Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 17 › Seite 134
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-04-13, Seite 134
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Schritte Herrn Pastor Löhe's zur Reformation der bayerischen Landeskirche und resp. der lutherischen dieses Landes durchaus mißbilligen zu müssen und mit demselben das Werk nicht Hand in Hand treiben zu können glaubten. So wenig es uns nun beikommen konnte, über alles Einzelne in dieser uns zum theil fremden Angelegenheit ein Endurtheil uns erlauben zu wollen, so mußten wir doch gerade in der Hauptsache, in der beantragten unverzüglichen Abthuung der gemischten Abendmahlsgemeinschaft und in der Lossagung von derselben durch Wort und That, Herrn Pastor Löhe unbedingt Recht geben; da es sich in diesem Falle nicht um einen allenfalls noch zu duldenden Mißstand, sondern um eine Sünde, um eine Praxis handelt, welche die Kirche nicht nur entstellt, sondern das Wesen und den Bestand der Kirche selbst alterirt (ändert). Wir können es jedoch nicht genug rühmen, daß unser ehrerbietiger Widerspruch in diesem wie in dem ersteren Punkte nichts an der herzlichen Freundlichkeit änderte, mit welcher die Herren Professoren uns von Anfang an begegnet hatten.
Außer dem bereits Gemeldeten war es hauptsächlich noch zweierlei, was uns unsern Aufenthalt in Erlangen ebenso angenehm als fruchtbar machte. Erstlich genossen wir nehmlich hier nach des täglichen Umganges des dasigen Gerichtsassessors, Herrn Hommel's, eines der vertrautesten Freunde Herrn Pastor Löhe's. Zwar rief unser tägliches Zusammenkommen auch fast täglich einen harten Strauß hervor, über Kirche, Amt, Antichrist und dergleichen, allein Herr Assessor Hommel ist bei aller Entschiedenheit und Energie, mit welcher er auftritt, so grunddemüthig, bei aller dialektischen Gewandheit (d. h. im Disputiren) so grundbieder und offen, bei aller anscheinenden Härte im Urtheil ein so inniger, Gott von Herzen fürchtender Christ, daß durch alle Disputationen nie auch nur der Schatten einer Mißstimmung in unsere Gemeinschaft kommen konnte. Mit jedem Tage wurde uns der theure redliche Mann nur immer theurer und werther, und wir hoffen in ihm einen treuen, persönlichen sowohl, wie Freund unserer Kirche in Deutschland zurückgelassen zu haben. Herr Hommel hat jüngst eine vortreffliche musikalische Agende herausgegeben und dieselbe insonderheit seinen Glaubensgenossen in Amerika gewidmet; dieselbe gedenken wir nächstens ausführlich anzuzeigen, machen aber hier schon im Voraus auf dieses Werk insonderheit alle diejenigen der Herren Amtsbrüder aufmerksam, welche vielleicht schon längere Zeit den Mangel an den musikalischen Hilfsmitteln zu Ausführung einer möglichst vollständigen Gesangsliturgie für Prediger, Chor und Gemeinde schmerzlich gefühlt haben, und bemerken hier, daß sich mit vorangehender Anweisung darin Alles in meisterhafter Ausführung finde, was für den liturgischen Theil sowohl des öffentlichen, wie Hausgottesdienstes nöthig ist.
Der andere Umstand endlich, der uns unsern Aufenthalt in Erlangen so angenehm und fruchtbar machte, war, daß wir hier mit einer Schaar gottseliger Studirender bekannt wurden, mit denen wir bald fast täglich einen lebendigen Verkehr pflogen. Auch hier nehmlich hat sich (neben anderen allgemein christlichen Studentenverbindungen, wie die der sogenannten „Uttenreuther“) seit Kurzem eine confessionell-lutherische Studentenverbindung, unter dem Namen „Philadelphia“, als ein Absenker der Leipziger „Philadelphia“ und durch Anregung von dorther, gebildet. Die Glieder dieser Verbindung speisen täglich — da ihrer noch eine nur geringe Zahl ist — an Einer Tafel, an welcher auch wir zu wiederholten Malen erscheinen mußten. Wir suchten diesen jungen, eifrigen und hoffnungsvollen Männern vor allem dadurch nützlich zu werden, daß wir ihnen spendeten, was wir hier in unserer amerikanischen literarischen Armuth eben haben, daß wir nehmlich denselben die Schriften unserer alten Theologen anpriesen und sie auf die Schätze aufmerksam machten, die hier unter freilich weniger glänzender Form verborgen liegen, Schätze der Weisheit und Erkenntniß und Erfahrung, die man in den neueren theologischen Schriften vergeblich sucht. Wir zeigten ihnen, daß es ja freilich recht und ihr Beruf sei, sich auch mit den neueren Erzeugnissen auf dem Felde der Theologie und überhaupt der Religion genau bekannt zu machen, und daß es thöricht sein würde, zu leugnen, daß auch die neueren theologischen Arbeiten und Forschungen dem angehenden wie fortschreitenden Theologen eine gewiß nicht unbeträchtliche Ausbeute darbieten; daß es aber gerade jetzt, wo es auf dem Gebiete der theologischen Wissenschaften eben gähre und es fast noch nirgends zu einer rechten Klärung gekommen sei, vor allem noth thue, zunächst kennen zu lernen, und festzuhalten, was unsere frommen, treuen und wahrhaft gelehrten Väter bereits in ihren schweren großartigen Kämpfen erbeutet haben. Natürlich war es zuerst Luther, in dessen geist-, kraft- und lebenhauchende Schriften wir diese jungen Schüler der himmlischen Weisheit wiesen, Luther, in welchem, wie Dr. Rudelbach so schön und wahr sagt, „die Herzstätte der Entwickelung der evangelischen Lehre ist.“ Nach mündlichen und schriftlichen Erklärungen zu urtheilen, ist dieses unser Zeugniß auch nicht ohne reiche Frucht geblieben. Möge sie der HErr zur Reife bringen und die Hoffnung und die Bitte reichlich und überschwenglich erfüllen, welche einer der Studirenden in einem uns nachgesendeten Schreiben mit den Worten ausspricht: „Die Frucht der Stunden, die ich in Ihrer Nähe verleben durfte, wird der HErr in Gnaden zeitigen und mein einstiges Wirken in der Kirche des HErrn soll von dem Segen dieser Stunden zeugen.... Beten Sie für mich, daß ich ein treuer Haushalter über Gottes Geheimnisse einst sein möge. Ubi ecclesia, ibi patria.“ (Wo die Kirche, da mein Vaterland.) „Dies der Wahlspruch Ihres Ihnen durch Einen Glauben verbundenen ꝛc.“ Ich kann nicht unterlassen, hier die Namen dieser jungen Leute mitzutheilen; es sind folgende: P. Kellner, cand. rev. min. aus Schwirz in Preuß. Schlesien;*) F. Pöhlmann, cand. theol., aus Lorenzreuth in Oberfranken in Baiern; M. Frommel, stud. theol. aus Carlsruhe in Baden; A. Wagner, stud. theol. aus Dresden in Sachsen; J. Niemack, stud. theol. aus Kirchwehren bei Hannover; E. Kollmann, stud. jur. aus Grüssow in Mecklenburg-Schwerin, und Th. Merz, stud. theol. aus Greiz in Reuß. So hatten sich nehmlich dieselben in einem brüderlichen Ermunterungsschreiben unterzeichnet, welches sie mir an die Studenten in dem hiesigen Concordia-Seminar mitgegeben haben, um so einen geistigen Verkehr zwischen den Studenten diesseits und jenseits anzubahnen.
*) Es ist dies der Sohn des bekannten so standhaften Bekenners der Wahrheit unter den Predigern der separirten Preußischen Lutheraner, der noch immer in Schwirz das süße Evangelium mit jugendlicher Kraft und Munterkeit verkündigt.
(Fortsetzung folgt.)
(Eingesandt.)
Freundliche Bitte und Erinnerung der Gemeinden der Synode in Hinsicht auf Unterstützung des Seminars zu Fort Wayne.
Es ist den Lesern des Lutheraners und sonderlich den Gemeinden der Synode wohl bekannt, daß wir vor etwa drei Jahren ein Grundstück von 15 Ackern, eine Meile im Osten von der Stadt gelegen, darauf ein Backsteinhaus, ein Framehaus und eine Scheune nebst einem schönen Obstgarten befindlich, für den Preis von 2500 Dollars für unser hiesiges Seminar ankauften. Die Gemeinde von Fort Wayne steuerte dazu 1600, die des Herrn Pastor Jäbker 376 Dollars bei, und das noch Fehlende brachten andere, meist benachbarte Gemeinden auf.
Da sich indessen die Zahl der Zöglinge mehrte, auch die Wohnung für einen der Lehrer draußen war, so reichte gar bald der vorhandene Raum nicht aus, und wir waren genöthigt, vor ungefähr zwei Jahren ein neues Backsteinhaus von der Größe des alten, nämlich von vier Stuben nebst einem großen, von einem Giebel bis zum anderen reichenden Schlafsaal, anzubauen, das da wir stärkere Mauern vorzogen, nahe an 1000 Dollars kostete. — Da nun aber die Seminarkasse nicht im Stande war, die Kosten zu bestreiten, obwohl wir Geldmittel aus ihr mit aufwendeten, die, wie wir später aus Deutschland erfuhren, zu einem anderen Zwecke an die Seminarkasse eingesandt waren, so waren wir genöthigt, einige Schulden zu machen, die wir aber jetzt wieder abzutragen, gehalten sind.
Es werden deßhalb die Gemeinden unserer Synode und sonderlich die, welche schon wohlhabender sind, vielleicht auch ehemalige Zöglinge des Fort Wayner Seminars zu Pastoren oder Schullehrer haben, brüderlich gebeten, uns in dieser Noth doch um Christi willen freundlich zu Hülfe zu kommen; denn da die hiesige und einige
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steps of Pastor Löhe toward the reformation of the Bavarian state church and respectively of the Lutheran church of that land, and believed that they could not carry on the work hand in hand with him. As little as it could occur to us to permit ourselves a final judgment upon every detail in this matter, in part strange to us, yet we were obliged, precisely in the main point, in the proposed immediate abolition of mixed communion and in the renunciation of the same by word and deed, to give Pastor Löhe unqualified right; since in this case it is not a question of an abuse which might still be tolerated, but of a sin, of a practice which not only disfigures the Church but alters (changes) the very essence and existence of the Church itself. We cannot praise highly enough, however, that our respectful contradiction on this as on the former point changed nothing of the hearty friendliness with which the Professors had met us from the beginning.
Besides what has already been reported, there were chiefly two further things that made our stay in Erlangen as pleasant as it was fruitful. First, namely, we enjoyed here the daily intercourse of the Court Assessor of this place, Mr. Hommel, one of the most intimate friends of Pastor Löhe. To be sure, our daily meetings called forth almost daily a hard bout on Church, Ministry, Antichrist and the like; but Assessor Hommel, with all the decisiveness and energy with which he appears, is so thoroughly humble, with all his dialectical dexterity (that is, in disputing) so thoroughly upright and open, with all his apparent severity in judgment so sincere a Christian, fearing God from the heart, that through all the disputations never even the shadow of a discord could enter into our fellowship. With every day the dear, honest man became only dearer and more precious to us, and we hope to have left behind in him a faithful friend, personally as well as of our Church in Germany. Mr. Hommel has recently published an excellent musical Agenda and dedicated the same especially to his co-believers in America; we intend to review it in detail shortly, but already here call attention in advance to this work especially of all those of the brethren in the ministry who perhaps have for some time painfully felt the lack of musical aids for the performance of as complete a sung liturgy as possible for preacher, choir and congregation, and remark here that, with preceding instruction, everything is to be found in it in masterly execution which is needful for the liturgical part of public as well as of household worship.
The other circumstance, finally, that made our stay in Erlangen so pleasant and fruitful was that we here became acquainted with a company of godly students, with whom we soon had almost daily lively intercourse. Here also, namely, there has formed (besides other generally Christian student associations, such as that of the so-called "Uttenreuther") for a short time a confessional Lutheran student association, under the name "Philadelphia," as an offshoot of the Leipzig "Philadelphia" and through impulse from that quarter. The members of this association dine daily — since their number is still only small — at one table, at which we too had to appear on repeated occasions. We sought to be useful to these young, zealous and hopeful men above all by imparting to them what we have here in our American literary poverty, namely, by commending to them the writings of our old theologians and calling their attention to the treasures which lie hidden here under a form, to be sure, less brilliant, treasures of wisdom and knowledge and experience which one seeks in vain in the more recent theological writings. We showed them that it is indeed right and their calling to make themselves thoroughly acquainted also with the more recent products in the field of theology and of religion in general, and that it would be foolish to deny that the more recent theological labors and researches also offer to the beginning as well as the advancing theologian a certainly not inconsiderable yield; but that just now, when there is a ferment in the field of theological sciences and it has scarcely yet come anywhere to a proper clarification, it is above all necessary first to learn and to hold fast what our pious, faithful and truly learned fathers have already won in their severe, mighty conflicts. Naturally it was first of all Luther, to whose spirit-, power- and life-breathing writings we pointed these young disciples of heavenly wisdom, Luther, in whom, as Dr. Rudelbach so beautifully and truly says, "is the hearth of the development of the evangelical doctrine." Judging by oral and written declarations, this our testimony has also not remained without rich fruit. May the LORD bring it to maturity and abundantly and exceedingly fulfil the hope and the petition which one of the students expresses in a letter sent after us in the words: "The fruit of the hours which I was permitted to spend in your presence the LORD will in grace bring to ripeness, and my future labor in the Church of the LORD shall bear witness of the blessing of these hours.... Pray for me, that I may one day be a faithful steward of the mysteries of God. Ubi ecclesia, ibi patria." (Where the Church is, there is my fatherland.) "This the motto of your" (united with you by one faith) "etc." I cannot refrain from communicating here the names of these young people; they are as follows: P. Kellner, cand. rev. min., from Schwirz in Prussian Silesia;*) F. Pöhlmann, cand. theol., from Lorenzreuth in Upper Franconia in Bavaria; M. Frommel, stud. theol., from Carlsruhe in Baden; A. Wagner, stud. theol., from Dresden in Saxony; J. Niemack, stud. theol., from Kirchwehren near Hanover; E. Kollmann, stud. jur., from Grüssow in Mecklenburg-Schwerin, and Th. Merz, stud. theol., from Greiz in Reuss. Thus, namely, they had signed themselves in a brotherly letter of encouragement, which they gave me for the students in the Concordia Seminary here, in order thus to open a spiritual intercourse between the students on this side and on that.
*) This is the son of the well-known, so steadfast confessor of the truth among the preachers of the separated Prussian Lutherans, who still in Schwirz proclaims the sweet Gospel with youthful strength and cheerfulness.
(To be continued.)
(Submitted.)
Friendly Request and Reminder to the Congregations of the Synod Regarding Support of the Seminary at Fort Wayne.
It is well known to the readers of the Lutheraner, and especially to the congregations of the Synod, that about three years ago we bought for our seminary here a piece of ground of 15 acres, situated one mile east of the town, on which stand a brick house, a frame house and a barn, together with a fine orchard, for the price of 2500 dollars. The congregation of Fort Wayne contributed 1600 toward it, that of Pastor Jäbker 376 dollars, and the remainder was made up by other, mostly neighboring congregations.
As the number of pupils meanwhile increased, and the dwelling of one of the teachers was also outside, the available room soon proved insufficient, and about two years ago we were obliged to build a new brick house of the size of the old one, namely of four rooms together with a large dormitory extending from one gable to the other, which, as we preferred stronger walls, cost nearly 1000 dollars. — Since now the seminary treasury was not in a position to defray the costs, although we expended funds from it which, as we learned later from Germany, had been sent to the seminary treasury for another purpose, we were obliged to incur some debts, which we are now bound to pay off again.
The congregations of our Synod, therefore, and especially those which are already better off, and perhaps also have former pupils of the Fort Wayne Seminary as pastors or schoolteachers, are brotherly entreated to come kindly to our help in this need for Christ's sake; for since the local and some