Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 178

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-08-16, Seite 178

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Lehren Pastor Grabau's

rung unseres Gewissens und unserer christlichen Freiheit und im Interesse der Wahrheit, keineswegs aber, weil wir gesonnen wären, das Institut der Privatbeichte aufzugeben. Herr Past. Grabau sollte bedacht haben, daß die Privatbeichte nicht dadurch den Christen empfohlen und derselben Eingang verschafft wird, daß man das Lutherthum einer Gemeinde von der Wiedereinführung derselben abhängig macht und von derselben als von etwas in der Augsb. Conf. Befohlenen redet; durch solches „zum Gewissen machen“ wird der Sache nur geschadet.

Lehren der römischen Kirche

noch beibehalten.“ (Theol. casualis ed. J. F. Mayer. p. 98. 99.)

Lehren der lutherischen Kirche.

[unleserlich]es bequemer sei.“ (Colleg. adiaphorist. disp. 6, Anno 1616 E. 2. 3.) — Die Wittenbergische theologische Fakultät vom J. 1639 schreibt: „Wir leugnen nicht, daß man solche Privatbeichte nicht in allen rechtgläubigen Kirchen gebraucht, da gleichwohl auch Vergebung der Sünden und würdiglicher Gebrauch des heiligen Abendmahls ist, dahero der Beichtstuhl zu keinem dieser Ende angeordnet worden.“ (Consil. Part. II. fol. 139.) — Balduinus: „Sie (die Privatbeichte) wird in unseren Kirchen behalten, nicht als schlechterdings nothwendig, denn sie ist nirgends geboten, sondern als ein nützlicher Gebrauch. Sie ist insonderheit wegen der speciellen Absolution und Unterrichtung der Unwissenderen eingeführt worden. Daher Luther schreibt, wenn auch der Pastor selbst, welcher das Sacrament täglich handelt, ohne vorhergehende Beichte das Sacrament gebrauchte, soll ihm dies unverboten sein. Dasselbe Urtheil gilt von anderen wohlunterrichteten Christen, damit man nicht wieder den papistischen Zwang zurückrufe in einer Sache, die an sich ein Mitteiding ist. Wenn übrigens in den Kirchen, wo die Privatbeichte im Gebrauch ist, dieselbe nach Umständen von einem unterlassen werden kann, so wird sie vielmehr an den Orten, wo sie nicht im Gebrauch ist und doch sonst die Lehre von dem Mahl des HErrn rein behalten wird (wie in einigen Orten von Süddeutschland geschieht) unterlassen, und das heil. Abendmahl doch heilsamlich empfangen.“ (Tract. de cas. consc. p. 466. 67.)

Verfolgung wegen des Bibellesens im Großherzogthum Toscana.

Die Verfolgung, welche die italienische Familie Madiai von Seiten der röm.-kath. Behörden wegen des Bibellesens erduldet hat, hat auch hier allgemeine Theilnahme erregt. Da aber wohl nur wenigen Lesern des „Lutheraner“ die näheren Umstände dieser Verfolgung bekannt sein dürften, so soll hier der ausführliche Bericht mitgetheilt werden, der sich darüber im „Christenboten“ findet. Er lautet so:

Am 17. August 1851, Abends zwischen 7 und 8 Uhr, drang die Florenzer Polizei in die Wohnung des Franzesco Madiai ein, welcher gerade nicht zu Hause war. Das ganze Haus wurde von oben bis unten aus auf's genaueste untersucht, indeß wurde nichts Verdächtiges gefunden als zwei Bibeln und ein Erbauungsbuch in englischer Sprache; diese wurden mit Beschlag belegt. Mittlerweile kam Madiai nach Hause und wurde mit noch drei anderen Personen sogleich arretirt und in's Gefängniß geführt, obgleich weder er noch die anderen in der Bibel lesend betroffen worden waren. Einer der Arretirten, der englische Kapitän Arthur Walker, wurde jedoch in Folge dringender Vorstellungen der englischen Gesandtschaft nach 22 Stunden wieder aus dem Kerker entlassen. Die zwei anderen Personen dagegen mußten 7 Tage darin aushalten, ohne daß man ein Verhör mit ihnen vornahm oder das Verbrechen ihnen nannte, das sie begangen haben sollten. Am Ende dieser Zeit ließ man ihnen die Wahl zwischen lebenslänglichem Gefängniß oder lebenslänglicher Verbannung. Sie wählten das letztere, und die eine dieser Personen ging nach Turin, die andere nach Genf. Madiai mußte im Gefängnisse zurückbleiben. Zwölf Tage nach seiner Verhaftung wurde auch seine Frau Rosina, geb. Pulicci, eingezogen. Beide erklärten in dem mit ihnen jetzt vorgenommenen Verhöre, daß sie Protestanten seien. Um wenigstens den Schein zu gewinnen, als hätte man sie nicht einzig um der Religion willen in Anklage versetzt, wurde vorgegeben, „daß sie ein schlechtes Haus hielten,“ obwohl Rosina die Ehrbarkeit ihres Wandels dadurch bewährt hat, daß sie vor ihrer Verheirathung 16 Jahre lang in einer und derselben englischen Familie als Kammerjungfer diente, und beide Ehegatten als sehr achtbare Leute in Florenz bekannt sind. Nach dem Verhör wurden sie in getrennte Zellen eingesperrt, durften keinerlei Gemeinschaft mit einander pflegen und Niemand durfte sie besuchen. Diese Behandlung erschütterte die Gesundheit der Frau so sehr, daß man fürchtete, sie werde darunter erliegen. Aber nicht einmal der Besuch eines Arztes wurde ihr gestattet. Nach wiederholtem Verhör erklärte endlich das Gericht zu Florenz in erster Instanz unter dem 16. Oktober, daß es außer seiner Competenz liege, über diesen Fall ein Urtheil zu sprechen, indem diese Leute des Verbrechens der Gottlosigkeit überwiesen seien; denn sie seien von der katholischen Religion abtrünnig geworden und hängen einem ungläubigen Bekenntnisse an, welches sie evangelisch heißen. Zudem gehörten sie einer Gesellschaft von 20 bis 30 Personen an, welche sich zuweilen im Hause Madiai's versammeln, um die Bibel in der Uebersetzung von Diodati zu lesen und die Widersprüche zwischen ihr und der katholischen Lehre aufzusuchen. Als Hauptzeuge trat Antonia Marini auf, eine frühere Magd der Eheleute Madiai, welche angab, man habe auch sie in diesem Hause von der römischen Kirche einst abtrünnig gemacht, sie sei aber jetzt wieder zu derselben zurückgekehrt. Weil nun das Gericht erster Instanz kein Urtheil zu fällen sich befugt glaubte, so kam die Sache an den königlichen Gerichtshof. Dieser zögerte aber sehr lange mit der Entscheidung, denn es wurde erst nach Rom geschrieben, um sich von hier aus Verhaltungsregeln zu erbitten. Mittlerweile machten die Freunde der verfolgten Familie alle mögliche Anstrengung, theils um eine Verurtheilung derselben abzuwenden, theils um das Loos der Gefangenen möglichst zu erleichtern. Sie erlangten auch endlich die Erlaubniß, dieselben in ihren Zellen besuchen zu dürfen, und kamen stets erbaut zurück durch die glaubensvolle Fassung derselben. Rosina fanden sie zwar äußerst geschwächt dem Leibe nach, aber stark im Geist und voll Glaubens, und auch ihr Gatte bewährte eine gläubige Standhaftigkeit, obwohl der leidende Zustand seiner Frau ihn sehr beunruhigte und es ihn tief schmerzte, daß er nichts zu ihrer Erleichterung thun konnte. Indeß erklärte er, daß er bereit sei, selbst den Tod aus Liebe zu seinem Heilande zu erdulden. Zu Anfang des Jahres 1852 wurden beide Ehegatten in ein härteres Gefängniß gebracht, allein sie schätzten sich glücklich, daß sie jetzt so nahe bei einander waren, daß sie zuweilen den Ton ihrer Stimmen hörten und einen gemeinschaftlichen Kerkermeister hatten, von dem sie Nachrichten von einander erhalten konnten. Alle Wochen ein Mal, durften auch ihre englischen Freunde sie besuchen und ihnen einige Erleichterungen darbieten. so wurde z. B. gestattet, der Frau Madiai ein Kohlenbecken zu bringen, um sich in dem sehr kalten Gefängnisse ein wenig zu wärmen. Auch wurde erlaubt, dem Franzesco Bücher zur Unterhaltung zu bringen, nur sollten es, wie der Direktor aus der Veranlassung, daß man ihm eine Psalmübersetzung bringen wollte, bemerkte, interessante (unterhaltende), aber ja keine unheiligen (ketzerischen) Bücher sein. Unter diesen Erleichterungen erholte sich Rosina allmälig wieder, doch blieb noch immer eine bedauerliche Reizbarkeit der Nerven zurück. Daneben aber wuchsen beide in der Geduld, in der Demuth, im Vertrauen und in der Liebe zu Gott, und bewährten unter allen Proben eine bewunderungswürdige Hingebung. Einst fragte der Richter Franzesco, ob er nicht in Merle d'Aubigné's Kirchengeschichte gelesen habe, welche Strafe die Ketzer treffe? Er antwortete: „Allerdings habe er schon von den Grausamkeiten gehört, welche die Inquisition der römischen Kirche sich erlaube, aber er sei bereit Folter und Tod für seinen Glauben zu erleiden.“

Endlich nach neunmonatlichem Gefängniß kam die Stunde der Entscheidung. Die öffent-

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Doctrines of Pastor Grabau

tion of our conscience and of our Christian liberty and in the interest of the truth, but by no means because we are minded to give up the institution of private confession. Pastor Grabau should have considered that private confession is not recommended to Christians, and admission gained for it, by making the Lutheranism of a congregation dependent upon its reintroduction, and speaking of it as of something commanded in the Augsb. Conf.; by such "making a matter of conscience" the cause is only harmed.

Doctrines of the Roman Church

still retained." (Theol. casualis ed. J. F. Mayer. p. 98. 99.)

Doctrines of the Lutheran Church.

[illegible]es more convenient." (Colleg. adiaphorist. disp. 6, Anno 1616 E. 2. 3.) — The Wittenberg theological Faculty of the year 1639 writes: "We do not deny that such private confession is not used in all orthodox churches, since nevertheless there is also forgiveness of sins and worthy use of the Holy Supper, wherefore the confessional chair has been appointed for neither of these ends." (Consil. Part. II. fol. 139.) — Balduinus: "It (private confession) is retained in our churches, not as absolutely necessary, for it is nowhere commanded, but as a useful practice. It has been introduced especially on account of the special absolution and the instruction of the more ignorant. Hence Luther writes that if even the pastor himself, who handles the sacrament daily, were to use the sacrament without previous confession, this shall not be forbidden him. The same judgment holds of other well-instructed Christians, lest the papistical compulsion be called back again in a matter which in itself is an indifferent thing. Moreover, if in the churches where private confession is in use it may under circumstances be omitted by one, then it is rather omitted in the places where it is not in use and yet the doctrine of the Lord's Supper is otherwise kept pure (as happens in some places of South Germany), and the holy Supper nevertheless is received to salutary profit." (Tract. de cas. consc. p. 466. 67.)

Persecution on Account of Bible Reading in the Grand Duchy of Tuscany.

The persecution which the Italian family Madiai has endured at the hands of the Roman Catholic authorities on account of Bible reading has aroused general sympathy here also. But since probably only a few readers of the "Lutheraner" are acquainted with the particulars of this persecution, the detailed report which is found concerning it in the "Christenbote" shall be communicated here. It runs thus:

On the 17th of August, 1851, in the evening between 7 and 8 o'clock, the Florentine police forced their way into the dwelling of Francesco Madiai, who happened not to be at home. The whole house was searched most exactly from top to bottom; but nothing suspicious was found except two Bibles and a book of devotion in the English language; these were seized. Meanwhile Madiai came home and was at once arrested, with three other persons, and led to prison, although neither he nor the others had been caught reading the Bible. One of the arrested, the English captain Arthur Walker, was however released from the dungeon again after 22 hours, in consequence of urgent representations of the English embassy. The two other persons, on the contrary, had to remain in it 7 days, without any hearing being held with them or the crime being named to them which they were supposed to have committed. At the end of this time they were given the choice between imprisonment for life or banishment for life. They chose the latter, and the one of these persons went to Turin, the other to Geneva. Madiai had to stay behind in prison. Twelve days after his arrest his wife Rosina, née Pulicci, was also taken in. Both declared in the hearing now held with them that they were Protestants. In order to gain at least the appearance that they had not been put under accusation solely for the sake of religion, it was pretended "that they kept a disorderly house," although Rosina had proved the respectability of her conduct by having served, before her marriage, for 16 years in one and the same English family as lady's maid, and both spouses are known in Florence as very respectable people. After the hearing they were shut up in separate cells, were not allowed any intercourse with one another, and no one was allowed to visit them. This treatment so shattered the health of the wife that it was feared she would succumb under it. But not even the visit of a physician was permitted her. After a repeated hearing the court at Florence finally declared in the first instance, under the 16th of October, that it lay beyond its competence to pronounce judgment upon this case, since these people were convicted of the crime of ungodliness; for they had become apostate from the Catholic religion and adhered to an unbelieving confession which they call evangelical. Moreover they belonged to a society of 20 to 30 persons who assemble at times in the house of Madiai to read the Bible in the translation of Diodati and to search out the contradictions between it and the Catholic doctrine. As chief witness there appeared Antonia Marini, a former maid of the Madiai couple, who stated that she also had once been made apostate from the Roman Church in this house, but that she had now returned to the same. Since the court of the first instance now believed itself not empowered to pass any judgment, the matter came before the royal court of justice. But this delayed very long with the decision, for it was first written to Rome in order to request rules of procedure from there. Meanwhile the friends of the persecuted family made every possible exertion, partly to avert a condemnation of them, partly to lighten the lot of the prisoners as much as possible. They also at last obtained permission to visit them in their cells, and always came back edified by the faith-filled composure of the same. Rosina they found indeed extremely weakened in body, but strong in spirit and full of faith, and her husband also proved a believing steadfastness, although the suffering condition of his wife disquieted him greatly and it pained him deeply that he could do nothing for her relief. Yet he declared that he was ready to endure even death out of love to his Savior. At the beginning of the year 1852 both spouses were brought into a harder prison, but they counted themselves happy that they were now so near one another that they sometimes heard the sound of their voices and had a common jailer, from whom they could receive news of one another. Once every week their English friends also were permitted to visit them and to offer them some alleviations. Thus it was, for example, permitted to bring Mrs. Madiai a brazier of coals to warm herself a little in the very cold prison. It was also allowed to bring Francesco books for entertainment, only they were to be, as the director remarked on the occasion of their wanting to bring him a translation of the Psalms, interesting (entertaining), but by all means no unholy (heretical) books. Under these alleviations Rosina gradually recovered, yet a deplorable irritability of the nerves still remained. Besides this, however, both grew in patience, in humility, in trust and in love to God, and proved under all trials an admirable devotion. Once the judge asked Francesco whether he had not read in Merle d'Aubigné's Church History what punishment befalls heretics? He answered: "Indeed he had already heard of the cruelties which the Inquisition of the Roman Church permits itself, but he was ready to suffer torture and death for his faith."

At last, after nine months' imprisonment, the hour of decision came. The pub-