Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer Beiblatt › Beiblatt S. 1

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-21, Beiblatt S. 1

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Theologisches Beiblatt
zu dem 6. Jahrgang des „Lutheraner“.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
St. Louis, Mo., den 21. December 1849.

(Eingesandt.)

Einige Bemerkungen über einen Correspondenzartikel des deutschen Kirchenfreundes, überschrieben: „Der deutsche evangelische Kirchenverein des Westens.“ Octoberheft 1849.

Soll es zum Frieden kommen, sollen wir Alle endlich einen und denselben Weg gehen, so ist wohl das erste Erforderniß, daß wir wahr und aufrichtig gegen einander sind. Wir Reformirte, Unirte, Lutheraner wollen nun zunächst gern Glieder einer Kirche sein (wir Lutheraner wollen und wünschen das auch, man glaube uns das doch endlich zu), aber wir sind es noch nicht; wenn wir uns daher gegenseitig etwas zu sagen haben, etwas auseinander zu setzen wünschen, so, dächte ich, wäre es gut, wenn wir uns auch hübsch beim Namen nennten, man weiß dann doch gleich, wem es gilt. Das indirecte Reden und Deuteln, verblümte Angreifen ist überhaupt mehr französische Manier als deutsche Art und Weise. Warum sagt daher der Herr Correspondent nicht gleich geradezu: jene Synode, „die mit ihren Ansichten, als den allein wahren, keck und kühn auf den Plan sprang und so lange behauptete, sie sei absolut nöthig, bis sie es dahin brachte, daß sich hie und da ein Bedürfniß nach ihr aussprach“, jene Synode ist die Missouri-Ohio-Synode, da er von seinem Standpunkte aus keine andere unter jenen Worten hat verstehen können; obgleich der Satz selbst, der auf uns so ein Stich sein soll, Ungereimtes und Unwahres zugleich ausspricht? Denn das ist doch eine wunderliche Synode, die immerzu behauptet, sie sei absolut nöthig, und es durch dieses Behaupten nun gar dahin gebracht hat, daß hie und da ein Bedürfniß nach ihr entstanden ist. Die Behauptung eines absolut Nothwendigen erregt wohl die Neugierde, aber noch lange nicht das Bedürfniß nach diesem non plus ultra, das entsteht erst, wenn das Nothwendige als solches erkannt und gefühlt wird. Nun hat ja aber auch die Missouri-Ohio-Synode nie behauptet, sie sei absolut nothwendig; und man könnte darum wieder in Zweifel sein, ob dieselbe auch wohl wirklich gemeint sei, wenn man eben nicht wüßte, daß auch selbst die, welche dem sogenannten „Frieden“ sehr das Wort reden, wie der Herr Correspondent, wenn es die Lutheraner gilt, in einen Eifer gerathen können, der gern zu weit ausholt, aber leider „auf das schwere Geschütz der Beweise für die Rechtmäßigkeit des Angriffs lange warten läßt“. —

Zu jener indirecten Redeweise gehört es auch, wenn es Seite 387 unter anderem heißt: „Wer aber die Geschichte der unirten Kirche, besonders der in Preußen, wo hauptsächlich Bewegungen entstanden, nicht nur nach dem Geschrei fanatisirter Parteien kennt, u. s. w.“, denn unter den „fanatisirten Parteien“ kann Herr F. B. wieder nur die eine, die lutherische verstehen, denn die unirte und reformirte haben ja nicht geschrieen, nur die lutherische wollte nicht durch Schweigen und Weichen ihren HErrn verleugnen, als man sie auf jene schändliche, hinterlistige Weise um ihr Glaubenskleinod betrügen wollte. —

Vielleicht hat der Herr Verfasser auch bei folgender Stelle wieder die Missouri-Ohio-Synode wenigstens mit im Auge gehabt, wenn er sagt: „Die lutherische Kirche als solche hat nie das Vorhandensein einer Einheit in Abrede gestellt (nämlich zwischen Reformirten und Lutheranern), um so eifriger ist dies jedoch von einzelnen Parteien in der lutherischen Kirche geschehen.“ Ist unter den einzelnen „Parteien“ die Missouri-Ohio-Synode mitgemeint und angegriffen, was dem ganzen Zusammenhange nach sehr wahrscheinlich ist, so wäre das in der That nur wieder einer jener, im falschen Eifer unternommenen Don Quixote'schen Windmühlenritte; denn die Missouri-Ohio-Synode hat nie, bei aller obwaltenden „principiellen Differenz“ eine gewisse Einheit, ein gewisses Gemeinsames in Abrede gestellt, daß aber Beides, eine radikale, principielle Differenz, natürlich in gewissen Lehren, und zugleich wieder ein Gemeinsames in andern Lehren zweier Bekenntnisse nicht gedacht werden kann, wie der Correspondent behauptet, ist nur eine leere, von der Geschichte selbst widerlegte Behauptung. — Wir möchten hier aber noch fragen, wer jene „einzelnen Parteien“ überhaupt sein sollen? Wir wissen nur von einer, von der lutherischen Kirche ausgegangenen, welche in einem fanatischen Geiste, falsch exclusiv gegen jede andere kirchliche Richtung auftrat, nämlich jene, in vieler Beziehung reformirt gesinnten, schwärmerischen Rotten des 16ten Jahrhunderts, besonders die zu Münster. Denn was der Herr F. B. über die Wittenberger Facultät unter Calov sagt, zeigt deutlich, daß er das, was die lutherische Kirche damit versteht, wenn sie eine Einheit unter allen christlichen Secten anerkennt, nicht begreift. Wir Lutheraner glauben, daß es unter allen Secten der Christenheit wahre Jünger Christi gibt, nemlich alle die, „welche hin und wieder in der Welt vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang an Christum wahrlich glauben“ (Concb. N. Y. Ausgabe S. 140). Indessen, wenn falschgläubige „Lehrer“ ihre „abscheulichen Irrthümer wider die evangelischen Lehrer vertheidigen“, also im Irrthume bleiben und denselben gutheißen, so hat die lutherische Kirche „als solche“, ganz im Einklange mit dem consensus repetitus jener Facultät, das Vorhandensein der Einheit mit solchen Lehrern immer entschieden geleugnet, ist aber um so eifriger darum von jenen abgefallenen, laxen, sogenannten lutherischen Parteien angefeindet worden. Es läßt sich auch nur aus einer seltsamen, momentanen geistigen Befangenheit erklären, wie der Correspondent es als etwas Unerhörtes anführen kann, daß in jenem consensus „ausdrücklich gesagt wird, daß zwischen den Bekennern der Augsburgischen Confession und den Reformirten keine Gemeinschaft in Christo (fraternitas in Ch.) eingegangen werden könne“, denn ganz dasselbe hat die lutherische Kirche immer und zu allen Zeiten behauptet, das Gegentheil aber nur die kirchenmengerischen Geister besonders der jetzigen Zeit.*) Ja, wenn die Lu-

*) Selbst Spener, welchen die Unionsleute immer gern als den feiern, welcher die lutherische Kirche wieder aus ihrer lieblosen Polemik gegen Andersgläubige herausgeführt habe, schreibt in seinen theologischen Bedenken: „Es bleibt eine ausgemachte Sache, daß kein heterodoxus qua talis selig werden könne. Ich lasse aber wohl gelten, wo man mit Leuten, die Theologiam nicht studirt haben, redet, werden sie solche phrasin nicht verstehen, daher kein

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Theological Supplement
to the Sixth Volume of the "Lutheraner."
"God's Word and Luther's doctrine shall pass away nevermore."
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio and Other States.
Edited by C. F. W. Walther.
St. Louis, Mo., December 21, 1849.

(Submitted.)

Some Remarks on a Correspondence Article in the Deutscher Kirchenfreund, Entitled: "The German Evangelical Church Union of the West." October Number, 1849.

If peace is to come, if we all are at last to walk one and the same way, then the first requirement is surely that we be truthful and sincere toward one another. We Reformed, Unionists and Lutherans do indeed wish for the present to be members of one church (we Lutherans also wish and desire this, if only people would at last believe us in it), but we are not yet so; if therefore we have something to say to one another, or wish to set something out between us, then, I should think, it would be well if we also called one another handsomely by name, for then one knows at once whom it concerns. Indirect speaking and quibbling, veiled attack, is on the whole more a French manner than a German way. Why then does the Herr Correspondent not say right out: that synod "which with its views, as the only true ones, leapt boldly and brashly upon the scene, and asserted so long that it was absolutely necessary, until it brought it about that here and there a need for it declared itself," that synod is the Missouri-Ohio Synod, since from his standpoint he could understand no other by those words; although the sentence itself, which is meant to be such a thrust at us, utters at once something absurd and something untrue? For it is a strange synod indeed that keeps on asserting that it is absolutely necessary, and by this assertion has at last actually brought it about that here and there a need for it has arisen. The assertion of something absolutely necessary may well arouse curiosity, but is still far from arousing the need for this non plus ultra; that arises only when the necessary is recognized and felt as such. Now the Missouri-Ohio Synod, moreover, has never asserted that it is absolutely necessary; and one might therefore again be in doubt whether it is really meant, if one did not know that even those who speak much in favor of the so-called "peace," like the Herr Correspondent, when it concerns the Lutherans, can fall into a zeal which is apt to reach out too far, but, alas, "keeps the heavy artillery of proofs for the justification of the attack waiting a long time." —

To that indirect manner of speech belongs also what is said on page 387, among other things: "But whoever knows the history of the united church, especially that in Prussia, where movements chiefly arose, not merely from the outcry of fanaticized parties, etc.," for by the "fanaticized parties" Herr F. B. can again understand only the one, the Lutheran; for the Unionist and Reformed have not cried out, only the Lutheran would not deny its LORD by silence and yielding, when they sought in that shameful and treacherous manner to defraud it of its jewel of faith. —

Perhaps the Herr Author had in view, at the following passage also, the Missouri-Ohio Synod at least among others, when he says: "The Lutheran church as such has never denied the existence of a unity (namely between Reformed and Lutherans); but all the more zealously has this been done by individual parties in the Lutheran church." If the Missouri-Ohio Synod is meant and attacked among the individual "parties," which according to the whole context is very probable, then this would indeed be once more only one of those Don Quixote-like rides against windmills, undertaken in false zeal; for the Missouri-Ohio Synod has never, for all the "difference of principle" that prevails, denied a certain unity, a certain common ground; but that both, a radical difference of principle, naturally in certain doctrines, and at the same time again something in common in other doctrines of two confessions, cannot be conceived together, as the Correspondent asserts, is only an empty assertion, refuted by history itself. — We would here, however, still ask who those "individual parties" are supposed to be at all? We know only of one, issued from the Lutheran church, which in a fanatical spirit, falsely exclusive toward every other ecclesiastical tendency, came forward, namely those enthusiastic bands of the sixteenth century, in many respects Reformed in disposition, especially those at Münster. For what the Herr F. B. says about the Wittenberg Faculty under Calov shows plainly that he does not comprehend what the Lutheran church means by it when she acknowledges a unity among all Christian sects. We Lutherans believe that among all sects of Christendom there are true disciples of Christ, namely all those "who here and there in the world, from the rising of the sun to the going down thereof, truly believe in Christ" (Concb. N. Y. Ausgabe S. 140). Nevertheless, when false-believing "teachers" defend their "abominable errors against the evangelical teachers," and so remain in error and approve of it, then the Lutheran church "as such," in entire agreement with the consensus repetitus of that Faculty, has always decidedly denied the existence of unity with such teachers, but has for that very reason been all the more zealously assailed by those apostate, lax, so-called Lutheran parties. It can also be explained only by a strange, momentary mental embarrassment how the Correspondent can adduce as something unheard of that in that consensus "it is expressly said that no fellowship in Christ (fraternitas in Ch.) can be entered into between the confessors of the Augsburg Confession and the Reformed," for the Lutheran church has always and at all times asserted precisely the same thing, and the opposite only the church-mingling spirits, especially of the present time.*) Yes, if the Lu-

*) Even Spener, whom the Union people always like to celebrate as the one who led the Lutheran church out again from its loveless polemic against those of other faiths, writes in his theological Bedenken: "It remains a settled matter that no heterodoxus qua talis can be saved. But I will readily allow that where one speaks with people who have not studied Theologiam, they will not understand such phrasin, therefore no