Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 2 › Seite 11

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-13, Seite 11

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang · Tanz 9

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Das lutherische Gymnasium solle man in eine ordinäre Schule umwandeln, weil darin Sätze vertheidigt würden, welche der päpstliche Stuhl verwerfe, und das Kloster den Bernhardinern übergeben. Die zwei Prediger von Thorn, Dr. Geret und Olof, solle man absetzen und entfernen, weil der erstere in seiner Rede bei der Hochzeit des Bürgermeisters Meißner anstößige Stellen gegen die Herrschaft des Papstes geäußert habe, und der letztere, weil er den verhafteten Heyder vom Uebertritt zur katholischen Kirche habe zurückhalten wollen. Auch solle die Rede Geret's öffentlich verbrannt werden.

Fünf Stunden redete, oder vielmehr wüthete und schnaubte Nagrodski. Da erhob sich der Anwalt der Stadt Thorn, und erbat sich eine viertägige Frist zur Beantwortung der Anklagen. Sie wurde ihm nach einigem Widerstande bewilligt. Am 31. Oktob. erschienen vor der Versammlung ein Rathsherr, ein Schöppe und zwei Mitglieder der dritten Ordnung, und mit ihnen ihr Advokat Bohußewski. Der Anwalt stellte gegen die Anklage des Klägers folgendes auf: 1) Lebten viele von den Kommissarien mit der Stadt Thorn in Feindschaft und sogar in Rechtshändeln. Ihr Gutachten könne daher nicht als unbefangen angenommen werden; 2) wären die Mitglieder katholisch und deshalb in einem Religionsstreite befangen; 3) habe keine Zusammenstellung der Zeugen statt gefunden; 4) habe man Zeugen angenommen, die wegen ihrer Bescholtenheit durchaus verwerflich wären; 5) habe jeder Kommissär außer den Verzehrungskosten ein Geschenk von zwei Hundert Dukaten gefordert. Bei dem letzten Satze brach der Fürst Lubomirski, welcher sich getroffen fühlte, in Zorn aus, und hieß den Anwalt unter den bittersten Worten schweigen. Ein Getümmel heftigster Art entstand, nach dessen Beilegung Bohußewski den Antrag stellte, daß eine neue Untersuchung nach dem Rechte und den gültigen Gesetzen angeordnet werde. Nagrodski antwortete darauf, daß mit Unrecht die Kommissäre eines gesetzwidrigen Verfahrens beschuldigt würden. Ueberhaupt bei einem solchem Verbrechen, wie es vorliege, komme es auf die äußere Form der Gerechtigkeitspflege nicht so sehr an. Jetzt glaubte der Kaplan des Primas, ein Jesuit voller List und Redefertigkeit, eine Rede, die er einstudirt hatte, vortragen zu müssen. Da man diese Rede noch besitzt, so sei es erlaubt, Einiges daraus mitzutheilen. Der Lügner und Mörder von Anfang an, wie ihn Christus nennt, sieht überall hindurch.

(Fortsetzung folgt.)

Der deutsche ev. lutherische Central-Bibelverein des Westens

hält sein diesjähriges Bibelfest am 22. dieses Monats, als am Tage der Vollendung der lutherischen Uebersetzung des Neuen Testamentes, in der Immanuelskirche der deutschen ev. luth. Gemeinde u. a. C. zu St. Louis, durch feierlichen öffentlichen Gottesdienst mit Predigt. Dies zur Nachricht für unsere lieben Brüder in der Umgegend.

(Eingesandt.)

Näheres über die Verfolgung der Badenschen Lutheraner, namentlich des Pfarrers Eichhorn.

Aus dem Zeitblatte des Dr. Petri in Hannover für die Angelegenheiten der lutherischen Kirche· vom 24. April 1852.

In Baden scheint sich jetzt wiederholen zu sollen, was vor zwanzig Jahren in Preußen durchgemacht ist, ein Kampf der lutherischen Kirche zur Behauptung ihrer Existenz gegen die verschlingende Union. Es wird daher nöthig sein, daß wir die Anfänge beachten; denn wie klein sie sind, so läßt sich doch nicht sagen wohin sie führen werden. Ueber die Vorgänge berichten theils die Zeitungen, theils der Hauptbetheiligte, Pfarrer Eichhorn selbst, im „Kirchenblatt“ von Ehlers. Der genannte Pfarrer trat bekanntlich vor etwa zwei Jahren aus der unirten Kirche Badens auf den Boden der luth. Kirche zurück und schloß sich an die lutherische Kirche in Preußen. Er sammelte einige wenige Gleichgesinnte um sich in den Dörfern Ihringen und Nußloch, welche ihn zu ihren Pfarrer beriefen. Man wandte sich nun an die Behörden und zuletzt an die Landstände um Anerkennung, unter Beifügung eines Rechtsgutachtens des Prof. Scheuerl in Erlangen, erhielt aber in allen Instanzen, wie vorherzusehen war, abschlägliche Antwort, denn die Badische Unionsurkunde hatte erklärt, daß es in Baden in alle Ewigkeit keine lutherische und reformirte, sondern nur eine unirte Kirche mehr geben sollte. Die Berufung der Petenten, (Bittsteller) auf die Landesverfassung, die deutsche Bundesacte und den Westfälischen Frieden wurden mit diesem Satze und auch sonst als nichtig widerlegt, besonders in einer kleinen Schrift des Chefs der unirten Kirchenbehörde, worauf jedoch Dr. Scheuerl bereits geantwortet hat. Die Sache liegt nun so, daß die Frage: ob eine lutherische Kirche in Baden bestehen soll oder nicht? lediglich auf dem Wege des Kampfes scheint entschieden werden zu sollen. Ueber die neuesten Vorgänge berichtet der Pf. Eichhorn in Nr. 6 des Kirchenblattes das Folgende:

„Nachdem den beiden Gemeinden Ihringen und Nußloch eine kurze Zeit lang Frieden beschieden war, ich sie auch abwechselnd besuchen konnte, erhob sich gerade um das heil. Weihnachtsfest eine neue Verfolgung.—Ich durfte schon geraume Zeit vorher die Orte nicht mehr betreten; aus Ihringen war ich im Mai, aus Nußloch im November unter den strengsten Androhungen verwiesen worden, worauf ich jedoch jedesmal erklärte: ich würde mich den-Ausweisungen, so weit es ohne Schaden für die mir anvertrauten Seelen geschehen könne, fügen, behielte mir aber aus göttlichem Rechte die Befugniß vor, in Nothfällen, besonders wenn Schwache und Angefochtene zu besuchen seien die Orte zu betreten.—So kamen wir denn zu unsern regelmäßigen Gottesdiensten in benachbarten, oft recht nahe gelegenen Orten anderer Amtsbezirke zusammen, und ich könnte gar wunderbare Führungen berichten, wie wir nie in Verlegenheit kamen, sondern immer ein stilles Oertlein vom Herrn der Kirche bereitet erhielten, oft an ganz absonderlichen Orten, behalte mir aber diese Erzählung auf spätere Zeiten vor. Das aber muß ich hier schon erwähnen, daß diese verborgenen, und doch vor Gott so offenbaren Gottesdienste mit ungemeiner Andacht und Erhebung gefeiert wurden, und daß die Theilnehmenden oft sagten: „wir werden diese armen und doch so reichen Gottesdienste nie vergessen!“ Einige Male bekamen wir Zuwachs, und mitten in der Nacht, in der größesten Stille und Verborgenheit ließen sich etliche Neueintretende aufnehmen. Öfter konnten wir nicht singen, weil ringsum Aufpasser waren, und ich mußte dann die Lieder und Gesänge vorlesen. Ps. 65, 2.

Aber der Feind säumte nicht; wir waren, namentlich im Oberlande in und um Ihringen, zuletzt so eingeengt und beobachtet, daß wir in den Adventstagen nicht wußten, ob und wo wir dem Krippenkindlein gemeinsam zurufen könnten „bis willkommen du edler Gast!“ doch trennten wir uns wieder mit dem gewöhnlichen Abschiedsgruße: „der Herr wird sich uns schon wieder ein Kämmerlein ersehen!“

Am 23. December wurden vom Ministerium des Innern weitere schwere Maßregeln ergriffen: ich solle auch aus den um Ihringen und dem Breisacher Amt zunächst gelegenen Ämtern Freiburg und Emmendingen verwiesen, und es solle die Gensdarmerie angewiesen werden, in diesen Oberämtern förmlich nach mir zu fahnden. Zugleich kam dem Oberamte in Durlach, meinem gegenwärtigen Wohnorte, die Anweisung zu mir die Verbannung in meinen Geburtsort Kembach bei Werthheim im untersten (nördlichsten) Theile des Großherzogthums, anzukündigen.

Von diesem Allem wußte ich noch Nichts, als ich am ersten Festtage, den 25. December, nach einem vielbesuchten Gottesdienste im Unterlande, Mittags abreiste, gegen 40 Stunden auf der Eisenbahn zurücklegte und dann bei Nacht 4 Stunden in das Gebirge, in die Nähe von Ihringen wanderte, um das Gemeinlein aufzusuchen. Drei Boten kamen mir entgegen mit der Freudenbotschaft „der Herr hat uns ein Kämmerlein bereitet!“ Am Morgen hatten sie sich noch keinen Ort unseres Zusammenkommens ersehen können. Da waren zwei Familienväter aus der Nähe zu ihnen gekommen, mit den Worten: „Wir wollen mit euch gehen!“ Die Wohnung des Einen derselben war soeben zum Gottesdienst zugerichtet worden, als ich in der Nähe anlangte. In der Himmelsburg, im Kaiserstuhl gelegen, feierten wir unsere Weihnachtsgottesdienste. Wir waren die ganze Nacht über vom ersten zum zweiten Festtage versammelt; das Stübchen war gedrängt voll; es waren allein 45 Kommunikanten. Es war ein seliges Versammeltsein; aber sogleich nachher bekam der Feind seine Macht. Es wurden im frischgefallenen Schnee die Spuren der nächtlichen Wanderer entdeckt; es wurde bekannt, daß ich in der Nähe sei.—

Noch ehe ich schied, kam die Nachricht, daß ein Kind von 1½ Jahren aus der Gemeine schwer

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The Lutheran gymnasium should be turned into an ordinary school, because propositions are defended in it which the papal chair rejects, and the monastery given to the Bernardines. The two preachers of Thorn, Dr. Geret and Olof, should be deposed and removed, because the former in his speech at the wedding of the burgomaster Meißner had uttered offensive passages against the dominion of the Pope, and the latter because he had wished to hold back the arrested Heyder from conversion to the Catholic Church. The speech of Geret should also be publicly burned.

For five hours Nagrodski spoke, or rather raged and snorted. Then the advocate of the city of Thorn rose and asked for a respite of four days to answer the accusations. It was granted him after some resistance. On the 31st of October there appeared before the assembly a councilman, an alderman and two members of the third order, and with them their advocate Bohußewski. The advocate set forth the following against the plaintiff's accusation: 1) Many of the commissioners lived in enmity with the city of Thorn and even in lawsuits. Their opinion therefore could not be accepted as impartial; 2) the members were Catholic and therefore partial in a religious dispute; 3) no confrontation of the witnesses had taken place; 4) witnesses had been accepted who on account of their ill repute were altogether objectionable; 5) every commissioner had demanded, besides the costs of subsistence, a present of two hundred ducats. At the last point Prince Lubomirski, who felt himself hit, broke out in anger, and bade the advocate be silent in the bitterest words. A tumult of the most violent kind arose, after the allaying of which Bohußewski moved that a new investigation be ordered according to right and the valid laws. Nagrodski answered that the commissioners were wrongly charged with an unlawful procedure. In general, in the case of such a crime as lay before them, the outward form of the administration of justice did not matter so much. Now the chaplain of the Primate, a Jesuit full of cunning and fluency, thought he must deliver a speech which he had studied beforehand. Since this speech is still extant, it may be permitted to communicate some of it. The liar and murderer from the beginning, as Christ calls him, sees through everything.

(To be continued.)

The German Ev. Lutheran Central Bible Society of the West

holds its Bible festival this year on the 22nd of this month, as the day of the completion of the Lutheran translation of the New Testament, in the Immanuel church of the German Ev. Luth. congregation u. a. C. at St. Louis, by a solemn public divine service with sermon. This for the information of our dear brethren in the neighborhood.

(Contributed.)

Further Particulars of the Persecution of the Lutherans of Baden, especially of Pastor Eichhorn.

From the periodical of Dr. Petri in Hanover for the affairs of the Lutheran Church, of the 24th of April 1852.

In Baden there seems now to be about to be repeated what was gone through twenty years ago in Prussia, a struggle of the Lutheran Church for the maintenance of its existence against the devouring Union. It will therefore be needful for us to take note of the beginnings; for however small they are, yet it cannot be said whither they will lead. Concerning the occurrences, the newspapers report in part, and in part the chief person concerned, Pastor Eichhorn himself, in the "Kirchenblatt" of Ehlers. The said pastor, as is known, about two years ago withdrew from the United Church of Baden and returned to the ground of the Luth. Church and joined himself to the Lutheran Church in Prussia. He gathered a few like-minded persons about him in the villages of Ihringen and Nußloch, who called him as their pastor. Application was now made to the authorities and finally to the Estates of the land for recognition, with the addition of a legal opinion of Prof. Scheuerl at Erlangen, but in all instances, as was to be foreseen, received a refusal, for the Baden deed of union had declared that in Baden there should be in all eternity no Lutheran and Reformed, but only one united Church. The appeal of the petitioners (suppliants) to the constitution of the land, the German Federal Act and the Peace of Westphalia was refuted with this proposition and also otherwise as invalid, especially in a little writing of the chief of the united church authority, to which Dr. Scheuerl has already replied. The matter now stands so that the question whether a Lutheran Church is to continue to exist in Baden or not seems to be decided solely by the way of conflict. Concerning the latest occurrences Pastor Eichhorn reports in No. 6 of the Kirchenblatt the following:

"After the two congregations of Ihringen and Nußloch had been granted peace for a short time, and I also was able to visit them in turn, a new persecution arose just about the holy Christmas feast.—For quite a time previously I had not been permitted to enter these places; from Ihringen I had been banished in May, from Nußloch in November, under the severest threats, whereupon I each time declared: I would submit to the expulsions so far as it could be done without harm to the souls entrusted to me, but reserved to myself by divine right the liberty, in cases of need, especially when the weak and those under temptation were to be visited, to enter the places.—So we came together for our regular divine services in neighboring places, often quite near by, belonging to other districts, and I could report quite wonderful leadings, how we were never in embarrassment, but always had a quiet little place prepared by the Lord of the Church, often in quite singular places, but I reserve this narrative for later times. This, however, I must mention here, that these hidden services, and yet so manifest before God, were celebrated with uncommon devotion and uplifting, and that the participants often said: 'We shall never forget these poor and yet so rich services!' Several times we received additions, and in the middle of the night, in the greatest stillness and secrecy, some newly entering persons let themselves be received. More often we could not sing, because spies were all around, and I had then to read aloud the hymns and songs. Ps. 65, 2.

But the enemy did not tarry; we were, especially in the Upper Country in and around Ihringen, at last so hemmed in and watched that in the days of Advent we did not know whether and where we could call out together to the Christ-child in the manger, 'Be welcome, thou noble guest!' yet we parted again with the customary farewell: 'The Lord will surely find a little chamber for us again!'

On the 23rd of December further severe measures were taken by the Ministry of the Interior: I was to be banished also from the districts of Freiburg and Emmendingen, lying nearest around Ihringen and the Breisach district, and the gendarmerie were to be instructed to search for me formally in these upper districts. At the same time the district office in Durlach, my present place of residence, received the instruction to announce to me the banishment to my birthplace Kembach near Werthheim in the lowest (northernmost) part of the Grand Duchy.

Of all this I knew nothing yet when, on the first festival day, the 25th of December, after a well attended divine service in the Lower Country, I set out at noon, covered some 40 hours on the railway, and then by night walked 4 hours into the mountains, to the neighborhood of Ihringen, to seek out the little flock. Three messengers came to meet me with the glad tidings: 'The Lord has prepared a little chamber for us!' In the morning they had not yet been able to find any place for our meeting. Then two heads of families from the neighborhood had come to them, with the words: 'We will go with you!' The dwelling of one of them had just been fitted up for divine service when I arrived in the neighborhood. In the Himmelsburg, situated in the Kaiserstuhl, we celebrated our Christmas services. We were assembled the whole night through from the first to the second festival day; the little room was crowded full; there were 45 communicants alone. It was a blessed assembling; but immediately afterward the enemy got his power. In the freshly fallen snow the tracks of the nocturnal wanderers were discovered; it became known that I was in the neighborhood.—

Before I had departed, word came that a child of 1½ years from the congregation, severely