Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 20 › Seite 133
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-05-24, Seite 133
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die Vorstube tragen. Ueberall sahen die Grönländer zu Egede als zu einem rettenden Engel, zu einem Vater hinauf, in dessen Hände sie getrost ihr Haupt niederlegen könnten. Ein Grönländer, der bisher nur über die Lehre des Predigers gespottet hatte, jetzt aber auch in Egede's Pflege kam, sprach sterbend: „Du hast das an uns gethan, was unsere Eigenen nicht würden an uns gethan haben; denn du hast uns mit Speise unterhalten, wenn wir nichts zu essen hatten, du hast unsere Todten begraben, die sonst, wenn du nicht da gewesen wärst, von den Hunden, Füchsen und Raben wären aufgefressen; insbesondere aber hast du uns von Gott gelehrt, wie wir selig werden sollen, so daß wir nun freudig sterben und ein besseres Leben nach diesem erwarten können.“ Egede's Werk bestand jetzt die Prüfung des Kreuzes, eine schwere, ernste Prüfung, aber er wurde bewährt; er hatte niemals viel Redens gemacht von Bekehrungen und aber Bekehrungen, wie es jetzt Mode ist bei den Missionen unter den Heiden, als aber das Kreuz über seine geistlichen Kinder kam, da zeigte es sich, daß er sie treulich gegründet und gebauet auf Gottes Wort und dazu durch seinen Wandel ihnen Christum abgebildet hatte. Seine Grönländischen Nachbarn „sehnten sich in ernstem Glauben u. Vertrauen auf das Verdienst Jesu Christi nach der ewigen Seligkeit und schieden in der Anrufung ihres Erlösers von hinnen.“ Besonders an Kindern nahm man die Wirkungen der Gnade und des Heiligen Geistes wahr, aber auch von den Lippen der Aelteren, eines Greisen unter Anderen, hörte man ein Hosianna in der Todesstunde; hatte Egede sich oft so einsam gefühlt wie Elias, jetzt unter der Heimsuchung mußte er merken, daß er mitten in einer, wenngleich sterbenden, Christengemeinde stand. Sterbend war sie damals; nachdem die Seuche sieben Monate lang in Grönland gewüthet hatte, waren alle Grönländer in der Niederlassung mit Ausnahme eines kleinen Knaben und eines kleinen Mädchens gestorben; von mehr als 200 Familien, die sich in der Umgegend auf 20 englische Meilen weit aufhielten, waren kaum drei übrig. Egede stand wie in einer Einöde, es schien, als ob das ganze Werk, das zu Gottes Ehre gemeint und begonnen war, nun dahinfallen müsse; er faltete seine Hände und sprach: Gott sehe darein um Jesu willen, dessen gnädigem Wohlgefallem ich diese Sache im Glauben befehle und übergebe.
In derselben Zeit kam eine andere, vielleicht noch schwerere Prüfung über Egede. Im J. 1733 sandte die Brüdergemeinde (die Herrnhuther) die Missionare Christian David und Matthäus und Christian Stach nach Grönland, denen König Christian und das Missionscollegium Empfehlungsbriefe an Egede mitgegeben hatten. Egede nahm sie freundlich auf, lehrte sie geduldig die Grönländische Sprache und verpflegte sie freundlich in den Krankheiten, von welchen sie sogleich in der ersten Zeit überfallen wurden. Da er indeß bald zu merken glaubte, daß jene Männer in der reinen Lehre des Wortes Gottes, wie sie bekannt wird in den lutherischen Bekenntnissen, nicht fest begründet waren, so befragte er sie darüber namentlich in Bezug auf den hohen Artikel von der Rechtfertigung, und mußte bald erfahren, daß sie die Rechtfertigung und Heiligung vermischten, ja behaupteten, die Rechtfertigung bestehe nicht in der zugerechneten, sondern in der inwohnenden Gerechtigkeit Christi und die Heiligung müsse nicht nur der Rechtfertigung nachfolgen, sondern auch ihr vorangehen. Es war natürlich, daß Egede wider solche Irrlehre ernstlich zeugte und erklärte: wenn sie die Lehre der lutherischen Kirche unterschrieben und ihr wirklichen Beifall geben wollten, sähe er ihr Bleiben gern; beharrten sie aber bei ihrer Irrlehre, so werde keine Einigkeit zwischen ihnen und keine gemeinsame Erbauung sein können. Das war eine männlich christliche Rede, aber wie wurde sie erwidert! Christian David behauptete, Egede habe nicht den Geist Christi und hindere die Heiden an ihrer Bekehrung; er sei selbst nicht bekehrt, also auch nicht geschickt, andere zu bekehren; ja selbst Verläumdungen fügten sie hinzu, wie daß Egede 8000 Thaler unterschlagen habe, und als ihnen das Schamlose dieser Lüge vorgehalten wurde, entschuldigte einer unter ihnen es damit, wenn er auch diese 8000 Thaler nicht unterschlagen, so liege es doch am Tage, daß er nicht im Glauben vor Gott wandle; in diesem Urtheile könnten sie unmöglich irren, denn sie hätten die Salbung des Geistes. — Es sind das schreckliche Reden, aber auch sie müssen nur dazu dienen, daß Egede's rechter Glaube und treues Bekenntniß zur reinen Lehre des Wortes Gottes uns um so heller entgegenleuchtet, uns beschämt und vermahnt, seinem Exempel nachzufolgen und trotz des Schmähens der Leute unser ehrbares lutherisches Bekenntniß treulich zu bewahren.
Am Ende dieser Trübsalszeit mußte Egede erfahren, daß Gott Zeit und Stunde, wie in seinem ganzen Reiche, so auch für die Arbeit seiner Knechte gesetzt hat. Nachdem er nun 14 Jahre lang in dem wüsten Lande hart gearbeitet hatte, fühlte er sowohl wie seine Gertrude, daß die schweren Anstrengungen während der Zeit der Blatternseuche ihrer ohnehin schon hart angegriffenen Lebensgesundheit allzuheftig zugesetzt hatten. Gertrude starb nach langem schmerzlichen Krankenlager am 21sten December 1735. „Wäre,“ schreibt Egede, „die tröstliche Hoffnung nicht von einer freudigen Wiedervereinigung im Reiche der Herrlichkeit, ich hätte kaum mich trösten können über den Hingang einer so frommen und tugendhaften Chefrau. . . . . Sie trug als ein Gotteskind das ihr auferlegte Kreuz mit großer Geduld; und wie sie vernahm, daß es zum Tode ging, rief sie ihren Gott und Erlöser recht innig um eine gnädige Erlösung aus diesem Jammerthal an. Nachdem sie noch einen liebevollen Abschied von mir und den Kindern genommen, erlöste Gott sie durch einen seligen Tod von ihren schweren Leiden.“ Egede selbst litt damals an der Mundfäule und Brustschwäche und wurde dazu von schweren geistlichen Anfechtungen geplagt. Die Gefahren, die Mühen, die er im kräftigen Mannesalter bestanden, konnte er nicht mehr aushalten; der Wiederaufbau des während der schrecklichen Seuche fast ganz zerstörten Missionswerks, brachte neue Mühen und Gefahren mit sich. Es wäre thöricht gewesen, jetzt noch in Grönland zu bleiben, da er jetzt seinem Sohne Paul die Leitung der Mission anvertrauen, selbst aber erwarten durfte, daß er demselben Werke mit den ihm noch übrigen Kräften in der Heimath besser werde dienen können. Er beschloß, heimzukehren. Darüber schreibt er: daß „mein Augenmerk bei diesem Entschluß war, durch die Heimkehr desto mehr zum Aufbau und zur Förderung des Werkes beitragen zu können, das ist dem allwissenden Gott bekannt, sowie daß ich keine Art von Erquickung oder Belohnung für die ausgestandene Arbeit suchte, welches mir nicht frommen würde; denn so wie ich nicht um zeitlichen Vortheils und Nutzens willen nach Grönland gezogen bin, so habe ich es dieserhalben eben so wenig verlassen, sondern Gottes Ehre allein und die Erleuchtung dieser armen, unwissenden Menschen war, ist und wird mein einziges Augenmerk, ja der unablässige Wunsch meines Herzens bis zu meinem Tode sein.“—Am 29. July 1736 hielt Egede seine Abschiedspredigt über Jesaias 49, 4: ich dachte, ich arbeitete vergeblich und brächte meine Kraft umsonst und unnützlich zu, wiewohl meine Sache des Herrn und mein Amt meines Gottes ist. Von allen Seiten waren die Grönländer herbeigekommen, ihren Lehrer noch einmal zu sehen und zu hören. Am 9ten August 1736 fuhr Egede ab von der Stätte seiner Arbeit und Mühsal; er nahm mit sich die Liebe der Grönländer, unter denen er noch heute „der unvergeßliche Vater“ heißt.
Am 24. September 1736 in Koppenhagen angelangt, began Egede nun in anderer Weise wie bisher für die Grönländische Kirche zu sorgen. Es wurde ein Grönländisches Seminar errichtet aus Studenten, die Missionare, und aus Kindern des Waisenhauses, die Lehrer werden sollten; Egede wurde Vorsteher daran und erhielt 1740 dazu die Aufsicht über das ganze Grönländische Missionswesen. Da arbeitete er nun mit alter Kraft und Treue, die jungen Leute zu wirklich lutherischen, zu fleißigen Predigern der reinen Lehre zu erziehen, da theilte er ihnen seine Erfahrungen in dem schweren Werke, das ihm bevorstand, mit, wie z. B. die Instruktion (Anweisung), die er für die Missionare ausgearbeitet hatte, bezeugt, da zeugte er auch offen und mächtig gegen den Leichtsinn, mit welchem das Missionscollegium Missionare aussandte, die in der Lehre nicht fest gegründet waren, und überhaupt das Missionswesen behandelte, wie etwa die Geschäfte einer weltlichen Regierung oder Kanzlei. Allein es brach damals eine Zeit herein, in welcher die Leute die Predigt der reinen Lehre, wie Egede sie führte, nicht gern mehr ertragen mochten. Unkirchliches Wesen ergriff auch viele der Missionare, so daß z. B. einer Namens Trachardt es als verkehrt bezeichnete, daß Egede angeordnet die Grönländer die drei Artikel des christlichen Glaubens zu lehren. Das
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carry them into the anteroom. Everywhere the Greenlanders looked up to Egede as to a rescuing angel, as to a father, into whose hands they might confidently lay down their heads. A Greenlander, who until then had only mocked the preacher's doctrine, but who now also came under Egede's care, said as he was dying: "Thou hast done for us what our own would not have done for us; for thou hast sustained us with food when we had nothing to eat, thou hast buried our dead, who otherwise, if thou hadst not been there, would have been devoured by the dogs, foxes and ravens; but especially hast thou taught us of God, how we are to be saved, so that we can now die joyfully and look for a better life after this." Egede's work now underwent the trial of the cross, a heavy, earnest trial, but it was proved true; he had never made much talk of conversions and more conversions, as is now the fashion in the missions among the heathen, but when the cross came upon his spiritual children, it was shown that he had faithfully grounded them and built them upon God's Word and, in addition, had portrayed Christ to them by his own walk. His Greenland neighbors "longed in earnest faith and trust in the merit of Jesus Christ for eternal blessedness and departed hence calling upon their Redeemer." Especially in children the workings of grace and of the Holy Spirit were perceived, but also from the lips of the older people, of an old man among others, a Hosanna was heard in the hour of death; if Egede had often felt as lonely as Elias, now, under the visitation, he had to perceive that he stood in the midst of a Christian congregation, though a dying one. Dying it was at that time; after the pestilence had raged in Greenland for seven months, all the Greenlanders in the settlement, with the exception of one little boy and one little girl, had died; of more than 200 families who lived in the surrounding district within a distance of 20 English miles, scarcely three were left. Egede stood as in a wilderness, it seemed as though the whole work, which had been meant and begun to God's glory, must now fall to the ground; he folded his hands and said: God look upon it for Jesus' sake, to whose gracious good pleasure I commend and deliver this cause in faith.
In the same period another, perhaps still heavier trial came upon Egede. In the year 1733 the Brethren's congregation (the Herrnhuters) sent the missionaries Christian David and Matthew and Christian Stach to Greenland, to whom King Christian and the Mission College had given letters of recommendation to Egede. Egede received them kindly, patiently taught them the Greenland language, and kindly nursed them in the sicknesses by which they were overtaken immediately in the first period. When, however, he soon came to suspect that those men were not firmly grounded in the pure doctrine of the Word of God, as it is confessed in the Lutheran Confessions, he questioned them about it, particularly in regard to the high article of justification, and soon had to learn that they confused justification and sanctification, yea, asserted that justification consists not in the imputed but in the indwelling righteousness of Christ, and that sanctification must not only follow justification but also precede it. It was natural that Egede testified earnestly against such false doctrine and declared: if they would subscribe the doctrine of the Lutheran Church and give it real assent, he would gladly see them remain; but if they persisted in their false doctrine, there could be no unity between them and no common edification. That was a manly Christian speech, but how it was answered! Christian David asserted that Egede had not the Spirit of Christ and hindered the heathen in their conversion; that he himself was not converted, and therefore also not fit to convert others; yea, they even added slanders, such as that Egede had embezzled 8000 thalers, and when the shamelessness of this lie was put before them, one of them excused it by saying that even if he had not embezzled these 8000 thalers, it was still plain as day that he did not walk in faith before God; in this judgment they could not possibly err, for they had the anointing of the Spirit. — These are dreadful speeches, but they too must serve only to make Egede's right faith and faithful confession of the pure doctrine of the Word of God shine out upon us all the brighter, to shame and admonish us to follow his example and, despite the slandering of people, faithfully to keep our honorable Lutheran confession.
At the end of this time of tribulation Egede had to learn that God has set time and hour, as in His whole kingdom, so also for the labor of His servants. After he had now labored hard for 14 years in the desolate land, he felt, as did his Gertrude, that the heavy exertions during the time of the smallpox pestilence had told far too severely on their health, already hard pressed. Gertrude died after a long, painful sickbed on the 21st of December 1735. "Were it not," writes Egede, "for the comforting hope of a joyful reunion in the kingdom of glory, I could scarcely have comforted myself over the departure of so pious and virtuous a wife. . . . . As a child of God she bore the cross laid upon her with great patience; and when she perceived that she was going to her death, she called upon her God and Redeemer most fervently for a gracious deliverance out of this vale of tears. After she had still taken a loving farewell of me and the children, God delivered her by a blessed death from her grievous sufferings." Egede himself suffered at that time from canker of the mouth and weakness of the chest, and was besides tormented by severe spiritual temptations. The dangers and toils which he had endured in his vigorous manhood he could no longer bear; the rebuilding of the mission work, almost wholly destroyed during the dreadful pestilence, brought new toils and dangers with it. It would have been foolish to remain longer in Greenland, since he could now entrust the direction of the mission to his son Paul, and yet might expect that he could serve the same work better with the strength still left him in the homeland. He resolved to return home. Concerning this he writes: that "my aim in this resolution was to be able, through my return home, to contribute the more to the upbuilding and furtherance of the work, which is known to the all-knowing God, as also that I sought no sort of refreshment or reward for the labor endured, which would not become me; for as I did not go to Greenland for the sake of temporal advantage and gain, so I have not forsaken it on that account either, but God's honor alone and the enlightenment of these poor, ignorant people was, is, and shall be my only aim, yea, the unceasing wish of my heart until my death."—On the 29th of July 1736 Egede preached his farewell sermon on Isaiah 49:4: I have said, I have laboured in vain, I have spent my strength for nought and in vain: yet surely my judgment is with the Lord, and my work with my God. From all sides the Greenlanders had come, to see and hear their teacher once more. On the 9th of August 1736 Egede sailed away from the place of his labor and toil; he took with him the love of the Greenlanders, among whom he is still called to this day "the unforgettable Father."
Having arrived in Copenhagen on the 24th of September 1736, Egede now began to provide for the Greenland Church in a different manner than before. A Greenland Seminary was established, of students who were to be missionaries, and of children of the orphanage who were to become teachers; Egede became its director and in 1740 received in addition the oversight of the entire Greenland mission. There he labored with his old strength and faithfulness to train the young men to be truly Lutheran, diligent preachers of the pure doctrine, there he imparted to them his experiences in the heavy work that lay before them, as for example the instruction (direction) which he had drawn up for the missionaries attests, there he also testified openly and mightily against the levity with which the Mission College sent out missionaries who were not firmly grounded in doctrine, and in general treated the mission work as though it were the business of a worldly government or chancery. But a time then broke in, in which people no longer cared to bear the preaching of the pure doctrine, as Egede conducted it. Unchurchly ways seized also many of the missionaries, so that, for example, one named Trachardt pronounced it perverse that Egede had ordered the Greenlanders to be taught the three articles of the Christian faith. The