Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 22 › Seite 174

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-06-22, Seite 174

169 170 171 172 173 174 175 176

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

174

gar, wenn launische Härte der Eltern dazuschlägt, scheu, verschlossen, innerlich zornmüthig und heuchlerisch; und nicht nur wird der Keim des eigenthümlichen Wesens, den Gott schon im Augenblick der Zeugung mit eingepflanzt hat, durch solches Uebermaß der Beschränkung kläglich erdrückt und erstickt, sondern das Kind wird zugleich im letzteren Falle auch sittlich verderbt und die erbsündliche Falschheit und Bosheit dadurch kräftig gestärkt.

Umgekehrt dagegen, durch das Uebermaß des Freilassens,—ein Abweg, der hier zu Lande leider sehr gäng und gäbe ist,—werden die Kinder wild, ausgelassen, frech und dummdreist, daß sie keine Demuth, Ehrerbietung und Gehorsam haben, weder gegen Gott, noch gegen Menschen und zu einem zucht- und zügellosen Geschlechte heranwachsen, Ismael und seinem Samen und der Masse der Loafers und Rowdies in den großen Städten ähnlich, die von der leider hin und her nicht kräftig und durchgreifend genug auftretenden Obrigkeit oft nur mit Mühe in den nothdürftigsten Schranken gehalten werden. Wollt Ihr nun christliche Eltern sein, so habet Ihr allerdings ernstlich zu wachen und zu beten, daß Ihr beim Ziehen und Gewöhnen Eurer Kinder beiderlei Abwege, vorzüglich aber den landesüblichen letzten meidet und das rechte Maß des Beschränkens und Freilassens bei jedem Eurer Kinder von früh auf anwendet. Dieses Maß aber wird Euch Gott der heil. Geist auf Euer Bitten anzeigen und in den Sinn geben; denn ER allein gibt auch hiefür die rechte Weisheit, die, weil zudem die persönliche Eigenthümlichkeit der Kinder so überaus mannichfaltig ist, menschlicher Weise, schwerlich zu erlernen ist. Nur so viel läßt sich allerdings im Allgemeinen sagen: Kinder von einer thatkräftigen, aber zugleich zornmüthigen Sinnes- und Gemüthsart, und ferner solche von einem beweglichen und zugleich leichtsinnigen Temperament bedürfen überwiegend der Beschränkung; dagegen Kinder von einem beschaulichen und in sich gekehrten, zugleich aber schwermüthigen und andere von einem mehr trägen und stumpfen Wesen haben mehr das Freilassen nöthig, innerhalb dessen jedoch jene sonderlich zu leiten, diese zu beleben sind.

2. Gebietet und verbietet nicht zu viel und zu vielerlei; wo Ihr aber ge- und verbietet, da haltet mit unermüdlicher Beharrlichkeit darauf, daß das Gebotene sofort von Euren Kindern gethan und das Verbotene gelassen werde.

Nicht wenige Mütter nämlich haben die zwiefach böse und verderbliche Gewohnheit an sich, daß sie manchmal in einer halben Stunde den Kindern Mehrerlei ge- und verbieten, und doch nicht gründlich darauf achten, ob ihrem Ge- und und Verbot nachgekommen werde. Dadurch aber werden die Kinder, statt zum Gehorsam, vielmehr zum Ungehorsam angeleitet und ferne davon, daß hierdurch das Gehorchen allmählich ihnen zu einer heilsamen Gewöhnung würde, gerathen sie vielmehr in ein unstätes, willkürlich launisches Wesen. Auch wird durch solche verkehrte Behandlung zugleich der Keim zur Verachtung solcher schwachhaften Mütter oder Väter in die Seelen der Kinder gepflanzt, der leider früh genug aufgeht, wenn die Eltern nicht noch zur rechten Zeit zur Besinnung kommen und den rechten Weg einschlagen.

3. In dem, was Ihr ge- oder verbietet, legt den Nachdruck vornehmlich auf das, was nach den heiligen 10 Geboten recht oder unrecht ist, auch schon ehe die Kinder den eigentlichen Verstand dieser Gebote fassen können.

Unchristliche und scheinchristliche Eltern und insonderheit die Mütter thun hier auch meist das Gegentheil. Es liegt ihnen mehr an, daß ihre Töchterlein sich keine Flecken in die weißen und reinen Kleider machen und sich äußerlich artig betragen, als daß sie unter den Leuten durch Gefallsüchtigkeit und Eitelkeit und durch wildes und wüstes Wesen daheim ihre Seele beschmutzen. Christlich gesinnte Eltern dagegen sollen billig nicht den Nachdruck auf die äußerliche Geberdung legen, darauf auch hier zu Lande ein übertriebener Werth bei den Mädchen gelegt wird, sondern auf das, was vor Gott und nach seinem Wort gut, wahr, sittig und recht ist. Wird in der Zucht und Gewöhnung darauf vornämlich gehalten, so werden die Kinder unter Gottes Segen auch in ihrer äußeren Erscheinung die rechte Sitte und Weise haben, ohne daß ihnen von Außen etwas ihrem kindlichen Zustande Fremdes und Unnatürliches angelernt und aufgezwungen wird.

Hierbei ist nun auch dieses zu merken, daß man nicht durch zu vieles Verbieten die natürliche Munterkeit und Spiellust der Kinder zu gesetzlich beschränke, sondern nur theils dem Uebermaß, theils dem Uebergang in Zorn, Eigenwillen, Leidenschaftlichkeit, Herrschsucht und deß etwas wehre, wenn und wo Kinder etwa zusammenspielen.

4. Strafet im evangelischen Geiste der Liebe Christi, aber auch zugleich mit heiligem Ernst und Eifer Eure Kinder, wenn sie das Gebotene nicht thun und das Verbotene nicht lassen, und die vorhergeschehene Drohung der Strafe fruchtlos geblieben ist. Richtet Euch aber hierbei nach der Art und dem Grade der Uebertretung und Unterlassung und nicht, wiefern Euch beide persönlich mehr oder minder zuwider sind. Auch hier müssen Gottes Ge- und Verbote, und nicht Eure persönlichen Gefühle und Meinungen den rechten Maßstab abgeben. Denn es wäre sehr ungerecht und ungeschickt z. B. temperamentliche Unarten der Kinder, blos weil sie Euch persönlich lich lästiger und beschwerlicher sind, härter zu strafen als wirkliche Sünden wider die Liebe und die Wahrheit.

Hütet Euch hierbei, Ihr lieben Mütter, vor stetigem Keifen, Zanken und Schelten bei den Unarten der Kinder, dadurch sie nur stumpf oder gar zugleich Euch innerlich widerwärtig werden. Eben so wenig lasset die bereits gedrohte Strafe mehrfach unausgeführt vorübergehen, bis Ihr endlich in fleischlichem Zorn und Aerger über die Gebühr strafet und Euch dadurch schwerer auch gegen das Kind versündiget, als dasselbe gegen Euch.

Seid aber nicht zu vorschnell mit dem Androhen der Strafe und verhängt diese mehr gegen Ungehorsam, Lügen, Trotz, kurz wider sittlich Böses, als gegen temperamentliche Unart, Leichtfertigkeit, Ungeschick und deß etwas. Die angemessene Strafe aber, die Ihr gedroht habt, führet dann auch im heiligen Eifer um Gottes Ehre und des Kindes Wohl ernstlich und nachdrücklich durch. Richtet Euch aber hierbei auch nach der Art der Uebertretung, die Ihr bestraft; denn es ist schwerlich weislich gehandelt, eine jegliche mit Schlägen zu ahnden, die man vorherrschend gegen eigentliche Sünden richten muß, um ihnen den heiligen Ernst Gottes dawider an ihrem eigenen Leibe gründlich fühlbar zu machen. Anderweitige Unarten aber strafet ja nach deren Beschaffenheit. Ist z. B. ein Kind zu wild, ungeberdig und ausgelassen, so stellet es ein Weile still und einsam in eine Ecke des Zimmers; ist es zänkisch und zornmüthig im Spielen mit anderen, so trennet es eine Zeit lang von deren Gemeinschaft; bleibt es beim Besuchen anderer Kinder länger aus, als Ihr erlaubtet, so lasset es das Nächstemal nicht hingehen, oder stellet ihm für das Heimgehen eine noch kürzere Zeit; will es aus Leckerei diese oder jene Speise nicht essen, die keineswegs einen besonderen Beigeschmack hat und nicht in Feindschaft mit seiner Natur steht, so zwinget es freilich nicht dazu, gebet ihm aber auch keine andere und vielleicht bessere Speise, die zugleich auf dem Tische stehet, sondern weiset es an's trockene Brod; und läuft es ohne Erlaubniß auf die Straße oder zu andern Kindern, so sperret es eben so lange ein, als es ausgeblieben ist, obwohl dieser Fall, da Ungehorsam dabei ist, auch mit Schlägen heilsam behandelt werden kann.

Wachsen die Kinder heran, daß sie bereits innerhalb des Hauses einen gewissen Verstand der heiligen zehn Gebote bekommen, und durch erzählte biblische Geschichte vom Christ- und Osterfeste, sowie durch kurze Gebetlein, Lieder und Bilder eine gewisse Kenntniß von dem HErrn Christo haben, so ist es sehr wichtig und wohlgethan, nach ernsteren Strafen auf gröbere Uebertretungen, ihnen den Verstand des betreffenden Gebotes väterlich zu schärfen, Reue und Leid über ihre Sünde in ihnen zu erwecken und sie sodann, anfangs durch vorgesagte Gebetlein, zu dem HErrn Christo herzulocken, um Vergebung von ihm zu holen. Und nicht minder müssen schon früher die Kindlein gewöhnet werden, nach empfangener Strafe auch Vergebung der Sünde von den Eltern zu erbitten.

Doch ich sehe, der Brief wird zu lang; ich breche also auf diesmal ab und verbleibe in Christo Euer dienstwilliger W. S.

Im April, 1852.

Wie die Jesuiten und ihre Helfershelfer Luther's Schriften anführen.

Wäre Luther nicht schon während seines Lebens ein Märtyrer gewesen, so wäre er es doch nun nach seinem Tode geworden. Die Herren Papisten und insonderheit die Herren Jesuiten und ihre Helfershelfer thun, was sie können, um

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

174

even, when moody harshness of the parents is added, shy, reserved, inwardly wrathful and hypocritical; and not only is the germ of the peculiar character, which God has already implanted at the moment of conception, miserably crushed and stifled by such excess of restraint, but the child is at the same time in the latter case also morally corrupted, and the hereditary falseness and wickedness thereby powerfully strengthened.

Conversely, on the other hand, through the excess of letting go free,—a wrong way which here in this country is, alas, very common,—the children become wild, unruly, impudent and brazen, so that they have no humility, reverence and obedience, neither toward God nor toward men, and grow up into a lawless and unbridled generation, like Ishmael and his seed and the mass of the loafers and rowdies in the great cities, who are held only with difficulty within the barest bounds by the authorities, which, alas, here and there do not act vigorously and thoroughly enough. If you would be Christian parents, then you have indeed earnestly to watch and to pray that you in the training and accustoming of your children avoid both kinds of wrong ways, but especially the last, which is the custom of the land, and apply the right measure of restraining and letting go free to each of your children from early on. This measure, however, God the Holy Ghost will show you and put into your mind at your asking; for HE alone gives also for this the right wisdom, which, since moreover the personal peculiarity of children is so exceedingly manifold, is hardly to be learned in a human way. This much, however, may indeed be said in general: Children of an energetic but at the same time wrathful disposition of mind and temper, and likewise those of a mobile and at the same time light-minded temperament, need predominantly restraint; on the other hand, children of a contemplative and introverted but at the same time melancholy nature, and others of a more sluggish and dull nature, have more need of being let go free, within which, however, the former are especially to be guided, and the latter to be enlivened.

2. Command and forbid not too much and not too many things; but where you do command and forbid, there hold with untiring perseverance to it, that what is commanded be done at once by your children, and what is forbidden be left undone.

For not a few mothers have the doubly evil and pernicious habit that they sometimes, within half an hour, command and forbid the children many things, and yet do not attend thoroughly to whether their command and and prohibition is complied with. Thereby, however, the children are led rather to disobedience instead of to obedience, and far from obeying thereby gradually becoming to them a wholesome habit, they fall rather into an unsettled, arbitrarily moody way. Also by such perverse treatment the germ of contempt for such weak-willed mothers or fathers is at the same time planted in the souls of the children, which, alas, springs up early enough if the parents do not yet in due time come to their senses and take the right way.

3. In what you command or forbid, lay the emphasis chiefly on that which according to the holy 10 Commandments is right or wrong, even before the children can grasp the actual meaning of these commandments.

Unchristian and seemingly Christian parents, and especially the mothers, here also mostly do the opposite. They care more that their little daughters make no spots in their white and clean dresses and behave themselves outwardly prettily, than that they, among the people, through vanity and conceit, and through wild and wanton behavior at home, defile their souls. Christian-minded parents, on the other hand, ought in fairness not to lay the emphasis upon outward demeanor, on which also here in this country an exaggerated value is laid with girls, but on that which before God and according to his Word is good, true, virtuous and right. If this is chiefly held to in discipline and training, then the children will, under God's blessing, have also in their outward appearance the right manners and ways, without anything foreign and unnatural to their childlike state being taught them and forced upon them from without.

Herein this also is now to be noted, that one by too much forbidding does not restrict too legally the natural cheerfulness and love of play of the children, but only partly withstand the excess, partly the lapse into anger, self-will, passionateness, domineeringness and the like, when and where children happen to play together.

4. Punish your children in the evangelical spirit of the love of Christ, but also at the same time with holy earnestness and zeal, when they do not do what is commanded and do not leave what is forbidden, and the previously given threat of punishment has remained fruitless. Yet direct yourselves herein according to the kind and degree of the transgression and omission, and not according to how far both are personally more or less repugnant to you. Here also God's commands and prohibitions, and not your personal feelings and opinions, must furnish the right standard. For it would be very unjust and unskillful, for example, to punish temperamental faults of the children, merely because they are personally more irksome and troublesome to you, more severely than real sins against love and truth.

Beware herein, you dear mothers, of continual nagging, quarreling and scolding at the faults of the children, whereby they become only dull or even at the same time inwardly repugnant to you. Just as little let the punishment already threatened pass repeatedly unexecuted, until you at last in fleshly anger and vexation punish beyond measure and thereby sin more heavily against the child than it against you.

But be not too hasty with the threatening of punishment, and inflict it rather against disobedience, lies, defiance, in short against moral evil, than against temperamental fault, levity, awkwardness and the like. The appropriate punishment, however, which you have threatened, then carry out also in holy zeal for God's honor and the child's welfare earnestly and emphatically. But direct yourselves herein also according to the kind of the transgression which you punish; for it is hardly wisely done to avenge with blows every one, which one must chiefly direct against actual sins, in order to make the holy earnestness of God against them thoroughly felt upon their own bodies. Other faults, however, punish according to their nature. If, for example, a child is too wild, unruly and unrestrained, set it for a while still and alone in a corner of the room; if it is quarrelsome and wrathful in playing with others, separate it for a time from their company; if it stays away longer than you allowed when visiting other children, let it not go the next time, or set it a still shorter time for going home; if it will not eat this or that dish out of daintiness, which has by no means a particular after-taste and is not at enmity with its nature, then you must indeed not force it to it, but give it also no other and perhaps better dish, which stands on the table at the same time, but direct it to the dry bread; and if it runs without permission into the street or to other children, shut it up just as long as it has been away, although this case, since disobedience is in it, may also be wholesomely treated with blows.

If the children grow up so that they already within the house get a certain understanding of the holy ten commandments, and through narrated Bible history of the feast of Christmas and Easter, as also through short little prayers, hymns and pictures, have a certain knowledge of the LORD Christ, then it is very important and well done, after sterner punishments for grosser transgressions, to sharpen paternally to them the meaning of the commandment concerned, to awaken in them sorrow and grief over their sin, and then, at first through prayers said before them, to allure them to the LORD Christ, to fetch forgiveness from him. And no less must the little ones be accustomed even earlier, after punishment received, also to beg forgiveness of the sin from the parents.

But I see the letter is getting too long; I therefore break off for this time and remain in Christ your willing servant, W. S.

In April, 1852.

How the Jesuits and Their Helpers Cite Luther's Writings.

Had Luther not already been a martyr during his lifetime, he would yet have become one now after his death. The gentlemen Papists, and especially the gentlemen Jesuits and their helpers, do what they can, in order