Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 23 › Seite 182
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-07-08, Seite 182
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war nichts weniger als ermuthigend, da der damalige dänische Gouverneur Herr Hansen mit nichts Geringerem umging, als das dänische Missionscollegium zu vermögen, die Trankebarsche Mission den Engländern zu überliefern. Bei so bewandten Umständen, und in Erwägung der in der Heimath erhaltenen Aufträge beschloß ich, Trankebar wieder zu verlassen, und unter der Telugubevölkerung im Norden von Madras ein neues Arbeitsfeld aufzusuchen. Br Ochs entschloß sich in Folge erhaltener Nachricht von unserem Missions-Comite in Dresden mich zu begleiten; und so verließen wir Ende des Monats Mai 1844 Trankebar wieder und gingen über Madras u. Masulipetam nach Guntur, wo wir die Missionäre der amerikanisch-lutherischen Mission, Herrn Heyer und Herrn Gunn, trafen. Da beschlossen wir zu bleiben, bis uns der HErr zeigen würde, wohin wir ferner unsern Stal setzen sollten. Herr Heyer, ein Hanoveraner, der von der Liebe Christi getrieben als Prediger nach Amerika und von dort als Missionär nach Indien ging, ist ein aufrichtiger, lieber Mann. Er ist mit Eifer für das Werk des HErrn erfüllt und scheut keine Mühseligkeiten in seinem Berufe. Dabei ist er dienstfertig gegen Jedermann; selbst auch da, wo er weiß, daß ihm nicht dafür gedankt wird. Obschon er noch viel Deutsches und auch einige Fragmente von kirchlichem Sinn und Wesen gerettet hat, ist er doch kein Lutheraner. — Herr Gunn ist gleichfalls ein bescheidener, aufrichtiger und gutgesinnter Mann; was aber lutherische Kirche und Lehre sei, davon hat er keine Kenntniß. Bei ihnen hatte ich Gelegenheit, die Lehrbücher der amerikanischen Pseudolutheraner, geschrieben von Herrn Schmucker u. s. w. kennen zu lernen. Aus ihnen ersah ich, daß die Lehre dieser guten Leutchens im Wesentlichen nur ein Wiederhall des vulgären Zwinglianismus ist. Nichts destoweniger treiben sie mit dem Namen „Lutherisch" einen unausstehlichen Götzendienst. So wurde Herrn Gunns erstgebornes Söhnlein auf die möglichst denkbare widerlutherische Weise mit dem Namen Luther getauft! — Doch ich vergesse, ich schreibe Dir hier Dinge, die Du in Amerika aus täglicher Erfahrung besser kennst, denn ich. — Während wir uns in Guntur aufhielten, ließ uns der HErr nach manchen trüben Tagen Freude und Wonne wieder scheinen. Herr Stockes, der dortige Collector, erhielt eines Tages einen Brief von einem Freunde, der ihm mittheilte, es solle das der englischen Church-Mission zugehörige Missionseigenthum in Majaweram, 8 bis 9 Stunden nordwestlich von hier, an einen Heiden verkauft werden, was sehr zu bedauern wäre. Herr Stockes fragte Br. Ochs, ob wir wohl Majaweram übernehmen und mit einem Arbeiter besetzen würden, im Falle er und einige seiner Freunde es für uns kauften. Br. Ochs nahm natürlich das Anerbieten mit Freude und Dank an, und gab mir, der ich gerade auf einer Untersuchungsreise nach Radschamundri unterwegs war, davon Nachricht, In derselben Zeit theilte uns auch Br. Cordes mit, daß Trankebar wirklich an die Engländer verkauft sei, und daß wir unsere Kräfte nun zur Erhaltung der Gemeinden concentriren müßten. In Folge dessen reiste Br. Ochs im November 1844 von Guntur ab und übernahm die neue Station Majaweram; und einige Monate später kehrte auch ich nach Trankebar zurück. — Obschon der Gouverneur Hansen alles aufbot, das dänische Missionscollegium dahin zu bewegen, die Mission den Engländern zu übergeben, so geschah es doch nicht; da besonders der verstorbene König Christian der VIII. erklärte, die Mission müße lutherisch bleiben. — Die der europäischen Gemeinde gehörige Kirche dagegen spielte Herr Hansen listiger u. trüglicher Weise den Engländern in die Hände. Weil nun der König und das Missionscollegium in Kopenhagen nicht auf den gedachten Vorschlag des Herrn Hansen einging, so wurde dem Br. Cordes im April 1846 die Verwaltung der Mission provisorisch übertragen; welches Provisorium bis zum 30. September 1849 währte, an welchem Tage die Mission und deren Güter uns für unser Missionscollegium in Leipzig völlig überliefert wurden. — Die Gemeinden auf dem ehemalig dänischen Gebiete sind zwei; wovon die eine eine Kirche in Trankebar hat, Jerusalemskirche genannt, und gegen 600 Seelen zählt; die andere mit der Bethlehemskirche in Poreiar zählt etwas über 1000 Seelen. Die erstere steht unter Br. Cordes Pflege, die letztere unter der meinigen. Im September 1845 kam Bruder Appelt hier an und widmete sich besonders der Arbeit in den Schulen. Am ersten Adventssonntage 1846 übernahm ich die Pflege der Bethlehemsgemeinde, und zugleich nahmen wir eine Verbesserung und Vervollkommnung unserer Gottesdienstordnung vor. Im März 1847 langten die vier Brüder Mylius, Schmeisser, Kremmer und Wolff hier an. Da die drei letztern und Br. Appelt nicht ordinirt waren, so ordinirten wir sie am 18. Oktober 1847 in unserer Jerusalemskirche. Die Brüder Schmeisser und Wolff wurden hierauf nach Majaweram, Br. Mylius zu mir nach Poreiar, Br. Kremmer nach Trankebar zu Br. Cordes stationirt, und Br. Appelt erhielt die Pflege der portugiesischen Gemeinde. — Am 27. December 1847 verstarb die Frau unseres Br. Cordes an der Cholera, und da er selbst seit langer Zeit sehr schwach gewesen war, so reiste er Anfangs März 1848 von hier ab nach Deutschland. Indessen hatte der HErr manigfachen Segen auf unsere Arbeit gelegt, so daß in der Bethlehemskirche im Laufe einiger Monate Ende des Jahre 1847 gegen 50 Seelen aus den Heiden getauft wurden. Weil deren Wohnorte für mich zu entfernt lagen, und meine Gemeinde an Seelenzahl ohnedies schon die größte war, so beschlossen wir, aus den Neugetauften eine neue Gemeinde zu bilden, deren Mittelpunkt ein Dorf, Namens Tirumenjanam sein, und welche von Br. Schmeisser gepflegt werden sollte. Zu dem Ende kam derselbe von Majaweram hierher und nahm seine Wohnung vorläufig bei mir. Da er zu rücksichtslos sich der Sonne aussetzte, so fing er bereits im März 1848 zu kränkeln an, und sein Zustand verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Auf den Rath des Arztes sollte er nach dem Cap der guten Hoffnung gehen, kam aber nur bis Madras, wo er zu Anfang des Monats Juni in die Wohnungen des ewigen Friedens einging. Dort ruht nun seine Hülle auf dem Gottesacker der Independenten bis der HErr kommen und ihn vom Grabe erwecken wird. Br. Wolff, der unseren sel. Schmeißer nach Madras begleitet hatte, verheirathete sich einige Zeit nachher daselbst. In derselben Zeit bald nach Br. Cordes Abreise erhielten wir eine Bittschrift von etwa 400 tamilischen Christen in Madras, die sich von der englischen Kirche getrennt hatten, und in die Gemeinschaft unserer lutherischen Kirche aufgenommen zu werden wünschten. Nach einigen in die Länge gezogenen Verhandlungen mit ihnen wurden sie Ende des Monats Oktober 1848 von uns aufgenommen, und Br. Kremmer, sie zu pflegen, zu ihnen gesandt. So hat uns denn der HErr in Madras auch wieder eine Thüre aufgethan, und einen Theil der ursprünglich zu unsrer Kirche gehörigen Glieder zu ihr zurückgeführt. Aber auch hier that der HErr zu unserer Bethlehemsgemeinde Viele hinzu, und fast jeden Sonntag wurde eine Zahl aus den Heiden getauft. Daher gründeten wir eine zweite Filialgemeinde von Bethlehem, die ihren Mittelpunkt in dem Dorfe Pudenur 5 englische Meilen west-süd-westlich von hier hat. Für beide Tochtergemeinden erbauten wir Kapellen; die in Pudenur wurde am 22. Juli, und die in Tirumenjanam am 24. Oktober 1849 eingeweiht. Die Pflege letzterer, zu welcher gegen einhundert und achtzig Seelen gehören, hat Bruder Appelt; die der erstern, zu der gegen 160 Seelen gehören, habe ich.
In derselben Zeit erhielten wir noch ein anderes Arbeitsfeld, nämlich in Pudukotta, 75 engl. Meilen west-süd-westlich von hier. Dieses Arbeitsfeld war einige Zeit lang von den amerikanischen Missionären in Madura bearbeitet worden, jedoch ohne sichtlichen Erfolg. Da es ihnen außerdem zu entlegen war, so trugen sie uns dasselbe an; und wir fanden kein Bedenken, es anzunehmen. Br. Wolff hat dessen Pflege seit Anfang vorigen Jahres. Im März 1849 wurde unsre Arbeiterzahl durch die Ankunft des Br. Glasell verstärkt; und Br. Cordes, der sich in Deutschland wieder verheirathet hatte, kehrte auch im darauf folgenden Oktober auf seinen alten Posten zurück. — Im Mai dieses Jahres kam Herr Director Graul mit seiner Frau hier an, theils um die Mission hier selbst zu sehen, theils um das Missionsfeld weiter zu bereisen. Leider aber ist seine Ankunft durch einen Riß in unserer Mission bezeichnet worden, dessen Endergebniß sich nicht voraussagen läßt. Seit Oktober v. J. nämlich war eine Spannung eingetreten zwischen dem neuangekommenen Br. Glasell und mehreren der älteren Brüder, in Folge dessen Br. Glasell im December v. J. aus unserer Verbindung trat. Da der Herr Director auf dem Wege hierher war, so beauftragte ihn das Collegium, er sollte die Sache an Ort und Stelle untersuchen. Das geschah denn auch; aber die Folge war, daß Br. Glasell uns verließ und nach Bombay ging, und Br. Mylius seine Ent-
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was anything but encouraging, since the then Danish governor, Mr. Hansen, had nothing less in mind than to prevail upon the Danish Missionscollegium to deliver the Tranquebar mission over to the English. Under such circumstances, and in consideration of the commissions I had received at home, I resolved to leave Tranquebar again, and to seek out a new field of labour among the Telugu population north of Madras. Br. Ochs, in consequence of tidings received from our Mission Committee in Dresden, decided to accompany me; and so at the end of the month of May 1844 we left Tranquebar again and went by way of Madras and Masulipetam to Guntur, where we met the missionaries of the American Lutheran mission, Mr. Heyer and Mr. Gunn. There we resolved to remain until the Lord should show us where we should next pitch our staff. Mr. Heyer, a Hanoverian, who, driven by the love of Christ, went as a preacher to America and from there as a missionary to India, is a sincere, dear man. He is filled with zeal for the work of the Lord and shuns no hardships in his calling. Withal he is obliging toward everyone, even there where he knows that he will not be thanked for it. Although he has saved much that is German and also some fragments of churchly sense and character, he is nevertheless no Lutheran. — Mr. Gunn is likewise a modest, sincere and well-disposed man; but what the Lutheran Church and doctrine are, of that he has no knowledge. Among them I had opportunity to become acquainted with the textbooks of the American Pseudo-Lutherans, written by Mr. Schmucker and others. From them I saw that the doctrine of these good little people is essentially only an echo of vulgar Zwinglianism. None the less they carry on with the name "Lutheran" an insufferable idolatry. Thus Mr. Gunn's first-born little son was baptized, in the most anti-Lutheran manner conceivable, with the name Luther! — But I forget, I am writing thee here things which thou knowest better from daily experience in America than I. — While we were staying in Guntur, the Lord, after many gloomy days, let joy and gladness shine upon us again. Mr. Stockes, the collector there, received one day a letter from a friend, who informed him that the mission property belonging to the English Church Mission at Majaweram, 8 or 9 hours north-west from here, was to be sold to a heathen, which would be much to be regretted. Mr. Stockes asked Br. Ochs whether we would take over Majaweram and occupy it with a labourer, in case he and some of his friends should buy it for us. Br. Ochs naturally accepted the offer with joy and thanks, and sent me word of it, I being just then on a journey of inquiry to Rajahmundry. At the same time Br. Cordes also informed us that Tranquebar had really been sold to the English, and that we must now concentrate our forces for the preservation of the congregations. In consequence of this Br. Ochs departed from Guntur in November 1844 and took over the new station of Majaweram; and some months later I also returned to Tranquebar. — Although Governor Hansen did everything to move the Danish Missionscollegium to give the mission over to the English, it nevertheless did not come to pass; since especially the late King Christian VIII declared that the mission must remain Lutheran. — The church belonging to the European congregation, on the other hand, Mr. Hansen played into the hands of the English by cunning and deceitful means. Because now the King and the Missionscollegium at Copenhagen did not accede to the aforesaid proposal of Mr. Hansen, the administration of the mission was committed provisionally to Br. Cordes in April 1846; which provisional arrangement lasted until the 30th of September 1849, on which day the mission and its properties were fully delivered over to us, for our Missionscollegium at Leipzig. — The congregations in the formerly Danish territory are two; of which the one has a church in Tranquebar, called the Jerusalem Church, and numbers about 600 souls; the other, with the Bethlehem Church at Poreiar, numbers somewhat over 1000 souls. The former is under the care of Br. Cordes, the latter under mine. In September 1845 Brother Appelt arrived here and devoted himself especially to the work in the schools. On the first Sunday in Advent 1846 I took over the care of the Bethlehem congregation, and at the same time we undertook an improvement and perfecting of our order of divine service. In March 1847 the four brethren Mylius, Schmeisser, Kremmer and Wolff arrived here. Since the last three and Br. Appelt were not ordained, we ordained them on the 18th of October 1847 in our Jerusalem Church. The brethren Schmeisser and Wolff were thereupon stationed at Majaweram, Br. Mylius with me at Poreiar, Br. Kremmer at Tranquebar with Br. Cordes, and Br. Appelt received the care of the Portuguese congregation. — On the 27th of December 1847 the wife of our Br. Cordes died of the cholera, and since he himself had been very weak for a long time, he departed from here at the beginning of March 1848 for Germany. Meanwhile the Lord had laid manifold blessing upon our labour, so that in the Bethlehem Church in the course of some months at the end of the year 1847 about 50 souls out of the heathen were baptized. Because their dwelling-places lay too far from me, and my congregation was already the largest in number of souls, we resolved to form a new congregation out of the newly baptized, the centre of which was to be a village named Tirumenjanam, and which was to be tended by Br. Schmeisser. To this end he came hither from Majaweram and took up his dwelling for the time with me. Since he exposed himself too carelessly to the sun, he began already in March 1848 to sicken, and his condition grew worse from day to day. On the advice of the physician he was to go to the Cape of Good Hope, but came only as far as Madras, where at the beginning of the month of June he entered into the mansions of eternal peace. There now his mortal frame rests in the burial-ground of the Independents until the Lord shall come and awaken him from the grave. Br. Wolff, who had accompanied our blessed Schmeißer to Madras, married some time afterward in that place. At the same time, soon after Br. Cordes's departure, we received a petition from about 400 Tamil Christians in Madras, who had separated from the English Church and wished to be received into the communion of our Lutheran Church. After some protracted negotiations with them they were received by us at the end of the month of October 1848, and Br. Kremmer was sent to them to tend them. Thus the Lord has opened to us in Madras also again a door, and has led back to it a part of the members originally belonging to our Church. But here also the Lord added many to our Bethlehem congregation, and almost every Sunday a number out of the heathen was baptized. Hence we founded a second branch congregation of Bethlehem, which has its centre in the village of Pudenur, 5 English miles west-south-west from here. For both daughter congregations we built chapels; that in Pudenur was consecrated on the 22nd of July, and that in Tirumenjanam on the 24th of October 1849. The care of the latter, to which about one hundred and eighty souls belong, Brother Appelt has; that of the former, to which about 160 souls belong, I have.
At the same time we received yet another field of labour, namely in Pudukotta, 75 English miles west-south-west from here. This field of labour had for some time been worked by the American missionaries in Madura, yet without visible success. Since it was moreover too remote for them, they offered it to us; and we found no scruple in accepting it. Br. Wolff has had the care of it since the beginning of last year. In March 1849 the number of our labourers was strengthened by the arrival of Br. Glasell; and Br. Cordes, who had married again in Germany, also returned in the following October to his old post. — In May of this year Mr. Director Graul came here with his wife, partly to see the mission here itself, partly to travel further through the mission field. Unfortunately, however, his arrival has been marked by a rent in our mission, the final outcome of which cannot be foretold. Since October of last year, namely, a tension had arisen between the newly arrived Br. Glasell and several of the older brethren, in consequence of which Br. Glasell withdrew from our connection in December of last year. As the Mr. Director was on his way hither, the Collegium commissioned him to investigate the matter on the spot. That also was done; but the consequence was that Br. Glasell left us and went to Bombay, and Br. Mylius his En-