber noch nicht gefunden und kann auch nicht gefunden werden, weil beide Bekenntnisse in einigen Lehren sich widersprechen und principiell von einander geschieden sind, und diese vorliegenden, radikalen Verschiedenheiten wohl äußerlich zu Einem scheinbar übertüncht werden, aber in Wahrheit nie zusammengestimmt, nie zu einem wahren consensus zusammengeschmolzen werden können. Das ewige Wort Gottes selbst trennt auf ewig die lutherische Kirche von der reformirten als solcher. Hat der evangelische Verein nun unter seinem Bekenntniß diesen innern organischen consensus verstanden, so hat er sehr naiver Weise etwas als allgemein bekannt und gegeben vorausgesetzt und als sein Panier, sein Bekennungs- und Erkennungszeichen aufgepflanzt, was noch gar nicht da ist, erst noch gefunden werden soll, aber seiner eigenen widersprechenden Natur nach nie gefunden werden kann, also eine baare Unmöglichkeit ist. Versteht aber der evangelische Verein unter dem „insofern dieselben übereinstimmen“ ein äußeres Zusammengeflicktes nur dessen, worin die Bekenntnißschriften der lutherischen und reformirten Kirche übereinstimmen, also jenen äußern, mechanischen consensus und bekennt er über das Nichtübereinstimmende Nichts, so „gibt er nicht nur für den Indifferentismus eine willkommene Herberge ab“, sondern ist, da er Nichts bekennen will über den Artikel von Gott, von der Person Christi, von der Gnade, von der Taufe, vom Abendmahl, vom Amt der Schlüssel, von der Kirche u. s. w., denn in diesen Artikeln stimmen die lutherische und die reformirte Kirche nicht überein, in der That der „verzweifeltste Indifferentismus“ selbst, und sein Bekenntniß, weil es über die wichtigsten Artikel, die zu bekennen sind, Nichts bekennt, — ein Unsinn. —
Wenn nun aber der Correspondent dennoch nachweisen will, daß jener consensus dennoch alle zur Seligkeit nothwendigen Punkte enthalte, und darum sagt: „Da nun Löhe ferner zugibt, daß man auch in nichtlutherischen Kirchen selig werden könne, so müssen jene Stücke der Wahrheit, welche er andern Kirchen nicht abzusprechen so freundlich ist, doch wesentliche Stücke sein, durch deren Festhalten man zur Seligkeit gelangen kann. Es müssen also selbst nach den Worten eines der strengsten Lutheraner in den Bekenntnissen der reformirten und lutherischen Kirche sehr viele, nemlich alle zur Seligkeit nothwendigen Punkte übereinstimmen“; so müssen wir diese Argumentation eine durchaus verfehlte nennen. Denn man kann in der katholischen, wie überhaupt jeder christlichen Secte auch selig werden; das kommt aber nicht daher, weil jede christliche Secte auch „alle“ zur Seligkeit nothwendigen Punkte hat, sondern weil der Heilige Geist die erwählte, einfältige Seele bei dem „einen Kleinode,
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theran and Reformed were so far advanced that with a good conscience they could acknowledge a fraternitas in Ch. among themselves, then the true union would really have come to pass. Or does one know and desire a still more intimate union than the fellowship in Christ? — But how can Herr F. B. draw from the words of the consensus just quoted the conclusion, "thus they did not acknowledge the slightest unity," in which words does that lie? It is only between the confessors of the Augsburg Confession and the Reformed, as such, that fellowship in Christ is denied; and where Reformed and Lutherans are spoken of in abstracto, as closed bodies, no fellowship can take place, because and so long as they stand in their confessions against one another; in concreto, on the other hand, some members of the Reformed church, if they truly believe in Christ, may stand with the Lutherans in the most intimate fellowship, in the fellowship with Christ, since they then belong with these to the one true church, and in fact, though unconsciously, have departed from the Reformed confession. —
wonder that they answer somewhat unequally about it." (Volume 4, page 73.) Here dear Spener gives us at the same time the key to the "unequal answers" which one so often receives here from American "theologians" to assertions of this kind. Let us therefore, dear Lutherans, have patience! The Ed.
The manner in which the German Evangelical Church Union of the West arose, as it is represented by the Correspondent, lets us take a look into the nature of the Union itself, into its characterless weakness for want of conviction. The Correspondent says: "nevertheless they planted the banner of the evangelical church confidently and joyfully, not because it had perhaps been their favorite banner, but solely because they saw that it was needful." Thus the Union planted its banner, its confession of faith, confidently, not because that was the confession of its own heart, brought by the Word of God to firm, joyful conviction, nor because it loved its confession, indeed, if the Correspondent will have it so, was its "favorite banner," but "solely" because it saw "that it was needful"; because "a great part of the German immigrants populating the West came from united lands, and desired teachers of the same confession." Thus the constraint, the warrant of the whole Union lay not in the conviction of the founders won through the Word of God, but in the desire of the immigrants. Men built the Union, therefore, not upon the eternal rock of the divine Word, but upon the unstable wave of human desire; at the founding of the Union they looked not first to the honor of the LORD and His declared will, which alone is and ought to be the way of Christians, but to the need of the people; — and because this people now brings "undeniably little outward churchly and still less inward Christian life from the old homeland," as the author himself admits, and on that account, yielding the more quickly to the unionistic spirit of the age and to the covetous craving of the corrupt heart, demands preachers who will not stand in the way of ecclesiastical caprice and will let themselves be entertained most easily by a uniting of the parties; therefore this desire, this need, must be met — and that is the noble origin of the Union. — Yes, more still, they even gave up their own "well-founded conviction" to the demands of those little churchly and still less Christian immigrants; which we would not dare to state so nakedly if the Correspondent did not himself say: "The demand which a part of the Protestant church actually present among the evangelical immigrants made upon them, and the salvation of souls bound up with it, counted for more with them than their own view and conviction, however well founded otherwise." Does Herr F. B. not know that it is written: "I believe" — have a well-founded conviction that something pleases God — "therefore have I spoken"; does he not know that everything which is not of faith — of conviction — is sin? —
As we now pass to another point, to the so-called "Confession of the Evangelical Union," we must repeat the reproach, "the evangelical church has no confession," which is rejected by the Correspondent, and that for the simple reason that it is true. That the Evangelical Union has no confession of its own, peculiarly belonging to it, it will itself not be able to deny, but neither has it a foreign one, but only a Compositum of two foreign ones, belonging to other churches, which however in reality exists nowhere again, but has first to be sought by each member of the Union, first studied out, always made anew for himself, and by each, according to the measure of knowledge or also of will, can be set wider or narrower. When therefore the Evangelical Union in its statutes, Chap. I. § 1., says: the Evangelical Union "confesses itself to the interpretation of the Holy Scriptures as it is laid down in the symbolical books of the Lutheran and Reformed church . . . in so far as they agree," it thereby by no means utters a confession, but only indicates the way in which the confession of the Union may be formed, and has thus, instead of an open, clear confession, instead of a banner which plainly unfolds its colors and devices so that everyone can easily recognize it and follow it, only a signpost, which however does not indicate which way one is to go, but leaves it to each to choose, balancing, the middle direction between two ways which one is not to go. Or does perhaps the consensus of the confessional writings of the Reformed and Lutheran church stand fast? Why then has it never yet been declared, fixed, formulated? Because the whole matter is an impossibility, a nonsense. For this consensus can be either only an inner, organic one, or an outer, mechanical one. The inner consensus between the two confessions, or the true, organic union of the two, has indeed been sought often enough for 300 years, but not yet found, and cannot be found, because both confessions contradict one another in some doctrines and are separated from each other in principle, and these existing, radical differences may well be outwardly glossed over into one in appearance, but in truth can never be brought into accord, never be fused into a true consensus. The eternal Word of God itself separates the Lutheran church forever from the Reformed as such. If now the Evangelical Union has understood by its confession this inner organic consensus, then it has very naively presupposed as generally known and given, and planted as its banner, its sign of confession and recognition, something which is not yet there at all, is still to be found, but by its own contradictory nature can never be found, and so is a sheer impossibility. But if the Evangelical Union understands by the "in so far as they agree" an outer patchwork only of that in which the confessional writings of the Lutheran and Reformed church agree, thus that outer, mechanical consensus, and confesses nothing concerning that on which they do not agree, then it "not only affords a welcome shelter for indifferentism," but is, since it will confess nothing about the article of God, of the person of Christ, of grace, of baptism, of the Lord's Supper, of the office of the keys, of the church, etc., for in these articles the Lutheran and the Reformed church do not agree, in fact the "most desperate indifferentism" itself, and its confession, because it confesses nothing about the most important articles that are to be confessed, — a nonsense. —
But if the Correspondent nevertheless wishes to prove that that consensus nevertheless contains all the points necessary to salvation, and therefore says: "Since Löhe further admits that one may be saved also in non-Lutheran churches, those pieces of truth which he is so kind as not to deny to other churches must nevertheless be essential pieces, by holding fast to which one may attain to salvation. Thus even according to the words of one of the strictest Lutherans there must agree in the confessions of the Reformed and Lutheran church very many, namely all the points necessary to salvation"; we must call this argumentation a thoroughly mistaken one. For one may be saved also in the Catholic, as in every Christian sect generally; but that comes not from every Christian sect also having "all" the points necessary to salvation, but because the Holy Ghost keeps the elect, simple soul by the "one jewel,