Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 4 › Seite 27
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-10-14, Seite 27
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
27
vornämlich die: vom göttlichen Wort, von der evangelischen Freiheit, ja sogar die von der Rechtfertigung aus dem Glauben werden durch jene falsche Lehre mit gefälscht und beschädigt.
Unterläßt aber die bischöfliche Kirche Englands diese Reinigung von jenem alten gesetzlichen Sauerteig, so möchte schwerlich die jetzige Titel-Bill, auch wenn sie völlig durchgeht, nebst allen anderen Vorkehrungen und Maaßregeln der Staatsgewalt, resp. der Königin, als (sogen.) obersten Bischofs der englischen Kirche deren zunehmenden Rückfall in die römisch-papistische Kirche wesentlich aufhalten; denn was auch die Schwärmer und ihre Blätter, sammt deren Echo, dem Lutheran Observer, in ihrem fleischlichen Eifer wider das Papstthum dahergaukeln, als sei dasselbe jetzt mehr als je im Verfall, so möchte es sich vielleicht schon in Kurzem gar anders herausstellen und der Antichrist neue Kraft und Stärke bekommen. —
Predigt
über 2 Petri 1, 19 — 21.
gehalten vor der Evang. luther. Gemeine zu St. Louis im Monat August 1851, und auf Verlangen dem Druck übergeben
von A. B.
(Schluß.)
Endlich wer kann sich denken, daß die Weissagungen des A. T.s erst von den Jüngern nach der Erscheinung Christi auf Erden verfertigt seien, da doch die Juden lange vor Christo sie kannten! Woher harrten denn die zwölf Geschlechter Israels emsiglich Tag und Nacht auf den Messias? worauf hatte denn Simeon seine Bitte an den Herrn gegründet, Er möge ihn den ins Fleisch gekommenen Messias mit leiblichen Augen sehen lassen? woher hatten denn die Weisen im Morgenlande nach dem Stern des Messias ausgeschaut? woher gaben denn die Schriftgelehrten auf Herodes Anfrage, wo der Messias sollte geboren werden, den Bescheid: Zu Bethlehem im jüdischen Lande? woher wußten sie, daß der Messias David's Sohn war, und vieles Andere? endlich woher war sogar unter die Heiden das Gerücht von der Ankunft des Messias verbreitet, wie zwei namhafte römische Schriftsteller bezeugen *), indem sie sagen, es sei die Sage gegangen, daß um ihre Zeit Männer aus den Juden das Erdreich einnehmen würden? woher alles dies, wenn erst nachher von den Jüngern die Weissagungen erfunden wären!
*) Suetonius und Tacitus.
Hiernach ist offenbar, wer sich an die Vernunft hält, und den Regeln des gemeinen Menschenverstandes folgt: die Christen, die da glauben, daß die Weissagungen des A. T.s von den heiligen Männern, in deren Büchern sie sich finden, und zu verschiedenen Zeiten vor Christi Geburt geschrieben seien; oder die Gegner, die da wollen, die Weissagungen seien erst nach Geschehung der Thatsachen der N. Testamentlichen Geschichte, nach Maßgabe derselben, von den Aposteln in die Bücher des A. T.s hineingetragen worden, Wir meinen, es muß Jemand entweder den Glauben der Christen in diesem Puncte Beifall geben, oder auf allen Gebrauch der Vernunft und Achtung der Regeln des gemeinen Menschenverstandes Verzicht leisten.
Deonnch finden die Gegner wohl noch einen Ausweg. Dies führt uns auf den dritten Punct.
III.
Es sagt vielleicht Jemand: hält's sich auch mit den Weissagungen so, wie die Christen glauben, so hält's sich doch wol nicht so mit der Erfüllung derselben; sie sind vielleicht gar nicht geschehen, oder erst von den Jüngern nach Anleitung der Weissagungen veranstaltet. Hier haben wir uns wie vorhin wieder aus bewußtem Grunde zur Gelassenheit zu ermuntern.
Nun sollte man kaum glauben, daß es Menschen geben könnte, wenigstens solche, die sich auf die Vernunft berufen, die behaupten, die Begebenheiten des N. T.s hätten nicht Statt gefunden. Hätten sie nicht Statt gefunden, woher rührte denn die Christenheit! Ich frage, wären nie Europäer, namentlich Engländer, in dies Land eingewandert, woher rührte denn das amerikanische Volk mit seiner Sprache und seinen Eigenthümlichkeiten? Hätten jene Begebenheiten der evangelischen Geschichte nicht Statt gefunden, woher rührten denn die Feste in der Christenheit, die uralt sind: Weihnachten, Charfreitag, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, der kleinern nicht zu gedenken! Ich frage, hätte das amerikanische Volk sich nie von der Herrschaft Englands losgemacht, woher denn die Feier des vierten Juli? Hätten die Begebenheiten der evangelischen Geschichte nicht Statt gefunden woher behaupten denn nicht nur alle Christen dieselben, sondern legen auch deren Feinde: die Heiden, die Juden, die Mahomedaner Zeugniß dafür ab! Ich frage, wären nie Europäer besonders Engländer hierher eingewandert, hätte, sich das americanische Volk nie frei gemacht, woher denn ihre eigenen Nachrichten, und die der Engländer und aller anderen Völker darüber?
Wer also der Vernunft und den Regeln des gemeinen Menschenverstandes zu folgen meint, wenn er an die Wahrheit der Thatsachen, die der Entstehung des amerikanischen Volks zu Grunde liegen, glaubt, weil das Dasein dieses Volkes weil seine Nationalfeste, weil die gesammte Geschichte dafür zeugt, der muß es auch für vernünftig, und den Regeln des gemeinen Menschenverstandes angemessen halten, an die Thatsachen, die der Entstehung der christlichen Kirche zu Grunde liegen, d. i. den, in den Evangelien mitgetheilten, Begebenheiten zu glauben; ja in noch viel höherem Grade, weil hier die Umstände, die zum Glauben bewegen, noch viel augenfälliger sind, und noch viel lauter reden.
Aber, werden Einige sagen, daß die Begebenheiten, die in der evangelischen Geschichte erzählt werden, sich wirklich zugetragen haben, leugnen wir auch nicht; wir behaupten nur, daß sie nicht von Gott herbeigeführt sind, um die Weissagungen zu erfüllen; sondern daß sie von Menschen die dabei ihre besondern Absichten hatten, so veranstaltet sind, daß sie mit den Weissagungen übereinstimmen.
Laßt uns sehen, ob diese Behauptung vernünftiger ist, als irgend eine der frühern Annahmen der Gegner.
Wer sollten denn nun die Menschen, die jene Begebenheiten veranstalteten, sein? etwa die Jünger? Aber zu den Begebenheiten, die die Erfüllung der messianischen Weissagungen ausmachen, gehören ja auch Begebenheiten, die sich zutrugen, ehe die Jünger zu Jahren gekommen, oder auch nur geboren waren. Oder etwa irgend eine geheime, mächtige Gesellschaft oder Orden, in deren Dienst auch die Jünger standen? Aber von solcher ist ja keine Spur.
Doch abgesehen auch davon, daß die Jünger nicht haben veranstalten können, was vor ihrer Zeit geschehen ist, und daß es hieße, einem Hirngespinnst folgen, wollte man hier das Dasein einer geheimen mächtigen Verbindung voraussetzen—wäre es dennoch der Vernunft gemäß, und im Einklang mit den Regeln des gemeinen Menschenverstandes, anzunehmen, daß irgend welche Menschen diese Begebenheiten herbeigeführt haben? Wir geben Folgendes zu bedenken. Handelte es sich nur um ein einzelnes Ereigniß, z. B. bestände die ganze Erfüllung der Weissagung darin, daß der Herr auf einer Eselin in Jerusalem eingezogen wäre, so müßten wir allerdings zugeben, daß Menschen dies Ereigniß aus eigener Macht hätten veranstalten können. Aber hier ist mehr als ein Ereigniß, hier ist eine Kette von Ereignissen, und es ist keine Weissagung im Alten Testament auf die Erscheinung des Messias nachzuweisen, die nicht in Erfüllung gegangen wäre. Wie hätten Menschen sie alle ohne Ausnahme erfüllen können? Aber noch mehr. Es sind Begebenheiten dabei, deren Vollbringung in keines Menschen Hand steht. Der Messias sollte erscheinen, wenn das Scepter Juda entrissen wäre. Dies geschah durch die Römer. Die Jünger, oder jene erdachte geheime Gesellschaft hätten also die Römer bestellen müssen, die Juden zu unterjochen, und die Juden, sich unterjochen zu lassen. Ferner, es stand geschrieben, daß der Messias aus Davids Stamm zu Bethlehem geboren werden, und viel leiden, und am Kreuze sterben würde. Da hätten die Jünger, oder jene geheime Gesellschaft veranstalten müssen, daß ein Kind aus Davids Geschlecht in Bethlehem geboren würde; hätten Herodes bestellen müssen, den Bethlehemitischen Kindermord zu begehen; hätten die Juden bestellen müssen, Jesum anzufeinden, zu verfolgen und seinen Tod zu beschließen; hätten Judam bestellen müssen, Jesum um dreißig Silberlinge zu verrathen, Jesum aber, unschuldig zu leiden und des Todes am Kreuze zu sterben, damit er ihnen ihre Pläne ausführen hülfe; hätten Pilatum bestellen müssen, Jesum zu kreuzigen u. s. w.; deß noch nicht einmal zu gedenken, daß auch vom Messias geweissagt war, er werde Wunder thun, und nachdem er gestorben und begraben am dritten Tage wieder auferstehen, was denn jene Menschen, um die Weissagungen zu erfüllen, auch hätten bewerkstelligen
English translation AI translation
27
namely, those concerning the divine Word, evangelical liberty, yea, even that of justification by faith, are by that false doctrine likewise falsified and damaged.
But if the Episcopal church of England neglects this purging away of that old legal leaven, then the present Titles Bill, even if it passes completely, together with all other measures and regulations of the power of the State, namely of the Queen, as (so-called) supreme bishop of the English church, would hardly be able to halt in any essential way its increasing relapse into the Roman-papistic church; for whatever the enthusiasts and their papers, together with their echo, the Lutheran Observer, may prattle in their fleshly zeal against popery, as though it were now more than ever in decline, it might perhaps turn out quite otherwise in a short time, and Antichrist gain new strength and vigor. —
Sermon
on 2 Peter 1, 19 — 21.
delivered before the Evang. Luth. congregation at St. Louis in the month of August 1851, and given to the press at request
by A. B.
(Conclusion.)
Finally, who can imagine that the prophecies of the O. T. were first fabricated by the disciples after the appearance of Christ on earth, when the Jews knew them long before Christ! Whence, then, did the twelve tribes of Israel diligently wait, day and night, for the Messiah? Upon what had Simeon grounded his prayer to the Lord that He would let him see with bodily eyes the Messiah come in the flesh? Whence had the wise men in the East looked for the star of the Messiah? Whence did the scribes give, on Herod's inquiry where the Messiah should be born, the answer: At Bethlehem in the land of Judea? Whence did they know that the Messiah was David's Son, and much else? Finally, whence was the rumor of the coming of the Messiah spread even among the heathen, as two noted Roman writers bear witness *), saying that the report had gone abroad that about their time men out of the Jews would take possession of the earth? Whence all this, if the prophecies were first devised afterwards by the disciples!
*) Suetonius and Tacitus.
From this it is manifest, to whoever holds to reason and follows the rules of common sense: the Christians, who believe that the prophecies of the O. T. were written by the holy men in whose books they are found, and at various times before the birth of Christ; or the opponents, who would have it that the prophecies were first read into the books of the O. T. by the Apostles after the occurrence of the facts of the N. Testament history, according to the measure of the same. We think that one must either give his assent to the faith of the Christians on this point, or renounce all use of reason and regard for the rules of common sense.
Nevertheless the opponents will perhaps still find a way out. This leads us to the third point.
III.
Someone says, perhaps: Even if the matter stands with the prophecies as the Christians believe, yet it surely does not stand so with the fulfillment of them; perhaps they never happened at all, or were first arranged by the disciples according to the guidance of the prophecies. Here, as before, we have to encourage ourselves to composure out of a well-grounded reason.
Now one should hardly believe that there could be men, at least such as appeal to reason, who assert that the events of the N. T. did not take place. Had they not taken place, whence then arose Christendom! I ask, had Europeans, particularly Englishmen, never immigrated into this country, whence then arose the American people with its language and its peculiarities? Had those events of the evangelical history not taken place, whence then arose the festivals in Christendom which are of great antiquity: Christmas, Good Friday, Easter, Ascension, Pentecost, not to mention the lesser ones! I ask, had the American people never freed itself from the dominion of England, whence then the celebration of the fourth of July? Had the events of the evangelical history not taken place, whence is it that not only all Christians affirm them, but their enemies also, the heathen, the Jews, the Mohammedans, bear testimony to them! I ask, had Europeans, particularly Englishmen, never immigrated hither, had the American people never made itself free, whence then their own reports, and those of the English and of all other peoples about it?
Whoever, therefore, thinks to follow reason and the rules of common sense, when he believes in the truth of the facts that lie at the foundation of the origin of the American people, because the existence of this people, because its national festivals, because the whole of history testifies to it, must also hold it reasonable, and in accordance with the rules of common sense, to believe in the facts that lie at the foundation of the origin of the Christian church, that is, the events related in the Gospels; yea, in a much higher degree, because here the circumstances which move to faith are much more evident, and speak much more loudly.
But, some will say, that the events which are narrated in the evangelical history actually occurred we do not deny either; we only assert that they were not brought about by God in order to fulfill the prophecies; but that they were so arranged by men, who had their particular designs in doing so, that they agree with the prophecies.
Let us see whether this assertion is more reasonable than any of the earlier assumptions of the opponents.
Who, then, should the men be who arranged those events? Perhaps the disciples? But among the events which constitute the fulfillment of the messianic prophecies there belong also events which took place before the disciples had come to years, or were even born. Or perhaps some secret, powerful society or order, in whose service the disciples also stood? But of such there is not a trace.
But apart also from this, that the disciples could not have arranged what happened before their time, and that it would be to follow a chimera should one here suppose the existence of a secret powerful association—would it nevertheless be in accordance with reason, and in harmony with the rules of common sense, to assume that any men whatever brought these events about? We give the following to consider. If it were a matter only of a single event, e. g., if the whole fulfillment of the prophecy consisted in the Lord's having entered Jerusalem upon an ass, we should indeed have to concede that men could have arranged this event by their own power. But here is more than one event, here is a chain of events, and there is no prophecy in the Old Testament concerning the appearance of the Messiah that can be shown not to have been fulfilled. How could men have fulfilled them all without exception? But more still. There are events among them whose accomplishment lies in no man's hand. The Messiah was to appear when the sceptre should be taken from Judah. This came to pass through the Romans. The disciples, or that imagined secret society, would therefore have had to order the Romans to subjugate the Jews, and the Jews to let themselves be subjugated. Further, it stood written that the Messiah should be born of David's line at Bethlehem, and suffer much, and die on the cross. Then the disciples, or that secret society, would have had to arrange that a child of David's lineage should be born in Bethlehem; would have had to order Herod to commit the Bethlehemite massacre of the children; would have had to order the Jews to be hostile to Jesus, to persecute Him and to resolve on His death; would have had to order Judas to betray Jesus for thirty pieces of silver, but Jesus to suffer innocently and to die the death of the cross, that He might help them carry out their plans; would have had to order Pilate to crucify Jesus, etc.; not even to mention that it was also prophesied of the Messiah that He would do miracles, and, after He had died and been buried, would rise again on the third day, which things those men, in order to fulfill the prophecies, would also have had to accomplish