Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer Beiblatt › Beiblatt S. 3

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-21, Beiblatt S. 3

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daß jede Particularkirche noch hat“, erhält, von da aus tiefer in die ganze Wahrheit einführt, und vor den seelenverderbenden Irrthümern der falschen Lehren gnädig bewahrt. Denn mit demselben Rechte könnte man sonst auch behaupten, daß die katholische Kirche mit der reformirten und lutherischen in „allen zur Seligkeit nothwendigen Punkten übereinstimme“, was doch erweislich nicht der Fall ist. Ja jede christliche Secte könnte denselben Grund für ihre völlige Uebereinstimmung in den zur Seligkeit nothwendigen Lehren mit jeder andern geltend machen; und es ist auf diese Weise gar kein Grund abzusehen, warum der evangelische Verein sich so engherzige Schranken gesetzt hat, und nicht sagt: sein Bekenntniß sei der consensus aller Bekenntnisse aller christlichen Secten der ganzen Welt. —

So ein Nichts nun auch das Bekenntniß des evangelischen Vereins an sich ist, so ist es doch, da es ein Deckmantel unlautern Sinnes und unlauterer Handlungsweise ist, eine gefährliche Waffe des Verführers und Mörders von Anfang an, ein schlimmes Zeichen der Zeit, ein öffentliches Lügenbekenntniß. Denn was thun die Glieder des evangelischen Vereins, wie überhaupt der ganzen evangelischen Kirche? Sie bekennen sich als evangelisch, aber sie sind reformirt in Theorie und Praxis. Der böse Feind hat sich aufgemacht, um unter der gleißenden, verführerischen „evangelischen“ Maske die lutherische Kirche zu untergraben, sie ihres Kleinods und ihrer Krone, ihres Kindesgehorsams gegen das Wort Gottes zu berauben. Gerade den entschieden lutherischen, rein biblischen, antireformirten Lehren gilt es, die sollen fallen, gegen die steht der Geist der evangelischen Kirche, so laut er auch schreit: Union, Union! Friede, Friede!*)

*) Hr. F. B., welcher am Schluß auf das von hiesiger Gemeinde herausgegebene Gesangbuch kommt, sagt u. A.: „Nicht nur sprachliche, sondern auch den Sinn betreffende Aenderungen, die sich in manchen Liedern finden, scheinen anzuzeigen, daß die Herausgeber keineswegs den Grundsatz hatten, die Lieder unverändert zu geben. So ist z. B. in Luthers: „„Nun komm, der Heiden Heiland““, Vers 6 in dem Passus: „„Daß dein ewig Gottes Gewalt in uns das krank Fleisch enthalt““ das letzte Wort in das gerade entgegengesetzte „„erhalt““ verändert. Wir gestehen willig ein, daß diese, wie eine zweite von Hrn. F. B. gerügte Veränderung Fehler, jedoch nur aus Versehen gemachte Fehler sind, und sind daher dem Herrn Correspondenten für Aufdeckung derselben herzlich dankbar. Wenn derselbe aber meint, daß das Wort „erhalt“ dem alten „enthalt“ gerade entgegengesetzt ist, so ist das ein Irrthum, zu welchem den lieben Mann vielleicht Mangel an Belesenheit in alten Schriften geführt hat. Wir erinnern nur an folgende in älteren Bibelausgaben vorkommende Stellen: „Indeß enthalt uns dein Wort.“ Jer. 15, 16. „Der freudige Geist enthalte (Samach, hyposterizei, sustentat) mich.“ Ps. 51, 14. „Der HErr enthält (wie oben) die Gerechten.“ Ps. 37, 17. „Enthalten“ hat hier nicht die Bedeutung von continere, sich enthalten, zurückhalten, einschränken, sondern sustentare, firmare, halten, unterstützen; und das ist der Fall auch in unserem Liede, welches eine Uebersetzung ist des berühmten Ambrosianischen Hymnus: „Veni redemtor gentium“, worin es Vers 6. heißt: „Aequalis aeterno patri, carnis trophaeo accingere, infirma nostri corporis virtute firmans perpetim.“ Da „der evangelische Verein die Aufgabe zu lösen suchen wird, einen dem Sinn und mit Berücksichtigung der Verhältnisse auch der Sprache nach möglichst reinen Text herzustellen“, so dürfte, nach der angegebenen sprachlichen Kritik eines Vereinsgliedes zu urtheilen, die Empfehlung eines vorherigen tieferen historischen Sprachstudiums wohl am Orte sein.
Die Redaction.

Was nun die Schlußanmerkung des Herrn Herausgebers anbetrifft, so gehört dieselbe in die oben angeführte Kategorie der verhüllten Unaufrichtigkeit. Er sagt: er habe diese „interessante“ Correspondenz unverändert aufgenommen, weil er anerkannten Mitarbeitern freien Spielraum lasse, die „Verantwortlichkeit der darin enthaltenen Polemik gegen das Altlutherthum“ müsse er aber von sich abweisen, und zwar wegen des conservativen und irenischen Charakters seines Journals. Der Charakter eines Journals wird nun aber bedingt durch den Charakter der Aufsätze, die in demselben enthalten sind, ein polemischer Aufsatz wird nun aber dadurch nicht irenisch, wenn der Herausgeber des Journals die Verantwortlichkeit der Polemik von sich abweis't. Das ist ja lächerlich, ist gerade, als wenn jemand den Schlag, den er einem Andern versetzte, damit entschuldigen wollte, daß er den Schlag nicht gegeben habe, sondern seine Hand. Auch wird eine Polemik dadurch nicht eine „durchaus würdig gehaltene, und von aller Persönlichkeit sich frei haltende“, wenn das der Herr Herausgeber in einer Anmerkung betheuert, die Polemik selbst aber Sachen vorbringt wie diese: „Die Taktik der Angreifenden (im „Lutheraner“) besteht nicht selten darin, daß man die evangelischen Geistlichen durch den Vorwurf der Unredlichkeit und Täuscherei vor den Gemeinden verdächtig zu machen sucht“, und Guericke als einen Mann darstellt, der „nicht übel Lust hatte, die Köthener Lichtfreunde und die Berliner Barrikadenhelden als Racheengel zu begrüßen, welche gesandt seien, das preußische Königshaus zu strafen ob seines reformirten Bekenntnisses und ob seiner Vorliebe für Union“.

Wozu eine irenische Maske tragen, welche die polemische Ungeduld doch nur schlecht verdeckt? Im offenen Kampfe kommt man weiter! —

B—.

(Eingesandt von Pastor Fürbringer.)

Von den verbotenen Ehegraden.

Die göttliche Ordnung der Ehe unterscheidet sich von jeder andern menschlichen Gemeinschaft dadurch, daß sie eine geschlechtliche Vereinigung ist; aber was sie über die Befriedigung thierischer Wollusttriebe erhebt, ist, daß eine Erfüllung derselben im Christenthume nicht gedacht werden kann ohne jene geistige Schätzung, auf deren Grund sie eine wahlfreie Vereinigung zweier gottesbildlicher Wesen und zugleich die Theilnahme am persönlichen Berufe für die ganze Lebensdauer ist. Es bleibt daher die Hauptbedingung, unter welcher diese Art der Lebensgemeinschaft eingegangen werden soll, die leiblich-geistige Anziehung und natürliche Herzensneigung eines geschlechtlich unterschiedenen Menschenpaares zu einander, die in der Einigung beider Personen mit Ausschluß aller andern sich bethätigt und ihr Ziel findet, wozu das Bewußtsein der Gnaden- und Glaubensgemeinschaft als der alleinigen Quelle wahrhaftigen Vertrauens und lauterer Liebe, wie sie gottgemäß ist und auch im Jenseit nimmer aufhört, nothwendiger Weise hinzukommt. Wie das eheliche Verhältniß, auch ob unter Berücksichtigung der für den andern Theil sich eignenden Gaben, der Führung Gottes und des elterlichen Willens oder nicht, ist angeknüpft worden, davon wird das nachherige Lebensgeschick in demselben wesentlich bedingt; und es ist nicht allemal gegeben, später wiederum gut zu machen, was hier Uebles geschah. Die Frucht der Gemeinschaft, die Kindererzeugung, ist als Frucht und Wirkung nicht sowohl der nächste Zweck — denn dieser ist die volle Ergänzung zweigetheilter Bedürfnisse, 1 Mos. 2, 18.—, als der hinzugefügte göttliche Segen der Ehe, die in sich eine Gott wohlgefällige sein kann, ohne daß sie von Fruchtbarkeit begleitet ist. Es wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und werden diese zwei Ein Fleisch sein — das ist die göttliche inhaltsvolle Bestimmung für die vollkommenste persönliche Vereinigungsform, als Abbild eines höhern Geheimnisses, auf Erden, die zwar der Boden der Sünde, aber auch des Heils geworden ist, welches der lebendigmachende Geist dem gefallenen natürlichen Menschen bereitet.

Sie erweitert sich zu einer Gemeinschaft Mehrerer, ja Vieler in durch Gott geordneter Abhängigkeit von den Gründern des Geschlechts, und der Bestand solcher Familien ist die natürliche Wirkung und Folge der Ehe. Innerhalb dieses Kreises aber werden die gegenseitigen Beziehungen nicht durch freiwilliges Eingehn gesetzt, vielmehr ist es angeborne Naturbestimmtheit allein und ein angeborner Geist der Hinneigung und Dependenz, welcher hier von Gotteswegen zusammenfügt und scheidet, über dessen Begrenzungen der Mensch nicht in Willensfreiheit hinausgehn darf. Die Vernachlässigung weiser Strenge und Zucht in der Gerechtigkeit, oder die nur Zorn und knechtische Scheu wirkende Härte auf der einen, und auf der andern Seite der Mangel an Ehrerbietung gegen die Familienhäupter, wie an selbstverleugnender Liebe untereinander — „denn ist Gehorsam im Gemüthe, wird nicht fern die Liebe sein“, — sie sind die fluchesvolle Aussaat der Zerrüttung von Geschlechtern, wie von ganzen Völkern.

Eine besondere Art nun, die von Gott gesetzten Schranken zwischen Eltern, Kindern, Geschwistern ꝛc. durch unnatürliche Zuneigung zu durchbrechen, ist das Eingehn von Ehen, welche bereits durch Blutsverwandtschaft mit einander verknüpfte Glieder eines Familienstammes, die eben hiermit ehelich von einander geschieden waren, zu entweihender Geschlechtsgemeinschaft verbinden. Wer sollte nicht wünschen, daß dieselben nur im Gedanken und dem Namen nach unter den Menschen vorhanden wären, so daß man sie kaum der Erwähnung bedürftig erachtete,

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that every particular church still has," receives, leads from there deeper into the whole truth, and graciously preserves from the soul-destroying errors of false doctrines. For with the same right one could otherwise assert also that the Catholic church agrees with the Reformed and Lutheran "in all points necessary to salvation," which is demonstrably not the case. Yes, every Christian sect could advance the same ground for its complete agreement in the doctrines necessary to salvation with every other; and in this way there is no reason to be seen why the Evangelical Union has set itself such narrow limits, and does not say: its confession is the consensus of all confessions of all Christian sects of the whole world. —

However much of a nothing the confession of the Evangelical Union is in itself, yet since it is a cloak of impure mind and impure conduct, it is a dangerous weapon of the seducer and murderer from the beginning, a bad sign of the times, a public confession of lies. For what do the members of the Evangelical Union do, as indeed the whole evangelical church? They profess themselves evangelical, but they are Reformed in theory and practice. The wicked enemy has risen up to undermine the Lutheran church under the glittering, seductive "evangelical" mask, to rob her of her jewel and her crown, of her childlike obedience toward the Word of God. It is precisely the decidedly Lutheran, purely biblical, anti-Reformed doctrines that are aimed at, these are to fall, against these stands the spirit of the evangelical church, however loudly it cries: Union, Union! Peace, peace!*)

*) Hr. F. B., who at the close comes to the hymn book published by the local congregation, says among other things: "Not only linguistic changes, but also changes affecting the sense, which are found in many hymns, seem to indicate that the editors by no means had the principle of giving the hymns unaltered. Thus, for example, in Luther's: ''Nun komm, der Heiden Heiland'', verse 6, in the passage: ''Daß dein ewig Gottes Gewalt in uns das krank Fleisch enthalt'' the last word has been changed into the directly opposite ''erhalt''. We willingly admit that these, like a second alteration censured by Hr. F. B., are mistakes, though made only through oversight, and we are therefore heartily thankful to the Herr Correspondent for their discovery. But if the same thinks that the word "erhalt" is directly opposite to the old "enthalt," that is an error, into which perhaps lack of reading in old writings has led the dear man. We recall only the following passages occurring in older editions of the Bible: "Indeß enthalt uns dein Wort." Jer. 15, 16. "Der freudige Geist enthalte (Samach, hyposterizei, sustentat) mich." Ps. 51, 14. "Der HErr enthält (as above) die Gerechten." Ps. 37, 17. "Enthalten" here has not the meaning of continere, to abstain, to hold back, to restrict, but sustentare, firmare, to hold, to support; and that is the case also in our hymn, which is a translation of the famous Ambrosian hymn: "Veni redemtor gentium," in which it says in verse 6: "Aequalis aeterno patri, carnis trophaeo accingere, infirma nostri corporis virtute firmans perpetim." Since "the Evangelical Union will seek to solve the task of producing a text as pure as possible in sense and, with regard to circumstances, also in language," it might well be in place, to judge by the stated linguistic criticism of a member of the Union, to recommend a previous deeper historical study of language.
The Editorial Staff.

As for the concluding remark of the Herr Editor, it belongs in the category of veiled insincerity cited above. He says: he has taken up this "interesting" correspondence unaltered, because he leaves free play to recognized collaborators, but the "responsibility for the polemic against Old Lutheranism contained therein" he must disclaim, and that on account of the conservative and irenic character of his journal. But the character of a journal is determined by the character of the articles contained in it, and a polemical article does not become irenic by the editor of the journal disclaiming responsibility for the polemic. That is ridiculous, it is exactly as if someone wished to excuse the blow he dealt another by saying that he had not given the blow, but his hand. Nor does a polemic become one "conducted altogether worthily, and free from all personality," if the Herr Editor protests this in a note, while the polemic itself brings forward such things as these: "The tactic of the assailants (in the "Lutheraner") consists not seldom in seeking to make the evangelical clergy suspected before the congregations by the charge of dishonesty and deceit," and represents Guericke as a man who "was not ill disposed to greet the Köthen Friends of Light and the Berlin barricade heroes as angels of vengeance, sent to punish the Prussian royal house for its Reformed confession and its fondness for Union."

Why wear an irenic mask which the polemical impatience covers but poorly? In open combat one gets further! —

B—.

(Submitted by Pastor Fürbringer.)

On the Forbidden Degrees of Marriage.

The divine order of marriage distinguishes itself from every other human community in that it is a sexual union; but what raises it above the satisfaction of bestial lusts is that a fulfilment of these cannot be conceived in Christianity without that spiritual estimation on the ground of which it is a freely chosen union of two beings made in God's image and at the same time a sharing in a personal calling for the whole duration of life. There remains therefore as the chief condition under which this kind of life-fellowship is to be entered upon, the bodily-spiritual attraction and natural inclination of heart of a sexually different human pair toward one another, which proves itself and finds its goal in the union of both persons to the exclusion of all others, to which the consciousness of the fellowship of grace and faith, as the sole source of true confidence and pure love, such as is godly and ceases not even in the world to come, necessarily is added. How the marriage relation has been entered upon, whether with regard to the gifts suited to the other party, to the guidance of God and the will of the parents or not, upon this the subsequent course of life in it is essentially conditioned; and it is not always granted afterwards to make good again what evil was done here. The fruit of the fellowship, the begetting of children, is as fruit and effect not so much the nearest purpose — for this is the full completion of divided needs, Gen. 2:18 — as the added divine blessing of marriage, which may in itself be one well-pleasing to God without being accompanied by fruitfulness. A man shall leave father and mother and cleave unto his wife, and they twain shall be one flesh — that is the divine, meaningful appointment for the most perfect form of personal union, as an image of a higher mystery, on earth, which has indeed become the ground of sin, but also of salvation, which the life-giving Spirit prepares for fallen natural man.

It extends itself into a fellowship of several, yea of many, in a dependence ordered by God upon the founders of the race, and the existence of such families is the natural effect and consequence of marriage. Within this circle, however, the mutual relations are not established by voluntary entering, rather it is innate natural determination alone and an innate spirit of inclination and dependence which here by God's ordinance joins together and separates, beyond whose limits man may not go in freedom of will. The neglect of wise strictness and discipline in righteousness, or the severity that works only wrath and servile fear on the one side, and on the other side the lack of reverence toward the heads of families, as of self-denying love toward one another — "for if there is obedience in the heart, love will not be far" — these are the cursed sowing of the ruin of races, as of whole nations.

A particular way, now, of breaking through by unnatural affection the barriers set by God between parents, children, brothers and sisters, etc., is the entering upon marriages which join in profaning sexual union members of a family stock already tied to one another by blood relationship, who by this very fact were divided from one another in respect of marriage. Who would not wish that these existed among men only in thought and in name, so that one scarcely deemed them in need of mention,