Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 1 › Seite 4

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-08-30, Seite 4

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſetz 21 · Tanz 9

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weist am schlagendsten mein erster, Hrn. Pfarrer Löhe zugesendeter Bericht v. 7. Juli 1845. Ich habe Gottlob denselben damals copirt und kann daher hier die betreffende Stelle wörtlich mittheilen. „Nachdem ich nämlich den oben angegebenen Zweck meiner Reise nach Detroit angegeben hatte, so schilderte ich die schwierige Stellung, die ein lutherischer Pastor zwischen den dortigen vielen Katholiken einerseits und den Rationalisten andererseits einzunehmen habe und schloß dann mit den folgenden Worten: „Aus dem allen werden Sie ersehen, daß ich dem Amte in Detroit nicht gewachsen gewesen wäre und daher die Besetzung dieser Stelle durch Hrn. Profess. Winkler für ein Glück zu achten ist.“

Dies ist der einfache Thatbestand, der Schlüssel zu dem „Wüthen des Satans in der Kirche zu Detroit!“

Der Leser sieht, Herr Pastor Winkler hat mit seinem angeblichen Schlüssel nichts aufgeschlossen, als — sein eignes böses Herz.†)

†) In gleicher Weise offenbart Hr. Past. Winkler, welches Geistes Kind er ist, indem er in demselben Aufsatz unseren theuern Professor Crämer, den der HErr noch ferner unserer Kirche zum Segen setzen wolle, dadurch zu Schanden zu machen sucht, daß er (Herr Winkler) demselben die mit heißen Thränen beweinten und längst durch Christi Blut vergebenen politischen Streiche vorwirft, die derselbe einst in seinem unbekehrten Zustande, wo er seinen HErrn JEsum noch nicht kannte, beging. Pfuy der Gemeinheit! D. R.

Friedrich Lochner,
luth. Pastor zu Milwaukie.

Das Blutbad von Thorn.

Ein Bild aus der Geschichte der Jesuiten
von
K. F. Ledderhose.*)

*) Auch wir theilen diese in dem New Yorker Missions-Blatt abgedruckte vortreffliche interessante Darstellung Ledderhose's von den Gräueln mit, welche die Jesuiten vor etwas mehr als hundert Jahren an den Lutheranern von Thorn verübt haben. Wir erachten dies für um so nöthiger, je mächtiger gerade hier der Einfluß jenes ränkevollen blutdürstigen Ordens von Tage zu Tage wird und je mehr sich die hiesigen römisch-katholischen Blätter beeifern, vor allem diesen Orden weiß zu waschen. D. R.

Das Blutbad von Thorn aus einer mehr als hundertjährigen Vergangenheit in die Gegenwart hereinschreien zu lassen, wird freilich nicht Allen gefallen, am wenigsten den Nachkommen derer, welche sich mit demselben befleckt haben; aber es lehrt uns die Augen aufthun, und auf die hinschauen, welche einen Schafspelz tragen, und doch inwendig reißende Wölfe sind. Wir meinen die Jesuiten, die gar unschuldiglich thun und sich als Retter der Menschheit geberden und doch Verderber sind. Es freut aber alle, welche an Christum glauben, daß die Kirche Christi jeder Zeit Glieder gehabt, die ihren Glauben mit ihrem Blute besiegelt haben. Möge diese Geschichte Vielen zum Trost und zur Wachsamkeit gereichen!

Die Stadt Thorn, welche heutzutage unter dem Szepter der Könige von Preußen steht, leitet die Zeit ihres Entstehens schon aus dem dreizehnten Jahrhunderte her. Ihre ersten Einwohner waren Deutsche, herbeigeführt von den Rittern des deutschen Ordens, welche sich die Erbauung der Stadt in dem polnischen Preußen angelegen sein ließen. So kam deutsche Sprache und Sitte in jene Gegenden. Die Stadt liegt an dem rechten Ufer der Weichsel. Durch ihre vortheilhafte Lage hob sie sich bald zu überraschender Größe, zu Reichthum und Ansehen. Die Stadt erhielt viele Freiheiten und Gerechtigkeiten. Sie durfte aus ihrer Mitte die Richter und Obrigkeit wählen, und die Verbrecher strafen. Von Zöllen war sie befreit. Doch stand sie mit dem Allen unter dem deutschen Orden, der ein festes Schloß in Thorn hatte. Aber die übermäßige Strenge des Ordens erzeugte Mißbehagen. Ein Theil von Preußen riß sich los, darunter auch Thorn. Schon im Jahre 1454 fiel das deutsche Schloß in der Stadt. Die Stände des abgetretenen Theils von Preußen stellten sich unter den Schutz des Königs von Polen, Kasimir des Großen. Sie behielten alle ihre Rechte. Die Majestät des Königs verehrten sie aber in keinem andern Verhältnisse, als daß sie einerlei Freunde und Feinde haben und in Fällen der Noth sich beistehen wollten. Die Stadtobrigkeiten erhielten noch größere Gewalt, namentlich die damals sogenannten großen Städte Thorn, Elbing und Danzig. Doch im Verlauf der Zeit wurden ihre Vorrechte geschwächt.

Wir stehen aber jetzt bei der kirchengeschichtlichen Entwickelung der Stadt Thorn, für unsern Zweck die Hauptsache. Kaum ertönte in Wittenberg die Posaune des Engels mit dem ewigen Evangelium, so vernahm man diese Stimme auch in Thorn. Da aber den Bischöfen und namentlich dem König Sigismund dieser süße Friedenston widerlich klang, so gab es vorerst nur heimliche Freunde des Evangeliums. Schon im J. 1520 erging ein scharfer Befehl wider die Einführung von Luther's Schriften, aber Befehle, auch wenn sie von Königen oder Kaisern ausgehen, helfen nichts, wenn der Herr der Kirche in seinem ewigen Erbarmen beschlossen hat, sein Wort zu bringen. So ging es auch in Polen, und besonders in Thorn. Nach vergeblichen Versuchen, namentlich von Seiten des Bischofs Hosius, der um seines Eifers für Rom willen zum Kardinal gemacht worden ist, ertheilte endlich der König Sigismund August im Jahr 1557 der Stadt ein ausführliches Privilegium, und die folgenden Könige erneuten und bestätigten alle dasselbe. Die Evangelischen erhielten alle Kirchen zu ihrer freien Religionsübung. Nur bei der St. Johanniskirche durfte ein römischer Priester in einer besondern Kapelle seinen Gottesdienst halten. Der Rath hatte das Recht, Prediger des Augsburgischen Bekenntnisses zu berufen. Auch das Gymnasium und die Schulen wurden nach dem Sinne des göttlichen Wortes eingerichtet.

Die Grundgesetze des Reiches, die von den Königen bei ihrer Krönung feierlich beschworen worden sind, schützten die Gewissensfreiheit.

Aber Bosheit, List und Gewalt schwächten, beschränkten, verdrehten, brachen die Rechte der Evangelischen. Wir haben vorhin den Bischof Hosius von Ermeland genannt. Er war es hauptsächlich, welcher die damals neu aufgekommenen Jesuiten nach Polen brachte. Schon im Jahre 1593 setzten es ihre Freunde durch, daß den Lutheranern durch einen königlichen Ausspruch die St. Johannis Pfarrkirche genommen und den Römischen zugewiesen wurde. Kaum hatte der Bischof Tylicki von Kulm das erlangt, so gab er dem Pfarrer zwei Jesuiten bei, daß sie ihn mit Predigen und Beichthören unterstützen sollten. Sie hielten sich anfangs ganz ruhig, um eine gute Meinung beim Volke zu gewinnen. Es währte aber nicht lange, so wurde ein königlicher Erlaß erwirkt, der den Jesuiten öffentliches Schulhalten in Thorn zusicherte. Der Rath beschwerte sich darüber; es half aber nichts. Im Jahre 1606 hielten die Jesuiten schon eine Prozession auf dem St. Johannis Kirchhofe. Da schritt der Rath endlich ein und trieb die Jesuiten zur Stadt hinaus. Der jesuitisch gesinnte Hof hatte kaum Kunde davon erhalten, so zog ein Kommissär zur Untersuchung in Thorn ein; die Jesuiten folgten ihm nach und nahmen Kirche und Kanzel in Besitz. Es gab freilich nun Beschwerden auf Beschwerden, aber die Jesuiten faßten immer festeren Fuß, sie nahmen ein Stück der Freiheit um das andere in Besitz.

Als Karl Gustav im Jahre 1654 den Thron in Schweden bestieg, erhob der Polen-König Johann Kasimir alte Ansprüche, und protestirte wider Karl Gustav's Krönung. Da ging der Schwede mit überraschenden Fortschritten auf Polen selber los, und es kam am 3. Mai 1660 zu einem Frieden, der in dem Cisterzienserkloster Oliva, nicht weit von Danzig, geschlossen wurde. Dieser Friede ist für unsere Geschichte von Bedeutung, denn den im polnischen Preußen gelegenen Städten wurden darin alle ihre Rechte, Freiheiten und Privilegien in geistlichen und weltlichen Dingen, wie sie sie vor dem Kriege gehabt, gewahrt. Dahin gehörte auch, daß die preußischen Städte von der polnischen Gerichtsbarkeit frei wären. Dieser Friede verschaffte aber den Städten keine Ruhe. Die Jesuiten nahmen in Thorn ihr Kollegium sammt der Johanniskirche wieder in Besitz, und die Benediktiner-Nonnen erhoben ganz widerrechtliche Ansprüche auf die Pfarrkirche St. Jakob nebst Zubehör. Alle Widerlegungen von Seiten Thorn's, alle Einsprachen des Königs von Schweden durch seinen Gesandten halfen nichts, die Nonnen siegten. So kamen die Thorner um ihre Pfarrkirche, und mußten zum Gottesdienst ein Rathhaus zurichten lassen. Es war jetzt nur noch die einzige Marienkirche mit dem Gymnasium Eigenthum der Evangelischen. Auch diese hätten die Katholiken gern gehabt. Sie lauerten schon lange darauf, und endlich siegten sie auf blutigem Wege.

Die Erbitterung unter den Thornern gegen die Jesuiten war groß. Auch ist das kein Wun-

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proves most strikingly my first report, sent to Pfarrer Löhe, of July 7, 1845. Thank God, I made a copy of it at that time, and can therefore communicate the pertinent passage here word for word. "After I had stated the above-mentioned purpose of my journey to Detroit, I described the difficult position which a Lutheran pastor has to take between the many Catholics there on the one hand and the Rationalists on the other, and then concluded with the following words: 'From all this you will see that I would not have been equal to the office in Detroit, and that therefore the filling of this post by Prof. Winkler is to be accounted a piece of good fortune.'"

This is the simple state of the facts, the key to the "raging of Satan in the Church at Detroit!"

The reader sees, Pastor Winkler has with his alleged key unlocked nothing but — his own wicked heart.†)

†) In like manner Pastor Winkler reveals what spirit's child he is, in that in the same essay he seeks to put to shame our dear Professor Crämer, whom the LORD may yet further set for a blessing to our Church, by charging him (Herr Winkler) with the political pranks, bewept with hot tears and long since forgiven through Christ's blood, which he committed once in his unconverted state, when he did not yet know his LORD JESUS. Shame upon such meanness! Ed.

Friedrich Lochner,
Lutheran pastor at Milwaukie.

The Bloodbath of Thorn.

A Picture from the History of the Jesuits
by
K. F. Ledderhose.*)

*) We also communicate this excellent and interesting account by Ledderhose, printed in the New Yorker Missions-Blatt, of the atrocities which the Jesuits committed somewhat more than a hundred years ago upon the Lutherans of Thorn. We consider this the more necessary, the more powerful the influence of that crafty, bloodthirsty Order becomes here from day to day, and the more the Roman Catholic papers here exert themselves above all to whitewash this Order. Ed.

To let the bloodbath of Thorn cry out from a past of more than a hundred years into the present will, to be sure, not please all, least of all the descendants of those who have stained themselves with it; but it teaches us to open our eyes, and to look upon those who wear sheep's clothing, and yet inwardly are ravening wolves. We mean the Jesuits, who act quite innocent and give themselves out as saviors of mankind and yet are destroyers. But it rejoices all who believe in Christ that the Church of Christ has had members at all times who have sealed their faith with their blood. May this history serve many for comfort and for watchfulness!

The city of Thorn, which at the present day stands under the scepter of the Kings of Prussia, derives the time of its origin from as far back as the thirteenth century. Its first inhabitants were Germans, brought thither by the Knights of the German Order, who took it to heart to build the city in Polish Prussia. So German speech and custom came into those regions. The city lies on the right bank of the Vistula. By its advantageous situation it soon rose to surprising greatness, to wealth and prestige. The city received many liberties and rights. It was allowed to choose from its midst its judges and magistracy, and to punish criminals. It was exempt from tolls. Yet with all this it stood under the German Order, which had a strong castle in Thorn. But the excessive severity of the Order bred discontent. A part of Prussia tore itself loose, among them Thorn also. Already in the year 1454 the German castle in the city fell. The estates of the severed part of Prussia placed themselves under the protection of the King of Poland, Casimir the Great. They kept all their rights. The majesty of the king, however, they honored in no other relation than that they were to have the same friends and enemies and in cases of need to stand by one another. The city magistracies received still greater power, namely the so-called great cities Thorn, Elbing and Danzig. Yet in the course of time their prerogatives were weakened.

We stand now, however, at the church-historical development of the city of Thorn, the main matter for our purpose. Hardly had the trumpet of the angel with the eternal gospel sounded in Wittenberg, when this voice was heard also in Thorn. But since to the bishops, and particularly to King Sigismund, this sweet sound of peace rang offensive, there were at first only secret friends of the Gospel. Already in the year 1520 a sharp order was issued against the introduction of Luther's writings, but orders, even when they proceed from kings or emperors, avail nothing, if the Lord of the Church in His eternal mercy has resolved to bring His Word. So it went also in Poland, and especially in Thorn. After fruitless attempts, particularly on the part of Bishop Hosius, who for the sake of his zeal for Rome was made a Cardinal, King Sigismund Augustus at last, in the year 1557, granted the city an ample privilege, and the following kings renewed and confirmed all the same. The Evangelicals received all the churches for their free exercise of religion. Only at the St. John's church was a Roman priest permitted to hold his worship in a special chapel. The Council had the right to call preachers of the Augsburg Confession. The Gymnasium also and the schools were arranged according to the mind of the divine Word.

The fundamental laws of the realm, which were solemnly sworn to by the kings at their coronation, protected liberty of conscience.

But wickedness, cunning and violence weakened, restricted, perverted, broke the rights of the Evangelicals. We named Bishop Hosius of Ermeland above. He was chiefly the one who brought the Jesuits, then newly arisen, to Poland. Already in the year 1593 their friends carried it through that the St. John's parish church was taken from the Lutherans by a royal decree and assigned to the Romans. Hardly had Bishop Tylicki of Culm obtained this, when he gave the pastor two Jesuits, that they might assist him with preaching and hearing confession. They kept quite quiet at first, in order to win a good opinion among the people. But it was not long before a royal decree was obtained which assured the Jesuits of public school-keeping in Thorn. The Council complained of it; but it availed nothing. In the year 1606 the Jesuits already held a procession in the St. John's churchyard. Then the Council at last intervened and drove the Jesuits out of the city. The Jesuit-minded court had hardly received word of it, when a commissioner came to Thorn to investigate; the Jesuits followed after him and took possession of church and pulpit. There were, to be sure, complaints upon complaints, but the Jesuits gained ever firmer footing, they took one piece of liberty after another into possession.

When Charles Gustavus ascended the throne in Sweden in the year 1654, the King of Poland, John Casimir, raised old claims, and protested against Charles Gustavus's coronation. Thereupon the Swede advanced upon Poland itself with surprising progress, and on the 3rd of May, 1660, a peace was made which was concluded in the Cistercian monastery of Oliva, not far from Danzig. This peace is of significance for our history, for to the cities situated in Polish Prussia were guaranteed therein all their rights, liberties and privileges in spiritual and temporal matters, as they had had them before the war. To this belonged also that the Prussian cities should be free from Polish jurisdiction. This peace, however, brought the cities no rest. The Jesuits took possession again in Thorn of their college together with the St. John's church, and the Benedictine nuns raised wholly unlawful claims to the parish church of St. James with its appurtenances. All refutations on the part of Thorn, all protests of the King of Sweden through his envoy, availed nothing, the nuns prevailed. So the people of Thorn lost their parish church, and had to have a town hall fitted up for worship. Now only the one Marienkirche with the Gymnasium remained the property of the Evangelicals. This also the Catholics would gladly have had. They had long lain in wait for it, and at last they prevailed by a bloody way.

The bitterness among the people of Thorn against the Jesuits was great. And that is no won-