Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 21 › Seite 162
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-06-08, Seite 162
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kanzelgemeinſchaft 6
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jeder thunlichen Förderung der Sache der Kirche in Amerika freundlich seine Hand.
Am Abend kehrte ich wieder nach Leipzig zurück. Bei dem diesmaligen nur sehr kurzen Aufenthalte in dieser Stadt während des folgenden Vormittags hatte ich die Freude, in dem Hause Herrn Dr. Marbach's mit dem Professor der Archäologie Seyffarth zusammenzutreffen. Mit Vergnügen erinnerte ich mich noch der höchst interessanten Vorlesungen dieses grundgelehrten Mannes, in denen ich einst als jüngst erweckter Student mit Erstaunen gehört hatte, wie die Resultate gerade der gründlichsten chronologisch-archäologischen Forschungen immer die überraschendsten Bestätigungen der geschichtlichen Wahrheit der heiligen Schrift enthalten. Meine Freude war aber um so größer, da ich in diesem alten geliebten Lehrer wider Erwarten jetzt auch einen entschiedenen Lutheraner wiederfand. Eine gleiche Freude bereitete mir das Wiedersehen zweier junger Männer, welche einst meine Schüler gewesen waren und gegenwärtig die reine lutherische Lehre mit großen Eifer in Wort und That bekennen; der eine ist der Sohn des bekannten, noch immer rüstigen Dr. Volkmann in Leipzig, welcher (der Sohn) eben die Designation zu einem lutherischen Pfarramt erhalten hatte; der andere ist ein Student der Rechtswissenschaft, Richard Löber, ein Neffe des seligen Pastor Löber zu Altenburg, in Perry County, Missouri.
Unser nächstes Reiseziel war Preußisch-Minden und die Umgegend, dahin Wyneken mir bereits vorausgereist war und dahin ich nun Mittags, den 2. Dezember von Leipzig aus ihm nachreiste. In Folge eines unterwegs gehabten Aufenthalts kam ich erst am nächsten Tage ohngefähr um dieselbe Zeit dort an. Die Veranlassung dazu, hierher zu reisen, war diese: in dieser Gegend haben viele Glieder unserer Gemeinden nahe leibliche und geistliche Verwandte, auch zum Theil ihre vormaligen Seelsorger; daher sie herzlich wünschten, daß wir auch diese Gegend besuchen und ein Zeugniß von unserem Glauben ablegen möchten; um so mehr, da hier viele jener ihrer zurückgelassenen Glaubensgeschwister, ohne es zu wissen, in den Banden der Union gefangen liegen und, durch von Amerika aus erhaltene Nachrichten verleitet, jetzt wohl gar von ihren nach Amerika gegangenen Glaubensgenossen besorgen, daß selbige ihrem vormaligen rechten Glauben untreu geworden seien, indem sie sich hier den so genannten „Altlutheranern“ angeschlossen haben.*) Ein Glied der St. Louiser lutherischen Gemeinde, welches mit uns von St. Louis aus abgereist war, um in seiner Heimath zu Ordnung seiner Familienangelegenheiten einen Besuch abzustatten, Herr Friedrich Lange, erwartete uns in Minden, und von demselben wurden wir nun in verschiedene Kreise erweckter Christen jener Gegend eingeführt. Mit Erstaunen sahen wir, daß hier in Westphalen nicht nur ein Erweckungsfeuer, insonderheit unter den Landbewohnern, ausgebrochen sei, wie in wenigen anderen Gegenden Deutschlands, sondern daß jetzt auch vielen der erweckten Seelen die Augen darüber mit Schrecken aufgehen, welch' gottloses Spiel man mit ihnen damit gespielt, daß man ihnen heimlich und unbemerkt die Schlinge der Union über den Hals geworfen und sie aus ihrer lutherischen Mutterkirche mit List und Gewalt herausgedrängt hat, und daß sich selbst ihre „gläubigen“ Pastoren zu willigen Werkzeugen bei dieser geistlichen Verrätherei haben gebrauchen lassen. Die einfältigen Christen wissen recht wohl, daß es hauptsächlich die alten wieder hervorgesuchten lutherischen Kernschriften eines Luther's, eines Arnd's, eines Heinrich Müller's, eines Lütkemann's, eines Scriever's, oder auch eines Spener's, eines August Hermann Franke's, eines Bogatzky's, eines Conrad Rieger's ꝛc., gewesen sind, wodurch das sich jetzt wieder so mächtig regende Leben über das von seinen Hirten verlassene Volk ausgegossen worden ist. Sie lassen sich daher nicht so leicht davon überreden, daß die alte lutherische Kirche ein abgestorbener Baum sei, der nun durch den frischen grünen Baum der unirten Kirche habe ersetzt werden müssen; durch jene alten Bücher zu besserem Lichte gekommen, sehen sie immer heller, welche zweideutigen Früchte der Unionsbaum hervorgebracht habe, und lernen sie immer besser auch die Predigten ihrer gefeiertsten unirten Erweckungsprediger und das durch dieselben gewirkte krankhafte Glaubensleben und schwankende Gefühlswesen beurtheilen und nach Gottes Wort richten. Insonderheit fanden wir in dem nach Minden eingepfarrten Dodenhausen eine große Schaar erweckter Christen, welche nicht nur großen Eifer in Gottes Wort zeigten, sondern auch zu einem bedeutenden Theile im Begriff waren, aus der unirten Kirche aus und in die lutherische Kirche zurückzutreten.
*) Ja, es gibt leider nicht wenige sogenannte „Evangelische,“ welche, um den gegenwärtigen Stand derer, die sich an die hiesige Gemeinde angeschlossen haben, recht gehässig vorzustellen, selbst sagen und da und dorthin schreiben, daß jene zu der Secte der „Stephanisten“ übergegangen seien. Wir können jedoch getrost behaupten, daß der romanisirende Stephanismus zwar noch nicht ausgestorben, aber gewiß nirgends weniger als unter den vormaligen Stephanisten, wohl aber zuweilen gerade unter deren entschiedensten Gegnern zu finden ist.
Bei den Herrn Predigern jener Gegend, so viel wir derselben zu sprechen Gelegenheit erhielten, fanden wir es ganz anders. Von denselben wollte zwar keiner, obwohl Diener der unirten Kirche, die Vertheidigung derselben übernehmen; jeder erklärte vielmehr merkwürdigerweise, daß er freilich eine Union, wie die in Preußen bestehende, nicht gemacht haben würde, aber eben weil man sie nicht gemacht, sondern überkommen habe, so müsse man sich eben darein fügen; dazu sei es ja augenscheinlich, daß unter göttlicher Regierung gerade durch die Union eine große Anzahl reformirter Prediger und Gemeinden für den lutherischen Glauben gewonnen worden seien, die ohne die Brücke der Union demselben gewiß fern geblieben sein würden. Anstatt also aus den immer kräftiger in der unirten Kirche sich äußernden Elementen lutherischen Glaubens zu erkennen, daß die ganze neuere Erweckung in Deutschland, weil eine göttliche durch die Bibel, eine lutherische gewesen sei; eine Erweckung, durch welche und in welcher Gott die von Zwingli, Oekolampad, Calvin, Beza u. s. w. verführten Christen daher wieder in die alte Kirche des einfältigen Bibelglaubens hat zurückführen wollen: träumt man, die Ursache der immer mehr sich äußernden Hinneigung zum lutherischen Glauben sei die Union, die ja gerade das unheilvolle Werk gewesen ist, wodurch der wieder erwachende einfältige biblische Glaube vielfach erstickt und Gleichgültigkeit gegen Glaubensfälschung und -Mengerei erzeugt worden ist. Je näher wir übrigens hier Einsicht in die Verhältnisse der unirten Kirche zu nehmen Gelegenheit hatten, je offenbarer und gewisser wurde es uns, daß überall, wo reges Leben ist, die Union ihrer Auflösung entgegengeht. Mögen die Gelehrten und Hochgestellten unter den „gläubigen“ Unirten, deren Gefeiertheit mit der Sache der Union unzertrennlich verflochten ist, noch so große Anstrengungen machen, die Union durch ihre berühmten Namen auch bei den Gläubigen in Ansehen zu erhalten: das Volk, wo es zum Glauben an Gottes Wort erwacht, wird sich in der durch königliche Gewalt allerhöchst anbefohlenen und von after- und ungläubigen Theologen etablirten Kirche nicht halten lassen. Was Gott zusammengefügt hat, das soll freilich der Mensch nicht scheiden; was aber Menschen ohne Gott zusammengefügt haben, obwohl es nicht zusammengehört, das kann kein Mensch zusammenhalten. Endlich wird man das ganze Gebäude der unirten Kirche die Rationalisten allein erben lassen müssen, als das Haus, in welchem es sich für dieselben noch am bequemsten wohnen läßt. Die unirten Prediger, mit denen wir hier in Berührung gekommen sind, sind Herr Pastor Rädecker in Gehlenbeck, Herr Stadtpfarrer Mensing in Minden und Herr Superintendent Prieß in Lahde bei Minden. Der erstere ist schon hochbetagt, und obwohl auch er der Union das Wort nicht reden mag, sondern bei seiner Augsburgischen Confession verbleiben will, mag er doch den Kampf, in den ihn ein Austritt aus der Union verwickeln würde, in seinen alten Tagen nicht antreten. Herr Stadtpfarrer Mensing meint mitten in der unirten Kirche ein Lutheraner sein zu können; so auch Herr Superintendent Prieß. Letzterer forderte mich daher sogar auf, selbst nachdem wir ihm unsere Stellung zur Union auseinander gesetzt hatten, für ihn einmal zu predigen. Ich schlug es ihm natürlich ab. Aber seltsam genug drang derselbe dennoch in mich, seiner Aufforderung Folge zu leisten. Ich erklärte dem Herrn Superintendenten endlich, daß ich nur unter einer Bedingung auf seiner Kanzel würde predigen können, die er natürlich würde zurückweisen müssen (denn ich selbst würde unter einer ähnlichen mir gestellten Bedingung nimmermehr Jemandem meine Kanzel öffnen, ganz abgesehen davon, daß ich überhaupt nur einem rechtgläubigen lutherischen Prediger meine Vices im Predigen übertragen könne). Meine Bedingung sei nehmlich diese, daß er mir selbst ausdrücklich gestatte, in meiner Predigt die unirte Kirche zu verwerfen. Ich er-
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every practicable furtherance of the cause of the Church in America.
In the evening I returned again to Leipzig. During the present very brief stay in this city, in the course of the following forenoon, I had the joy of meeting, in the house of Dr. Marbach, the Professor of Archaeology, Seyffarth. With pleasure I still remembered the highly interesting lectures of this thoroughly learned man, in which, as a newly awakened student, I once heard with astonishment how the results of precisely the most thorough chronological and archaeological researches always contain the most surprising confirmations of the historical truth of Holy Scripture. But my joy was all the greater since in this old, beloved teacher I now found, contrary to expectation, a decided Lutheran again. An equal joy was afforded me by the meeting again of two young men who were once my pupils and who at present confess the pure Lutheran doctrine with great zeal in word and deed; the one is the son of the well-known, still vigorous Dr. Volkmann in Leipzig, who (the son) had just received the designation to a Lutheran pastorate; the other is a student of jurisprudence, Richard Löber, a nephew of the late Pastor Löber at Altenburg, in Perry County, Missouri.
Our next destination was Prussian Minden and the surrounding country, whither Wyneken had already gone ahead of me and whither I now followed him from Leipzig at noon on the 2nd of December. In consequence of a delay on the way I arrived there only on the next day about the same time. The occasion for traveling hither was this: in this region many members of our congregations have near relatives, bodily and spiritual, and in part also their former pastors; wherefore they heartily wished that we should visit this region also and give a testimony of our faith; the more so since here many of those fellow-believers of theirs whom they left behind lie, without knowing it, imprisoned in the bonds of the Union and, misled by reports received from America, now perhaps even fear concerning their fellow-believers who have gone to America that these have become unfaithful to their former right faith, in that they have joined the so-called "Old Lutherans" here.*) A member of the St. Louis Lutheran congregation, who had departed with us from St. Louis in order to pay a visit in his home country for the arrangement of his family affairs, Mr. Friedrich Lange, awaited us in Minden, and by him we were now introduced into various circles of awakened Christians of that region. With astonishment we saw that here in Westphalia not only a fire of awakening had broken out, especially among the country people, as in few other regions of Germany, but that now also the eyes of many of the awakened souls are opening with terror to the godless game which has been played with them, in that the noose of the Union was secretly and unnoticed thrown over their necks and they were crowded out of their Lutheran mother church with cunning and force, and that even their "believing" pastors have let themselves be used as willing instruments in this spiritual treachery. The simple Christians know very well that it was chiefly the old Lutheran core writings, sought out again, of a Luther, an Arnd, a Heinrich Müller, a Lütkemann, a Scriver, or also of a Spener, an August Hermann Franke, a Bogatzky, a Conrad Rieger, etc., by which the life now stirring again so mightily has been poured out over the people forsaken by their shepherds. They therefore do not let themselves be so easily persuaded that the old Lutheran Church is a dead tree which has now had to be replaced by the fresh green tree of the united Church; having come to better light through those old books, they see ever more clearly what ambiguous fruits the Union tree has borne, and they learn ever better also to judge the sermons of their most celebrated united preachers of awakening, and the sickly life of faith and wavering emotionalism produced through them, and to test them by God's Word. In particular we found in Dodenhausen, which belongs to the parish of Minden, a great company of awakened Christians who not only showed great zeal for God's Word, but also, to a considerable extent, were on the point of going out of the united Church and returning into the Lutheran Church.
*) Yes, there are, alas, not a few so-called "Evangelicals" who, in order to represent quite spitefully the present condition of those who have joined the congregation here, themselves say, and write hither and thither, that they have gone over to the sect of the "Stephanites." We can, however, confidently assert that the Romanizing Stephanism is indeed not yet extinct, but certainly is to be found nowhere less than among the former Stephanites, but sometimes, on the contrary, precisely among their most decided opponents.
With the reverend gentlemen, the preachers of that region, so far as we had opportunity to speak with them, we found it quite otherwise. Of them, indeed, not one, though servants of the united Church, was willing to undertake the defense of it; each declared, rather, strangely enough, that he certainly would not have made such a Union as that which exists in Prussia, but just because it was not made by them, but inherited, one must simply submit to it; moreover it is evident that under divine government precisely through the Union a great number of Reformed preachers and congregations have been won for the Lutheran faith who without the bridge of the Union would certainly have remained far from it. Instead, therefore, of recognizing from the elements of Lutheran faith manifesting themselves ever more powerfully in the united Church that the whole more recent awakening in Germany, because it was a divine one through the Bible, has been a Lutheran one; an awakening through which and in which God has wished to lead back into the old Church of simple Bible faith the Christians seduced by Zwingli, Oecolampadius, Calvin, Beza, etc.: they dream that the cause of the ever more manifest inclination toward the Lutheran faith is the Union, which was precisely the pernicious work whereby the reawakening simple Biblical faith has been in many ways stifled, and indifference toward the falsification and mixing of the faith has been engendered. The closer, moreover, the view we had opportunity here to take into the conditions of the united Church, the more manifest and certain it became to us that everywhere where there is stirring life the Union is going toward its dissolution. Let the learned and the high-placed among the "believing" Unionists, whose celebrity is inseparably interwoven with the cause of the Union, make ever such great efforts to maintain the Union in repute even among believers by their famous names: the people, where it awakens to faith in God's Word, will not let itself be held in the church commanded by royal power most high and established by pseudo-wise and unbelieving theologians. What God hath joined together, let not man put asunder, to be sure; but what men without God have joined together, although it does not belong together, that no man can hold together. In the end the whole edifice of the united Church will have to be left to the Rationalists alone to inherit, as the house in which it is still most comfortable for them to dwell. The united preachers with whom we came into contact here are Pastor Rädecker in Gehlenbeck, City Pastor Mensing in Minden, and Superintendent Prieß in Lahde near Minden. The first is already advanced in years, and although he too does not care to speak a word for the Union, but wishes to remain by his Augsburg Confession, he nevertheless does not care, in his old age, to enter upon the conflict in which a withdrawal from the Union would involve him. City Pastor Mensing thinks he can be a Lutheran in the midst of the united Church; so also Superintendent Prieß. The latter therefore even requested me, even after we had set forth our position toward the Union to him, to preach for him once. I of course refused him. But strangely enough he nevertheless pressed me to comply with his request. I at last declared to the Superintendent that I could preach in his pulpit only under one condition, which he would of course have to reject (for I myself would never open my pulpit to anyone under a similar condition set for me, quite apart from the fact that I could entrust my office of preaching only to an orthodox Lutheran preacher). My condition was, namely, this, that he himself should expressly permit me to reject the united Church in my sermon. I ex-