Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 2 › Seite 10
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-13, Seite 10
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9
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kirche und das Kloster. Sie wurden für dies Mal abgewiesen, indem die Sache nicht vor die Kommission gehöre. Die Stadt, als die Beklagte wurde aufgefordert, durch persönliche Erscheinung die Kommission anzuerkennen. Nach einigem Streit wurden drei Personen aus jeder der drei Ordnungen, des Raths, der Schöppen und der dritten Ordnung erwählt, diese Anerkennung schriftlich auszusprechen. Erst am 18. September wurden die Zeugen verhört. Es ging leidlich her, so lange der Bischof von Plocko, der Woiwode von Kulm und einige andere verhörten. Sobald aber der Bischof von Kujawine und der Kronkämmerer Lubomirski, geschworne Feinde der Thorner, freiere Hand bekamen, sah die Verhandlung mehr einer Exekution als einer Untersuchung ähnlich. Die vom Rath vorgestellten Zeugen wurden als Mitschuldige verworfen; wer dagegen etwas wider einen Thorner bezeugen wollte, feindselige alte Weiber, erkaufte Landläufer, misvergnügte Mägde, alle wurden angenommen. Wenn sie ihre Aussage beschworen, so wurden die Angegebenen verhaftet. Am 26. September saßen im Gefängnisse schon gegen 80 Personen, darunter mehrere, welche beweisen konnten, daß sie am Tage des Tumults gar nicht in Thorn gewesen waren. Wenn Schuldige erklärten, die katholische Religion annehmen zu wollen, fanden sie beim Bischofe Schutz. Die Amtsdiener wurden mit der Folter bedroht, auszusagen, daß der Präsident zum Tumult Befehl ertheilt habe. Alles, was schlecht ist, wurde von dieser Kommission getrieben. Nur mit Noth konnte sich Rath und Geistlichkeit ihren Gewaltthätigkeiten entziehen.
Doch heben wir noch Einiges aus dieser Geschichte heraus. Die Zeugen der Verklagten verwarf man gewöhnlich durch die Behauptung, daß sie bei dem Unwesen zugegen gewesen, und weil sie es nicht verhindert, als Mitschuldige zu betrachten seien. Die Aussagen der Zeugen, welche von den Klägern aufgestellt wurden, widersprachen sich öfters. Sie waren noch nicht gehörig unterrichtet. Die Jesuiten brachten dann andere, welche besser geübt waren. Wer angegeben wurde als Theilnehmer, mußte in Verhaft; und man ließ manche darin, welche Beweise ihrer Unschuld beibrachten. Die Zeugen der Kläger kamen nicht mit den Angeklagten zusammen. Was sie eidlich bezeugten, wurde als gewiß angenommen. Gegen den lutherischen Studenten Nagorni, welchen wir mehrmals schon erwähnt haben, erhob ein polnischer Soldat die Anklage, derselbe habe nach seiner Befreiung aus der Haft in der Jesuitenschule Pistolen und einen Degen geholt und ihn verwundet. Dagegen bezeugten zwanzig Personen, darunter selbst Katholiken, daß Nagorni sich in seine Wohnung begeben und ruhig daselbst verhalten habe. Der Pfefferküchler Hofft wurde beschuldigt, einen Kelch im Kollegium gestohlen zu haben. Aber die Kirchenvorsteher selbst erklärten, daß sie nach Beendigung des Auflaufs alle Kelche vorgefunden hätten. Eine übelberüchtigte Weibsperson beschuldigte den Schuhmacher Wunsch, in dem Jesuitenhause gewesen zu sein; aber er bewies durch die Aussagen aller seiner Nachbarn, daß er am 17. Juli an der Gicht krank gelegen und seine Wohnung nicht verlassen habe. Die Zeugin gestand ein, sich in der Person geirrt zu haben. Und doch traf diesen Schuhmacher ein sehr hartes Urtheil, sowie auch den Schuhmacher Mertz, der durch sieben Zeugen bewies, daß er erst gegen 11 Uhr Nachts, als der Auflauf beinahe sein Ende erreicht hatte, aus seinem Haus getreten war und nur aus der Ferne nach dem Tummelplatz geschaut hatte. Ein Handlungsdiener wurde von einem Jesuiten beschuldigt, ihm den Degen auf die Brust gesetzt zu haben, und ein polnischer Soldat bestätigte die Aussage. Der Angeschuldigte bewies aber, daß er den 17. Juli nicht in Thorn sondern in Danzig gewesen war.
So ging es bei der Untersuchung her. Wer brav Dukaten bezahlte, kam bald los. Die Kommission selber hatte auf das Prächtigste bei ihrem vierwöchentlichen Aufenthalte in Thorn gelebt. Sie endigte jetzt ihre Sitzungen. Lehrburschen und junge Leute wurden freigelassen, die meisten Erwachsenen mußten im Gefängnisse bleiben, und eine Verordnung erschien, daß 16 Personen vor das Assessorialgericht gestellt werden sollten. Alle Einsprachen des Raths von Thorn blieben unbeachtet. Endlich zogen diese Blutsauger ab. 50,000 polnische Gulden rechneten sie als Zehrungskosten und 2,950 Dukaten Gebühren. Sie erklärten, ihre Sitzungen so lange fortsetzen zu wollen, bis das Geld erlegt wäre. Um nicht noch größere Kosten sich abpressen lassen zu müssen, entschloß man sich, das Geld zu bezahlen. Die Jesuiten waren selbst mit diesem Hergange der Untersuchung nicht zufrieden; denn sie verurtheilten einige ihrer Glaubensgenossen, die im Sinne der Wahrheit und des Rechts gezeugt hatten, zur Kirchenbuße, und schlossen sie vom Abendmahl aus. Sie beteten allsonntäglich und an allen Feiertagen in öffentlichen Gebeten für den glücklichen Ausgang des Prozesses. Der Pater Rektor reiste mit einem andern Jesuiten nach Warschau, um der Angelegenheit in ihrem Sinne eine günstige Wendung zu verschaffen.
Während jener Zeit wurde gerade der Reichstag zu Warschau abgehalten. Einen Blick in solche polnische Reichstage eröffnet uns die Verhandlung über den Thorner Prozeß. Der Abgeordnete von Podlachien, Rothworowski, drang darauf, daß diese Sache vor allen Dingen verhandelt werden müsse. Dürfe man Beleidigungen eines gekrönten Hauptes nicht ungeahndet lassen, um wie viel härter müßte eine solche Frevelthat gegen den König aller Könige bestraft werden. Das war sein und Anderer Satz. Ein anderer Landbote drang auf einen Ausschuß, der auf die geschehene Untersuchung hin das Urtheil fällen solle. Auch der Unterkämmerer des Reichs, Fürst Lubomirski, unterstützte mit Andern solchen Antrag im Interesse der Jesuiten. Der Reichskanzler Szembeck dagegen widerstand diesem Antrage, indem er erklärte, er laufe gegen das Ansehen des Königs und gegen die dem Lande Preußen verliehenen Rechte. Der Prozeß gehöre vor das Assessorialgericht, und nicht vor den Reichstag. Die polnischen Magnaten fügten sich endlich unter der Bedingung, daß der Prozeß vor dem Schlusse der Sitzungen beendet sein müsse. Aber den Marschall Potocki bestürmten sie mit der Drohung, aus einander gehen zu wollen, um dadurch den König zur Ansetzung eines Gerichtstages zu bewegen. König August gab auch wirklich nach. Am 26. Oktober 1724 begann der heillose Prozeß. Es wurde ausgewirkt, daß außerordentliche Beisitzer aus der Zahl der Senatoren und Landboten des Reichstages dem Gerichte beigesellt wurden. Die Feinde jubelten jetzt schon. Der Reichskanzler führte den Vorsitz. Gerade als die Berathung anfangen sollte, wurde der halb erblindete Lubomirski herein geführt. Er setzte sich zu den Senatoren, und sagte mit fröhlichem Ingrimme: „Willkommen, ihr Herren, bei dem Prozesse Gottes!“ Der Kanzler hielt an das versammelte Gericht eine kurze Anrede, in welcher er ermahnte in dieser verdrießlichen, die Ehre Gottes betreffenden Angelegenheit nicht nach Willkühr und Leidenschaft zu verfahren, damit die Welt erkenne, es sei ein Gott in Israel.
Der Kläger für die Jesuiten war Nagrodski, Ordinarius des Assessorialgerichts. Er begann mit der Erzählung eines Traumes, welchen ein Jesuit vor langer Zeit in Thorn gehabt habe. Er sah darin die Stadt Thorn wegen schwerer Versündigung gegen das Kollegium in einen jämmerlichen Zustand gerathen und endlich zu Grunde gehen. Der Kläger schilderte alsdann den Aufruhr aufs übertriebenste und warf einige Trümmer von durchstochenen und angebrannten Heiligenbildern auf den Tisch. Mehr brauchte nicht zu geschehen, um unter diesem erzrömischen und jesuitischen Haufen ein wahrhaft polnisches Getümmel zu erregen. Sie fluchten gegen die Ketzer. Der Kanzler hatte alle Mühe, nach langer Zeit die Ruhe wieder herzustellen.
Der Ankläger fuhr dann in seiner Klage fort. Namentlich bestritt er dem Magistrat die Gerichtsbarkeit über die Jesuitenschüler, und erklärte es für einen Mißbrauch der ihm verliehenen Gewalt, daß er die zwei katholischen Schüler verhaftet habe. Er wollte haben, man solle die Verstocktesten von ihnen in Person vor das Gericht stellen, besonders den Sekretär Wedemeyer, und sie zu dem Geständnisse bringen, daß Rösner den Aufruhr angezettelt und befohlen habe. Jedenfalls hätten Rösner und Zernecke das Leben verwirkt, weil sie nichts gethan, um den Aufruhr zu stillen. Dem gerechten Urtheil der versammelten Richter überließ er die Strafe der Theilnehmer des Aufruhrs, und forderte als Schadenersatz für die Jesuiten 34 Tausend polnische Gulden. Zur Strafe des Religionshasses und der Nachlässigkeit des Magistrats verlangte er die Besetzung der Stellen des Magistrats, des Gerichts und der dritten Ordnung zur Hälfte mit Katholiken. Damit die Ehre der Mutter Gottes entsühnt werde, forderte er das Blut der Theilnehmer, und zugleich die Zurückgabe der Marienkirche an die Katholiken.
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church and the monastery. They were turned away for this time, since the matter did not belong before the commission. The city, as the defendant, was summoned to acknowledge the commission by appearing in person. After some dispute three persons from each of the three orders, the council, the aldermen and the third order, were chosen to express this acknowledgment in writing. Not until the 18th of September were the witnesses heard. Matters went tolerably so long as the bishop of Plock, the voivode of Culm and some others conducted the hearing. But as soon as the bishop of Kujawien and the crown chamberlain Lubomirski, sworn enemies of the Thorners, got a freer hand, the proceeding looked more like an execution than an investigation. The witnesses brought forward by the council were rejected as accomplices; but whoever wanted to testify anything against a Thorner, spiteful old women, hired vagrants, discontented maids, all were accepted. When they swore to their statements, the persons named were arrested. On the 26th of September there were already some 80 persons sitting in prison, among them several who could prove that on the day of the tumult they had not been in Thorn at all. When the guilty declared that they wished to accept the Catholic religion, they found protection with the bishop. The officials of the court were threatened with torture if they would not testify that the president had given orders for the tumult. Everything that is evil was practised by this commission. Only with difficulty could council and clergy escape their acts of violence.
Yet let us pick out a few more things from this history. The witnesses of the accused were commonly rejected by the assertion that they had been present at the disorder, and because they had not prevented it were to be regarded as accomplices. The statements of the witnesses put forward by the plaintiffs often contradicted one another. They had not yet been properly instructed. The Jesuits then brought others who were better practised. Whoever was named as a participant had to go into custody; and many were left there who brought proofs of their innocence. The plaintiffs' witnesses did not come together with the accused. What they testified on oath was accepted as certain. Against the Lutheran student Nagorni, whom we have already mentioned several times, a Polish soldier brought the charge that after his release from custody in the Jesuit school he had fetched pistols and a sword and wounded him with them. Against this twenty persons testified, even Catholics among them, that Nagorni had gone to his lodging and kept quietly there. The gingerbread baker Hofft was accused of having stolen a chalice in the college. But the church wardens themselves declared that after the end of the riot they had found all the chalices. A woman of ill repute accused the shoemaker Wunsch of having been in the Jesuit house; but he proved by the statements of all his neighbors that on the 17th of July he had lain sick with the gout and had not left his dwelling. The woman witness confessed that she had mistaken the person. And yet a very severe sentence fell upon this shoemaker, as also upon the shoemaker Mertz, who proved by seven witnesses that he had not stepped out of his house until about 11 o'clock at night, when the riot had nearly reached its end, and had looked at the scene of the tumult only from a distance. A clerk was accused by a Jesuit of having set a sword to his breast, and a Polish soldier confirmed the statement. The accused proved, however, that on the 17th of July he had been not in Thorn but in Danzig.
Such was the course of the investigation. Whoever paid ducats handsomely soon got off. The commission itself had lived in the most sumptuous style during its four weeks' stay in Thorn. It now ended its sittings. Apprentices and young people were set free, most of the adults had to remain in prison, and an ordinance appeared that 16 persons should be brought before the Assessorial court. All protests of the council of Thorn went unheeded. At last these bloodsuckers departed. They reckoned 50,000 Polish gulden as costs of subsistence and 2,950 ducats as fees. They declared that they would continue their sittings until the money was paid. In order not to have still greater costs extorted from them, it was decided to pay the money. The Jesuits themselves were not satisfied with this course of the investigation; for they condemned some of their fellow believers who had testified in the spirit of truth and of right to church penance, and excluded them from the Lord's Supper. Every Sunday and on all festival days they prayed in public prayers for a happy outcome of the trial. The Father Rector traveled with another Jesuit to Warsaw, in order to procure a favorable turn for the affair in their sense.
During that time the Diet was just being held at Warsaw. The debate over the Thorn trial opens to us a view into such Polish Diets. The deputy of Podlachia, Rothworowski, urged that this matter be taken up before all things. If insults to a crowned head were not to be left unavenged, how much more severely must such an outrage against the King of all kings be punished. That was his and others' maxim. Another land-envoy urged a committee that should pronounce judgment on the basis of the investigation already made. The under-chamberlain of the realm, Prince Lubomirski, also supported such a motion with others in the interest of the Jesuits. The imperial chancellor Szembeck, on the other hand, resisted this motion, declaring that it ran against the authority of the king and against the rights granted to the land of Prussia. The trial belonged before the Assessorial court and not before the Diet. The Polish magnates finally yielded on the condition that the trial must be concluded before the close of the sessions. But they besieged the marshal Potocki with the threat of going their separate ways, in order thereby to move the king to appoint a day of court. King Augustus actually gave way. On the 26th of October 1724 the ruinous trial began. It was arranged that extraordinary assessors from the number of the senators and land-envoys of the Diet were added to the court. The enemies were already exulting. The imperial chancellor presided. Just as the deliberation was about to begin, the half-blind Lubomirski was led in. He seated himself among the senators and said with joyful fury: "Welcome, my lords, to the trial of God!" The chancellor addressed a short speech to the assembled court, in which he exhorted them in this vexatious affair, which concerned the honor of God, not to proceed by caprice and passion, so that the world might perceive that there is a God in Israel.
The plaintiff for the Jesuits was Nagrodski, ordinarius of the Assessorial court. He began with the narration of a dream which a Jesuit had had long ago in Thorn. In it he saw the city of Thorn, on account of grievous offense against the college, fall into a wretched condition and finally go to ruin. The plaintiff then portrayed the riot in the most exaggerated manner and threw some fragments of pierced and burnt images of saints upon the table. No more needed to be done to stir up among this arch-Roman and Jesuitical crowd a truly Polish uproar. They cursed the heretics. The chancellor had all the trouble in the world to restore quiet after a long time.
The accuser then continued his complaint. In particular he disputed the magistrate's jurisdiction over the Jesuit pupils, and declared it an abuse of the power granted to it that it had arrested the two Catholic pupils. He wished that the most obstinate of them be brought in person before the court, especially the secretary Wedemeyer, and be brought to the confession that Rösner had instigated the riot and commanded it. In any case Rösner and Zernecke had forfeited their lives, because they had done nothing to quell the riot. To the just judgment of the assembled judges he left the punishment of the participants in the riot, and demanded as compensation for the Jesuits 34 thousand Polish gulden. As punishment for the hatred of religion and the negligence of the magistrate he demanded that the places of the magistrate, the court and the third order be filled half with Catholics. In order that the honor of the Mother of God be atoned for, he demanded the blood of the participants, and at the same time the restoration of the Marienkirche to the Catholics.