Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 17 › Seite 132
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-04-13, Seite 132
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und nach ihrem ganzen Wesen immer mehr geheiligt und in sein Bild verklärt werden. Bist du aber ein Christ, ist dir's denn nicht genug, wenn du hörst: Daß ich immer völliger werde, das ist das Gebot meines Gottes? Oder willst du etwa sprechen: Da ich durch die Heiligung nicht selig werden kann und soll, so will ich auch der Heiligung nicht nachjagen, obgleich sie Gottes Wille ist? das sei ferne.
Aber noch mehr! Der heilige Apostel sagt ferner am Schlusse unserer Epistel auch dieses: „Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung.“ Hieraus ersehen wir, eben darum sind wir in das Reich der Gnade berufen, damit wir durch die Gnade zur Heiligung kommen. Die Heiligung ist das letzte Ziel des ganzen Werkes unserer Seligmachung; eben darum werden uns die Sünden vergeben, damit wir von der Sünde befreit werden können; eben darum hat uns Gott der Vater aus Gnaden zu seinen Kindern in der heiligen Taufe angenommen, damit wir nun als seine Kinder wandeln; eben darum sind wir durch Gott den Sohn nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen theuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben erlös't, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und der Gewalt des Teufels: auf daß wir sein eigen sein und in seinem Reiche unter ihm leben und ihm dienen, in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit; eben darum hat uns Gott der heilige Geist durch das Evangelium berufen, daß er uns auch mit seinen Gaben erleuchte, und im rechten Glauben heilige und erhalte. Wer ein Christ geworden ist, der ist also damit zum Lauf nach dem Himmel, zum Kampf gegen die Sünde, und zum heiligen Priesterthum Gottes berufen. Wer daher wohl ein begnadigter Christ sein, aber in der Heiligung nicht fort und fort wachsen will, der will ein Läufer sein und nicht laufen, der will ein Kämpfer sein und nicht kämpfen, der will ein Opferpriester Gottes sein und nicht opfern, der verleugnet daher, daß er ein Christ ist.
Doch, m. L., der heilige Apostel geht noch weiter und schärft die Nothwendigkeit der Heiligung uns noch ernstlicher ein, indem er spricht: „Daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß Niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen Bruder im Handel; denn der HErr ist der Rächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeugt haben.“ Ihr sehet, der heilige Apostel erinnert hier selbst die Christen, wenn sie der Heiligung nicht nachjagen, sondern der Sünde wieder Raum geben wollen, an Gottes Rache und Zorn. Das scheint nun freilich fast zu viel zu sein, daß selbst begnadigten Christen, wenn sie in der Heiligung nicht völliger werden wollen, mit Gottes Zorn und Rache gedroht werden. Aber laßt uns das nicht befremden. Der Grund ist dieser: Zwar macht die Heiligung nicht zu einem Christen (vielmehr kann der Mensch erst dann der Heiligung nachjagen, wenn er schon vorher ein Christ geworden ist), allein ein Christ sein und der Heiligung nicht nachjagen, das ist unmöglich.
Wie es in der Natur überall, wo Leben ist, keinen Stillstand gibt, wie in der Natur ein ewiges Regen und Bewegen und Fortschreiten statt findet, so gibt es auch im Reiche der Gnade, im Christenthum, keinen Stillstand. Wer in seinem Christenthum nicht vorwärts geht, der steht nicht still, wie er meint, sondern geht rückwärts; und wie ein Kind, wenn es nicht wächst, gewiß kränkelt und siecht, und wie ein Baum, der keine neuen Zweige mehr treibt, gewiß dem Absterben sich naht: so kränkelt und siecht und stirbt der Christ geistlich ab, welcher nicht in Erleuchtung seines Verstandes durch immer bessere Erkenntniß der Wahrheit, in der Reinigung und Erneurung seines Herzens und im Eifer des Lebens in guten Werken zunimmt. Und wie das Kränkeln und Siechen des Kindes endlich zum Tode und das Absterben des Baumes zum Sterben und Dahinfallen kommt, so muß auch der Christ, der in der Heiligung immer weiter zurückbleibt, endlich geistlich sterben und wieder dahinfallen in die Herrschaft der Sünde.
Ach, m. Th., es ist hier wahrlich kein Scherz zu treiben; Tausende und aber Tausende sind schon begnadigte Christen gewesen, und weil sie die tägliche Buße und den Eifer in der Heiligung scheuten, entweder langsam wieder in den geistlichen Tod dahin gesunken, oder im Sturme der Versuchung zum Unglauben oder zur Sünde plötzlich dahin gefallen, um nie wieder aufzustehen. Sie waren einst lebendige Glieder an dem Leibe Jesu Christi, grüne Zweige an seinem Weinstock und eifrige Kämpfer in den Reihen der streitenden Kirche, aber später mußten sie entweder abgeschnitten werden, als ansteckende faule Glieder, oder sie verließen selbst die Fahnen des Herzogs ihrer Seligkeit, oder sie hingen doch nur wie verdorrte Zweige am Baume des Gnadenreichs und jetzt liegen sie, ewig ausgeschlossen von der Gemeinschaft der triumphirenden Kirche im Himmel, in dem schauerlichen Gefängniß der Verlorenen, daraus keine Rettung, keine Erlösung, keine Rückkehr ist. O welche Hölle muß gerade der vor andern in der Hölle empfinden, der einst schon in Gnaden war, und nun verbannt ist von Christi Angesicht auf ewig! Der schon hier einmal schmeckte die Kräfte der zukünftigen Welt und das gütige Wort Gottes, und dort ewig trinken muß aus dem Kelch des Zornes Gottes, ohne einen Strahl von Hoffnung, je wieder eine Empfindung des Friedens und der Freude zu erfahren! O unaussprechlicher Jammer! O namenloses Herzeleid! — Darum, o Christ, laß dir gesagt sein, was der HErr spricht: „Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das sage ich euch, darnach trachten, wie sie hineinkommen, und werden es nicht thun können;“ und was der Apostel schreibt: „Schaffet, daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.“ Jenes alte Lied ruft dir daher zu:
Ringe recht, wenn Gottes Gnade,
Dich nun ziehet und bekehrt,
Daß dein Geist sich recht entlade
Von der Last, die ihn beschwert.
Ringe, denn die Pfort' ist enge,
Und der Lebensweg ist schmal,
Hier bleibt alles im Gedränge,
Das nicht zielt zum Himmelssaal.
Hast du schon die Perl' errungen,
Denke ja nicht, daß du nun
Alles Böse hast bezwungen,
Das uns Schaden pflegt zu thun.
Nimm mit Furcht ja deiner Seele,
Deines Heils mit Zittern wahr.
Hier in dieser Leibeshöhle
Schwebst du täglich in Gefahr.
Halt ja deine Krone feste,
Halte männlich, was du hast;
Recht beharren ist das Beste,
Rückfall ist ein böser Gast.
Ach bedenket's wohl, ihr Streiter,
Streitet recht und fürchtet euch;
Geht doch alle Tage weiter,
Bis ihr kommt in's Himmelreich.
Eilet, lauft dem Herrn entgegen,
Sprecht: Mein Licht, ich bin bereit,
Nun mein Hüttlein abzulegen,
Mich dürst't nach der Ewigkeit. Amen!
Reisebericht des Redakteurs.
(Fortsetzung.)
Als wir nach Bayern kamen, fanden wir die dortigen kirchlichen Verhältnisse in ein neues Stadium fortgerückt. Das Oberconsistorium hatte eben auf die, von Herrn Pastor Löhe und mehreren demselben befreundeten Amtsgenossen eingegebenen Klagen, den rechtlichen Bestand der lutherischen Kirche in Bayern betreffend, ein Rescript erlassen. In diesem Rescript waren die Bedenken der letzteren für ungegründet erklärt, denselben der ungekränkte Bestand einer lutherischen Kirche in Bayern zugesichert und das Verbleiben in derselben zur Gewissenspflicht gemacht worden. Eine gemeinsame Besprechung war nöthig. Eine solche war denn auf den 9. Oktober anberaumt worden. Sie wurde in Schwabach gehalten. Die Einladung Herrn Pastor Löhe's, dabei mit gegenwärtig zu sein, nahmen wir natürlich mit großer Freude an. Das Resultat der Besprechungen ist bereits mitgetheilt worden; es bestand, um es hier mit Wenigem zu wiederholen, der Hauptsache nach darin, daß die Betheiligten eine schriftliche Erklärung an das Oberconsistorium des Inhaltes aufsetzten und unterzeichneten, daß sie zwar auf Grund der Zusicherung des Oberconsistoriums, der Besserung wartend, im Complex der Landeskirche verharren wollten, daß sie aber von aller in derselben gepflogenen gemischten Abendmahlsgemeinschaft (zwischen Lutheranern und Reformirten oder Unirten) sich hierdurch schriftlich und von nun an auch thatsächlich lossagen müßten. Dieser Schritt, die Ausführung eines hier auch von uns vertretenen Grundsatzes, hatte natürlich unsere vollste Billigung. — Von großer Wich-
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and according to their whole being be ever more sanctified and transfigured into His image. But if thou art a Christian, is it not enough for thee when thou hearest: That I become ever more complete, that is the commandment of my God? Or wilt thou perhaps say: Since I cannot and shall not be saved by sanctification, I will not pursue sanctification either, although it is God's will? God forbid.
But more still! The holy Apostle says further, at the close of our Epistle, also this: "For God hath not called us unto uncleanness, but unto holiness." From this we see, precisely for this reason are we called into the kingdom of grace, that through grace we may come to sanctification. Sanctification is the last goal of the whole work of our salvation; precisely for this reason our sins are forgiven us, that we may be able to be freed from sin; precisely for this reason has God the Father in grace received us as His children in holy Baptism, that we may now walk as His children; precisely for this reason are we redeemed, purchased and won by God the Son, not with gold or silver, but with His holy, precious blood and with His innocent suffering and death, from all sins, from death and from the power of the devil: that we may be His own, and live under Him in His kingdom and serve Him in everlasting righteousness, innocence and blessedness, even as He is risen from the dead, lives and reigns to all eternity; precisely for this reason has God the Holy Ghost called us by the Gospel, that He might also enlighten us with His gifts, and sanctify and preserve us in the true faith. He who has become a Christian is thereby called to the race toward heaven, to the battle against sin, and to the holy priesthood of God. Whoever, therefore, would indeed be a Christian under grace, but will not grow on and on in sanctification, wants to be a runner and not run, wants to be a fighter and not fight, wants to be a sacrificing priest of God and not sacrifice, and thereby denies that he is a Christian.
Yet, my dear hearers, the holy Apostle goes still further and impresses upon us the necessity of sanctification still more earnestly, in that he says: "That ye should abstain from fornication: that every one of you should know how to possess his vessel in sanctification and honor; not in the lust of concupiscence, even as the Gentiles which know not God: that no man go beyond and defraud his brother in any matter: because that the Lord is the avenger of all such, as we also have forewarned you and testified." You see, the holy Apostle himself here reminds Christians, when they will not pursue sanctification but want to give sin room again, of God's vengeance and wrath. This indeed seems almost too much, that even Christians under grace, if they will not become more complete in sanctification, are threatened with God's wrath and vengeance. But let us not be surprised at this. The reason is this: To be sure, sanctification does not make one a Christian (rather, man can only then pursue sanctification when he has already become a Christian beforehand), but to be a Christian and not to pursue sanctification, that is impossible.
As in nature, wherever there is life, there is no standstill, as in nature an eternal stirring and moving and advancing takes place, so also in the kingdom of grace, in Christianity, there is no standstill. Whoever does not go forward in his Christianity does not stand still, as he supposes, but goes backward; and as a child, if it does not grow, certainly sickens and pines, and as a tree which puts forth no more new branches is certainly approaching death: so the Christian sickens and pines and dies spiritually who does not increase in the enlightenment of his understanding through ever better knowledge of the truth, in the purification and renewal of his heart, and in zeal of life in good works. And as the sickening and pining of the child comes at last to death, and the dying of the tree to perishing and falling down, so also the Christian who falls ever farther behind in sanctification must at last die spiritually and fall down again into the dominion of sin.
Ah, my dear friends, there is truly no jesting here; thousands and again thousands have already been Christians under grace, and because they shrank from daily repentance and from zeal in sanctification, have either slowly sunk back again into spiritual death, or in the storm of temptation have suddenly fallen into unbelief or into sin, never to rise again. They were once living members of the body of Jesus Christ, green branches on His vine, and zealous fighters in the ranks of the Church militant, but later they had either to be cut off as infectious, rotten members, or they themselves forsook the banners of the Captain of their salvation, or they hung only like withered branches on the tree of the kingdom of grace, and now they lie, eternally shut out from the fellowship of the Church triumphant in heaven, in the dreadful prison of the lost, from which there is no rescue, no redemption, no return. O what a hell must he feel in hell beyond others who was once already in grace, and is now banished from Christ's countenance forever! Who even here once tasted the powers of the world to come and the good Word of God, and there must drink eternally of the cup of God's wrath, without a ray of hope ever again to experience a feeling of peace and joy! O unspeakable misery! O nameless heartache! — Therefore, O Christian, let it be said to thee what the Lord says: "Strive to enter in at the strait gate: for many, I say unto you, will seek to enter in, and shall not be able;" and what the Apostle writes: "Work out your own salvation with fear and trembling." That old hymn therefore calls out to thee:
Strive aright, when God's grace
Now draws thee and converts,
That thy spirit may rightly be unburdened
Of the load that weighs upon it.
Strive, for the gate is narrow,
And the way of life is strait,
Here all stays in the press,
That aims not toward the hall of heaven.
Hast thou already won the pearl,
Think not that thou hast now
Conquered all evil
That is wont to do us harm.
Take heed with fear of thy soul,
Of thy salvation with trembling.
Here in this body's cave
Thou hoverest daily in danger.
Hold fast thy crown,
Hold manfully what thou hast;
To persevere aright is best,
Relapse is an evil guest.
Ah, consider it well, ye warriors,
Fight aright and fear;
Go on every day further,
Till ye come into the kingdom of heaven.
Hasten, run to meet the Lord,
Say: My Light, I am ready,
Now to lay down my little tent,
I thirst for eternity. Amen!
Report of the Editor's Journey.
(Continuation.)
When we came to Bavaria, we found the ecclesiastical conditions there advanced to a new stage. The Upper Consistory had just issued a rescript in response to the complaints submitted by Pastor Löhe and several fellow officeholders friendly to him, concerning the legal standing of the Lutheran Church in Bavaria. In this rescript the scruples of the latter were declared unfounded, the unimpaired standing of a Lutheran Church in Bavaria was assured to them, and remaining in it was made a matter of conscience. A joint conference was necessary. Such a one had accordingly been appointed for the 9th of October. It was held at Schwabach. The invitation of Pastor Löhe to be present at it we accepted, of course, with great joy. The result of the discussions has already been communicated; it consisted, to repeat it here in brief, in the main in this, that those concerned drew up and signed a written declaration to the Upper Consistory to the effect that, on the ground of the assurance of the Upper Consistory, awaiting improvement, they were indeed willing to remain within the complex of the territorial church, but that they must herewith renounce in writing, and from now on also in fact, all mixed communion fellowship practiced in it (between Lutherans and Reformed or Unionists). This step, the carrying out of a principle also maintained by us here, naturally had our fullest approval. — Of great Wich-