Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 2 › Seite 12
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-13, Seite 12
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9
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krank darniederliege; ich veranstaltete, daß ich von dem weiterem Verlauf der Krankheit sogleich Nachricht empfinge.
Früh Morgens am zweiten Feiertage reiste ich über Freiburg nach Basel, wo eine kleine Anzahl von Lutheranern nach einem Gottesdienste verlangte. Diesem wohnten am Sontage nach Weihnachten auch einige Leute aus dem Badischen bei. Es konnte sich daraus eine weitergehende Frucht für unsere lutherische Kirche entwickeln.
Am Sonntag Abends war ich wieder in der Nähe von Ihringen. Es wurde mir die Nachricht überbracht, daß das schwer erkrankte Kind aus unserer Gemeine Ihringen bereits am Tage zuvor gestorben, daß die Mutter in tiefer Betrübniß und die Gemeine in großer Verlegenheit sei, weil der unirte Pfarrer des Orts der Berdigung des Kindes mit Gewalt sich bemächtigen wolle. Mein Besuch im Orte war daher in mehrfacher Hinsicht nothwendig, und ich ging in der Nacht unbedenklich in denselben, obgleich die Häscher in Erwartung meiner Ankunft die ganze Nacht auf den Beinen waren. Auf den Wunsch der Eltern segnete ich in stiller Mitternacht die Leiche des Kindes zur Beerdigung ein, die am andern Morgen durch den Ortsgeistlichen, in Begleitung von Polizeidienern, vorgenommen werden sollte, sprach der trauernden Mutter Trost zu und wollte gegen Morgen den Ort wieder verlassen, als ich, kaum aus dem Hause getreten, von zwei Häschern angefallen und nebst zwei Familienvätern unserer Gemeinde arretirt wurde. Nachdem ich in Begleitung von zwei Gensdarmen im Amtsgefängnisse auf der alten Reichsfeste Breisach angekommen war, wurde ich zuerst strenge durchsucht; es wurde mir Alles abgenommen, und besonders gefährlich wurde ein Schriftchen, das ich gerade bei mir führte: „Wahrung der Rechte der lutherischen Kirche in Preußen“ (Petitionen an das Preußische Staatsministerium und an die Kammern) Breslau 1848, von dem Brigadier erfunden, was mir jedoch nach dem zweiten Verhör zurückgegeben wurde. Auf besondere Bitten wurde mir mein Neues Testament mit den Psalmen überlassen. Ich wurde zuerst in eine Zelle zu sechs andern Gefangenen gebracht, wo ich einen Tag und eine Nacht ohne Licht und ohne besondere Tageshelle, verblieb. An meinen Mitgefangenen bewährte sich auf eine wunderbare Weise die Kraft des Wortes Gottes. Ich durfte nicht aufhören, Psalmen und Gebete ihnen vorzusprechen, und bei ihrer Entlassung dankten sie mir noch mit Hand und Mund. Das war mir wirklich ein erhebender und gesegneter Eingang.
Nach 26 Stunden kam ich ins erste Verhör. Das Protokoll wurde an das Oberkriegsgericht in Karlsruhe eingesandt und von diesem wurde ich nach 10 Tagen als Kriegsgefangener auf vier Wochen erklärt. (Es besteht im Lande seit der Revolution im Jahre 1849 Kriegszustand). Mein Vergehen war: Übertretung der polizeilichen Ausweisung aus Ihringen. Es wurde mir durch den freundlich gesinnten Oberbeamten mit der Zeit manche Erleichterung zu Theil. Ich kam allein in eine Zelle, erhielt in den Abendstunden Licht, durfte Besuche der Meinigen annehmen, die aus weiter Ferne zu mir kamen, und in den letzten 14 Tagen durfte ich täglich eine Stunde im Freien mich ergehen, wozu der Oberbeamte mir seinen eigenen Garten, auf einer alten Festungsterasse gewährte. Auch durfte ich schreiben und mir verschiedene Bücher kommen lassen, täglich auch einige Augenblicke mit meinen mitgefangenen Glaubensgenossen aus Ihringen sprechen, welche gleiche Strafe erhielten.
Ich habe selige Stunden innerhalb der engen Mauern meiner Gefängnißzelle verlebt; das Wort Gottes gewährte mir unerschöpflichen Trost, und mit besonderer Erhebung feierte ich die Feste der Beschneidung Christi, so wie das Epiphaniä und die Sonntage. Und so habe ich denn auch trösten können meine lieben Gemeinglieder, die da mit mir waren in allerlei Trübsal, mit dem Troste, damit ich getröstet wurde von Gott (2. Kor. 1, 3. 6.) Von demselben Gott alles Trostes empfing auch meine Gattin eine ganz besondere Stärkung und Kraft.
Am 26 Januar 1852 schlug die Stunde meiner Befreiung. An demselben Tage Abends empfingen mich meine lieben Kinder mit dem 126. Psalm und mit dem Liede: „Verzage nicht du Häuflein klein, obgleich die Feinde Willens sein, dich gänzlich zu verstören.“
Aber meine Gefängnißthüren schienen sich nur zu öffnen, um mich neuen Leiden und Verfolgungen entgegenziehen zu lassen. In den ersten Tagen nach meiner Verhaftung wurde in meine Wohnung in Durlach der erwähnte Beschluß des Ministerii des Innern abgegeben, wornach ich binnen drei Tagen bei Vermeidung von Zwangsmaßregeln, in meinen mir entfremdeten Geburtsort Kembach bei Werthheim am Main mich zu begeben habe, um dort polizeilich überwacht zu werden, damit mir die Reisen zu meinen Gemeinen, die ich, so lange die Schafe hirtenlos sind, nicht unterlassen durfte, was ich jederzeit erklärt hatte, ganz unmöglich gemacht würden. Dieser schwere Beschluß war vor meiner Verhaftung gefaßt worden, und würde, wenn dieselbe und mein Gefängniß nicht dazwischen getreten wären, längst ausgeführt worden sein. Nun aber scheint er für eine Zeit lang aufgehoben zu sein, und so konnte ich denn einen hellen Blick in des Herrn Führungen thun, dessen unerforschliche Hand und Rath Schweres zuließen, damit das Schwerste, das wir in seiner Tiefe oft nicht erkennen, abgewendet werde. Denn: „Er decket mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, Er verbirgt mich heimlich in Seinem Gezelt und erhöhet mich auf einen Felsen. Er wird nun erhöhen mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind; so will ich in seiner Hütte Lob opfern, ich will singen und lobsagen dem HErrn.“ Ps. 2, 5. 6.
Ein Dieb darf seinen Raub behalten, wenn er unverschämt genug ist, die Miene eines rechtmäßigen Eigenthümers anzunehmen
K. R.
(Eingesandt von A. H.)
Welthändel.
Schon seit mehreren Monaten haben die Leute in Europa und selbst hier nach der Türkei geschaut und befürchtet, daß dort ein Krieg ausbrechen und alsdann sich über ganz Europa verbreiten werde. Da nämlich die Türken auf die schändlichste Weise gegen die Christen in Montenegro, einem gegen den türkischen Pascha, einen frühern Christen, empörten Lande hausten, hatten die Kaiser von Rußland und Oestreich den Sultan bewogen, jener Verwüstung Schranken zu setzen. Alsdann forderte der Kaiser von Rußland, Nikolaus, daß der Türkische Sultan, Abdul Meschid, ihn als den Beschützer der griechischen Christen in der Türkei ansehen sollte. Als solcher verlangte Nikolaus, daß zum Patriarchen (obersten Bischof) immer nur solch ein Mann gewählt werden solle, mit welchem er zufrieden sei, und daß allezeit neben diesem Patriarchen ein Rußischer Geistlicher in Constantinopel stehe und von der türkischen Regierung anerkannt werde. Auf diese Weise wollte Nikolaus dafür sorgen, daß die griechische Kirche solche Patriarchen hätte, die, von der türkischen Regierung unabhängig, auch den Mißhandlungen wider die griechischen Christen wehren könnte; namentlich sollte der rußische Geistliche in Constantinopel dazu dienen, die griechischen Christen zu schützen, auch wenn der Patriarch vielleicht in des Sultans Solde stände und nach dem Willen desselben seine Kirche zu regieren trachtete. Diese Forderungen indeß schlug der türkische Sultan rund ab, und nun entstand unter den Türken einerseits, und unter den Russen andererseits eine große Erbitterung und heftiges Verlangen nach Krieg, während die griechischen Christen in der Türkei, denen Abdul Meschid die besten Versprechungen gab, erklärten, sie begehrten den Schutz des Nikolaus gar nicht. Große Rüstungen wurden auf beiden Seiten gemacht. Nikolaus sammelte eine ansehnliche Seemacht im schwarzen Meere und ließ ein mächtiges Landheer auf die Türkei zuziehen und zwei Fürstenthümer, die Moldau und Wallachei, welche unter russischem Schutze standen, aber dem Türken jährlich Tribut oder Schoß bezahlen mußten, besetzen. Während dem hatten Frankreich und England ihre Flotten zusammengethan und sie dicht an die Seestraße der Dardanellen, welche vom mittelländischen Meer in das Marmora-Meer und so nach Constantinopel führt, gelegt, mit der Bestimmung, sobald als Abdul Meschid es begehre, auf Constantinopel zu segeln und gegen die Russen zu schlagen. Der Kaiser von Oestreich zwar machte sich dazwischen und behauptete, er wolle Frieden vermitteln. Aber bald zeigte es sich, daß er dem Russen beistehe und Truppen an die türkische Grenze schicke, um einige schöne Länder abzubekommen, wenn Rußland die Türkei erobere. Schon glaubte man nächstens Nachricht von einer blutigen Seeschlacht zwischen den Russen auf der einen, und den Türken, Engländern und Franzosen auf der andern Seite zu erhalten. Allein dem Kaiser der Franzosen, Louis Napoleon gelang es, einen Vorschlag zu machen, der zwischen Rußland und Türkei den Frieden herstellen soll und auch von beiden angenommen ist. Doch stehen annoch beide Partheien einander gar erbittert gegenüber.
English translation AI translation
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ill, was lying sick; I arranged that I should receive news at once of the further course of the illness.
Early in the morning on the second festival day I traveled by way of Freiburg to Basel, where a small number of Lutherans desired a divine service. On the Sunday after Christmas some people from Baden also attended it. A farther-reaching fruit for our Lutheran Church might develop from this.
On Sunday evening I was again in the neighborhood of Ihringen. The news was brought me that the severely sick child of our congregation at Ihringen had already died the day before, that the mother was in deep affliction and the congregation in great embarrassment, because the united pastor of the place wished to seize the burial of the child by force. My visit in the place was therefore necessary in several respects, and in the night I went into it without hesitation, although the catchpoles in expectation of my arrival had been on their feet the whole night. At the wish of the parents I blessed in the stillness of midnight the body of the child for burial, which was to be performed the next morning by the local clergyman, in company with police officers, spoke comfort to the mourning mother, and toward morning wished to leave the place again, when I, hardly out of the house, was attacked by two catchpoles and, together with two heads of families of our congregation, arrested. After I had arrived, accompanied by two gendarmes, at the district prison in the old imperial fortress of Breisach, I was first strictly searched; everything was taken from me, and a little writing which I happened to have with me became especially dangerous: "Wahrung der Rechte der lutherischen Kirche in Preußen" (Petitions to the Prussian Ministry of State and to the Chambers), Breslau 1848, discovered by the brigadier, which, however, was returned to me after the second hearing. At my special request my New Testament with the Psalms was left to me. I was first put into a cell with six other prisoners, where I remained a day and a night without light and without any real daylight. In my fellow prisoners the power of the Word of God proved itself in a wonderful way. I was not allowed to cease reciting Psalms and prayers to them, and at their discharge they thanked me with hand and mouth. That was for me truly an uplifting and blessed beginning.
After 26 hours I came to the first hearing. The record was sent to the superior court-martial at Karlsruhe, and by this court I was after 10 days declared a prisoner of war for four weeks. (Since the revolution in the year 1849 a state of war has existed in the land.) My offense was: transgression of the police order of expulsion from Ihringen. Through the kindly disposed chief official some alleviation fell to my lot in the course of time. I was put alone into a cell, received light in the evening hours, was allowed to receive visits from my family, who came to me from far away, and in the last 14 days I was allowed to take a walk daily for an hour in the open air, for which the chief official granted me his own garden, on an old fortress terrace. I was also allowed to write and to have various books sent me, and daily to speak a few moments with my fellow-prisoners and fellow believers from Ihringen, who received the same punishment.
I have lived through blessed hours within the narrow walls of my prison cell; the Word of God afforded me inexhaustible comfort, and with special exaltation I celebrated the feast of the Circumcision of Christ, as well as the Epiphany and the Sundays. And so I have also been able to comfort my dear fellow members, who were with me in all manner of tribulation, with the comfort wherewith I was comforted of God (2 Cor. 1, 3. 6.). From the same God of all comfort my wife also received a quite special strengthening and power.
On the 26 January 1852 the hour of my deliverance struck. On that same day in the evening my dear children received me with the 126th Psalm and with the hymn: "Fear not, thou little flock, though the enemies be minded to destroy thee utterly."
But the doors of my prison seemed to open only to let me go forth to new sufferings and persecutions. In the first days after my arrest there was delivered at my dwelling in Durlach the above-mentioned decree of the Ministry of the Interior, according to which I was, within three days, on pain of coercive measures, to betake myself to my birthplace Kembach near Werthheim on the Main, from which I had become estranged, in order to be there under police watch, so that the journeys to my congregations, which, so long as the sheep are shepherdless, I might not leave undone, as I had at all times declared, should be made quite impossible. This severe decree had been issued before my arrest, and would long since have been carried out, if it and my imprisonment had not intervened. Now, however, it seems to be suspended for a time, and so I could take a clear view into the Lord's leadings, whose unsearchable hand and counsel permitted what was heavy, that the heaviest, which in its depth we often do not perceive, might be averted. For: "In the time of trouble he shall hide me in his pavilion: in the secret of his tabernacle shall he hide me; he shall set me up upon a rock. And now shall mine head be lifted up above mine enemies round about me: therefore will I offer in his tabernacle sacrifices of joy; I will sing, yea, I will sing praises unto the LORD." Ps. 2, 5. 6.
A thief may keep his booty, if he is shameless enough to assume the mien of a lawful owner
K. R.
(Contributed by A. H.)
World Affairs.
For several months now the people in Europe, and even here, have been looking toward Turkey and have feared that a war would break out there and then spread over the whole of Europe. For since the Turks were raging in the most shameful manner against the Christians in Montenegro, a land in revolt against the Turkish pasha, a former Christian, the emperors of Russia and Austria had induced the Sultan to set bounds to that devastation. Thereupon the Emperor of Russia, Nicholas, demanded that the Turkish Sultan, Abdul Meschid, should regard him as the protector of the Greek Christians in Turkey. As such Nicholas demanded that for patriarch (chief bishop) only such a man should always be chosen with whom he was satisfied, and that at all times beside this patriarch a Russian clergyman should stand in Constantinople and be recognized by the Turkish government. In this way Nicholas wished to provide that the Greek Church should have such patriarchs as, independent of the Turkish government, could also resist the ill-treatment of the Greek Christians; in particular the Russian clergyman in Constantinople was to serve to protect the Greek Christians, even if the patriarch should perhaps be in the pay of the Sultan and strive to govern his church according to the will of the same. These demands, however, the Turkish Sultan flatly rejected, and now there arose among the Turks on the one hand, and among the Russians on the other, a great bitterness and violent desire for war, while the Greek Christians in Turkey, to whom Abdul Meschid gave the best promises, declared that they did not desire the protection of Nicholas at all. Great preparations were made on both sides. Nicholas gathered a considerable naval force in the Black Sea and let a mighty land army advance upon Turkey and occupy two principalities, Moldavia and Wallachia, which stood under Russian protection but had to pay yearly tribute or scot to the Turk. Meanwhile France and England had united their fleets and placed them close to the strait of the Dardanelles, which leads from the Mediterranean into the Sea of Marmora and so to Constantinople, with the instruction, as soon as Abdul Meschid should desire it, to sail to Constantinople and to strike against the Russians. The Emperor of Austria, to be sure, interposed and asserted that he wished to mediate peace. But soon it appeared that he was standing by the Russian and sending troops to the Turkish frontier, in order to obtain some fine territories if Russia should conquer Turkey. Already people believed they would soon receive news of a bloody naval battle between the Russians on the one side and the Turks, English and French on the other. But the Emperor of the French, Louis Napoleon, succeeded in making a proposal which is to restore peace between Russia and Turkey and has also been accepted by both. Yet both parties still stand against each other in great bitterness.