Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 9 › Seite 67

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-12-24, Seite 67

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Kirche, so wie zur vollständigen Darstellung ihres theologischen und religiösen Lebens und zur glücklichen Ausführung ihrer gegenwärtigen Mission“? Konnten die von Melanchthon ergriffenen Mittel zur Verwirklichung seiner „heiligen Sehnsucht nach Wiederherstellung des gestörten Kirchenfriedens“ die rechten sein, da, wie die Erfahrung gelehrt hat, dadurch das Uebel nur ärger geworden ist, so wohl mitten in der luth. Kirche, als auch in dem Verhältniß der reform. Kirche zu ihr.

Allein nicht bloß durch seine Abweichungen von der luth. Abendmahlslehre, sondern auch auf andere Weise gab Melanchthon nähere oder entferntere Veranlassung zu manchen Uebeln, die damals die Kirche beunruhigten.

Melanchthon war es, der sogleich nach Luthers Tode einen entschieden schädlichen Einfluß auf seine übrigen Collegen hatte und leider dadurch die wiederholte Prophezeihung Luthers erfüllen half: „Nach meinem Tode wird keiner von diesen Theologen beständig bleiben.“ Ja schon im Jahre 1537 mußten Gründe zu solchen Befürchtungen vorhanden sein; denn als der Churfürst von Sachsen Luther in seiner schweren Krankheit zu Schmalcalden besuchte, äußerte Letzterer: „nach seinem Tode werde sich auf der Universität Wittenberg Zwiespalt ereignen und seine Lehre geändert werden.“ Solches erweckte, wie Seckendorf erzählt, bei dem frommen Herren sorgliche Gedanken, die er bald hernach Luther durch den Canzler Brück eröffnen ließ, nemlich es höre Ihre Churfrstl. Gnaden, daß Melanchthon und Creutziger andere Redensarten in den Artikeln von der Rechtfertigung (wer sollte das glauben? und doch war es so, wie in den Tischreden Luthers W. XXII. 710 — 722. ausführlich zulesen ist) in guten Werken, als Lutherus, brauchen, klagte besonders hart, daß Melanchthon in Herausgebung der Augsb. Conf. einige Worte geändert (also schon damals!). Dieses (sprach der Churfürst) und anderes geschieht, weil wir und ihr Herr Dr. Martinus noch leben, was wird geschehen, wenn wir beide die Augen zuthun? Unser ältester Prinz ist ein Kind und unser Bruder noch jung und an geschickten Leuten ein großer Mangel. (!) Er ermahnte hierauf Lutherum, diese Dinge nicht gering zu halten und bezeugte: Ob er wohl wisse, daß der Universität Aufnahme Melanchthons Gelehrsamkeit und Ruhm zugeschrieben werde, so wolle er diesen doch lieber missen, als der Wahrheit Abbruch geschehen lassen, sollte auch darüber die Universität eingehen.“ Diesem fügt Seckendorf unter andern die treffliche Bemerkung bei: „das heroische Gemüth des Churfürsten verdienet hierbei auch erwogen und gerühmet zu werden, der die Wahrheit und Reinigkeit der Lehre allem Menschenbeifall und nichtigem Versuch betrüglicher Vereinigung vorgezogn.“

Melanchthon war es, der bald nach Luthers Tode auf Befehl des Churfürsten von Sachsen ein theologisches Gutachten über die Frage abfaßte: ob man dem Kaiser mit der Gegenwehr zuvorkommen oder des Angriffes gewarten solle, wobei er sich für das erstere erklärte. Die andern Wittenberger Theologen stimmten ihm hierin bei und beriefen sich hierbei so wie bei ähnlichen Erklärungen auf Luthers Schriften; Ratzeberger aber, des Churfürsten Leibarzt, bewies ihnen in einer, ein und zwanzig Folioseiten enthaltenden Schrift das Gegentheil und zeigte wie in diesem Punkte von der Nothwehr „Luthers Lehre und Schriften von Melanchthon und den übrigen Theologen verlassen, verläugnet, verworfen und verfälscht worden wären.“ So wurde die Abweichung von Luthers Lehre mit eine Ursache des unglückseligen Schmalcaldischen Kriegs.

Melanchthon war es, der als das Haupt seiner Parthei vom Jahr 1548 an bei der Veränderung des vom Kaiser aufgedrungenen Interims sich allzu nachgiebig erwies, indem er in papist. Lehren und Gebräuchen Verschiedenes für gleichgültig erklärte, was die wenigen rechtgläubigen Theologen als Verfälschung des Evangelii verabscheuen mußten. Welch' eine beklagenswerthe Lauheit sich seiner dabei bemächtigt hatte, davon zeugt folgende briefliche Aeußerung an einen vertrauten vornehmen Freund: „da nun einmal der Fürst (Herzog Moritz) die Einführung des Interims beschlossen hat, so will ich, ob ich gleich Manches nicht billigen kann, doch nichts mit Widersetzlichkeit thun, sondern schweigen und weichen oder leiden, was da kommt.“ Damals, schreibt Weller, sahe man, daß fast alle die ältern Theologen, welche für die hellsten Lichter der Kirche gehalten worden waren, zum Theil wankten, zum Theil gänzlich von dem Bekenntniß der Wahrheit abfielen, und nur einige jüngeren Theologen (wie Gallus, Flacius u. A.) beharrten standhaft bei dem Bekenntniß der Wahrheit und liessen sich davon durch keine Drohungen und Gefahren abschrecken. Aus den Streitigkeiten über jene Vergleichungsformel entstanden andere, namentlich über das, was bei Festhaltung der Lehre an sich gleichgültig sei und was nicht (Adiaphora), welche an zwanzig Jahre lang mit großer Heftigkeit geführt wurden und später die Veranlassung zum 10. Art. der Concordienformel gaben.

Melanchthon war es, der auch zu dem sogenannten majoristischen Streit die erste Veranlassung gab, der erst um das Jahr 1570 völlig geendigt wurde. Er hatte sich nämlich noch bei Lebzeiten Luthers des Ausdrucks bedient: „Gute Werke sind nöthig zur Seligkeit“, welchen dann besonders Major heftig verfocht; als im Jahre 1548 wegen des Interims, worin dieser Hauptgrundsatz des Papstthums ebenfalls mit klaren Worten ausgesprochen war, Melanchthon und andere Theologen eine Zusammenkunft hielten, so stimmten sie alle dieser Irrlehre bei, ja, sie erklärten dieselbe für einen „ausgemachten Satz“. Die Darlegung der Streitpunkte, mit denen die ganze Lehre von der Rechtfertigung steht und fällt, so wie das rechte Urtheil darüber findet sich ebenfalls in der Concordienformel im 4. Art.

Melanchthon war es endlich der auch die synergistischen Streitigkeiten herbeiführte, die ebenfalls gegen zwanzig Jahre die damalige schon so große Unruhe in der Kirche vermehrten. Melanchthon nämlich hatte in mehreren seiner Schriften zu den beiden alleinigen Ursachen der Bekehrung (Gottes Wort und d. heil. Geist) noch eine dritte (des Menschen eigener Wille) hinzugefügt. Auch in diesem Stück wich demnach Melanchthon von der Lehre Luthers ab und verleitete dazu viele seiner Schüler; ja, schon im Jahre 1525 neigte sich Melanchthon bei dem Streit Luthers mit Erasmus über den Willen des Menschen auf die Seite des Letzteren. Wie aber durch diese Lehre von der Mitwirkung des menschlichen Willens die Größe des menschlichen Verderbens und der alleinige Ruhm der göttlichen Gnade verleugnet werde, zeigt der 2. Art. der Concordienformel.

So kläglich stand es damals in der luth. Kirche, so viele Schuld lastete auf Melanchthon, der mit seinen Schülern so Vieles von dem zerstören half, was sein Lehrmeister Luther und er früher mit ihm gebaut hatte und wiederum Vieles von Neuem aufrichtete, was er ehedem mit Luther zerstört hatte. Wir wollen nicht vergessen alles des Guten, was Gott Luther und der luth. Kirche in Melanchthon geschenckt: er war lange Jahre der treuste Herzensfreund Luthers und gleichsam seine rechte Hand; er war ein hell glänzendes Licht und eine herrliche Säule der rechtgläubigen Kirche; er verdiente in Wahrheit alle die Lobsprüche, die ihm Luther und andere ertheilten. Allein desto mehr müssen wir es beklagen, daß dieser so hochbegabte Mann später so tief gefallen, aus einem Irrthum in den andern gerathen und so Viele nach sich gezogen hat; wir erkennen an ihm mit innigen Mitleiden die heil. Gerichte Gottes, und wir würden seinen Fall mit ewigem Stillschweigen bedecken, wenn wir sichere Kennzeichen seiner rechtschaffenen Buße hätten und wenn nicht heute noch unsere reform. und unirten Gegner Melanchthons berühmten Namen zur Beschönigung ihrer Lehre und zur Verdächtigung Luthers und seiner Lehre mißbrauchten und die von Melanchthon erdachte Unionsbrücke immer aufs Neue lobpreisend rühmten.

Brief an einen Gemeindevorsteher.

(Schluß.)

II. Von der falschen Kirchengemeinschaft unter Lutheranern und Reformirten.

Wenn Kirchengemeinschaft in nichts anderem bestände, als in dem Unterlassen oder Halten gewisser äußerlichen Ceremonien, so möchten wir uns wohl mit allerlei Volk zu einer Gemeine vereinigen können. Aber Gottes Wort lehrt uns, daß die Gemeinschaft der Heiligen gegründet ist auf das Wort der Propheten und Apostel, da Jesus Christus der Eckstein ist, Ephes. 2, 20, daß sie fortbestehen soll in Einem allerheiligsten Glauben, Jud. 20. Col. 2, 7., in einerlei Lehre und Bekenntniß, 1 Cor. 1, 10. Gottes Wort

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Church, as also for the complete presentation of her theological and religious life and for the happy execution of her present mission"? Could the means which Melanchthon seized upon for the realization of his "holy longing for the restoration of the disturbed peace of the Church" be the right ones, since, as experience has taught, the evil has thereby only grown worse, as well in the midst of the Lutheran Church as in the relation of the Reformed Church to her?

But not merely through his departures from the Lutheran doctrine of the Supper, but also in other ways, Melanchthon gave nearer or remoter occasion to many evils which at that time troubled the Church.

It was Melanchthon who, immediately after Luther's death, had a decidedly harmful influence upon his other colleagues, and thereby, alas, helped to fulfil Luther's repeated prophecy: "After my death none of these theologians will remain steadfast." Yes, already in the year 1537 there must have been grounds for such fears; for when the Elector of Saxony visited Luther in his severe illness at Schmalkald, the latter declared: "after his death dissension would arise at the University of Wittenberg, and his doctrine would be altered." This awakened, as Seckendorf relates, in the pious lord anxious thoughts, which he soon afterward caused to be disclosed to Luther through the Chancellor Brück, namely that Your Electoral Grace had heard that Melanchthon and Creutziger used other modes of speech in the articles on justification (who would believe it? and yet it was so, as may be read at length in Luther's Table Talk, W. XXII. 710-722.) in regard to good works than Luther, complained especially bitterly that Melanchthon, in the publication of the Augsburg Confession, had altered some words (thus already then!). "This," said the Elector, "and other things happen while we and your Dr. Martin are still living; what will happen when we both close our eyes? Our eldest prince is a child, and our brother still young, and of capable men there is a great lack. (!)" He thereupon admonished Luther not to hold these things lightly, and testified: Though he well knew that the growth of the university was ascribed to Melanchthon's learning and renown, yet he would rather do without him than let the truth suffer injury, even should the university go under on that account." To this Seckendorf adds among other things the excellent remark: "The heroic spirit of the Elector deserves also to be considered and praised in this, that he preferred the truth and purity of the doctrine to all applause of men and to every vain attempt at a deceitful union."

It was Melanchthon who, soon after Luther's death, by command of the Elector of Saxony, drew up a theological opinion on the question whether one should forestall the Emperor with armed resistance or await the attack, wherein he declared himself for the former. The other Wittenberg theologians agreed with him in this, and appealed herein, as in similar declarations, to Luther's writings; Ratzeberger, however, the Elector's physician, proved to them in a writing containing twenty-one folio pages the contrary, and showed how on this point of self-defense "Luther's doctrine and writings had been forsaken, denied, rejected and falsified by Melanchthon and the other theologians." Thus the departure from Luther's doctrine became a contributing cause of the unhappy Schmalkaldic War.

It was Melanchthon who, as the head of his party, from the year 1548 on, in the alteration of the Interim forced upon them by the Emperor, showed himself far too yielding, in that he declared various things in papistic doctrines and usages to be indifferent, which the few orthodox theologians had to abhor as a falsification of the Gospel. What a lamentable lukewarmness had taken possession of him therein, is testified by the following letter-utterance to a confidential friend of rank: "Since the Prince (Duke Maurice) has once resolved upon the introduction of the Interim, I will, although I cannot approve of much, yet do nothing with resistance, but keep silent and yield or suffer what comes." At that time, writes Weller, one saw that almost all the older theologians, who had been held for the brightest lights of the Church, partly wavered, partly fell away altogether from the confession of the truth, and only a few younger theologians (such as Gallus, Flacius and others) persevered steadfastly in the confession of the truth, and let themselves be frightened from it by no threats and dangers. Out of the controversies over that formula of compromise others arose, namely over that which, in holding fast the doctrine, is in itself indifferent, and that which is not (Adiaphora), which were carried on for some twenty years with great vehemence and later gave occasion for the 10th Article of the Formula of Concord.

It was Melanchthon who also gave the first occasion for the so-called Majoristic controversy, which was not completely ended until about the year 1570. For he had, even in Luther's lifetime, made use of the expression: "Good works are necessary to salvation," which Major then especially vehemently defended; when in the year 1548, on account of the Interim, in which this chief principle of the papacy was likewise expressed in clear words, Melanchthon and other theologians held a conference, they all assented to this false doctrine, yes, they declared it to be an "established proposition." The exposition of the points of controversy on which the whole doctrine of justification stands and falls, as also the right judgment upon them, is likewise found in the Formula of Concord, in the 4th Article.

It was Melanchthon, finally, who also brought on the synergistic controversies, which likewise for nearly twenty years increased the already so great unrest of the time in the Church. Melanchthon, namely, had in several of his writings added to the two sole causes of conversion (God's Word and the Holy Ghost) a third (the man's own will). Also in this point, accordingly, Melanchthon departed from Luther's doctrine and led many of his pupils astray in it; yes, already in the year 1525 Melanchthon, in the controversy of Luther with Erasmus concerning the will of man, inclined to the side of the latter. How, however, through this doctrine of the cooperation of the human will the greatness of human corruption and the sole glory of divine grace are denied, the 2nd Article of the Formula of Concord shows.

So lamentable was the state of things then in the Lutheran Church, so much guilt rested upon Melanchthon, who with his pupils helped to destroy so much of what his teacher Luther and he had earlier built with him, and again set up anew much that he had formerly destroyed with Luther. We will not forget all the good that God gave to Luther and the Lutheran Church in Melanchthon: for many years he was Luther's most faithful bosom friend and, as it were, his right hand; he was a brightly shining light and a glorious pillar of the orthodox Church; he truly deserved all the praises which Luther and others bestowed on him. But the more must we lament that this so highly gifted man afterward fell so deep, passed from one error into another, and drew so many after him; we recognize in him, with heartfelt compassion, the holy judgments of God, and we would cover his fall with eternal silence, if we had sure marks of his sincere repentance, and if our Reformed and Union adversaries did not today still misuse Melanchthon's renowned name for the glossing over of their doctrine and for the casting of suspicion upon Luther and his doctrine, and did not ever anew extol with praise the bridge of union devised by Melanchthon.

Letter to a Congregational Elder.

(Conclusion.)

II. Of the False Church-Fellowship between Lutherans and Reformed.

If church-fellowship consisted in nothing else than in the omitting or observing of certain outward ceremonies, we might well unite with all sorts of people in one congregation. But God's Word teaches us that the communion of saints is founded upon the word of the prophets and apostles, Jesus Christ being the chief corner stone, Eph. 2:20, that it is to continue in one most holy faith, Jude 20; Col. 2:7, in one doctrine and confession, 1 Cor. 1:10. God's Word