Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 9 › Seite 68
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-12-24, Seite 68
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verbietet so streng das Abweichen von diesem Einen Glauben und Bekenntniß, daß es einen Fluch darauf gelegt hat, Gal. 1, 8. Und eben so scharf untersagt es uns die Kirchengemeinschaft mit Solchen, die von dem Einen Glauben und Bekenntniß, von der Einen Wahrheit des Wortes Gottes abirren, die nicht mit uns in dem heil. Evangelium Christi, des Sohnes Gottes einhellig sind, 2 Joh. 10. 11.
Ganz falsch ist deswegen die Stelle in der Apostelgeschichte 10, 35 verstanden, und schändlich gemißbraucht, wenn man daraus beweisen zu können meint, daß auf Verschiedenheit in Lehre und Bekenntniß nichts ankomme. Denn da heißt es nicht: allerlei Glaube und Bekenntniß, sondern „in allerlei Volk, wer Gott fürchtet u. s. w. der ist Gott angenehm“; wer nämlich, sei er von Geburt aus welchem Lande und Volk er wolle, mit Gottesfurcht dem Wort Gottes sich unterwirft, das von Christus zeugt, daß alle Welt Ihn hören soll, Matth. 17, 5, daß außer ihm kein Heil ist, Apg. 4, 12. und nun an ihn glaubt und ihm in allen seinen Worten Recht gibt, der wird, so fern er auch früher dem HErrn gestanden hat, durch das Wort Christi im Glauben selig, Joh. 5, 24. 3, 36. So that Cornelius. Er suchte den Apostel des HErrn. Er nahm das Wort Christi ohne Widerstreben an. Er zweifelte nicht an der Predigt von Christo, wie sehr auch seine Vernunft sich dagegen sträuben wollte. Deswegen ward er auch selig, wiewohl er nicht aus dem Volke Gottes, sondern ursprünglich ein Heide war. Paßt nun wohl das, was von diesem gläubigen, demüthigen Cornelius gesagt wird, auf Irrlehrer, die nicht wie dieser Cornelius die Kraft der heil. Taufe im Gehorsam gegen Christi Wort Marc. 16, 16. gelten lassen, sondern sie gegen die ausdrücklichen Aussprüche des HErrn und seiner Apostel, Joh. 3, 5. Gal. 3, 27. Eph. 5, 25. Apg. 2, 38. Tit. 3, 5. als ein bloßes Zeichen unserer Gemeinschaft mit Christus ansehen, die das heil. Abendmahl nicht das sein lassen, was es nach Christi Wort Matth. 26, 26. Marc. 14, 22. Luc. 22, 19. 1. Cor. 11, 23. 10, 16. ist, sondern daraus ebenfalls bloße Zeichen machen, die an und für sich keine Kraft haben? Nein! da findet vielmehr das seine Anwendung, was St. Paulus 2. Tim. 2, 21. von solchen Leuten, wie Hymenäus und Philetus, sagt, die Christen meiden sollen, weil sie „der Wahrheit fehlen“ (2 Tim. 2, 17. 18): „So nun Jemand sich reiniget von solchen Leuten, der wird ein geheiligtes Faß sein.“ — Wenn der Apostel, welcher die Liebe so hoch preiset (1 Cor, 13), seinen Gemeinen befiehlt, daß sie Hymenäus und Philetus meiden sollen, weil diese die Eine Irrlehre vorbringen, „die Auferstehung sei schon geschehen“ (2 Tim. 2, 18.), dürfen wir dann wohl mit solchen Leuten Kirchengemeinschaft halten, die, wie die „Reformirten“ nicht in Einem, sondern in vielen Stücken „der Wahrheit fehlen“? Ist es denn etwa ein Kleines, ob die Sakramente für kräftige Gnadenmittel gehalten werden, wie sie es nach der heil. Schrift sind oder für bloße Sinnbilder und Ceremonien, wofür sie die „reformirten“ Irrlehrer ausgeben? Ist das so unbedeutend, ob eine christliche Gemeine glaubt, Christus sei auch als Mensch kraft seiner Gottheit allgegenwärtig, wie er Matth. 28, 20. verheißen hat oder man mit den „Reformirten“ seine Menschheit und Gottheit auseinanderreißt und es darum für unmöglich hält, daß der ganze Herr Christus, auch sein heiliger Leib sich uns im h, Abendmahl gebe? Ist es gleichviel, ob 1 Tim. 2, 4 in einer Gemeine gilt oder die Irrlehre des Calvin, des vornehmsten Lehrers der „Reformirten“, daß Gott nicht wolle, daß Allen, sondern nur einer von Ewigkeit her bestimmten Zahl gewisser Menschen geholfen werde? Kann man ohne Lästerung des heil. Namens Gottes mit den „Reformirten“ annehmen, daß Gott das Böse wolle und wirke? Der übrigen [unleserlich] falschen Lehren, die sie führen und trotz gründlicher Ueberweisung bis jetzt nicht widerrufen haben zu geschweigen.
Hiermit will ich aber nur sagen, daß wir mit den Reformirten, die Reformirte bleiben und ihre Irrlehren nicht fahren lassen wollen, in keiner Kirchengemeinschaft stehen dürfen. Wollten die Reformirten die Irrlehren aufgeben, die ihre falschen Lehrer aufgebracht haben, so wären sie uns ja herzlich willkommen. Sie müssen dann nur solches erklären, zur lutherischen Kirche sich bekennen und auf ihren bisherigen Namen „Reformirte“ verzichten, der, so schön er an sich selbst ist, doch nun einmal herkömmlich etwas Verwerfliches bezeichnet und dem täuschenden Gepräge einer falschen Münze gleicht.
Dies ist keinesweges eine Härte gegen die Reformirten, sondern unsere Christenpflicht, wofür uns die Reformirten selbst danken werden, die sich durch solches Bekenntniß von ihren Irrthümern überzeugen und in die Wahrheit leiten lassen. Mögen sie uns aber auch nicht danken, mögen sie uns darum hassen und verfolgen, so sind wir dennoch schuldig, den HErrn und seine Wahrheit unumwunden zu bekennen, wie wir lesen Matth. 10, 32 — 37. Wer aber den Frieden dieser Welt lieber hat als die Wahrheit, der kann die Ruhe seines Fleisches leicht kaufen; er braucht nur das Wort des HErrn unter den Scheffel zu stellen. Er soll aber wissen, daß der Preis, den er gibt, seine Seele und Seligkeit ist.
Wenn nun ein Reformirter einwenden sollte, daß er die Irrlehren seiner falschen Kirche selbst nicht kenne und in der Meinung stehe, die Reformirten seien in allen Stücken mit den Lutheranern eines Sinnes, wie denn bei der herrschenden Unwissenheit in geistlichen Dingen das nur zu gewöhnlich und ziemlich allgemein der Wahn eingerissen ist, der einzige Unterschied zwischen Lutheranern und Reformirten bestehe in dem Vater Unser und Unser Vater, in der Hostie und dem schlichten Brot beim heil. Abendmahl; so kann ja ein Solcher, wenn er nur von der Wahrheit der lutherischen Lehre überzeugt ist, ohne alles Bedenken sich zu der lutherischen Kirche bekennen.
„Vor den Kopf“ wird also kein Reformirter „gestoßen“, wenn die Lutheraner Gottes Wort gehorsam sind und auf einerlei Bekenntniß und Reinigung von allen Falschgläubigen halten. Wenn sich die Reformirten dadurch beleidigt fühlen, so macht das eben ihr Widerstreben gegen die Wahrheit; bloß irregeleitete, aber sonst aufrichtige Seelen unter den Reformirten werden sich bald überzeugen, daß die Lutheraner Gewissens halber mit denen die Kirchengemeinschaft aufgeben müssen, die sich nicht mit ihnen zu Einer Kirche bekennen. Denn das sieht Jeder ein, daß Niemand zween Herren dienen kann. Dabei kann man doch in allen bürgerlichen und irdischen Angelegenheiten mit Reformirten gut auskommen, ihnen alle Liebe und Treue beweisen, ihnen rathen und helfen. Aber zusammen mit ihnen zum heil. Abendmahl gehen, wenn sie nicht mit uns Einen Glauben annehmen wollen, das kann man nicht. Denn Kirchengemeinschaft setzt einerlei Glauben voraus und ist ohne Einigkeit im Glauben und Bekenntniß ein verfluchtes Menschenwerk, das aus Heuchelei und vielen andern Sünden zusammengesetzt ist und weil es keine Verheißung vom HErrn hat nicht bestehen kann.
Manche können sich nicht genug wundern, wie es möglich sei, daß gegen die Eine heilige Lehre des Wortes Gottes so vielerlei Irrthümer erweckt werden, die doch alle Gottes Wort vorgeben und behaupten, nichts anderes als Gottes Wort zu verkündigen. Sie, mein Freund, haben an Sich selbst ein lebendiges Beispiel, wie solches möglich ist. Es kommt nämlich allein daher, daß Sprüche der Schrift aus dem Zusammenhange gerissen und falsch angewendet werden. So haben Sie es in Ihrem Briefe mit zwei herrlichen Bibelstellen gemacht. Wie Sie die eine, Apg. 10, 35. falsch gedeutet haben, ist Ihnen hoffentlich klar geworden. Am Schluß haben Sie eben so die köstliche Stelle 2 Cor. 3, 6. 7. gemißbraucht. Lesen Sie diese vollständig, so werden Sie bald erkennen, daß wenn hier das Amt des Geistes ausdrücklich das Amt des Neuen Testaments genannt und als solches dem Amt des Buchstabens gegenübergestellt wird, dies letztere, das Amt des Buchstabens kein anderes als das des Alten Testaments oder des Gesetzes ist, daß also unter „dem Buchstaben“ der Buchstabe des Gesetzes, der Inbegriff der Gebote Gottes im Gegensatz gegen das Evangelium verstanden wird. Daß nicht alle Buchstaben damit gemeint sind, zeigt der Apostel dadurch, daß er ja diesen Spruch selbst mit Buchstaben geschrieben hat, womit er doch aber die Corinther nicht tödten wollte. Merken Sie Sich das wohl, mein Freund! Sie werden dadurch von vielen Irrthümern befreit werden, die Ihnen durch den Mißbrauch dieses Spruchs schon eingebildet worden sind. Von Anfang nämlich haben alle Schwärmer diesen Spruch zum Deckel ihrer Schalkheit genommen. „Der Buchstabe“ ist in dieser Stelle, wie Vers 7 deutlich sagt, kein anderer als der in die Steine (nämlich in die zween Tafeln 2. Mos. 31, 18) gebildete Buchstabe des Gesetzes. Das Gesetz heißt aber der Buchstabe darum, weil es von Gott in geschriebenen Buchstaben auf den Tafeln des Gesetzes dem Volke Israel gegeben worden ist, während das Evangelium anfangs nur in mündlicher Rede verkündigt ward. Dieser Buchstabe (das Gesetz) tödtet, d. h. spricht über uns das Todesurtheil, verdammt uns. Denn
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forbids so strictly any departing from this one faith and confession that it has laid a curse upon it, Gal. 1:8. And just as sharply it forbids us church-fellowship with such as stray from the one faith and confession, from the one truth of the Word of God, who are not of one accord with us in the holy Gospel of Christ, the Son of God, 2 John 10, 11.
Quite falsely, therefore, is the passage in the Acts of the Apostles 10:35 understood, and shamefully misused, when one thinks to be able to prove from it that difference in doctrine and confession matters not at all. For it does not say there: all manner of faith and confession, but "in every nation he that feareth God, etc., is accepted with him"; that is, whoever, be he by birth of what land and people he will, with the fear of God submits to the Word of God, which testifies of Christ, that all the world should hear Him, Matt. 17:5, that besides Him there is no salvation, Acts 4:12, and now believes on Him and acknowledges Him right in all His words, he shall, even though he formerly stood in relation to the Lord, be saved through the Word of Christ in faith, John 5:24; 3:36. So did Cornelius. He sought the apostle of the Lord. He received the Word of Christ without resistance. He doubted not the preaching of Christ, however much his reason might struggle against it. Therefore he also was saved, although he was not of the people of God, but originally a Gentile. Does now that which is said of this believing, humble Cornelius fit false teachers, who do not, like this Cornelius, allow the power of holy Baptism in obedience to Christ's Word, Mark 16:16, but, contrary to the express declarations of the Lord and of His apostles, John 3:5, Gal. 3:27, Eph. 5:25, Acts 2:38, Titus 3:5, regard it as a mere sign of our fellowship with Christ, who do not let the holy Supper be what it is according to Christ's Word, Matt. 26:26, Mark 14:22, Luke 22:19, 1 Cor. 11:23; 10:16, but make of it likewise mere signs, which in and of themselves have no power? No! There rather has its application what St. Paul says, 2 Tim. 2:21, of such persons as Hymenaeus and Philetus, whom Christians are to avoid, because they "concerning the truth have erred" (2 Tim. 2:17, 18): "If a man therefore purge himself from these, he shall be a vessel unto honour, sanctified." — If the apostle, who so highly praises love (1 Cor. 13), commands his congregations to avoid Hymenaeus and Philetus, because these bring forward the one false doctrine, "that the resurrection is past already" (2 Tim. 2:18), may we then well hold church-fellowship with such persons as, like the "Reformed," err concerning the truth not in one, but in many points? Is it, then, a small matter whether the sacraments are held to be effectual means of grace, as they are according to the holy Scripture, or mere symbols and ceremonies, for which the "Reformed" false teachers give them out? Is it so unimportant whether a Christian congregation believes that Christ, also as man, by virtue of His Godhead is omnipresent, as He promised, Matt. 28:20, or whether one with the "Reformed" tears His humanity and Godhead apart and therefore holds it impossible that the whole Lord Christ, also His holy body, should give Himself to us in the holy Supper? Is it all one whether 1 Tim. 2:4 holds in a congregation, or the false doctrine of Calvin, the foremost teacher of the "Reformed," that God does not will that all, but only a certain number of men determined from eternity, should be helped? Can one, without blasphemy of the holy name of God, accept with the "Reformed" that God wills and works evil? To say nothing of their other false doctrines, which they hold and which, in spite of thorough refutation, they have not revoked to this day.
By this I would say only that we may stand in no church-fellowship with the Reformed so long as they remain Reformed and will not let go their false doctrines. If the Reformed would give up the false doctrines which their false teachers have brought up, they would be heartily welcome to us. They need then only declare as much, confess themselves to the Lutheran Church, and renounce their former name "Reformed," which, however fair it is in itself, yet has once for all come by custom to denote something objectionable and resembles the deceptive stamp of a false coin.
This is by no means a hardness toward the Reformed, but our Christian duty, for which the Reformed themselves will thank us, who by such a confession are convinced of their errors and let themselves be led into the truth. But even if they do not thank us, even if they hate and persecute us for it, we are nevertheless bound to confess the Lord and His truth without reserve, as we read Matt. 10:32-37. But whoever loves the peace of this world more than the truth can easily buy the ease of his flesh; he need only put the Word of the Lord under a bushel. But let him know that the price he pays is his soul and salvation.
Now if a Reformed man should object that he does not himself know the false doctrines of his false church and is of the opinion that the Reformed are of one mind with the Lutherans in all points, as, indeed, with the prevailing ignorance in spiritual things the delusion has taken hold all too commonly and quite generally that the only difference between Lutherans and Reformed consists in the Vater Unser and Unser Vater, in the host and the plain bread at the holy Supper; then such a one, if only he is convinced of the truth of the Lutheran doctrine, can without any scruple confess himself to the Lutheran Church.
"Hit in the face" is therefore no Reformed man, "struck," when the Lutherans are obedient to God's Word and hold to one and the same confession and purity from all false believers. If the Reformed feel offended thereby, it is just their resistance against the truth that makes it so; merely misled but otherwise upright souls among the Reformed will soon be convinced that the Lutherans for conscience' sake must give up church-fellowship with those who do not confess themselves with them to one church. For everyone sees this, that no one can serve two masters. Withal one can get along well with the Reformed in all civil and earthly affairs, show them all love and fidelity, counsel and help them. But to go together with them to the holy Supper, if they will not accept with us one faith, that one cannot do. For church-fellowship presupposes one and the same faith, and without unity in faith and confession is an accursed work of men, which is put together out of hypocrisy and many other sins, and because it has no promise from the Lord cannot stand.
Many cannot wonder enough how it is possible that against the one holy doctrine of the Word of God so many kinds of errors are raised up, which yet all pretend to God's Word and assert that they proclaim nothing else than God's Word. You, my friend, have in yourself a living example of how this is possible. It comes about namely solely from this, that passages of Scripture are torn from their connection and falsely applied. Thus you have done with two glorious Bible passages in your letter. How you have wrongly interpreted the one, Acts 10:35, has, I hope, become clear to you. At the close you have likewise misused the precious passage 2 Cor. 3:6, 7. Read it through completely, and you will soon recognize that if here the ministration of the Spirit is expressly called the ministration of the New Testament and as such is set over against the ministration of the letter, this latter, the ministration of the letter, is none other than that of the Old Testament or of the law, so that by "the letter" is to be understood the letter of the law, the sum of the commandments of God in contrast to the Gospel. That not all letters are meant by it, the apostle shows in that he himself wrote this very passage with letters, wherewith he surely did not wish to kill the Corinthians. Mark this well, my friend! You will thereby be freed from many errors which have been put into your head by the misuse of this passage. From the beginning, namely, all fanatics have taken this passage as a cloak for their knavery. "The letter" is in this passage, as verse 7 plainly says, none other than the letter of the law engraven in stones (namely in the two tables, Ex. 31:18). But the law is called the letter because it was given by God in written letters upon the tables of the law to the people of Israel, whereas the Gospel was at first proclaimed only in oral speech. This letter (the law) killeth, that is, pronounces over us the sentence of death, condemns us. For