Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 19 › Seite 126

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-05-10, Seite 126

121 122 123 124 125 126 127 128

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

126

vorstande in Schwelm unangenehm gewesen sein, und dem, der die Predigt gehört oder gelesen hat, kann das auch gerade so unglaublich nicht scheinen. Besagter Kirchenvorstand soll in jener lichtvollen Aufklärung eine Anregung zum Hasse, zur Beleidigung und Verspottung der römisch-katholischen Kirche entdeckt und bei der hiesigen Königlichen Staatsanwaltschaft die Untersuchung gegen den Pastor Heinrich und, warum es wohl am meisten zu thun gewesen seyn wird, die Beschlagnahme und Vernichtung der gedruckten Exemplare beantragt haben. Das Kreisgericht hatte in Folge dessen die Anklage beschlossen und den Verfasser sammt dem Drucker der Predigt auf Grund des Artikels 135 des Strafgesetzbuches vor seine Schranken geladen. Dieser Artikel lautet: „Wer öffentlich in Worten, Schriften oder andern Darstellungen Gott lästert, oder eine der christlichen Kirchen oder eine andere mit Corporationsrechten im Saate bestehende Religionsgesellschaft oder die Gegenstände ihrer Verehrung, ihre Lehren, Einrichtungen oder Gebräuche verspottet, oder in einer Weise darstellt, welche dieselben dem Hasse oder der Verachtung aussetzt, wird mit Gefängniß bis zu drei Jahren gestraft.“

Herr Pastor Heinrich erschien persönlich vor Gericht, ohne einen andern Rechtsbeistand, außer seinem theuern Gottesworte. Die Anklageschrift enthielt 14 incriminirte Stellen jener Reformationspredigt, die alle jenem Paragraphen des Strafgesetzbuches zuwider seyn sollten, also 14fache Beleidigung und Verspottung u. Anregung des Hasses gegen die römisch-katholische Kirche. Mit großer Ruhe trat der Angeklagte vor seine Richter und entwickelte in einer zweistündigen, durch und durch klaren, logisch scharfen und schlagenden Vertheidigung seine vollständige Berechtigung als evangelischer Prediger zu einer solchen Reformationspredigt in ihrem Ganzen sowohl, als in ihren einzelnen Ausdrücken. Er wies darauf hin, wie fern ihm die Absicht gelegen habe und wie die Predigt nicht geschaffen sey, Haß ꝛc. gegen die römisch-katholische Kirche, sondern vielmehr Mitleiden zu erregen, wie dieselbe ja, nach den ausdrücklichen Worten der Einleitung, Dankbarkeit für den Segen der Reformation und Liebe zu dem evangelischen Bekenntnisse wirken solle. Er machte auf den gewaltigen Unterschied zwischen der Bibelsprache und darum der evangelischen Predigtsprache und zwischen der Sprache des gewöhnlichen Lebens aufmerksam. Er wies Punkt für Punkt nach, wie seine Predigt nicht von einem subjektiven, sondern von einem objektiven Standpunkte aus beurtheilt werden müsse, wie keine einzige von den Ansichten und Lehren, die er vorgetragen, ihm eigenthümlich sey, sondern die Auffassungsweise der heiligen Schrift und der heiligen Kirche, die ihn zum Prediger berufen habe. Er wies nach, daß nicht allein diese Lehren, sondern auch die scharfen, richtenden Ausdrücke sich auf Gottes Wort, so wie auf die symbolischen Bücher gründeten, daß dieser Rechtsboten der evangel. Kirche keinem Prediger derselben genommen oder verkümmert werden dürfe und daß er von seiner vorgesetzten Behörde gerade auf diesen Rechtsboden verpflichtet worden sey. Zum Schlusse bemerkte er, daß ihm durchaus nicht entgegengestellt werden könne, der Standpunkt sey jetzt ein anderer, als vor 300 Jahren, wo die symbolischen Bücher verfaßt wurden; der Standpunkt sey vielmehr noch immer derselbe, von römisch-katholischer Seite ein unaufhörliches Anfeinden, ein mit allen möglichen Mitteln geführter Vernichtungskampf, der ja gerade in der jetzigen Zeit mit neuer Heftigkeit aufgenommen sey und in dem der Jesuitismus sein schweres Geschütz gegen die evangelische Kirche aufgefahren habe, — darum von evangelischer Seite ein fortwährendes Protestieren gegen Alles, was nicht in dem lebendigen Worte Gottes gegründet ist. — Mit gespannter Aufmerksamkeit und athemloser Stille folgten die Anwesenden dem ganzen Vortrage und sichtbar mächtig war der Eindruck auf ihr Herz. Die Königliche Staatsanwaltschaft gab zwar in der Beantwortung zu, daß darin dem Angeklagten nicht die Absicht, Haß ꝛc zu erregen, nachgewiesen werden könne, fand dies auch durch die Herausgabe der Predigt bestätigt, und deßhalb in dieser Veröffentlichung einen Milderungsgrund; allein sie machte doch geltend, daß ein solches Vergehen gegen den §. 135 in der Wirklichkeit doch in der Predigt zu finden sey und trug auf Bestrafung des Angeklagten an.

Nachdem der Gerichtshof die Publikation des Urtheils einige Stunden ausgesetzt hatte, wurde um 5 Uhr Abends dasselbe dahin publicirt, daß der Pfarrer Heinrich, schuldig sich gegen §. 135. des Strafgesetzes vergangen zu haben, zu einer 14tägigen und der Drucker zu einer 8tägigen Gefängnißstrafe verurtheilt und die Vernichtung der gedruckten Exemplare seiner Predigt für Recht erkannt sei. In seinen Gründen sprach sich das Erkenntniß hauptsächlich dahin aus, daß die in der Predigt gebrauchten Ausdrücke allerdings geeignet wären, „Haß ꝛc.“ hervorzurufen, daß der objektive Standpunkt der Kirche und Kirchenlehre bei der Beurtheilung über das einfache Gesetz nicht festgehalten werden könnte, sondern daß dem Gesetz gegenüber der Angeklagte als Person sich vergangen habe, daß auch sein Zurückweisen auf die symbolischen Bücher ihn nicht rechtfertigen könne, indem zu der Zeit ihrer Entstehung die jetzt vor dem Gesetze bestehende Parität beider Kirchen noch nicht festgesetzt gewesen sei. Das ist der einfache Verlauf dieses merkwürdigen Processes gewesen. durch den sich die traurige Wahrheit herausgestellt hat, daß ein evangelischer Prediger, wenn er sich strenge auf dem Glaubensboden seiner Kirche hält, wenn er aus dem Inhalte seiner symbolischen Bücher heraus, die ihm heilig sind und worauf er feierlich verpflichtet ist, lehrt und zeugt, durch dieses Lehren und Zeugen ein Vergehen gegen das Strafgesetzbuch vom 14. April 1851 sich zu Schulden kommen lassen kann und dem bürgerlichen Gesetze verfällt.

Nach dem Urtheile des Gerichtshofes ist kein Geistlicher mehr im Stande, seinem Ordinationsgelübde nachzukommen, ohne dem Gefängniß ausgesetzt zu sein. Und wie es in Preußen geht, wird es auch in andern Staaten Deutschlands gehen, wenn man nicht energisch auftritt.

Ich fühle mich auch deßhalb zur Mittheilung um so mehr verpflichtet, da die Verbreitung von größeren und kleineren Schriften zur Vertheidigung der reformatorischen Wahrheiten gegenüber der römischen Kirche nach solchen Vorgängen zur Unmöglichkeit in Preußen wird, ohne sich einer schweren Strafe auszusetzen.

Mit Hochachtung
und christlicher Ergebenheit
Dr. Marriot.

Basel, den 16. März 1853.

(Apologete.)

(Eingesandt.)

Klage und Trost.

Klage.

Meine Tage entfliehn,
Wie die Wolken hinziehn
Von den Stürmen des Himmels gejagt,
Wie ein Pfeil dahin saust,
Wie ein Strom dahin braust,
Wie ein Traum, der vergeht, wenn es tagt.

So auch eile ich zu
Meinem Tode ohn' Ruh,
Und bald deckt mich das dunkele Grab.
Ach, die Menschen vergehn,
Wie die Blumen verwehn:
Kaum erblühet so fall'n sie schon ab.

Nichts als Sorge und Müh
Ist das Leben von früh,
Bis am Abend die Sonne sich neigt;
Doch die bitterste Noth
Ist der schaurige Tod,
Der als König des Schreckens sich zeigt.

Und so fahr ich umher
Auf dem wogenden Meer
Dieses Lebens im schwankenden Kahn.
Rings von Stürmen bewegt
Und von Wellen erregt
Ist mühselig und trostlos die Bahn.

Denn von Außen nur Streit
Und von Innen nur Leid;
Denn die Weltlust vergeht wie ein Sturm.
Und im Inneren klagt
Das Gewissen, es nagt
Mich der Sünde nie sterbender Wurm.

Ich bin selbst mir verhaßt,
Bin mir selbst eine Last;
Ach, ich fühle nur ewiges Graun.
Denn von Reue und Schmerz
Wird verzehret mein Herz,
Und kein Sternlein des Trost's ist zu schaun.

Wo der Friede nur thront?
Ob auf Erden er wohnt?
Ach, wie jagt ich so gerne ihm nach!
Hin durch Länder und Seen,
Ueber Berge und Höh'n
Wollt' ich eilen bei Nacht und bei Tag.

* *
*

Trost.

Doch das Wort ist dir nah,
Der HErr JEsus ist da,
Der den Frieden vom Himmel gebracht.
Darum such ihn nicht fern,
Da im Worte des HErrn
Dich die Sonne der Liebe anlacht.

Was du schmerzlich entbehrt,
Was du sehnlich begehrt,

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

126

church council in Schwelm unpleasant, and to him who has heard or read the sermon it cannot seem just so incredible. The said church council is supposed to have discovered in that luminous enlightenment an incitement to hatred, to insult and mockery of the Roman Catholic Church, and to have applied to the local Royal Public Prosecutor's office for an investigation against Pastor Heinrich and, what no doubt mattered most to them, for the seizure and destruction of the printed copies. In consequence of this the District Court had resolved upon the indictment and had summoned the author together with the printer of the sermon before its bar on the ground of Article 135 of the Penal Code. This article reads: "Whoever publicly, in words, writings, or other representations, blasphemes God, or mocks one of the Christian churches or another religious society existing in the state with corporate rights, or the objects of its veneration, its doctrines, institutions, or customs, or represents them in a manner which exposes them to hatred or contempt, shall be punished with imprisonment up to three years."

Pastor Heinrich appeared in person before the court, without any other legal counsel save his dear Word of God. The indictment contained 14 incriminated passages of that Reformation sermon, all of which were supposed to be contrary to that paragraph of the Penal Code, thus a 14-fold insult and mockery and incitement of hatred against the Roman Catholic Church. With great calm the accused stepped before his judges and, in a two-hour defense, thoroughly clear, logically sharp and telling, developed his full right as an evangelical preacher to such a Reformation sermon, in its entirety as well as in its individual expressions. He pointed out how far from him the intention had been, and how the sermon was not designed to arouse hatred, etc., against the Roman Catholic Church, but rather compassion, as indeed, according to the express words of the introduction, it was meant to work gratitude for the blessing of the Reformation and love for the evangelical confession. He called attention to the mighty difference between the language of the Bible, and therefore of evangelical preaching, and the language of ordinary life. He showed point by point how his sermon must be judged not from a subjective but from an objective standpoint, how not a single one of the views and doctrines he had set forth was peculiar to himself, but was the way of understanding of the Holy Scripture and of the holy Church which had called him to be a preacher. He showed that not only these doctrines but also the sharp, judging expressions were founded on God's Word as well as on the symbolical books, that this legal ground of the evangelical Church may not be taken from or curtailed for any preacher of it, and that he had been obligated by his superior authority precisely upon this legal ground. In conclusion he remarked that it could by no means be objected to him that the standpoint is now a different one from that of 300 years ago, when the symbolical books were composed; the standpoint, he said, was rather still the same, on the Roman Catholic side an unceasing hostility, a war of annihilation waged with all possible means, which indeed in the present time has been taken up with new vehemence and in which Jesuitism has brought up its heavy artillery against the evangelical Church — therefore, on the evangelical side, a continual protesting against everything that is not founded in the living Word of God. — With tense attention and breathless silence those present followed the whole address, and visibly powerful was the impression on their hearts. The Royal Public Prosecutor's office admitted in its reply, to be sure, that the intention to arouse hatred, etc., could not be proved against the accused, found this also confirmed by the publication of the sermon, and for that reason a mitigating circumstance in this publication; yet it maintained that such an offense against § 135 was in reality to be found in the sermon, and moved for the punishment of the accused.

After the court had postponed the publication of the judgment for some hours, it was published at 5 o'clock in the evening to the effect that Pastor Heinrich, being guilty of having offended against § 135 of the Penal Code, was sentenced to imprisonment of fourteen days and the printer to imprisonment of eight days, and the destruction of the printed copies of his sermon was declared lawful. In its grounds the judgment pronounced chiefly that the expressions used in the sermon were indeed apt to call forth "hatred, etc.," that the objective standpoint of the Church and of the church's doctrine could not be maintained in judging with regard to the simple law, but that over against the law the accused as a person had transgressed, that his appeal to the symbolical books also could not justify him, since at the time of their origin the parity of both churches now existing before the law had not yet been established. That is the simple course of this remarkable trial, through which the sad truth has come to light that an evangelical preacher, if he holds strictly to the ground of faith of his Church, if he teaches and testifies out of the contents of his symbolical books, which are holy to him and to which he is solemnly pledged, may by this teaching and testifying become guilty of an offense against the Penal Code of the 14th of April 1851 and fall under the civil law.

According to the judgment of the court no clergyman is any longer in a position to fulfill his ordination vow without being exposed to imprisonment. And as it goes in Prussia, so will it go in other states of Germany, if one does not take energetic action.

I feel myself all the more obliged to make this communication because the circulation of larger and smaller writings for the defense of the reformatory truths against the Roman Church, after such occurrences, becomes an impossibility in Prussia without exposing oneself to a heavy penalty.

With respect
and Christian devotion,
Dr. Marriot.

Basel, the 16th of March 1853.

(Apologete.)

(Communicated.)

Lament and Comfort.

Lament.

My days flee away,
Like the clouds drifting by,
Chased by the storms of heaven,
Like an arrow whizzing along,
Like a stream rushing on,
Like a dream that vanishes when day dawns.

So too I hasten
To my death without rest,
And soon the dark grave covers me.
Ah, men pass away,
Like the flowers blown off:
Scarce have they bloomed, when they fall away.

Nothing but care and toil
Is life from morn
Till the sun sinks at evening;
Yet the bitterest distress
Is grisly death,
Who shows himself as king of terrors.

And so I drive about
On the billowing sea
Of this life in a tossing skiff.
All round by storms moved
And by waves stirred,
Toilsome and comfortless is the course.

For without only strife
And within only grief;
For the world's pleasure passes like a storm.
And within complains
The conscience, it gnaws,
The undying worm of sin, at me.

I am hateful to myself,
A burden to myself;
Ah, I feel only everlasting horror.
For by remorse and pain
My heart is consumed,
And no little star of comfort is to be seen.

Where does peace but sit enthroned?
Does it dwell on earth?
Ah, how gladly I would chase after it!
Through lands and seas,
Over mountains and heights
I would hasten by night and by day.

* *
*

Comfort.

Yet the Word is nigh thee,
The LORD JESUS is here,
Who has brought peace from heaven.
Therefore seek Him not afar,
Since in the Word of the LORD
The sun of love smiles on thee.

What thou hast painfully lacked,
What thou hast longingly desired,