Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 21 › Seite 163
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-06-08, Seite 163
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wartete, der Herr Ephorus werde dieses mein Ansinnen jedenfalls als im höchsten Grade unstatthaft zurückweisen. Aber zu meinem nicht geringen Erstaunen ging derselbe endlich selbst auf diese Bedingung ein!—So war ich denn gefangen und legte nun auch vor der Gemeinde zu Lahde am zweiten Adventssonntage mein lutherisches Zeugniß ab. Der liebe Leser kann hieraus, meine ich, wohl deutlich genug abnehmen, wie Viele es in der unirten Kirche geben mag, die in ihrem Gewissen von der alleinigen Wahrheit der lutherischen Lehre und Kirche überzeugt sind, aber entweder nicht wissen, wie sie sich aus dem Labyrinth der Union herausfinden sollen, oder den Muth nicht haben, dieses Babylon zu verlassen und dann es Gott zu überlassen, welche Folgen ein solcher Schritt für sie und ihre Gemeinden haben werde. O wie hat daher derjenige Gott zu danken, der ruhig in dem Erbe seiner lutherischen Väter sitzt !—
Von hier reisten wir nun am Montag den 8. Decbr. nach Hannover, um hier Herrn Dr. Petri zu sprechen. Derselbe nahm uns mit ausgezeichnetem Wohlwollen auf. Am Abend hatte derselbe einen größeren Kreis jüngerer Theologen zu sich eingeladen, in welchem wir von unseren hiesigen kirchlichen Verhältnissen Bericht erstatten mußten und wo wir nun auch manche hier herrschende ungünstige Vorstellung den jungen Männern zu benehmen hatten, die sich dieselben davon auf erhaltene schriftliche, wenn auch der Wahrheit noch so getreue, Berichte in ihrer weiten Ferne gebildet hatten. So ganz übrigens unsere Kirche hier in den nordamerikanischen Freistaaten das Herz Hrn. Dr. Petri's hat, so groß sind die Bedenken desselben, ob unsere Kirche hier bei ihrem dermaligen Verhältnisse zum Staate, nehmlich bei ihrer völligen Getrenntheit von demselben, eine Zukunft habe.*) Der Leser kann sich wohl denken, daß wir nicht umhin konnten, es in geziemender Bescheidenheit auszusprechen, daß wir in die jenem Bedenken zu Grunde liegende Anschauung von Kirche und Amt nicht eingehen könnten, so groß auch sonst unsere Ehrfurcht vor der tiefen Einsicht und unser Respect vor der seltenen Gelehrsamkeit und dem ausgezeichneten Geistesreichthum dieses einflußreichen deutschen Theologen ist. †)
*) Anderwärts haben wir übrigens die Nothwendigkeit einer Verbindung der Kirche mit dem Staate noch auf ganz andere Weise aussprechen hören müssen. So fragte uns in einer Universitätsstadt ein christlichgesinnter Professor der Rechtswissenschaft im vollem Ernste in einer großen Gesellschaft: mit welchem deutschen Fürsten wir amerikanischen Lutheraner uns in Verbindung gesetzt hätten, um jenseit des Meeres die „nach lutherischer Lehre bekanntlich (?) den Landesherren zustehenden bischöflichen Rechte“ oder die Kirchengewalt ausüben zu können?
†) Herr Dr. Petri war auf der letzten allgemeinen deutschen lutherischen Conferenz zu Leipzig der erwählte Präsident; unter Anderem ein Beweis, welche hohe Stellung derselbe gegenwärtig unter den Theologen Deutschlands einnimmt.
Die Annehmlichkeit unseres Aufenthaltes in Hannover wurde noch durch zwei Umstände erhöht. Erstlich trafen wir hier den Herrn Doctor juris E. Wyneken aus Stade (Bruder unseres Wynekens), der jetzt hier als erwählter Vertreter des Standes der Rechtsgelehrten in der ersten Kammer, die eben versammelt war, fungirte; und sodann hatten wir die große Freude, den Vater unseres lieben Freundes und Bruders, Pastor Ficks, Herrn Landescommissär Fick, der auf unsere Einladung von Hildesheim hierher geeilt war, wenigstens auf einige Stunden zu sprechen. Von demselben erhielten wir zugleich die uns sehr erfreuliche Versicherung, daß in einigen Monaten auch der zweite seiner Söhne dem ersten nach Amerika folgen werde, um da unserer Kirche mit seinen reichen Gaben zu dienen. Es war uns dies um so erfreulicher, da Herr Dr. Petri entschieden erklärt hatte, daß Hannover seine guten gläubigen Candidaten auf keinen Fall entbehren könne und es schon schmerzlich genug empfinden müsse, daß so viele derselben in das benachbarte Großherzogthum Meklenburg gezogen worden seien.
Am Mittwoch den 10. Decbr. reisten wir endlich wieder von hier ab. Da wir nicht nur viele thätige und einflußreiche Freunde und Gönner der amerikanischen Kirchensache im Meklenburgischen wußten, sondern von daher durch Herrn Landrath Baron von Maltzan in Rostock auch eine dringende schriftliche Einladung erhalten hatten, nebst dem freundlichen Anerbieten, daß der Herr Landrath die Kosten dieser Reise selbst tragen wolle, so reisten wir nun zunächst nach Schwerin, wo wir noch an dem genannten Tage, jedoch spät am Abend, ankamen. Unseren ersten Besuch statteten wir am anderen Morgen bei dem Herrn Oberkirchenrath Dr. Kliefoth ab, an den uns Herr Pastor Löhe eine schriftliche Empfehlung mitgegeben hatte. Eine Kirchenvisitationspredigt des Herrn Oberkirchenraths, die er vor Kurzem gehalten und worin er die Schäden der, unter seiner Oberleitung stehenden, Landeskirche ebenso unverhüllt vorgestellt, als auf deren Heilung und Abthuung heilig ernst gedrungen hatte, die wir auf unserer Reise gelesen, hatte uns schon mit innigem Zutrauen gegen den Genannten erfüllt; wir fanden jedoch bei demselben eine so geneigte Aufnahme, wie wir sie selbst zu hoffen nicht gewagt hatten. Das, uns an den hochgestellten Mann mitgegebene, Empfehlungsschreiben enthielt zugleich eine Bitte um die Gewährung einer Kirchencollekte im Großherzogthum zum Zweck einer Erweiterung unseres St. Louiser Concordia-Collegiums und Seminars. Der Herr Oberkirchenrath erkundigte sich mit großer Theilnahme nach unserem kirchlichen Standpunkte, unseren Bedürfnissen, Aussichten ꝛc., und sicherte uns hierauf sogleich die Gewährung der in jenem Schreiben ausgesprochenen Bitte zu, ohne daß es von unserer Seite auch nur Eines, die Fürsprache bestätigenden Wortes bedurft hätte. Erhaltener Einladung zu Folge besuchten wir den Herrn Oberkirchenrath am folgenden Tage noch einmal, wo wir uns mit demselben hauptsächlich über, Kirchenregiment und Kirchenordnung betreffende, Gegenstände besprachen und über viele Punkte aus diesem Gebiete, worin Herr Dr. Kliefoth bekanntlich Ausgezeichnetes geliefert hat,*) wichtige Aufschlüsse erhielten. Hier trafen wir auch heute Herrn Pastor Düring aus Neukirchen im Meklenburgischen, einen Studiengenossen einiger Prediger unserer Synode, mit welchem wir uns nach gegenseitiger Aussprache zu unserer großen Freude in Einigkeit des Glaubens und Geistes fanden, und aus dessen eigenen Aeußerungen sowohl wie über ihn anderwärts erhaltenen Nachrichten wir ersahen, daß er in seiner gegenwärtigen bedeutenden Gemeinde ebenso eifrig als gesegnet wirkt.—Schon am Tage vorher hatten wir auch den hiesigen Superintendenten, Herrn Dr. Karsten, aufgesucht. An ihm lernten wir einen Mann kennen, der uns alsbald das ganze Herz abgewann. Das liebliche Vaterverhältniß, in welchem wir den Herrn Superintendenten zu seiner liebenswürdigen Familie mit Augen schauten, das war offenbar, wie wir aus allen Aeußerungen des theuren Mannes abnahmen, das Abbild des Verhältnisses, in welchem derselbe auch zu den ihm anvertrauten Seelen steht. Er offenbarte sich uns als ein Mann, der ein Herz für das Volk hat. Es bedurfte daher auch nur kurzer Andeutungen, so war es uns wohl auf beiden Seiten gewiß, daß wir durch das Band Eines Glaubens verbunden seien. Die in Gemeinschaft Herrn Dr. Karsten's verlebten Stunden werden uns in stetem und gesegnetem Andenken verbleiben.
Am Freitag den 12. Decbr. setzten wir nun unsere Reise weiter fort, und zwar zunächst nach Rostock, wo wir am Abend desselben Tages ankamen. Wollte ich jedoch alles das Interessante und alle die Beweise christlicher Liebe und von Theilnahme an dem Gedeihen unserer Kirche in Nordamerika, die wir auch hier erfahren haben, schildern, so würde ich auch mit dieser Nummer meinen Reisebericht noch nicht enden können. Ich theile daher hiervon nur das Folgende mit. Vor allen wurden wir hier durch den wegen seines ausnehmenden Eifers für Christenthum und Kirche weithin bekannten Herrn Landrath Baron von Maltzan†) und dessen ganze von demselben Sinne beseelte Familie mit Beweisen jener Liebe und Theilnahme überschüttet, die schon so viele Prediger und Gemeinden unserer Synode von dieser Seite in dem reichsten Maaße genossen haben. Auch die Herren Professoren der Theologie, Dr. Krabbe und Dr. Baumgarten, und die Herren Professoren von der philosophischen Fakultät, Professor Becker und Professor Röper, Herr Pastor M. Serrius und Lehrer Hahn (ein aus Preußen vertriebener lutherischer Theolog,) und noch mehrere andere theure, unseren guten alten lutherischen Glauben bekennende Herren, deren werthe Namen mir bei der Flüchtigkeit des Zu-
*) Vergl. u. A. die vortreffliche Schrift: „Die ursprüngliche Gottesdienstordnung in den deutschen Kirchen lutherischen Bekenntnisses. Rostock. 1847.“
†) Derselbe hat unter Anderem als Landstand vor kurzen den Antrag in der Kammer gestellt, man möge doch alle noch im Lande fungirenden rationalistischen Prediger ihrer Aemter entheben; da dieselben aber in der Zeit der Unwissenheit eingesetzt worden seien, einen Fond aufbringen, aus welchem noch die Kosten für ihren Unterhalt bis zu ihrem endlichen Aussterben bestritten werden könnten.
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pected that the Ephorus would in any case reject this proposal of mine as in the highest degree inadmissible. But to my no small astonishment he at last himself agreed to this condition!—So I was caught, and now also bore my Lutheran testimony before the congregation at Lahde on the second Sunday in Advent. The dear reader can gather from this, I think, plainly enough how many there may be in the united Church who in their conscience are convinced of the sole truth of the Lutheran doctrine and Church, but either do not know how they are to find their way out of the labyrinth of the Union, or have not the courage to leave this Babylon and then to leave it to God what consequences such a step may have for them and their congregations. O how much reason, therefore, has he to thank God who sits quietly in the inheritance of his Lutheran fathers!—
From here we traveled now on Monday the 8th of December to Hannover, in order to speak here with Dr. Petri. He received us with distinguished kindness. In the evening he had invited a larger circle of younger theologians to his house, in which we had to give a report of our church conditions here and where we now also had to remove many an unfavorable impression prevailing here from the minds of the young men, who had formed it, in their wide distance, upon written reports received, however faithful to the truth these might be. As entirely as our Church here in the North American free states has the heart of Dr. Petri, so great are his misgivings whether our Church here, in its present relation to the State, namely in its complete separation from it, has a future.*) The reader can well imagine that we could not but state, in becoming modesty, that we could not enter into the view of Church and Office which underlies that misgiving, however great otherwise our reverence for the deep insight and our respect for the rare learning and the distinguished wealth of spirit of this influential German theologian. †)
*) Elsewhere, by the way, we have had to hear the necessity of a connection of the Church with the State expressed in quite another manner. Thus in a university town a Christian-minded professor of jurisprudence asked us in full earnest, in a large company: with which German prince we American Lutherans had put ourselves in connection, in order to be able to exercise beyond the sea the "episcopal rights belonging, as is well known (?) according to Lutheran doctrine, to the sovereigns of the land," or the church government?
†) Dr. Petri was the elected president at the last general German Lutheran conference at Leipzig; among other things a proof of what high standing he at present occupies among the theologians of Germany.
The pleasantness of our stay in Hannover was still further heightened by two circumstances. First, we met here Doctor of Law E. Wyneken of Stade (brother of our Wyneken), who is now functioning here as elected representative of the estate of the jurists in the First Chamber, which was just then assembled; and secondly we had the great joy of being able to speak, for at least a few hours, with the father of our dear friend and brother Pastor Fick, Mr. Land Commissary Fick, who had hastened hither from Hildesheim upon our invitation. From him we received at the same time the assurance, very gratifying to us, that in a few months the second of his sons also would follow the first to America, in order to serve our Church there with his rich gifts. This was the more gratifying to us since Dr. Petri had decidedly declared that Hannover could in no case dispense with its good believing candidates, and already had to feel painfully enough that so many of them had gone to the neighboring Grand Duchy of Mecklenburg.
On Wednesday the 10th of December we at last departed again from here. Since we knew not only of many active and influential friends and patrons of the American church cause in Mecklenburg, but had also received from there, through Mr. Land Councillor Baron von Maltzan in Rostock, a pressing written invitation, together with the friendly offer that the Land Councillor would himself bear the cost of this journey, we now traveled first to Schwerin, where we arrived on the day named, yet late in the evening. Our first visit we paid the next morning to the Oberkirchenrath Dr. Kliefoth, to whom Pastor Löhe had given us a written recommendation. A sermon on church visitation by the Oberkirchenrath, which he had delivered shortly before and in which he had set forth the defects of the State Church under his supervision as unveiledly as he had urged with holy earnestness its healing and removal, and which we had read on our journey, had already filled us with hearty confidence toward the said gentleman; we found, however, with him so kind a reception as we had not dared even to hope. The letter of recommendation given us to the highly placed man contained at the same time a request for the granting of a church collection in the Grand Duchy for the purpose of an enlargement of our St. Louis Concordia College and Seminary. The Oberkirchenrath inquired with great sympathy after our churchly position, our needs, prospects, etc., and thereupon assured us at once of the granting of the request expressed in that letter, without there having been need, on our part, of so much as a single word confirming the intercession. In accordance with an invitation received we visited the Oberkirchenrath once more on the following day, where we conversed with him chiefly about subjects concerning church government and church order, and received important information on many points from this field, in which Dr. Kliefoth has, as is well known, furnished excellent work,*) Here we also met today Pastor Düring from Neukirchen in Mecklenburg, a fellow-student of several preachers of our Synod, with whom, after mutual conversation, we found ourselves to our great joy in unity of faith and spirit, and from whose own utterances, as well as from reports received concerning him elsewhere, we learned that in his present important congregation he works as zealously as he is blessed.—Already on the day before we had also called upon the local Superintendent, Dr. Karsten. In him we became acquainted with a man who at once won our whole heart. The lovely fatherly relation in which we beheld the Superintendent with his amiable family was manifestly, as we gathered from all the utterances of the dear man, the image of the relation in which he also stands to the souls entrusted to him. He revealed himself to us as a man who has a heart for the people. Hence only brief hints were needed, and it was certain to us well on both sides that we were bound together by the bond of One faith. The hours spent in the company of Dr. Karsten will remain with us in constant and blessed remembrance.
On Friday the 12th of December we now continued our journey, and first to Rostock, where we arrived on the evening of the same day. Yet if I wished to describe all that is interesting and all the proofs of Christian love and of sympathy in the prosperity of our Church in North America which we experienced here also, I should not be able to end my report of the journey even with this number. I therefore communicate of it only the following. Above all we were here overwhelmed, by Land Councillor Baron von Maltzan,†) widely known on account of his exceptional zeal for Christianity and the Church, and by his whole family, animated by the same spirit, with proofs of that love and sympathy which already so many preachers and congregations of our Synod have enjoyed from this quarter in the richest measure. Also the professors of theology, Dr. Krabbe and Dr. Baumgarten, and the professors of the philosophical faculty, Professor Becker and Professor Röper, Pastor M. Serrius and Teacher Hahn (a Lutheran theologian driven out of Prussia), and several other dear gentlemen confessing our good old Lutheran faith, whose worthy names, in the haste of the
*) Cf. among others the excellent work: "Die ursprüngliche Gottesdienstordnung in den deutschen Kirchen lutherischen Bekenntnisses. Rostock. 1847."
†) Among other things he recently moved, as a member of the Diet, in the Chamber that all rationalistic preachers still functioning in the land be removed from their offices; but since these were installed in the time of ignorance, a fund should be raised from which the cost of their maintenance might be defrayed until their final extinction.