Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 21 › Seite 167
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-06-08, Seite 167
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heißt man auf deutsch: ein Sch—bann; ich heiße es des Teufels Bann und nicht Gottes Bann, da man die Leute bannet mit freveler That, ehe sie öffentlich überzeuget sind vor der Gemeine, wider Christi Ordnung. Deßgleichen sind alle die Bann, damit die Offiziale „(päpstliche Kirchenvorstether)“ und geistliche Richthäuser gaukeln, da man über 10, 20, 30 Meil Weges die Leute mit einem Zeddel vor einer Gemeine in Bann thut, so sie doch in derselbigen Gemeine und vor den Pfarrherr nie gestraft, verklagt noch überzeugt sind, sondern kommt daher eine Fledermaus aus eines Official's Winkel ohne Zeugen und ohne Gottes Befehl. Vor solchen Sch—bannen darfst du dich nicht fürchten. Will ein Bischof oder Official jemand in Bann thun, so gehe oder schicke er hin in die Gemeine und vor den Pfarrherr, da derselbige soll in Bann gethan werden, und thue ihm, wie recht ist, nach diesen Worten Christi. Und das alles sage ich darum: denn die Gemeine, so solchen soll bännisch halten, soll wissen und gewiß sein, wie der den Bann verdienet und drein kommen ist, wie hie der Text Christi giebt; sonst möchte sie betrogen werden und einen Lügenbann annehmen, und dem Nächsten damit unrecht thun. Das wäre denn die Schlüssel gelästert und Gott geschändet und die Liebe gegen den Nächsten versehret, welches einer christlichen Gemeine nicht zu leiden ist, denn sie gehöret auch dazu, wenn jemand bei ihr soll verbannet werden, spricht hie Christus; und ist nicht schuldig, des Official's Zeddel, noch des Bischofes Briefe zu gläuben, ja, sie ist schuldig, hie nicht zu gläuben, denn Menschen soll man nicht gläuben in Gottes Sachen. So ist eine christliche Gemeine nicht des Officials Dienstmagd, noch des Bischofes Stockmeister, daß er möge zu ihr sagen: Da, Gretha, da, Hans, halt mir den oder den im Bann. Awe ja, seid uns willkommen, lieber Official. In weltlicher Obrigkeit hätte solches wohl eine Meinung; aber hie, da es die Seelen betrifft, soll die Gemeine auch mit Richter und Frau sein. St. Paulus war ein Apostel, noch wollte er den nicht in Bann thun, der seine Stiefmutter genommen hatte, er wollte die Gemeine auch dabei haben. 1 Cor. 5, 1. 5.“ (XIX, 1170. 1181. 1182.)
Wir bezeugen daher schließlich, die Lehre: „Ein ungerechter Bann gibt kein Recht zur Trennung,“ ist eine durchaus unlutherische, schädliche, gottlose, antichristische†) Lehre, von dem Schreiber im Informatorium vielleicht in Einfalt und Unüberlegtheit hingeschrieben, aber ursprünglich vom Teufel auf die Bahn gebracht, um alle pfäffische Tyrannei zu stärken, die unschuldigen Kinder Gottes in eine mehr als päbstische Sclaverei zurückzuführen, die Gewissen unleidlich zu beschweren und zu bestricken und die ganze Kirche in eine absolute Priestermonarchie zu verwandeln. Wir erinnern hierbei an jenes ernste Wort der Wittenbergischen theologischen Fakultät, welches sich in einem Bedenken derselben vom Jahre 1656 findet; es ist folgendes:
†) Bekanntlich war es gerade ein ungerechter Bann, den der römische Bischof Viktor über den rechtschaffenen Bischof zu Ephesus, Polykrates, und mehrere kleinasiatische Gemeinden aussprach, weil diese das Osterfest nicht an dem Tage, an welchem es von der römischen Kirche gehalten wurde, feiern wollten, wodurch noch vor Schluß des 2. Jahrhunderts nicht undeutlich offenbar wurde, daß der römische Stuhl der Sitz des Antichristes werden werde. Bekanntlich fand aber damals der römische Bischof noch einen kräftigen Widerstand nicht nur bei jenen ungerecht Gebannten selbst, die den Bann verachteten, sondern auch bei dem ausgezeichneten Lugdunensischen Bischof Irenäus, der den Bischof Viktor wegen dieser Beschränkung der christlichen Freiheit und dieses Mißbrauchs der Schlüssel des Himmelreichs ernstlich zur Rede setzte.
„Wie es eine große Sünde für Gott ist, die armen bedrängten Christen in ihrem geistlichen Hunger und Durst nicht speisen noch tränken, daß sie über solchen Durst mit dem Propheten Jerem. Thren. 4, 4. klagen müssen: „Dem Säuglinge klebet seine Zunge an seinem Gaumen für Durst, die jungen Kinder heischen Brod, und ist niemand, der es ihnen bräche ꝛc.: also ist kein Zweifel, Gott werde diejenigen Diotrephes-Brüder, welche die bedrängten Christen nicht allein nicht aufnehmen, sondern auch noch denen wehren, die es thun wollen, und aus der Gemeinde verstoßen (3 Joh. V. 10.) wiederum von seinem Angesicht abweisen und verstoßen.“ (Consil. theol. Witebergens. Anderer Theil, fol. 61. a.) Vor solchem schweren Gerichte bewahre beide, uns und unseren Gegenpart, Gott in Gnaden um JEsu Christi willen, der niemand hinausstößt, der zu ihm kommt. Amen.
Nachtrag. Nachdem Obiges geschrieben war, erhielten wir die 15. Nummer des „Informatoriums“ und sahen daraus wieder zu unserem Leidwesen, wie die Schreiber dieses Blattes den Namen Luther's dazu gebrauchen, gewisse irrige Lehren, die sie hegen, zu rechtfertigen. Ein gewisser Herr Müller nehmlich, Pastor zu Freystadt und Milwaukee in Wisconsin, ein Schüler Hrn. P. Grabau's, erzählt dort, daß mehrere Glieder seiner Gemeinde durch die im „Lutheraner“ geschehene Hinweisung auf 1. Thess. 2, 16. darüber in Gewissensunruhe und Anfechtung gerathen seien, daß ihre Pastoren unsere Heidenmissionen verwerfen. Zugleich theilt derselbe eine Predigt mit, die er gehalten, um dadurch die Angefochtenen zu beruhigen. In dieser Predigt nun führt Herr Pastor Müller auch Luther an, wo derselbe von den Schleichern und Winkelpredigern redet, welche ohne Beruf in den christlichen Gemeinden umherschleichen, die schon Prediger haben, welche Winkelprediger Luther „des Teufels gewisse Boten“ nennt. Und das wendet Pastor Müller auf unsere Missionare an, die aus Liebe zu Christo und zu den armen verlorenen Heidenseelen auf Bitte und mit Unterstützung christlicher Gemeinden hinausgehen und unter Gebet und Thränen und oft unter den drückendsten Entbehrungen diesen in Finsterniß und Schatten des Todes Sitzenden etwas von ihrem Heilande sagen, daß sie selig werden!! Was würde wohl Luther zu solcher Verkehrung seiner Aussprüche sagen, wenn er noch reden könnte? Es mag sein, daß Herr Pastor Müller nur wenig von Luther's Schriften gelesen; aber sollte er darum nicht um so furchtsamer sein, als Schriftsteller und Polemiker auftreten und Luthern als seinen Gewährsmann reden lassen zu wollen? Es mag ferner sein, daß die Glieder seiner Gemeinde durch die Anführungen aus Luther's Schriften, die er gemacht, leicht zu stillen waren, weil sie eben diese Schriften, wie es scheint, am wenigsten lesen; aber bei Christen, die darin bewandert sind, wird er nichts ausrichten, denn Luther hat bekanntlich sehr häufig, wo er von der Nothwendigkeit des ordentlichen Berufes zum Predigen unter den getauften Christen und in geordneten Gemeinden redet, ausdrücklich den Fall ausgenommen, wenn ein Christ unter Heiden kommt. So heißt es z. B. in der Schrift: „Grund und Ursache aus der Schrift, daß eine christliche Versammlung oder Gemeinde Recht und Macht habe, alle Lehre zu urtheilen, und Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen. Anno 1523:“
„So sprichst du: Ja wie? wenn er nicht dazu berufen ist, so darf er ja nicht predigen, wie du selbst oft gelehret hast? Antwort: Hie sollt du den Christen in zweierlei Ort stellen: Auf's erste, wenn er ist an dem Ort, da keine Christen sind, da darf er keines andern Berufs, denn daß er ein Christe ist, inwendig von Gott berufen und gesalbet, da ist er schuldig den irrenden Heiden oder Unchristen zu predigen und zu lehren das Evangelium aus Pflicht brüderlicher Liebe, ob ihn schon kein Mensch dazu beruft. Also thäte St. Stephan Apg. 6. 7., dem doch kein Amt von den Aposteln zu predigen befohlen war, und predigte doch und thät große Zeichen im Volk. Item, eben thät auch Philippus, der Diacon, Stephan's Geselle Apg. 8, 5., dem auch das Predigtamt nicht befohlen war. Item, so thät Apollo Apg. 18, 25. 26. Denn in solchem Fall siehet ein Christe aus brüderlicher Liebe die Noth der armen verdorbenen Seelen an und wartet nicht, ob ihm Befehl oder Brief von Fürsten oder Bischöfen gegeben werde: denn Noth bricht alle Gesetze und hat kein Gesetz; so ist die Liebe schuldig zu helfen, wo sonst niemand ist, der hilft oder helfen sollte. Auf'sandere, wenn er aber ist, da Christen an dem Ort sind, die mit ihm gleiche Macht und Recht haben, da soll er sich selbst nicht hervor thun, sondern sich berufen und hervorziehen lassen, daß er anstatt und Befehl der andern predige und lehre.“
Ferner schreibt Luther in seinen Predigten über das 2. B. Mose, in den Jahren 1524–26. gehalten:
„Das ist der Beruf eines öffentlichen Amts unter den Christen. Wenn man aber unter den Haufen käme, da nicht Christen wä-
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is called in plain German: a Sch—ban; I call it the devil's ban and not God's ban, when people are banned for a wanton deed before they have been publicly convicted before the congregation, contrary to Christ's ordinance. Likewise are all those bans with which the officials "(papal church rulers)" and spiritual courts play their tricks, where, from ten, twenty, thirty miles away, people are put under the ban with a slip of paper before a congregation, although they were never rebuked, accused or convicted in the same congregation and before their pastor, but a bat comes flitting out of some official's corner without witnesses and without God's command. Of such Sch—bans thou needest not be afraid. If a bishop or official will put anyone under the ban, let him go or send thither into the congregation and before the pastor, where the same is to be put under the ban, and let him do it, as is right, according to these words of Christ. And all this I say for this reason: for the congregation which is to hold such a one banned, shall know and be certain how he hath deserved the ban and come into it, as the text of Christ here gives; otherwise it might be deceived and accept a lying ban, and thereby do wrong to its neighbor. That would then be blaspheming the keys, and dishonoring God, and injuring love toward the neighbor, which is not to be endured by a Christian congregation, for it belongs thereto also, when anyone is to be banned by it, saith Christ here; and it is not bound to believe the official's slip of paper, nor the bishop's letters, yea, it is bound here not to believe, for men one should not believe in God's affairs. Thus a Christian congregation is not the official's maidservant, nor the bishop's taskmaster, that he may say to it: There, Gretha, there, Hans, hold me this one or that one in the ban. Hail, yes, you are welcome, dear official. In worldly government such a thing might well have some sense; but here, where it concerns souls, the congregation shall also be with judge and wife. St. Paul was an apostle, yet he would not put him under the ban who had taken his stepmother, he would have the congregation also with him in it. 1 Cor. 5:1, 5." (XIX, 1170. 1181. 1182.)
We therefore testify in conclusion that the doctrine: "An unjust ban gives no right to separation," is a thoroughly unLutheran, harmful, godless, antichristian†) doctrine, perhaps written down by the writer in the Informatorium in simplicity and thoughtlessness, but originally brought upon the track by the devil, in order to strengthen all priestly tyranny, to lead the innocent children of God back into a bondage worse than papal, to burden and ensnare consciences intolerably, and to transform the whole Church into an absolute priestly monarchy. We recall here that earnest word of the Wittenberg theological faculty which is found in an opinion of the same from the year 1656; it is as follows:
†) It is well known that it was precisely an unjust ban which the Roman bishop Victor pronounced upon the upright bishop of Ephesus, Polycrates, and several Asia Minor congregations, because these would not celebrate the Easter festival on the day on which it was kept by the Roman Church, whereby it became not obscurely manifest, even before the close of the 2nd century, that the Roman see would become the seat of the Antichrist. It is well known, however, that the Roman bishop at that time still met with vigorous resistance, not only from those unjustly banned themselves, who despised the ban, but also from the distinguished bishop of Lyons, Irenaeus, who earnestly called Bishop Victor to account for this restriction of Christian liberty and this abuse of the keys of the kingdom of heaven.
"As it is a great sin before God not to feed nor to give drink to the poor distressed Christians in their spiritual hunger and thirst, so that they must complain of such thirst with the prophet Jeremiah, Lament. 4:4: 'The tongue of the sucking child cleaveth to the roof of his mouth for thirst; the young children ask bread, and no man breaketh it unto them,' etc.: so there is no doubt that God will again cast from His face and thrust out those Diotrephes-brethren who not only do not receive the distressed Christians, but also forbid those who would do it, and cast them out of the church (3 John v. 10). (Consil. theol. Witebergens. Second Part, fol. 61. a.) From such a grievous judgment may God in grace, for Jesus Christ's sake, preserve both us and our opponent, who casteth out none that cometh to Him. Amen.
Postscript. After the above was written, we received the 15th number of the "Informatorium" and saw from it again, to our sorrow, how the writers of this paper use the name of Luther to justify certain erroneous doctrines which they cherish. A certain Mr. Müller, namely, pastor at Freystadt and Milwaukee in Wisconsin, a pupil of Mr. P. Grabau, relates there that several members of his congregation, through the reference made in the "Lutheraner" to 1 Thess. 2:16, have fallen into unrest of conscience and temptation because their pastors reject our heathen missions. At the same time he communicates a sermon which he delivered, in order thereby to quiet the tempted. In this sermon Pastor Müller now also cites Luther, where he speaks of the sneakers-in and corner-preachers who without a call prowl about in the Christian congregations that already have preachers, which corner-preachers Luther calls "the devil's sure messengers." And this Pastor Müller applies to our missionaries, who out of love to Christ and to the poor lost souls of the heathen, at the request and with the support of Christian congregations go forth and, with prayer and tears and often amid the most oppressive privations, tell these who sit in darkness and in the shadow of death something of their Savior, that they may be saved!! What would Luther say to such a perversion of his sayings, if he could still speak? It may be that Pastor Müller has read but little of Luther's writings; but should he not for that reason be the more timid about appearing as an author and polemic, and wishing to let Luther speak as his authority? It may further be that the members of his congregation were easily quieted by the quotations from Luther's writings which he made, because they, as it seems, read just these writings least of all; but with Christians who are versed therein he will accomplish nothing, for Luther, as is well known, very often, where he speaks of the necessity of the regular call to preach among baptized Christians and in ordered congregations, expressly excepts the case when a Christian comes among heathen. Thus it says, for example, in the writing: "Ground and Reason from Scripture that a Christian Assembly or Congregation has the Right and Power to judge all doctrine, and to call, install and depose teachers. Anno 1523:"
"Thou sayest: Yea, how? if he is not called thereto, he surely may not preach, as thou thyself hast often taught? Answer: Here thou shouldst place the Christian in a twofold situation: First, if he is in a place where there are no Christians, there he needs no other call than that he is a Christian, inwardly called and anointed of God, there he is bound to preach to the erring heathen or unbelievers and to teach the Gospel from duty of brotherly love, though no man call him thereto. So St. Stephen did, Acts 6:7, to whom, yet, no office of preaching was commanded by the apostles, and he preached nevertheless and did great wonders among the people. Likewise also Philip the deacon, Stephen's fellow, Acts 8:5, to whom also the office of preaching was not commanded. Likewise Apollos did so, Acts 18:25, 26. For in such a case a Christian, from brotherly love, beholds the need of the poor corrupted souls and waiteth not whether command or letter be given him by princes or bishops: for need breaketh all laws and hath no law; so love is bound to help where otherwise no one is who helps or should help. Secondly, if he is where Christians are, who have equal power and right with him, there he shall not push himself forward, but let himself be called and drawn forward, that he may preach and teach in the stead and at the command of the others."
Further Luther writes in his sermons on the 2nd Book of Moses, delivered in the years 1524-26:
"This is the call of a public office among Christians. But if one should come among the throng where no Christians were,