Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 3 › Seite 17
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-09-28, Seite 17
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Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ (Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.)
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 9. St. Louis, Mo., den 28. September 1852. No. 3.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.
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Vorwort des Redakteurs
zum neunten Jahrgang des „Lutheraner.“
(Fortsetzung und Schluß.)
Wäre Herr Pst. Grabau auf den Vorschlag unserer Synode zu einer mündlichen freundlichen Besprechung der, zwischen der letztern und ihm obschwebenden, Lehrdifferenzen eingegangen, wir zweifeln nicht, es wäre endlich zur Einigung gekommen. Wäre auch nicht alsbald nach der ersten Unterredung eine vollkommene Concordia zu Stande gebracht worden, so wäre doch sicher durch Gottes Gnade der Grund dazu gelegt worden. Die geringsten Zeichen von Nachgiebigkeit von Seiten Pst. Grabau's und seiner Anhänger würden uns bewogen haben, unsere amtliche Gegenstellung gegen sie aufzugeben. Endlich wäre es daher gewiß (bei redlichem Willen von beiden Seiten, nichts Eigenes, sondern allein das Kleinod der reinen Lehre unserer Kirche festzuhalten) auch zu völligem Consens in der Lehre gekommen; und dann würde es ja ein Leichtes gewesen sein, die während des Streits entstandenen Gemeindespaltungen rückgängig zu machen und alles so zu ordnen, wie es bei einträchtiger Lehre nach Gottes Wort geordnet sein soll. Nimmer würden wir uns solcher Getrennter angenommen haben, die sich dann etwa aus persönlicher Abneigung, aus Unversöhnlichkeit und hartnäckigem Mißtrauen zu einer Wiedervereinigung nicht würden haben verstehen wollen. Gott, der in das Herz sieht, ist unser Zeuge, wie aufrichtig und herzlich uns nach Einigung verlangt hat und daß kein Opfer uns zu groß gewesen sein würde, was wir zur Förderung solcher Einigkeit hätten bringen sollen und mit gutem Gewissen hätten bringen können, was wir dafür nicht mit Freuden gebracht haben würden.
Nachdem aber alle unsere Versuche gescheitert sind, auf friedlichem Wege Einigkeit in der Wahrheit herbeizuführen, gescheitert an der Empfindlichkeit und Härte Pst. Grabau's, der keinen Augenblick auch nur davon absehen kann, daß wir von ihm Verstoßene aufgenommen haben: was sollen und können wir nun thun?*)
*) Uns ist kein Beispiel aus der Kirchengeschichte bekannt, daß rechtgläubige Lehrer abgeschlagen hätten, mit ihren Widersachern sich mündlich zu unterreden, wenn diese es begehrten, oder daß sie die Bedingung gestellt hätten, die Widersacher müßten erst ihr Unrecht eingestehen und erst Buße thun! Wohl aber finden sich Beispiele vom Gegentheil in Menge. So verstand sich Luther bekanntlich im J. 1529 zu einer freundlichen Unterredung über die entstandenen Differenzen selbst mit einem Zwingli, der Luthern und Luther's reine Lehre auf das Abscheulichste eine Reihe von Jahren verlästert und eine gräuliche Rotterei getrieben hatte. Aber Luther, der demüthige Luther, konnte leicht vergessen, womit er beleidigt worden war; Gottes Ehre und das Heil der Kirche stand ihm am höchsten. Das überwand das Mißtrauen, das er für seine Person gegen die Maaßregel eines Colloquiums hatte.
Sollen wir den Frieden der Kirche etwa damit erkaufen, daß wir (was Pst. Grabau von uns fordert) uns ihm zu Füßen werfen? Sollen wir etwa bekennen: Wir haben gesündigt, daß wir Leute aufgenommen haben, die er verstoßen hat, er, ein Mann, der unsere Lehre verdammt hat und noch immer verdammt und dessen eigene Lehre wir für falsch, unlutherisch, unbiblisch erkennen, und jene Leute, die dieses Mannes falsche Lehre mit uns eingesehen haben und sich zu der von uns öffentlich geführten Lehre bekennen? Wäre eine solche Buße, wenn wir sie um Friedens willen thäten, nicht eine gräuliche und abscheuliche Verleugnung der erkannten Wahrheit? Würde das also nicht für uns eine Buße zur Verdammniß, eine gottlose Demuth sein? Und welche Frucht könnten wir daher auch für die Kirche von solcher Buße erwarten? — Nein! — wie sich Pst. Grabau auch winden und wenden mag, sein Publicum zu täuschen — jeder Unpartheiische von gesundem Verstande sieht ein: das können wir nicht; jeder sieht ein: erst muß der Streit über die Lehre ausgefochten sein, ehe an einen Widerruf von unserer Seite in Betreff der Annahme Getrennter vernünftiger Weise auch nur gedacht werden kann, da wir diese Getrennten um der falschen Lehre willen (Pst. Grabau's) angenommen haben; so lange daher Pst. Grabau nicht bewiesen hat, daß er in der Lehre rein und daß die von uns ihm gemachte Anschuldigung falscher Lehre ungegründet, hingegen die von ihm uns gemachte gegründet sei; so lange also Pst. Grabau nicht
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine shall pass away nevermore." (Rev. John, ch. 14, v. 6, 7.)
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 9. St. Louis, Mo., September 28, 1852. No. 3.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for subscribers living at a distance, who are to pay the same in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only those letters which contain communications for the paper are to be addressed to the Editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
Preface of the Editor
to the Ninth Volume of the "Lutheraner."
(Continuation and Conclusion.)
Had Pastor Grabau accepted the proposal of our Synod for a friendly oral discussion of the doctrinal differences pending between the latter and himself, we do not doubt that agreement would at last have been reached. Even if a complete concord had not been brought about immediately after the first conversation, yet the foundation for it would surely, by God's grace, have been laid. The slightest signs of yielding on the part of Pastor Grabau and his adherents would have moved us to give up our official opposition to them. Finally, then, it would certainly have come (given an honest will on both sides to hold fast nothing of our own, but only the jewel of the pure doctrine of our Church) to full consent in doctrine; and then it would have been an easy matter to undo the congregational divisions that arose during the strife, and to order everything as it ought to be ordered where doctrine is harmonious according to God's Word. Never would we have taken up the cause of such separated persons, if they, perhaps from personal aversion, from implacability and obstinate distrust, had been unwilling to consent to a reunion. God, who looks into the heart, is our witness how sincerely and heartily we have longed for agreement, and that no sacrifice would have been too great for us which we ought to have made, and with a good conscience could have made, for the furtherance of such unity, and which we would not gladly have made.
But now that all our attempts to bring about unity in the truth by peaceful means have failed, failed through the sensitiveness and harshness of Pastor Grabau, who cannot for a single moment look away from the fact that we have received persons expelled by him: what shall and can we now do?*)
*) We know of no example from the history of the Church in which orthodox teachers refused to confer orally with their adversaries when these desired it, or in which they laid down the condition that the adversaries must first confess their wrong and first do penance! But examples of the opposite are found in abundance. Thus Luther, as is well known, in the year 1529 agreed to a friendly conversation about the differences that had arisen even with a Zwingli, who for a series of years had slandered Luther and Luther's pure doctrine in the most abominable manner and had carried on a horrid rascality. But Luther, the humble Luther, could readily forget what he had been insulted with; God's honor and the welfare of the Church stood highest with him. That overcame the distrust which he personally had of the measure of a colloquy.
Shall we, perhaps, purchase the peace of the Church by throwing ourselves at his feet (as Pastor Grabau demands of us)? Shall we perhaps confess: We have sinned in receiving people whom he expelled, he, a man who has condemned our doctrine and still condemns it, and whose own doctrine we recognize as false, un-Lutheran, unscriptural, and those people who with us have perceived the false doctrine of this man and confess the doctrine publicly maintained by us? Would not such penance, if we did it for the sake of peace, be a horrid and abominable denial of the known truth? Would that not, therefore, be for us a repentance unto damnation, an ungodly humility? And what fruit could we therefore expect for the Church from such penance? — No! — however Pastor Grabau may twist and turn to deceive his public — every impartial person of sound understanding sees: this we cannot do; everyone sees: first the controversy over the doctrine must be fought out, before a retraction on our part regarding the reception of the separated can reasonably be so much as thought of, since we received these separated persons on account of the false doctrine (of Pastor Grabau); so long, therefore, as Pastor Grabau has not proved that he is pure in doctrine, and that the charge of false doctrine made by us against him is unfounded, while that made by him against us is well founded; so long, then, as Pastor Grabau does not