Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 182

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-08-16, Seite 182

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Geschwistern die Härte ihrer eben so unmütterlichen als ungläubigen Mutter fühlen. Eines Tages schickte diese sie in das nächste Dorf, um einige Kleinigkeiten zu holen. Unterwegs begegnete ihr ein ehrwürdiger christlicher Prediger. Dieser, der in den Augen des Mädchens Tränen erblickte, fragte sie: „Worüber weinest du, mein Kind? — Das Mädchen: Ich weine über mich, daß ich meinen HErrn Jesus, den ich so gerne mehr als Alles in der Welt lieben möchte, noch viel zu wenig lieb habe, und dann weine ich über meine gute Mutter, daß sie den HErrn Jesus gar nicht lieb hat. — „Du schienst ja auch zu beten, was betest du?“ — Ich betete für mich, und auch für meine liebe Mutter, daß sich der HErr Jesus ihr offenbaren wolle, und sie freundlich ansehen, damit sie Ihn auch lieb bekommen möge. — Der Prediger verließ sie mit den Worten: Fahre fort so zu beten, dein Gebet wird erhört werden!

Das Kind kam nach verrichtetem Auftrage zur Mutter zurück. Die Mutter empfing sie liebreich, küßte sie, und sagte: „Hast du unterwegs an mich gedacht, mein Kind?“ Ja, Mutter — Hast du für mich zu Gott gebetet? Ja Mutter, — „Und was? — Daß der HErr Jesus dir recht freundlich und gnädig seyn wolle und daß wir einmal Beide zu Ihm in den Himmel kommen mögen. — „Ich habe es gefühlt, meine Tochter, daß du für mich gebetet hast. Bete du alle Tage für mich und für deine Geschwister! Ich werde es von jetzt an auch thun, und auch deinen Bruder und deine Schwester dazu anhalten.“ — Das Kind hüpfte vor Freude über die unerwartete und ungewohnte Aufnahme und Aeußerung der Mutter. Wirklich hatte der HErr dieser Lydia das Herz aufgethan, ein Strahl seiner erbarmenden Liebe war in ihre Seele gedrungen, und hatte in ihrem kalten Herzen gezündet; auch fing sie nun an, das Wort Gottes fleißig zu hören und zu lesen.

1. Tim. 2, 1.

Folgen davon, daß man sich in der römischen Kirche bei den gottesdienstlichen Handlungen der lateinischen Sprache bedient.

Johann Warnefried, zu Anfang vorigen Jahrhunderts Prediger zu Ulm, erzählt in seiner Erörterung der Frage: Ob zwischen der Augsb. Confession und der römischen Religion kein sonderlicher Unterschied sei? — „daß er einen Mann bekannt und gesprochen habe, welchen ein römischer Priester aus Muthwillen im Namen des Teufels lateinisch getauft habe. Später habe der Priester selbst, von der Angst seines Gewissens gedrungen, dies eingestanden, daher jener Mann sich noch einmal habe taufen lassen müssen, nachdem er bereits über dreißig Jahre alt gewesen sei. — Wie viele mögen in der römischen Kirche von muthwilligen Pfaffen lateinisch so auf den Teufel oder doch unrichtig getauft worden sein!

Bekannt ist, was unter Andern auch Luther in dieser Beziehung erfahren. Er erzählt die Sache selbst also: „Ich bin zu Rom gewesen nicht lange, habe daselbst viele Messen gehalten und auch sehen viele Messen halten, daß mir grauet, wenn ich daran denke. Da hörte ich unter andern guten groben Grumpen über Tisch. Curtisanen (Päbstliche Hofleute) lachen und rühmen, wie etliche Messe hielten und über dem Brod und Wein sprächen diese Worte: Panis es et panis manebis, vinum es et vinum manebis (d. h. du bist Brod und wirst Brod bleiben, du bist Wein, und wirst Wein bleiben) und also aufgehoben. Nun, ich war ein junger und recht ernster frommer Mönch, dem solche Worte wehe thäten, was sollt' ich doch denken? Was konnte mir anders einfallen, denn solche Gedanken: Redet man hier zu Rom frei öffentlich über Tisch also, wie? wenn sie allzumal, beide, Pabst, Cardinäle sammt den Curtisanen, also Messe hielten? Wie fein wäre ich betrogen, der ich von ihnen so viel Messe gehört hätte!“ — Wie viele römische Priester, die im Herzen Spötter sind, mögen noch immer, wie jene zu Luther's Zeit, Brod und Wein nicht nur zum Affenspiel der Messe, sondern auch zur Feier des heiligen Abendmahls lateinisch so consecriren, und Tausende hinzugehen, in dem Wahne, Christi Leib zu empfangen, während ihnen eine ungesegnete Hostie, ein wenig Mehl und Wasser, zum Essen und Anbeten gereicht wird!

Endlich erzählt J. Gast in seinen Merkwürdigkeiten, daß ein römischer Priester einen Adeligen, der der lateinischen Sprache unkundig und weil er offenbar unbußfertig war, zwar absolvirt habe, um das ihm dafür angebotene Goldstück zu bekommen, aber mit folgenden Worten: „Unser Herr Jesus Christus absolvire dich, wenn er will, und erlasse dir deine Sünden, was ich nicht glaube, und führe dich zum ewigen Leben, was unmöglich ist.“ — Wie mancher papistische Beichtvater mag aus eben so großer Gewissenhaftigkeit und zugleich in eben so großer Geldnoth seinen bösen Beichtkindern ähnliche tröstliche lateinische Absolutionen sprechen!

Die Sünden, welche der jetzigen römischen Kirche leid thun.

Die römische Kirche hat so viel Blut unschuldiger Christen und heiliger Märtyrer vergossen, daß sie wohl Ursache hätte, diese ihre zum Himmel schreiende Blutschuld mit einem Meere blutiger Thränen zu beweinen. Aber wie sollte sie das? Wäre sie doch dann nicht jenes Weib, das trunken werden sollte von dem Blute der Heiligen, und von dem Blute der Zeugen Jesu! Offenbarung St. Joh. 17, 6. Welche Buße die jetzigen Papisten hingegen für jene Sünden ihrer Väter thun, zeigt unter Anderen der Herausgeber des „Univers,“ einer hochangesehenen französischen katholischen Zuschrift, an, die gegenwärtig in der besondern Gunst des derzeitigen Pabstes steht. So schreibt nämlich der genannte Herausgeber, ohne Zweifel im Namen und Sinn aller strengen römischen Katholiken:

„Es ist mir leid, daß Johannes Huß nicht eher verbrannt worden ist, als es geschehen ist.“

„Es ist mir gleichfalls leid, daß Luther nicht auf dieselbe Weise gestraft worden ist.“

„Und es ist mir leid, daß sich zu dieser Zeit kein König gefunden hat, der weise genug, fromm genug und politisch genug war, gegen den Protestantismus einen Kreuzzug zu unternehmen.“

Wundere sich also niemand, wenn den Katholiken die blutigen Gräuel, welche die römische Kirche in der Vergangenheit begangen hat, noch immer vorgehalten und dieselben als ein thatsächliches Zeugniß dafür erklärt werden, daß das Pabstthum das Reich des Antichrists ist. Denn strenge Katholiken, weit entfernt, sich jetzt jener Gräuel zu schämen und sich von denselben loszusagen, lassen sich nur das leid sein, daß nicht noch mehr Blut der Wahrheitszeugen vergossen und die ganze protestantische Welt nicht in ihrem eigenen Blute ersäuft worden ist.

Die Art und Weise, wie die römisch-katholischen Missionäre unter den Heiden missioniren.

Dr. Pressel schreibt in seiner Schrift: Zustände des Protestantismus in Frankreich:

Es dürfte vielleicht Manchen unserer Leser nicht uninteressant sein zu hören, auf welche Weise die Propaganda französischer Missionäre ihr Werk unter den Heiden betreibt. Sie hat der protestantischen Missionsthätigkeit den Fehdehandschuh hingeworfen, indem sie sich der 3 Millionen Franken rühmt, welche die ganze katholische Christenheit jährlich zum Missionswerke beisteuert, ohne nachzählen zu wollen, daß die dreimal kleinere protestantische Kirche jährlich nicht weniger als 26 Millionen und 783,474 Franken zu gleichem Werke beträgt. Wenn aber die französische katholische Missionsgesellschaft von ihren glänzenden Erfolgen redet, hinter welchen die protestantische Wirksamkeit weit zurückbleibe! so bedenke man: es ist wahr, die katholischen Missionäre, zumeist die Bischöfe, welche sie leiten, bekehren überall, wo sie gehen, zu Tausenden, aber warum? — Weil es bei ihnen weder des Unterrichts, noch der Prüfung, noch der Buße und Bekehrung bedarf. Die katholischen „Jahrbücher der Verbreitung des Glaubens“ berichten dies selbst. Wir übersetzen wörtlich einige dieser Berichte.

Wie der Vater Bataillon auf der Insel Wallis tauft.

„Um keinen Widerstand zu erfahren, sagt er, wenn ich Kinder selbst vor den Augen ihrer Mütter taufe, befolge ich folgende Methode. Ich habe immer in meiner Tasche ein wohlriechendes Fläschchen und daneben ein anderes mit gewöhnlichem Wasser: zuerst gieße ich einige Tropfen von dem ersten auf das Haupt des Kindes, unter dem Vorwande, es zu stärken, und während die Mutter diese Tropfen auf dem Haupte ihres Kindes ausbreitet, wechsele ich die Flasche

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feel the harshness of her mother, who was as unmotherly as she was unbelieving. One day the latter sent her to the nearest village to fetch a few small things. On the way a venerable Christian preacher met her. Seeing tears in the girl's eyes, he asked her: "Why do you weep, my child? — The girl: I weep over myself, that I love my LORD Jesus, whom I would so gladly love more than everything in the world, still far too little, and then I weep over my dear mother, that she does not love the LORD Jesus at all. — "You seemed also to be praying; what were you praying?" — I prayed for myself, and also for my dear mother, that the LORD Jesus would reveal Himself to her, and look kindly upon her, so that she too might come to love Him. — The preacher left her with the words: Go on praying so; your prayer shall be heard!

The child, her errand done, came back to her mother. The mother received her lovingly, kissed her, and said: "Did you think of me on the way, my child?" Yes, mother — "Did you pray to God for me?" Yes, mother, — "And what?" — That the LORD Jesus would be right kind and gracious to you, and that we might both come to Him in heaven some day. — "I felt it, my daughter, that you had prayed for me. Pray every day for me and for your brother and sister! From now on I shall do so too, and shall also urge your brother and sister to do the same." — The child skipped for joy at the unexpected and unaccustomed reception and utterance of her mother. Indeed, the LORD had opened this Lydia's heart; a ray of His merciful love had pierced into her soul and had kindled in her cold heart; and she now began also to hear and read the Word of God diligently.

1 Tim. 2, 1.

Consequences of Using the Latin Language in the Church of Rome in the Liturgical Acts.

Johann Warnefried, at the beginning of the last century preacher at Ulm, relates in his discussion of the question, Whether between the Augsburg Confession and the Roman religion there is no particular difference? — "that he knew and spoke with a man whom a Roman priest, out of wantonness, had baptized in Latin in the name of the devil. Afterward the priest himself, driven by the anguish of his conscience, confessed this, whereupon that man had to let himself be baptized once more, when he was already over thirty years old. — How many may there be in the Roman Church who have been baptized in Latin by wanton priests thus in the name of the devil, or at least incorrectly!

Well known is what Luther, among others, experienced in this respect. He himself tells the matter thus: "I was at Rome not long, and held many masses there, and also saw many masses held, so that I shudder when I think of it. There I heard, among other good coarse louts at table, Curtisans (papal courtiers) laugh and boast how some held mass and over the bread and wine spoke these words: Panis es et panis manebis, vinum es et vinum manebis (that is, thou art bread and wilt remain bread, thou art wine and wilt remain wine) and so elevated it. Now, I was a young and very earnest, pious monk, to whom such words gave pain; what was I to think? What else could occur to me but such thoughts as these: If they speak thus openly at table here in Rome, what if they all together, both Pope and Cardinals together with the courtiers, held mass in that way? How finely I should be deceived, I who have heard so many masses from them!" — How many Roman priests who are mockers in their hearts may still, like those in Luther's time, consecrate bread and wine in Latin thus, not only for the ape-play of the mass, but also for the celebration of the holy Supper, and thousands go forward in the delusion of receiving Christ's body, while an unconsecrated host, a little flour and water, is handed them to eat and to adore!

Finally J. Gast relates in his Merkwürdigkeiten that a Roman priest, because a nobleman was ignorant of the Latin language and manifestly impenitent, did indeed absolve him, in order to get the gold piece offered him for it, but with the following words: "Our Lord Jesus Christ absolve thee, if He will, and forgive thee thy sins, which I do not believe, and lead thee to eternal life, which is impossible." — How many a popish father confessor may, out of just as great conscientiousness and at the same time in just as great need of money, speak similar comforting Latin absolutions to his wicked penitents!

The Sins Which the Present Church of Rome Is Sorry For.

The Roman Church has shed so much blood of innocent Christians and holy martyrs that she would well have cause to bewail this her blood-guiltiness crying to heaven with a sea of bloody tears. But how should she do that? Would she then not be that woman who was to be drunken with the blood of the saints and with the blood of the martyrs of Jesus! Revelation of St. John 17, 6. What repentance the present Papists, on the other hand, do for those sins of their fathers is shown, among others, by the editor of the "Univers," a highly esteemed French Catholic periodical, which at present stands in the special favor of the present Pope. For thus writes the said editor, without doubt in the name and mind of all strict Roman Catholics:

"I am sorry that John Huss was not burned sooner than he was."

"I am likewise sorry that Luther was not punished in the same manner."

"And I am sorry that at this time there was found no king wise enough, pious enough, and politic enough to undertake a crusade against Protestantism."

Let no one wonder, therefore, if the bloody atrocities which the Roman Church has committed in the past are still held up to the Catholics and declared by them to be a factual testimony that the Papacy is the kingdom of Antichrist. For strict Catholics, far from being ashamed now of those atrocities and renouncing them, only regret that still more blood of the witnesses of the truth was not shed and the whole Protestant world not drowned in its own blood.

The Manner in Which the Roman Catholic Missionaries Do Missionary Work Among the Heathen.

Dr. Pressel writes in his work: Zustände des Protestantismus in Frankreich:

It may perhaps not be uninteresting to many of our readers to hear in what manner the Propaganda of French missionaries carries on its work among the heathen. It has thrown down the gauntlet to Protestant missionary activity by boasting of the 3 million francs which the whole of Catholic Christendom contributes annually to the work of missions, without wishing to add that the three times smaller Protestant Church contributes annually to the same work no less than 26 millions and 783,474 francs. But when the French Catholic missionary society speaks of its brilliant successes, behind which Protestant activity falls far short! consider this: it is true, the Catholic missionaries, mostly the bishops who direct them, convert by the thousand wherever they go, but why? — Because with them there is need neither of instruction, nor of examination, nor of repentance and conversion. The Catholic "Annals of the Propagation of the Faith" report this themselves. We translate literally some of these reports.

How Father Bataillon Baptizes on the Island of Wallis.

"In order to meet no resistance, he says, when I baptize children even before the eyes of their mothers, I follow the following method. I always have in my pocket a sweet-smelling little bottle, and beside it another with ordinary water: first I pour a few drops from the first upon the child's head, under the pretext of strengthening it, and while the mother spreads these drops upon her child's head, I exchange the bottle