Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 3 › Seite 19
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-09-28, Seite 19
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aufzudecken, welche sein listiger Gegner thut, die, so furchtbar sie aussehen, doch, wie der Kundige und Aufmerksame wohl weiß, nur Luftstreiche sind? Verlangt es übrigens Herr Pst. Grabau, daß wir ihm diese seine unehrliche Kampfweise nachweisen, so sind wir bereit, diesen Nachweis mit einigen Beispielen aus vielen zu führen. — Eine andere Ursache, warum unser nunmehriger Kampf ein schwierigerer ist, ist diese, weil dazu, die Sache, um die es sich handelt, recht zu würdigen und zu beurtheilen, theils ein größerer Ernst, theils eine größere Erkenntniß nöthig ist, als die meisten Leser haben. Wenige haben jetzt, leider! einen so großen göttlichen Eifer für die Reinheit der heiligen Lehre, daß es ihnen wichtig genug wäre, bei solchem Kampfe ernstlich die Gründe für und wider abzuwägen; nicht wenige achten vielmehr die Sache für kaum der Rede werth und den ganzen Kampf für ein leeres unnützes Wortgezänk. Wenige kennen auch die Lehre schon in dem Umfange, daß sie im Stande wären, einzusehen, wie ein Abgehen in diesem und jenem scheinbar minder wichtigen Punkte zu einem Umstürzen des ganzen Heilsgrundes führen könne und müsse. In solchem Kampfe kann daher der Streiter für die Wahrheit freilich nur von wenigen Zustimmung erwarten. — Ein dritter Grund, warum dieser Kampf besonders schwierig ist, ist dieser, weil sich die Irrthümer, welche Pst. Grabau verficht, schon seit mehr als hundert Jahren in die lutherische Kirche hie und da eingeschlichen haben, so daß nun viele dieselben in Folge einer gewissen Lehrtradition (Lehrüberlieferung) hegen und, gedankenlos, wie sie sind, wähnen, das, was wir bekämpfen, sei ja von jeher Lehre der Lutheraner gewesen. Die Irrthümer Pst. Grabau's sind ein alter Schaden in unserer Kirche, dessen Entstehung zurückzudatiren ist in die Zeit, wo die Wächter in unserer Kirche zu schlafen begannen und die Orthodoxie darein setzten, daß sie sich möglichst weit von der Anschauungsweise der schwärmerischen, das Kirchliche hassenden Sekten entfernten und so allgemach wieder in papistische Vorstellungen hinüberrückten. Dieser alte Schaden bricht nur bei Pst. Grabau einmal wie ein reif gewordenes Geschwür auf. Wie nun im Lande der Hinkenden der Geradgehende für einen Krüppel gilt, weil er nach Landessitte nicht mithinkt, so gilt unter solchen romanisirenden Lutheranern ein alter evangelischer Lutheraner von vornherein für einen Unkirchlichen und Heterodoren d. i. für einen, der vom rechten Glauben abgeht, weil er nicht mit romanisiren will. — Ein vierter Grund endlich, warum unser gegenwärtiger Kampf besondere Schwierigkeiten hat, ist dieser, daß Pastor Grabau's Lehre, die wir bekämpfen, der Vernunft viel besser eingeht, als die reine Lehre, und weil sie den Gelüsten herrschsüchtiger Prediger entgegen kommt. Dem natürlichen Menschen geht es viel besser ein, wenn er hört, die Kirche sei ein sichtbares Reich, in welchem es Gebietende und Gehorchende gebe, als wenn er hört, daß die Kirche eigentlich ein unsichtbares geistliches Reich sei, in welchem nur Christus gebietet, alle aber Brüder sind, in welchem der Prediger nur die Gewalt des Wortes hat und zu seinen menschlichen Ordnungen, wenn sie ihm auch noch so gut zu sein scheinen, niemanden zwingen darf. Und wie angenehm ist es insonderheit eigensinnigen Predigern, wenn ihnen vorgespiegelt wird, wie Pastor Grabau thut, daß die Gemeinde ihm in allen kirchlichen Dingen gehorsam sein muß, wenn dieselben nur nicht wider Gottes Wort sind! wenn also dem Prediger der stolze Wahn beigebracht wird, daß die Christen in der Kirche dem Prediger im Grunde denselben Gehorsam schuldig sind, den sie im Staate dem Könige zu leisten haben! Denn wird etwas wider Gottes Wort gefordert, so sind ja freilich die Bürger selbst einem Könige keinen Gehorsam schuldig, sondern auch da gilt der Spruch: Wir müssen Gott mehr gehorchen, denn den Menschen. Es ist daher wahrlich nicht leicht, für eine Lehre in die Schranken zu treten, gegen die sich Vernunft und Eigenliebe so Vieler empört!
Doch in Gottes Sachen haben wir ja nicht auf den zu erwartenden Erfolg unseres Thuns, sondern allein auf Gottes Befehl und unsere Schuldigkeit zu sehen. Allein darauf schauend und den Erfolg Gott anheim stellend, werden wir denn nun mit demselben Eifer das Zusetzen zu unserer theuren evangel. Lehre bekämpfen, mit welchem wir bisher das Abthun davon bekämpft haben; mit demselben Eifer dem Versuch widerstehen, römische Irrlehre in die Lehre unserer lutherischen Kirche einzuschwärzen, mit welchem wir uns dem Versuch entgegengestellt haben, reformirte, schwarmgeisterische und unionistische Irrlehren einzuschmuggeln. Wie bisher bei allen unseren Kämpfen, so soll auch in dem nun begonnenen unser Leitstern sein und bleiben:
Gottes Wort und Luther's Lehr
Vergehet nun und nimmermehr.
Wir bezeugen jedoch vor Gott und aller Welt noch zum Schluß, daß wir trotz alles dessen, was wir Betrübendes und Niederschlagendes bei unseren Friedensvorschlägen erfahren haben, jeden Augenblick noch immer zu Annahme jedes Friedensschlusses willig und bereit sind, den wir, ohne die Wahrheit Gottes irgendwie beugen zu müssen, annehmen können. Wir sind Herrn Pastor Grabau's Feind nicht, wir hassen ihn nicht, wir wünschen ihm nichts Böses, keine Beschämung, keinen Abgang des Segens, den Gott bereits auf seine Arbeit sonst gelegt hat, wir freuen uns inniglich über alles Gute, das Gott diesem Manne gelingen läßt und insonderheit über alle Seelenrettungen, die durch seinen Dienst geschehen. Wäre es daher möglich, daß wir ihm die Hand der Versöhnung noch reichen könnten, so wäre das für uns das Köstlichste, was Gott uns in diesem armen Leben noch erleben lassen könnte. Mit ihm in der Wahrheit und der Liebe einig, wollten wir dann mit Freuden zurücktreten, sein, als des Aelteren, Diener werden und, wie Luther selbst von dem Pabst und Bischöfen für solchen Fall sagt, ihm gern die Füße waschen und ihn auf den Händen tragen. Das walte Gott! Amen!
Die Stimme unserer Kirche
über den ungerechten Bann.
Motto: „Gleichwie ihre Gesetze sind, so ist auch ihr Bann. Wie Gesetz und Bann, so ist auch ihre Kirche. Wie die Kirche, so ist auch ihr Gott.“ (Luther.)
Daß wir über diesen Gegenstand noch einmal den Lesern des „Lutheraner“ etwas vorlegen, mag wohl nicht wenigen etwas Ueberflüssiges zu sein scheinen. Je mehr Leser aber in den Gedanken stehen, daß der Punkt vom ungerechten Bann ein nicht eben so wichtiger sei, desto nöthiger erscheint es, darauf immer noch einmal zurückzukommen. So traurig nehmlich es in den Gemeinden steht, in welchen die Kirchenzucht fast gar darniederliegt, und der Bann gegen die offenbaren und halsstarrigen Sünder und Irrgeister gar nicht ausgeübt wird, so erschrecklich ist es, wenn in einer Gemeinde ungerecht gebannt wird, das heißt, wenn darin unschuldige Christen vom heiligen Abendmahl abgestoßen und aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Damit wird eine furchtbare Sünde begangen. Mit einem solchen ungerechten öffentlichen Bann vor Menschen stürzen sich die Banner, ohne daß sie es ahnen, in den geheimen Bann vor Gott, welches, wie Luther gar recht sagt, der allererschrecklichste Bann ist. Solche Banner thun nicht anders, als wollten sie dem HErrn JEsu ein lebendiges Glied von seinem Leibe schneiden (was sie freilich nicht können.) Solche Banner schließen mit den unschuldigen Christen den HErrn JEsum selbst von sich aus; denn in den gläubigen Christen wohnt ja der HErr JEsus und Er sagt, was man Einem der Geringsten unter den Seinen gethan habe, das habe man Ihm gethan. Eine solche Gemeinde, die dem Heiland Seine Gläubigen verstößt und von sich absondert, erkennt daher derselbe nicht mehr für seine liebe Gemeinde, wenn auch einige einfältige, gute, redliche Seelen noch darunter sind; es sei denn, daß sie Buße thut. Es ist daher mit dem Banne nicht zu scherzen. Mit dem Bindeschlüssel ist uns armen Sündern eine große verantwortungsvolle Gewalt übergeben, die wir an unseren Mitsündern mit Furcht und Zittern und nicht leichtfertig gebrauchen dürfen, wenn wir dadurch nicht uns selbst aus dem Himmelreich ausschließen und den Fluch Gottes auf uns herabziehen wollen. Man lese nur folgende Stellen heiliger Schrift: Jer. 23, 1. 2. Hes. 34, 4—6. 20—22. Luc. 6, 22. 11, 52. Joh. 9, 22. 12, 42. 16, 2—3.
Das Grabauische Kirchen-Informatorium will zwar behaupten, daß eine Gemeinde mit ihrem Prediger trotz des ungerechten Bannes, den sie ausübt, die wahre Kirche, die Braut Christi, die liebe Mutter der Gläubigen bleibe, von der sich daher niemand trennen dürfe, wenn er auch von ihr wider Gottes Wort und Recht in den Bann gethan, also ungerecht von dem Genuß der Gnadenmittel und christlichen Gemeinschaft
English translation AI translation
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to expose, which his crafty opponent performs, which, however fearsome they look, are yet, as the knowing and attentive well know, only blows in the air? Moreover, if Pastor Grabau requires that we demonstrate to him this his dishonest manner of fighting, we are ready to furnish this demonstration with a few examples out of many. — Another reason why our present conflict is a more difficult one is this: that, in order to appraise and judge rightly the matter at issue, there is needed partly a greater earnestness, partly a greater knowledge, than most readers have. Few at present, alas, have so great a divine zeal for the purity of the holy doctrine that it would be important enough to them to weigh earnestly the reasons for and against in such a conflict; not a few rather regard the matter as hardly worth mentioning and the whole conflict as an empty, useless wrangling about words. Few also know the doctrine already so fully that they would be in a position to see how a departure in this or that apparently less important point can and must lead to an overthrow of the whole ground of salvation. In such a conflict, therefore, the champion of the truth can indeed expect assent from only a few. — A third reason why this conflict is especially difficult is this, that the errors which Pastor Grabau defends have already for more than a hundred years crept here and there into the Lutheran Church, so that many now cherish them by virtue of a certain doctrinal tradition (handing down of doctrine) and, thoughtless as they are, imagine that what we combat has been the doctrine of the Lutherans from time immemorial. The errors of Pastor Grabau are an old hurt in our Church, whose origin is to be dated back to the time when the watchmen in our Church began to sleep and made orthodoxy consist in this, that they removed themselves as far as possible from the mode of view of the fanatical sects that hate whatever is churchly, and so gradually moved back again toward papistic conceptions. This old hurt breaks out only in Pastor Grabau, once for all, like an ulcer that has become ripe. As in the land of the lame the man who walks straight is held a cripple because, according to the custom of the land, he does not limp along, so among such Romanizing Lutherans an old evangelical Lutheran is held from the outset to be unchurchly and a heterodox person, that is, one who departs from the right faith, because he will not Romanize along with them. — A fourth reason, finally, why our present conflict has particular difficulties is this, that Pastor Grabau's doctrine, which we combat, enters reason far better than the pure doctrine, and because it falls in with the lusts of domineering preachers. It goes down much better with the natural man when he hears that the Church is a visible kingdom in which there are those who command and those who obey, than when he hears that the Church is properly an invisible spiritual kingdom in which only Christ commands, but all are brethren, in which the preacher has only the power of the Word and may compel no one to his human ordinances, however good they may seem to him. And how agreeable it is, especially to self-willed preachers, when it is held out to them, as Pastor Grabau does, that the congregation must be obedient to him in all churchly matters, provided only that these are not against God's Word! when, that is, the proud delusion is instilled into the preacher that Christians in the Church owe the preacher at bottom the same obedience which they have to render to the king in the state! For if anything is demanded contrary to God's Word, then indeed the citizens are not bound to obey even a king, but there too the saying holds: We ought to obey God rather than men. It is therefore truly not easy to enter the lists for a doctrine against which the reason and self-love of so many revolt!
Yet in God's affairs we have, after all, not to look to the success to be expected from our doing, but solely to God's command and our duty. Looking only to that, and committing the success to God, we shall now with the same zeal combat the adding to our dear evangelical doctrine with which we have hitherto combated the taking away from it; with the same zeal resist the attempt to smuggle Roman error into the doctrine of our Lutheran Church with which we have set ourselves against the attempt to smuggle in Reformed, fanatical and unionistic errors. As hitherto in all our conflicts, so also in the one now begun shall our guiding star be and remain:
God's Word and Luther's doctrine
Shall pass away nevermore.
We testify, however, before God and all the world, once more in conclusion, that in spite of all the grievous and discouraging things we have experienced in connection with our proposals of peace, we are at every moment still willing and ready to accept any conclusion of peace which we can accept without having in any way to bend the truth of God. We are not the enemy of Pastor Grabau; we do not hate him; we wish him no evil, no shame, no lapse of the blessing which God has already laid upon his labor otherwise; we rejoice heartily over all the good that God lets succeed with this man, and especially over all the rescues of souls that take place through his service. Were it therefore possible that we could still extend to him the hand of reconciliation, that would be for us the most precious thing that God could still let us live to see in this poor life. United with him in truth and love, we would then gladly step back, become his, as the elder's, servants, and, as Luther himself says of the Pope and bishops in such a case, gladly wash his feet and carry him on our hands. God grant it! Amen!
The Voice of Our Church
on Unjust Excommunication.
Motto: "As their laws are, so is their ban also. As the law and the ban, so is their church also. As the church, so is their God also." (Luther.)
That we once more lay something before the readers of the "Lutheraner" on this subject may seem to not a few something superfluous. But the more readers there are who think that the point of unjust excommunication is not so important, the more necessary it appears to return to it again and again. For as sad as it is in the congregations in which church discipline almost wholly lies prostrate, and the ban against open and obstinate sinners and heretics is not exercised at all, so terrible is it when in a congregation men are unjustly excommunicated, that is, when innocent Christians are therein repelled from the holy Supper and shut out from Christian communion. Thereby a fearful sin is committed. By such an unjust public ban before men the excommunicators plunge themselves, without their suspecting it, into the secret ban before God, which, as Luther quite rightly says, is the most terrible ban of all. Such excommunicators do nothing else than as if they would cut from the LORD JESUS a living member of His body (which of course they cannot do.) Such excommunicators shut out with the innocent Christians the LORD JESUS Himself from them; for in believing Christians the LORD JESUS dwells, and He says that what one has done to one of the least among His own, that one has done to Him. Such a congregation, which thrusts out His believers from the Saviour and separates them from itself, He no longer acknowledges for His dear congregation, even if some simple, good, honest souls are still among them; unless it repent. There is therefore no trifling with the ban. With the key of binding a great and responsible power is committed to us poor sinners, which we may use upon our fellow-sinners only with fear and trembling and not lightly, if we do not wish thereby to shut ourselves out of the kingdom of heaven and draw down the curse of God upon us. Only read the following passages of Holy Scripture: Jer. 23, 1. 2. Ezek. 34, 4–6. 20–22. Luke 6, 22. 11, 52. John 9, 22. 12, 42. 16, 2–3.
The Grabauian Kirchen-Informatorium would indeed maintain that a congregation with its preacher, in spite of the unjust ban which it exercises, remains the true Church, the Bride of Christ, the dear mother of believers, from which therefore no one may separate himself, even if he has been put under the ban by it contrary to God's Word and right, that is, unjustly excluded from the enjoyment of the means of grace and Christian communion