Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 23 › Seite 183
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-07-08, Seite 183
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lassung nahm und nach Hause zurückkehrte. Dem Herrn allein ist bekannt, welche weitere Folgen das Ganze haben werde. Br. Mylius, mit dem ich ein Herz und eine Seele war, ist ein treuer, demüthiger und aufrichtiger Knecht des HErrn. Sein Abgang schmerzt mich besonders tief. Er ist jetzt auf dem Wege nach Hause. Möge ihn der HErr dort noch recht lange zum reichen Segen setzen. (Nebenbei bemerke ich, daß Br. Mylius den von uns vor zwei Jahren an Euch Brüder in Nordamerika geschriebenen Brief abgefaßt habe.) — Obschon die Umstände so wenig ermuthigend sind, hat uns doch der Herr gezeigt daß wir unsere Hoffnung nicht sollen sinken lassen, indem Er uns auch in Tritschinopoli eine Thür aufgethan hat. Dort haben sich nämlich letzten Monat September mehrere Familien von der englischen Kirche getrennt und an uns angeschlossen. So macht der HErr Weg und Bahn und gibt Seiner Kirche eine Stätte nach der andern zu Seinem Preise. — Gegenwärtig sind also folgende Arbeiter hier: 1. in Trankebar die Brüder Cordes und Appelt; 2. in Poreiar ich; 3. in Majaweram Br. Ochs; 4. in Madras Br. Kremmer; 5. für Tritschinopoli und Pudukotta ist Br. Wolff bestimmt, wohnt aber noch in Trankebar. — Seit meiner Wiederankunft hier im März 1845 bis jetzt sind hier in Trankebar und Poreiar in unsern zwei Kirchen 566 Personen aus den Heiden durch die heilige Taufe zur Gemeinde des HErrn hinzugethan worden. Davon taufte ich 336; Br. Mylius 178; Br. Cordes 41; der selige Bruder Schmeißer 7; Br Wolff 2; Br. Appelt 1; und Br. Kremmer 1. Wie viele in Majaweram, Madras und Pudukotta getauft wurden, weiß ich nicht genau. Es mögen indeß auch etwa 150 Personen sein. Die sind nun allerdings meistens von den Geringsten in dieser Welt; die Armen und Elenden; Kranke, Lahme, Blinde und Aussätzige; wie sie eben getroffen werden an den Landstraßen und an den Zäunen; die Hilfsbedürftigen, die in ihrem Blute liegen und den Helfer nicht verschmähen. Dieser achtet die Welt nicht; um so mehr achtet sie der HErr und setzt sie zur Zierde in Seinem Heiligthume.
Wie es sonst hier in Indien aussehe, bedarf ich Dir nicht gerade zu sagen. Es ist hier wie aller Orten in der Welt, wo der HErr gegen Seine Feinde zu Felde liegt. Das Heidenthum hier ist abgelebt und hat keine positive Kraft zum Widerstande; destomehr aber negative. Das Volk verehrt fast durchgängig nur einen Gott, und das ist ihr Bauch; was diesem belebt, suchen sie mit aller Macht; was diesem zuwider ist, vermeiden sie auf jegliche Weise. Der Predigt des Wortes hören sie gewöhnlich zu, und erkennen die Wahrheit des Gesagten auch mit dem Munde an; bleiben aber nach wie vor. Das ist ein herzzerreißender Jammer! — Dazu kommt denn das Missionsgetreibe aller möglichen Secten; das unausstehliche Geschreibsel in ihren Zeitungen und Blättern; das fortwährende Experimentiren u. dgl., wodurch sie die Theilnahme suchen rege zu erhalten, und wodurch sie im Grunde doch nur sich und andere täuschen. Im Selbstrühmen übertreffen die Schotten von der sogenannten Freikirche alle Parteien, und ihr nun nach Hause gegangener Dr. Duff spricht mit einer Anmaßung über andere, besonders ältere treue Knechte Gottes, die in Erstaunen setzt. Vor 2 Jahren kam er auf seinen Reisen auch hieher und hielt sich einen Tag hier auf. Ich kann nicht sagen, ob er auch nur einen unserer Christen gesehen oder gesprochen habe, zumal er von der Landessprache ja nichts versteht. Dennoch als er bald nachher in Calkutta einen sehr reisigen Vortrag hielt, sagte er unter andern: Um Trankebar herum seien 2000 eingeborne Christen; aber geistliches Leben sei nicht unter ihnen zu finden. Möchte doch dieser Mann lesen, was der HErr Matthäi 7, 1 — 5. gesagt hat! — Gemessen und klug ist der Gang der Hochkirche, die den größten Vortheil von dem Gewirre der Secten hat, indem sie einsammelt, was die übrigen säen. Wir sind den Hochkirchlichen ein Dorn im Auge, weil sie gar wohl erkennen, daß sie es hier mit einem Gegner zu thun haben, dem sie nicht gewachsen sind. Wir müssen daher nun durch gar viele böse Gerüchte gehen, und müssen gar nicht selten hören, daß man uns unsre Gemeindeglieder durch Geld, andere Versprechungen und Verdächtigungen abwendig zu machen sucht. So lange wir indeß treu bleiben im Bekenntnisse der Wahrheit, werden sie ihre Absicht nicht erreichen.
Ihr in Nordamerika habt es besonders mit methodistischen, unirten und dergleichen Unwesen so wie auch mit falschen Brüdern zu thun. — Herrn Steiner aus Langenzenn kenne ich wohl. Vor etwa drei Jahren bekam ich ein Circularschreiben des Dr. Barth in Calw an die Basler Missionare in Indien in die Hände, in welchem folgende Mittheilung stand: „Steiner ist, um seine gebildete Braut heirathen zu können, in Amerika zur reformirten Kirche übergetreten." Der arme Steiner! dachte ich, und schrieb deswegen an Herrn Pfarrer Loschge in Langenzenn. Dieser meinte, das dürfte ein grundloses Gerüchte sein. Allein Dr. Barth muß die Sache doch besser wissen. — Dumser, dein eigner Rival, ist ja, glaube ich, auch aus Bayern, aus Mkt. Steft. Das sind wunderliebe Leute, die dich hinter dem Rücken mit der Zunge todtschlagen, und dann doch verlangen, Du sollst ihr guter Freund sein. — Du hast doch wohl auch vor einigen Jahren in Herrn Pfarrer Löhe's Nordamerikanischen Nachrichten einen Brief aus Indien an Dr. Barth und die Beleuchtungen dazu von Herrn Pfarrer Löhe gelesen. Selbigen hat Herr Missionar Lechler geschrieben, auch ein Zögling aus der Basler Anstalt. Dieser gute Freund heuchelte unsern Bruder Ochs auch unter die Augen, während er in solcher Weise schrieb. Lassen wir sie indeß machen, da es ihnen einmal so beliebt; sie werden weder vor Gott noch Menschen Segen und Lob damit einerndten! — Die Stellung, welche Grabau und seine Anhänger gegen Euch einnehmen, ist betrübend, da es keinem Zweifel unterliegt, daß unter jenen Gemeinden viel kirchlicher Kern und Bekenntnißtreue zu finden sei.
Ich bin selbst eine kleine Zeit in Preußen gewesen, habe meine amtliche Wirksamkeit unter unsern lutherischen Brüdern dort begonnen, und habe ihren Kampf kennen gelernt. Es sind treue Bekenner; obschon sich nicht leugnen läßt, daß die von den Unirten erlittene Verfolgung, und die erfahrne vielfache Verkennung von denen, die mit ihnen auf gleichem Bekenntnißgrunde ruhten, manche Ecken in ihre Ansichten brachten und nicht wenig Mißtrauen erzeugten. In Deutschland gleicht sich das nun mehr aus; diejenigen der Ausgewanderten dagegen, die außer sich keine lutherische Kirche mehr anerkennen wollen, verfahren sich tiefer, um so mehr, wenn sich ihre Pastoren einmal in den Kopf gesetzt haben, in ihnen, und zwar nur in ihnen, sei die Kirche personificirt. Ich glaube auch, daß es schwer halten dürfte, bevor Ihr Euch mit Grabau einigen könntet; doch will ich noch nicht daran verzagen.
Die politischen und kirchlichen Wirren, in welche unser liebes Vaterland jetzt verwickelt ist, führen wol in dieser Zeit eine nicht geringe Zahl Deutscher nach Amerika. Wie viel aber die Kirche dabei gewinnt, werdet Ihr am Besten erkennen. Die Sucht nach Freiheit, Ungebundenheit und Zügellosigkeit, das Einstimmen in das Geschrei jener, die da sagen: Laßt uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile! ist es ja, was so Viele unstät und flüchtig macht, und sie von einem Lande ins andere jagt. Die Kirche gewinnt gewiß durch sie nicht viel an Umfang, noch weniger an innerer Kraft, obschon auch aus ihnen noch so Mancher nach langem Haschen und Jagen hinter einem eitlen Fantome endlich die Freiheit in dem Herrn finden mag. Es muß Alles der Kirche des HErrn und Seinen Kindern zum Besten dienen, und so gewiß auch die letzten traurigen Ereignisse in Deutschland, und die daselbst noch herrschende Zerrissenheit in politischer und kirchlicher Beziehung.
Die Mittheilungen, welche Du mir über Deine häuslichen- und Familienverhältnisse machtest, haben mich recht sehr gefreut, und ich wünsche, es möge der HErr Dich das Dir geschenkte Glück recht lange in Friede und Ruhe genießen lassen. Grüße die lieben Deinigen herzlichst, wenn auch als unbekannt von mir. — Was nun mich betrifft, so kann ich zum Preise des HErrn sagen, daß ich mich durch Seine Gnade seit meinem Hiersein einer fast ungestörten Gesundheit zu erfreuen gehabt habe. In meinem Hause dagegen hat mich der HErr den Kelch der Freude und des Schmerzes im Laufe eines Jahres leeren lassen. Am 29. November 1848 verheirathete ich mich und lebte 11. Monate in einer höchst glücklichen Ehe. Am 6. November 1849 aber nahm der HErr mein theures, liebes Weib in ihrem ersten Wochenbette nebst unsrem neugebornen Söhnlein von meiner Seite wieder zu sich. Mein Schmerz war groß; die vom HErrn geschlagene Wunde schnitt tief ein; doch erquickte das Wort unsres GOttes mich in meinem Elende. Er macht
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lassung and returned home. To the Lord alone is it known what further consequences the whole matter will have. Br. Mylius, with whom I was of one heart and one soul, is a faithful, humble and upright servant of the Lord. His departure grieves me especially deeply. He is now on the way home. May the Lord there yet for a long time set him for rich blessing. (Incidentally I remark that Br. Mylius drew up the letter written by us two years ago to you brethren in North America.) — Although the circumstances are so little encouraging, the Lord has nevertheless shown us that we should not let our hope sink, in that He has opened to us a door also at Trichinopoly. There, namely, last month, September, several families separated from the English Church and attached themselves to us. Thus the Lord makes way and path, and gives to His Church one station after another to His praise. — At present, then, the following labourers are here: 1. in Tranquebar the brethren Cordes and Appelt; 2. in Poreiar, I; 3. in Majaweram Br. Ochs; 4. in Madras Br. Kremmer; 5. for Trichinopoly and Pudukotta Br. Wolff is appointed, but still lives in Tranquebar. — Since my return here in March 1845 until now, 566 persons out of the heathen have been added through holy Baptism to the congregation of the Lord here in Tranquebar and Poreiar, in our two churches. Of these I baptized 336; Br. Mylius 178; Br. Cordes 41; the blessed Brother Schmeißer 7; Br. Wolff 2; Br. Appelt 1; and Br. Kremmer 1. How many were baptized in Majaweram, Madras and Pudukotta I do not know exactly. There may, however, be about 150 persons. These are now indeed for the most part of the least in this world; the poor and wretched; the sick, lame, blind and lepers; as they are just met with on the highways and at the hedges; the helpless, who lie in their blood and do not despise the Helper. The world regards Him not; so much the more does the Lord regard them, and sets them for an ornament in His sanctuary.
How it otherwise looks here in India I need not exactly tell thee. It is here as everywhere in the world, where the Lord is taking the field against His enemies. The heathenism here is outlived and has no positive power of resistance; but so much the more negative. The people almost throughout worship only one god, and that is their belly; what pleases this they seek with all their might; what is contrary to this they avoid in every way. To the preaching of the Word they commonly listen, and acknowledge the truth of what is said also with the mouth; but remain after as before. That is a heart-rending lamentation! — To this comes then the mission-bustle of all possible sects; the insufferable scribbling in their newspapers and journals; the continual experimenting, and the like, by which they seek to keep sympathy alive, and by which they fundamentally only deceive themselves and others. In self-glorification the Scots of the so-called Free Church surpass all parties, and their Dr. Duff, now gone home, speaks with an arrogance about others, especially older faithful servants of God, which astonishes. Two years ago he came on his travels also hither and stayed one day here. I cannot say whether he saw or spoke with even one of our Christians, especially as he understands nothing of the language of the country. Nevertheless, when soon afterward in Calcutta he delivered a very showy address, he said among other things: Around Tranquebar there are 2000 native Christians; but spiritual life is not to be found among them. Would that this man would read what the Lord has said, Matthew 7, 1 — 5! — Measured and shrewd is the course of the High Church, which has the greatest advantage from the confusion of the sects, in that it gathers in what the others sow. We are a thorn in the eye to the High Churchmen, because they know very well that they have to do here with an adversary to whom they are not equal. We must therefore now go through very many evil reports, and must hear not at all seldom that they seek to alienate our congregation members from us by money, other promises and suspicions. So long, however, as we remain faithful in the confession of the truth, they will not attain their purpose.
You in North America have to do especially with Methodistical, Unionistic and such like abominations, as also with false brethren. — Mr. Steiner of Langenzenn I know well. About three years ago there came into my hands a circular letter of Dr. Barth in Calw to the Basel missionaries in India, in which the following communication stood: "Steiner has, in order to be able to marry his educated bride, gone over in America to the Reformed Church." Poor Steiner! thought I, and wrote on that account to Pastor Loschge in Langenzenn. He thought it might be a groundless rumour. But Dr. Barth must know the matter better. — Dumser, thine own rival, is, I believe, also from Bavaria, from Mkt. Steft. Those are lovable people, who slay thee behind thy back with the tongue, and then yet demand that thou shouldst be their good friend. — Thou hast surely also some years ago read in Pastor Löhe's Nordamerikanischen Nachrichten a letter from India to Dr. Barth and the elucidations upon it by Pastor Löhe. Missionary Lechler wrote it, also a pupil from the Basel institution. This good friend feigned friendship to our Brother Ochs to his very face, while he was writing in such a manner. Let us leave them to do as it so pleases them; they will reap neither before God nor men blessing and praise by it! — The position which Grabau and his adherents take toward you is distressing, since there is no doubt that among those congregations much churchly core and fidelity to the Confession is to be found.
I was myself for a little time in Prussia, began my official labours there among our Lutheran brethren, and have learned to know their struggle. They are faithful confessors; although it cannot be denied that the persecution suffered from the Unionists, and the manifold misjudgment experienced from those who stood with them on the same ground of confession, brought some angles into their views and begot not a little distrust. In Germany this is now gradually being smoothed out; those of the emigrants, on the other hand, who will no longer acknowledge any Lutheran Church outside themselves, entangle themselves the deeper, the more when their pastors have once got it into their heads that in them, and indeed only in them, the Church is personified. I believe also that it will be hard, before you could come to an agreement with Grabau; yet I will not despair of it.
The political and ecclesiastical troubles in which our dear fatherland is now involved are leading, in this time, no small number of Germans to America. How much the Church gains thereby, you will best perceive. The craving for freedom, unrestraint and licentiousness, the chiming in with the cry of those who say: Let us break their bands asunder, and cast away their cords from us! is just what makes so many restless and fugitive, and chases them from one land to another. The Church certainly gains not much in extent through them, still less in inward strength, although out of them also many a one, after long hunting and chasing after a vain phantom, may at last find freedom in the Lord. All things must serve the Church of the Lord and His children for the best, and so surely also the late sad events in Germany, and the rent condition still prevailing there in political and ecclesiastical respects.
The communications which thou madest me about thy domestic and family circumstances have greatly rejoiced me, and I wish that the Lord may let thee enjoy the happiness granted thee for a long time in peace and quiet. Greet thy dear ones most heartily, though unknown to me. — As for myself, I can say to the praise of the Lord that through His grace since my being here I have had the joy of almost undisturbed health. In my house, on the other hand, the Lord has made me drain the cup of joy and of sorrow in the course of one year. On the 29th of November 1848 I was married and lived 11 months in a most happy wedlock. But on the 6th of November 1849 the Lord took my dear, precious wife, in her first confinement, together with our newborn little son, from my side again to Himself. My grief was great; the wound struck by the Lord cut deep; yet the Word of our God refreshed me in my misery. He makes